Samstag, 5. Februar 2022

Impfen oder nicht?

 ein Thema schon damals..

 (2008)

Liebe Marlena

(...)

Gestern Abend spät, nachdem ich noch rasch meine Einkäufe beim Bahnhof gemacht hatte, schaute ich mir die Gesprächssendung am Schweizer Fernsehen an. Es ging um die Frage, ob man sich und unsere Kinder vor allem gegen Masern impfen sollte. Eine solch hitzige Diskussion habe ich lange nicht mehr gesehen. Man kann es sich kaum vorstellen. Und einer der hitzigsten war ein Professor der Immunologie, der notabene in Visp aufgewachsen war. Ich habe ihn damals zwar nicht persönlich gekannt. Aber ich weiss genau, wo er wohnte und seine jüngere Schwester war eine zeitlang ein ziemlich beachtetes Wesen. Er hat die Skeptiker der Impfung (Homöopathen und Antroposophen) schwer abgekanzelt. Ich würde sagen, er war absolut unhöflich. Das würde er vielleicht sogar bestätigen, weil, wie er begründen würde, die Sache so wichtig sei. Im Wesentlichen meint er, eine Impfung sei ein Akt der Solidarität. Man impft sich, um nicht andere Menschen anzustecken. Man impft, um nicht die Erreger in Südamerikanische Länder einzuschleppen, die die Krankheit mittlerweile im Griff hätten. Nichtimpfer sei eine elitäre kleine Gruppe von Selbstauserwählten, die sich das leisten können, weil alle andern die Imfpung auf sich nehmen.
Die Skeptiker sehen in der Krankheit mehr als bloss ein Übel. Sie haben aus eigenen Erfahrungen festgestellt, dass sich bei jungen Menschen mit den Masern ein echter Entwicklungsschub ergebe, dass sich eine solide Immunität erst mit Überwindung der Krankheit einstelle. Kurz und gut, die zwei Lager waren unversöhnlich. Aber es ist nicht so, dass ich jetzt anfange mich zu sorgen, ob ich mich impfen lassen soll oder nicht. 
 
Es hat geschneit letzte Nacht. Eine feine Schneedecke liegt auf den Wäldern rund um Liestal. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man annehmen, es sei November. Das Wetter macht, was es will. Aber im Moment ist es noch egal. Wichtig wird es um Ostern. Hoffentlich kommt bis da etwas Frühlingsstimmung auf. Wir haben im Sinn, ins Tessin zu fahren. Du weisst, das ist die Sonnenstube der Schweiz, wie man so sagt, vielleicht die älteren Menschen sagen. Peter und Norma haben uns eingeladen, bei ihnen zu wohnen. Ich hoffe, dass das alles klappen wird.

 

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