Mittwoch, 23. Dezember 2020

God Jul




 

God Jul




Weihnachtsgeschichte

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Stell Dir vor, Marlena, da kommt mir eine barbarische Weihnachts-Geschichte in den Sinn. Es war in der 4. Primarklasse, würde ich sagen.Ich hatte eben die Rolle als Joseph im Weihnachtsspiel erhalten und wusste noch nicht recht, ob das eine Auszeichnung oder eine Strafe sein sollte. So nebenbei hatte ich mitbekommen, dass ein dünnes und langes blondes Mädchen Maria spielen sollte. Aber ich habe nicht erkannt, was das wirklich bedeuten sollte. Erst um 12 Uhr, als wir über den Schulhof nach Hause zum Mittagessen schlenderten, versuchten andere Schüler mich (oder vielleicht uns) zu necken, weil wir doch nun Maria und Joseph, also ein Paar wären. Das war mir nun aber absolut peinlich, gegen meinen Willen verheiratet zu sein. Und demonstrativ stiess ich die arme Maria von mir, so dass sie gegen einen Zaun taumelte. Sie war sehr betrübt, weinte, wenn ich mich recht erinnere. Doch ich erinnere mich ebenso, dass sie nicht aus körperlichem Schmerz weinte,sondern wegen des Unrechts, das ihr geschehen war. Ich glaube, sie war sehr verwirrt, dass ich so reagiert hatte. In meinem Kopf wollte ich keine Maria an meiner Seite und ich hatte sie nicht gewählt. Aber ebenso war es auch nicht sie gewesen, die diese Konstellation geschaffen hatte. Das empfand sie wohl als brutale Ungerechtigkeit. Und recht hatte sie damit.
Wir haben dann, so muss ich annehmen, unseren Part im Weihnachtsspiel sehr unterkühlt und distanziert gespielt. Ich weiss noch, wie ich in der Kirche mit dem langen Bart in der Gegend herumgestanden habe, und wie der Lehrer der Oberstufenschüler mir deswegen zugezwinkert hatte. Aber ich war mir dessen kaum bewusst, dass ich einen solchen langen weissen Bart trug, und ich hatte wohl auch keinen Gedanken an meine Maria verschwendet. Ich glaube, sie musste eine Gummipuppe im Arm wiegen, eine Puppe, wie sie auch meine Schwester besass, mit einem kleinen Mundloch, so dass man ihr erst die Flasche geben konnte, um ihr nachher die nassen Windeln zu wechseln zu können. Mädchen fanden das damals herrlich. Mit einem solchen kleinen Ding und einem blauen Überwurf musste Maria mitten in der Kirche sitzen und mit langsamen Bewegungen zeigen, dass diese Guppipuppe sozusagen heilig war. Nicht alles, aber diese kleine Drink- und Piss-Puppe fand ich echt dämlich. Ich konnte mir schlichtweg nicht vorstellen, dass das Jesuskind das Getrunkene ohne irgend eine Zutat in die Hosen laufen liess. Ich meine, wie kann man sich bei einem heiligen Menschen so was Tierisches vorstellen? Das war doch irgendwie widerlich. Auch bei einem Jesus.
Aber ich glaube, wir haben die Szene dann irgendwie hinter uns gebracht. Ich hatte nicht viel zu sagen, ein oder zwei Sätze, entäuschend wenig, angesichts des langen Bartes, der mir beinahe bis zu den Schuhen reichte. So kam es, dass die Gruppe mit den Blockflöten anfing, Stille Nacht zu pipsen. Und so konnte ich wenigstens diesen pissenden Jesus etwas vergessen.
Soweit meine Joseph-Rolle. Überigens hatte ich immer gewusst, dass dieses Jesus- Puppen- Kind nicht von mir stammen konnte. Damit hatte ich einfach nichts gemein. Und dass der liebe Gott seine Hand im Spiel gehabt hatte, das wollte mir weder die Maria noch meine Lehrerin sagen. Sie haben mir das Wichtigste einfach verschwiegen, Malou! Ich bin praktisch hintergangen worden! Man hat mir ein pissendes Kind untergeschoben. Wenn Du weißt, was ich meine.
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Nun bin ich etwas vom Thema abgekommen. Das Thema war
Gewalt unter Jugendlichen. ...
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