Sonntag, 19. Mai 2019

Eine unvergessliche Schlossführung



Lieber ...

Ich hatte meinen Nachbarn versprochen als Dolmetscherin
amMidsommarfest auszuhelfen. Sie sind Volkstänzer und
haben eine Gruppe aus Deutschland eingeladen mit ihnen
das Midsommarfest zu feiern.

Die Sonne scheint noch immer aber ein paar grosse
Gewitterwolken stehen am Horizont. Hoffentlich bleibt
es schön, denn man feiert dieses Fest im Freien.
Ab 16.00 Uhr bin ich  mit den Tanzgruppen zusammen.
Es sind nette fröhliche Leute (insgesamt 55 Personen )

Morgen bin ich den ganzen Tag dabei.. Die schwedische
Tanzgruppe hat ein sehr schönes Program für die Gäste zusammengestellt.
Ich werde ein paar Bilder machen für dich..

---

Und nun der nächste Tag. 



  
Zuerst wollten wir mit einem Schiff zum Schloss fahren.
Aber leider regnete es zu viel und der erste Programmpunkt
wurde eingestellt. Um 10 Uhr fuhren wir los mit dem Bus in
die Residenzstadt. Als wir zum Schloss kamen , wo wir eine
deutsche Führung mit einem Guide erwarteten, sagte man
uns es hätte falsch in der Zeitung gestanden.
Keine Schlossführungen!

Nun taten mir die Leute herzlich leid. Ich dachte am
Mittsommertag (vormittag sogar) kriegt man keinen neuen
Guide. Also beschloss ich die Regierungspräsidenten, die
im Schloss wohnt, anzurufen. (Aus Erfahrungen weiss
ich dass man sich immer am besten an die höchste Person
wendet).
Erst wurde gelacht. So etwas kann man doch nicht tun :-)
Jemand reichte mir ein Handy, aber da wir ja ganz in der
Nähe des Schlosses waren klingelte ich einfach am Portal.
Eine Männerstimme antwortete (ihr Mann vielleicht) und
sagte dass sie nichts mit den Führungen zu tun hätten und
dass wir uns an eine andere Stelle wenden müssten, wo
man uns vielleicht helfen könnte. Ich war enttäuscht und
fragte ihn nach der Telefonnummer dorthin. Es war lange
still. Dann plötzlich kam eine Frauenstimme und sagte.
"Ich bin nicht richtig gekleidet aber ich komme runter".
So kam die Regierungspräsidentin selbst und nachdem
ich ihr die Situation erklärt hatte lud sie uns ein in ihre
Representationswohnung und machte uns dort eine
eigene Führung, erzählte über das Schloss aus dem
13. Jahrhundert und von seinen Einwohnern durch die
Jahrhunderte,  (auch von den Gespenstern die es dort
gibt ;-).

Vor allem erzählte sie uns auch lustige Episoden aus ihrer
eigenen Zeit im Schloss und alle waren mehr als begeistert.
Sie war eine sehr sympathische Frau. Es war ein Genuss zu
Dolmetschen, denn sie erzählte mit Humor und Witz so
dass alle dauernd sehr lachen mussten. Jemand fragte sie
u.a. ob sie mal diesen Engelbrekt gesehen hätte der mit
dem Kopf unterm Arm im Schloss herumgeistert. Sie
dachte ein wenig nach und sagte dann zögernd: Ich bin
nicht ganz sicher, denn es gehen so viele Männer hier mit
dem Kopf unterm Arm herum.
Sie erzählte auch von einem grossen Empfang. 350 Gäste,
fast nur Männer, aus allen europäischen Staaten sollten
vor dem Essen im Schloss mit einem Glas Champagner
empfangen werden. (Der Speisesaal hat nur Platz für 90
Personen). Sie dachte lange nach wie sie das ordnen sollte.
Da kam ihr eine Idee. Aus dem grossen Empfangszimmer
führt ein Weg durch ein Badezimmer hinaus in ein
Treppenhaus. Sie wollte also die Gäste nach und nach
 begrüssen, ihnen etwas anbieten und sie dann durch
dieses Badezimmer hinauslotsen. Aber so hohe Gäste
durch ein Badezimmer gehen lassen? Es war ein sehr
altes, wie es sich eben in einem alten Schloss gehört.

Und so machte sie es:
Ihre Freundin, eine Hofsängerin, legte sich in die
Badewanne (Schaumbad glaube ich). Rund um die
Badewanne standen hohe Kandelaber mit leuchtenden
Kerzen und der Rand war mit Blumen geschmückt.
Sie erzählte:
"Es war lustig zu sehen wie die Männer reagierten.
Die Nordeuropäer hielten den Atem an und wussten
nicht richtig wohin sie nun schauen sollten (als hätte
man sie bei was unanständigem ertappt) die Spanier
und Italiener dagegen wären am liebsten direkt in die
Badewanne gesprungen. Nach 45 Minuten nahm man
eine halb verrunzelte Freiherrin aus dem Wasser heraus."

Ich kann sie noch gut vor mir sehen alle die Volkstänzer
in ihren schönen Trachten und wie sie lachten und
vergnügt waren über diese schöne persönliche Führung.
Einige glaubten wir müssten uns seit früher kennen. Aber
so war es nicht. Und wir hatten Glück gehabt: sie hatten
den Midsommarafton irgendwo mit Freunden gefeiert
und waren nur jetzt am Morgen zu Hause vorbei-
gekommen um schnell zu duschen und sofort an ihre
Landstelle weiterzufahren. Wären wir etwas später
gekommen hätte niemand geantwortet.

Nachher haben wir alle im Freilichtsmuseum noch
einen guten Lunch gegessen und nach dem Essen
war es Zeit für den Auftritt der Tänzer und wie auf
ein Signal begann die Sonne zu scheinen und rettete
auch den Nachmittag.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen