Mittwoch, 5. Juli 2017
Re : Abschied
Ach, meine liebe Marlena
Du schreibst so innig und herzlich schön. Es macht mich fast etwas sprachlos, genau so, wie du es immer gesagt hast, dass es dir geschehe.(---)
Und heute? Ach Marlena, ich weiss, wie dieses Gefühl uns gegenseitig ausliefert und wie wir verletzbar werden. Du hast mich ja gehört kürzlich, wenn meine Gefühle etwas an die Wand projiziert und vergrössert werden. Es ist kaum mehr anzuhören. Aber die Gefühle machen auch stark und sie verzaubern als unsere Maladi die Welt, die wir erleben. Du hast mir wieder gezeigt, wie man das macht.
Ich bin Dir auch sehr dankbar, Marlena. Ich weiss, dass es für Dich oft auch ein bisschen ansrtrengend ist. Du weißt, dass ich ungeduldig werde. Und du gibst dir soviel Mühe, dass das Kamel sein Futter hat. Und daneben, das weiss ich doch, wirst du von allen in deiner Familie immer wieder gerufen. Sie brauchen dich sosehr. So bin ich ja manchmal fast eine Belastung für dich. Wie jemand, der zu Gast ist und für den man auch noch einige Arbeit tun muss.
Es ist jetzt nur ein halbes Jahr. Du fragst mich, wieviele Seiten denn unser Roman habe. Ich weiss es nicht. Es sind unendlich viele. Und warum a la recherche de l'avenir perdu, warum perdu? Warumg nicht gagné??? Oder noch besser gagnant? Das wäre doch ein Titel für unseren Roman: à la recherche de l'avenir gagnant!
Ja, sag mir mal, worin ich mich von Proust unterscheide. Vielleicht findest du noch einige Punkte, die ich nicht schon selbst gefunden habe. Ich hoffe doch nicht, dass ich so ein Sissi bin, auch wenn ich Rilke mag, der ja auch ein Softy war. Als Junge habe ich mich oft geniert, weil ich mehr geweint habe als mein jüngerer Bruder, oder weil ich Heimweh gehabt habe, während er nicht mit der Wimper zuckte. Ich hatte oft das Gefühl, dass ich ein bisschen zu weich sei. Aber das hat sich mit der Zeit gelegt. Und in den letzten Jahren bin ich fast ein bisschen hart geworden, habe ich jetzt den Eindruck. Jetzt nämlich, wo du mich wieder etwas aufgewärmt hast, meine liebe Marlena.
Ich danke Dir für deine lieben Worte. Ich werde sie aufbewahren. Das Schlüsselein ist ja ohnehin verloren, wie du weißt. Ich werde sie mit mir nehmen. Ich glaube, du bist nicht nur eine grosse, du bist eine grossartige Geliebte. Ich möchte diese letzte Nacht nahe bei dir sein. Das möchte ich am allerliebsten. Nichts weiter, es müsste nicht mehr sein. Nicht so, dass du am morgen halb unausgeschlafen die Reise antreten müsstest.
Also, so legen wir uns denn, meine grossartige, blutrote Geliebte und mein Mausschatz, für diese letzte Nacht. Und ich weiss, dass du ganz ausgeruht und frisch morgen die Reise beginnen kannst. Fährst du auch, dh. wechselt ihr euch ab? Das ist ja gut, dann kommt man schneller und sicherer voran.
Gott möge Euch alle behüten.
...
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen