Freitag, 30. September 2016

Für die liebe Patientin


Ämne: Für die liebe Patientin
Datum: den 19 oktober 13:06

Liebe Marlena
Ach ist das schön, wenn Du krank bist, dann hast Du ein wenig mehr Zeit um Mails zu schreiben. Die sind ja wirklich so lang wie lange nicht. Aber naktürlich ist es schade, dass Du wichtige Dinge verpasst, die Du später nachholen musst.
Ach ja, Mats, jetzt erinnere ich mich. Ich wusste, ich habe den Namen schon gehört. Dann dachte ich an Mats Wylander. Der konnte es ja nicht sein. Ach ja, Dein Mats. Ich bin sicher, er verehrt Dich. Das darf er auch und das tut Dir auch gut. Ich hatte auch den Eindruck, dass Du die paar Tage in Prag so gut genossen hast auch wegen ihm. Auf jeden Fall hast Du damals anders erzählt als später in Bratislava mit Deinhem Bodyguard. Und er lockt Dich ein bisschen, sagst Du. Weshalb probierst Du nicht, an die Uni zu wechseln. Wäre doch vom Alter her eine gute Sache!

Und dann schwärmst Du von unserem Alois. Ach, wenn Du von sowas schwärmst, wieso ist denn Dein Ehemann so völlig anders? Metallblau ist doch genau gegenüber auf der Farbskala?
Also mit unserem Alois hättest du ein anstrengendes Leben, respektive Du würdest wohl zuhause sitzen, während Du wartest, bis er endlich kommt, ohne zu wissen, ob er überhaupt noch kommt. Er hat soviele Freunde und Kollegen und Geschäftspartner und Dinge zu tun. Ich glaube, er ist sehr unruhig. Und in den letzten Jahren, so hat man mir erzählt, trinkt er etwas viel. Er konnte schon in jungen Jahren Unmengen hinuntergiessen. Aber heute hat er noch kaum abgegeben.
Nein, ich habe etwas Spass gemacht mit der Aufforderung, nichts zu erzählen. Ich hatte den Eindruck, dass es Dir nicht gut geht. Und meist erzählst Du ja nicht viel davon. Nur das habe ich gemeint.
*
Ja, ich glaube, in der Schweiz haben Jugendliche auch sehr oft Selbstmordgedanken. Wir sind da wohl sehr in der Nähe Schwedens. Ich glaube, es ist schon unser Lebensstil. Früher hatten die Menschen viele Ziele im Leben, was sie erreichen wollten. Meist waren es materielle Dinge, ein Haus, ein Auto, eine gute Erziehung und Bildung für die Kinder. Und heute hat man das alles. Was kann man noch wollen, wenn man alles wollen kann. Das heisst, früher waren es Mittelkrisen, an denen die Menschen litten, und heute sind es Zielkrisen, das heisst Sinnkrisen. Wenn man zuwenig zu essen hat, weiss man, was man im Leben zu tun hat. Aber was soll man tun, wenn man praktisch alles hat? Ich glaube, das ist der Hauptfaktor, der Wohlstand eigentlich.
Man kann ja auch beobachten, dass viele tüchtige Leute, die Karriere machen, aus eher bescheidenen Verhältnissen kommen. Sie sind natürlich hoch motiviert und haben ehrgeizige Lebensziele, während diejenigen, die eine leichte Jugend gehabt haben, niemals soviel Energie und Zielfestigkeit, man kann auch sagen Borniertheit aufbringen können. Man sieht es in der Politik, in der Wirtschaft. Ich glaube es ist ziemlich häufig.
*
Ach, mir ist nochmals Dein Kollege in den Sinn gekommen, der Deine Klasse so schlecht unterrichtet. Weshalb kannst Du nicht die Schulaufsicht zu ihm schicken. Es gibt doch irgendwie ein Inspektorat, das die Schule zu beaufsichtigen hat. Man muss es ja nicht als Kritik formulieren, sondern als Hilfe. Es soll ihm geholfen werden, damit er bei seiner Klasse nicht unter die Räder kommt, wenn die Schüler so unzufrieden sind. Oder man soll ihm einen erfahrenen Lehrer beigeben, der ihm hilft, seinen Standard zu verbessern. Man kann doch annehmen, dass der Lehrer auch darunter leidet. Der merkt doch auch, dass etwas nicht rund läuft. Ich finde, die Lehrer haben die Pflicht, sich gegenseitig zu helfen. Und wenn das auch heisst, dass ein schwacher Lehrer weg kommt oder sein Pensum reduziert oder was immer.
*
Ich beneide Dich, Marlena, dass Du zuhause herumsitzen kannst, während wir hier bei Regenwetter und tropfender Nase ins Büro müssen. So, nun habe ich es doch noch gesagt, nicht wahr. Aber ein bisschen meine ich es auch.
Doch ich wünsche Dir eine rasche und gute Besserung. Das wünsche ich Dir mit meiner Liebe und einem geblasenen Kuss (wegen der Viren, die ich auch haben könnte, denn ich Huste ziemlich stark)
MMM
...

Ämne: Heissen Preiselbeeren, mit einem "S"
Datum: den 19 oktober 17:59


Liebste
ich will Dir doch kein allerschlimmstes Deutsch beibringen.
Entschuldige mich.
KkkKKkkKKkkKK
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