Dienstag, 27. Oktober 2026

Re: begeistert von ..


Istanbul

Lieber ...

Ja, ich kenne deine Begeisterung über die Türken. Und Istanbul ist eine wunderschöne und interessante Stadt, die sehr wohl eine Reise wert ist. Auch K hat enthusiastisch über die Leute dort gesprochen, doch ich habe mir damals nichts besonderes dabei gedacht, denn sie, d.h. er und seine Gruppe, werden immer sehr gut behandelt auf ihren Reisezielen. Doch wenn ich jetzt zurückdenke, erinnere ich mich, dass er sehr die Bedienung gelobt hat und die Freundlichkeit aller Menschen. die ihnen begegnet sind.  Ich erinnere mich an das Jahr, weil Anna und ich auf Cypern waren und als wir am späten Abend über Istanbul geflogen sind, haben wir hinunter geschaut auf die vielen Lichter und gedacht, dass K nun irgendwo dort unten ist. Damals, glaube ich, hatte man auch die Leute vor Reisen in die Türkei gewarnt (erinnere mich nicht mehr an den Grund) und die Schweden glaubten, dass sie deswegen so geschätzt wurden, weil sie sich nicht um das Verbot gekümmert hatten.

Wie du sagst, der Charme der Südländer, gemischt mit der Ehrlichkeit eines Nordeuropäers (falls es sowas noch gibt), muss doch irgendwie ideal sein. Und du meinst es gefunden zu haben. Ich glaube, ich muss auch einmal dorthin fahren.

...

Montag, 26. Oktober 2026

.. begeistert von den Türken


Liebe Marlena

(---)

Gestern war ich kurz bei Walter am Weekly. Ich dachte, ich könne ihn nicht nochmals sitzen lassen, nachdem ich schon die letzte Woche verschlafen habe. Aber es war wirklich kurz, eine gute Stunden sassen wir in seiner Bibliothek und diskutierten die türkische Kultur. Habe ich Dir schon erzählt, wie begeistert ich von den Türken bin. Sie sind wirklich tüchtig, wohlerzogen, speditiv, praktisch und haben Charme. Echt toll! In NY war eine Türkin im Kurs, die in NY lebt. Auch sie hat mir echt imponiert, eine hübsche Frau, gut gekleidet mit wunderbar balancierten Umgangsformen. Fast schon wie eine Perserin. Aber - wie sie mir erzählt hat - ist oder war ihr Vater Chirurg. Sie kommt also von einer gutsituierten Familie. Und ich hätte nie gedacht, dass mich auch die einfachen Leute in der Türkei beeindrucken würden. Aber sie haben mich wirklich. Und nicht nur die Frauen, sehr wohl auch die Männer. Ich glaube, ich muss mal Instabul besuchen. Das scheint eine wundervolle Stadt zu sein. Und weisst Du was, sie passen zu den Deutschen, die Türken. Sie passen wundervoll zusammen. Beide sind pflichtbewusst, exakt. Die Deutschen sind gleichzeitig etwas nüchtern und kühl, manchmal protzig. Die Türken sind fein, elastisch und können sich gut einschmeicheln. Aber das Grundgerüst ist ziemlich ähnlich, wie mir scheint.
*
Und so mache ich mich langsam dran, mich auf die Sitzung vorzubereiten. Während andere ihre Aktenmappen füllen, fülle ich meine Hosensäcke. Mit Papiernastüchern natürlich.
Mit lieben Grüssen ..,

A propos: Deine Schläfen-Küsse lassen mich wirklich alt ausschauen, schon fast ein bisschen tatterig. Du weisst doch, was tatterig ist? Kleine Schritte, wackeliger Gang, zitterige Hand, Spuke, die aus den Mundecken quellt, kleiner Tropf an der Nasenspitze ... na ja, und so weiter. Eben tatterig!

...und echten saftigen Küssen

...



Freitag, 23. Oktober 2026

Warum nicht?

 (R)

 


Lieber ,,,

(---) 

Was ich eigentlich sagen wollte: Ich habe eine wunderschöne persönliche Reiseschilderung über Rom gefunden mit dem Titel "Du und ich in Rom", von Sigge Hommerberg geschrieben. Es ist ein Buch für Leute, die eine Romreise planen, die gerade dort gewesen sind, oder die sich dorthin sehnen. Vielleicht gehöre ich in alle drei Kategorien. Einmal möchte ich dorthin fahren, mit dir bin ich (leider nur in Gedanken) dort gewesen, und schliesslich meine lebenslängliche Sehnsucht nach dieser Stadt.
Sigge Holmberg besitzt gute kunsthistorische und auch archeologische Kenntnisse. Ausserdem ist er sehr gastronomisch interessiert. Das Buch gibt praktische Tips nicht zuletzt über Essen und Wein. Zwanzig Spaziergänge unter Führung mit Kartenskizzen zu jedem Kapitel. Und schliesslich ein kleines Nachschlagewerk über andere Sehenswürdigkeiten und die Adressen zu den beliebtesten Restaurants und Trattorien des Schriftstellers.

Was sagst du dazu? Ich wünsche das Buch wäre in andere Sprachen übersetzt. Muss mal bei google nachsehen, ob es so ist. Und weisst du, das "DU" in dem Titel des Buches bist immer noch du, chéri. Klar musst du nochmals dorthin. Hast doch den Vatikan verpasst. Ich würde so gern auf Entdeckungsfahrt gehen mit dir in dieser romantischen Stadt. Deine vorige Reise war doch nur eine Rekognozierungsreise, um die Zeit dann später besser ausnützen zu können. ;-)

Ich schicke dir ein kleines Bild mit aus dem Buch, ein Aquarell von Franz Roesler, vor mehr als hundert Jahren gemalt. Es zeigt die Via dei Cappelari (Strasse der Hutmacher). Und es sagt, so ungefähr sieht es heute noch aus. Sogar die Wäsche hängt noch dort. ;-)

Ich sehe gerade, dass du mir einen Artikel geschickt hast. Bin neugierig darauf. Ja, Gunnar Ekelöf ist einer unserer grossen Dichter.
So lasse dich einen Moment.
Wünsche dir einen schönen Tag noch,
MlGuK

Malou



 

Der schwedische Dichter Gunnar Ekelöf

 

 



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Diesen Artikel aus NZZ Online, der Website der Neuen Zürcher Zeitung,
sendet Ihnen ...er.priv@gmail.com
mit der Mitteilung:
schönen Gruss
...
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Die Leere zwischen den Dingen

Strahlend und strömend - der schwedische Dichter Gunnar Ekelöf


Die letzten Fotografien zeigen ihn meist im Schlafrock. Ein schmaler Herr mit schwarzer Mütze, der sich in seinem Sessel durch einen Bildband blättert. Zwischen all den Decken und Kissen ist das hagere Gesicht kaum zu sehen, nur das Licht gibt Nase und Stirn ein wenig Kontur. Ein Schmerzensmann, ein Asket, so scheint es, der erlebt, von was die Gedichte sprechen: «Viel ist nicht / von mir übrig . . . / Ich habe kein Gefühl mehr für mein Ich, mein Gewicht / Ich verliere den Halt, ich schwebe hinaus / Ich werde allmählich unsichtbar.»
Auch wenn er über die Kunst des Verschwindens schrieb, hielt sich der schwedische Dichter Gunnar Ekelöf stets an die Wahrnehmung und an das Körperliche des Lebens, an jenen «Sinnengenuss», der für ihn zu jeder echten Literatur gehörte. Die Fülle der «Farben und Formen» war ihm Fluchtpunkt seines Schreibens, sie machte es ihm erst möglich, das Gedicht als «Magie und Beschwörung» zu verstehen, als einen Weg, das Sichtbare nach und nach zu übersteigen. «Du siehst, und sehend spürst du / wie sich alles zu Asche verwandelt / wie der Blick sich verwandelt / und aufhört zu sein / gleichwohl aber bleibt -», heisst es in einem der späten Werke.


DIE ERFAHRUNG DER SCHWEBE
Die Texte dieses grossen Dichters, die Gedichte ebenso wie die Essays, die Briefe oder die schmalen Prosastücke, entwickeln sich allesamt jenseits eines Denkens in blossen Gegensätzen. Dem «sterilen Reich» aus Licht und Schatten, Gut und Böse, Wirklichkeit und Traum hält Gunnar Ekelöf die Erfahrung der Schwebe vor, tastet sich vorwärts an Fluchtlinien und Konturen oder gibt sich in den Zwischenräumen der Wörter zu erkennen. Hier entpuppt sich das feste Ich als Chimäre und die Wirklichkeit als etwas durchweg Flüssiges. Diese «dritte Seite des Lebens» ist keineswegs mit naivem Einheitsdenken oder einer Art Natürlichkeit zu verwechseln. Vielmehr hat der ungerade, «einsame Mensch» die dualistische Welt des Rationalismus bereits durchwandert und setzt bewusst auf das Unbestimmte, Unvermessene, «jenseits aller Wahrheiten und Lügen».
So anspruchsvoll diese philosophischen Überlegungen auch klingen mögen - Gunnar Ekelöfs Gedichte sind doch angenehm frei von allen überdehnten Begriffen. In seinen leicht gebauten Versen versetzt er die Sprache in jene Schwingung, die er selbst einmal als «Radioaktivität» bezeichnet hat, als eine Strahlung, die sich erst nach Jahrhunderten, vielleicht Jahrtausenden abschwächt: «Diese Radiowellen hat das Gedicht weniger durch den Inhalt erhalten als durch das Spannungsverhältnis zwischen den Wörtern, die den Inhalt ausmachen, durch die Fähigkeit des Dichters, die Wörter und Bedeutungen in ein solches Reibungs- und Nuancierungsverhältnis zueinander zu setzen, dass die Leere weiter nachbebt, lebt, ausschlägt, ‹sendet›, eine Art von magnetischem Gewebe aus unsichtbaren Fäden, Kraftlinien, die sich gegenseitig anziehen oder abstossen.»
Die Leere zwischen den Dingen, seinen «Singsang vom anderen» hat Gunnar Ekelöf immer wieder in grossen Meeresbildern oder Ausflügen in karge Landschaften ausgebreitet. Am Grunde vieler Gedichte wird die schwedische Natur mit ihrer stets gleichen Folge von Hochwäldern und Tundra erahnbar. Und so wie dort die monotone Dünung der Telegrafenmasten im Vorbeifahren sinkt und steigt, sinkt und steigt, so schneiden auch die Verse den Strom des Lebens immer wieder in handliche Augenblicksbilder. Doch nicht nur in seiner Heimat konnte der 1907 geborene Ekelöf die Bekanntschaft mit den elementaren Formen der Landschaft machen. Schon in jungen Jahren nimmt ihn die Mutter mit auf Reisen, wie überhaupt das Leben jener Zeit einer unruhigen Wanderschaft gleicht: 1911 geht es nach Deutschland und in die Schweiz, einige Jahre später sind die beiden in Frankreich unterwegs.


IM KINDERHEIM
Dazwischen liegt der Tod des Vaters, der seinen Beruf als Bankier wegen einer «geheimen Krankheit» vorzeitig aufgeben musste. In der äusserst detailgenauen Prosaskizze «Eine Photographie» beschreibt ihn Ekelöf als «lebenden Leichnam», der in seinem Sessel zwischen Stapeln von Polstern und Decken vegetiert. Ebenso prägend für Ekelöf dürften die Aufenthalte in Heimen gewesen sein, auch wenn sie im Rückblick zunächst ihre hellen Seiten offenbaren: «Ich meinerseits wurde häufig in Kinderheime verschickt, wo es mir rein materiell nie schlecht erging. Im übrigen ist es durchaus so, dass die Kindheit, selbst die schutzloseste und schmerzlichste, stets genügend lichte Erinnerungen aufweist, denn man braucht ja so wenig: eine sonnige Lichtung, unbekannte Blumen und Tiere, das Land, das Vergnügen am Badestrand können die Fremdheit rasch überdecken.» Die nächtliche Einsamkeit mit mancherlei angsteinflössenden Bildern lässt sich gleichwohl nicht verleugnen, ebenso wenig die bohrende Seh!
nsucht nach Briefen oder einem Lebenszeichen.
Trotz diesem «Kindheitstrauma», wie Ekelöf es in einer autobiografischen Notiz nicht ohne Koketterie nennt, findet er seinen eigenen Weg, der ihn zunächst nach London und Uppsala führt. Die Studien in Orientalistik und Persisch bricht er bald schon wieder ab, beschäftigt sich aber weiterhin mit östlichen Weisheitslehren und islamischer Dichtung. Überhaupt sind es die Erfahrungsweisen der Mystik, die ihn nachhaltig beeindrucken. Dazu kommen die somnambulen Nachtbilder der Romantik und jener Surrealismus, den er während seiner Zeit in Paris Ende der zwanziger Jahre kennen lernt. Mit dem geplanten Musikstudium will es nicht recht klappen - «ich hatte das Pech, in eine Wohnung mit papierenen Wänden zu geraten, in der ich der Nachbarn wegen nicht wagte, ein Instrument zu spielen». Auch verliert er seinen Anteil des familiären Vermögens im Wirrwarr der Weltwirtschaftskrise. Unterkriegen lässt sich Ekelöf freilich nicht. Zurück in Schweden, gründet er eine avantgardistische Zeitsch!
rift und arbeitet an den eigenen Gedichten. Sein lyrischer Erstling «spät auf erden» erscheint 1932.
Als Dichter ist Gunnar Ekelöf erst recht spät bei uns angekommen. Hans Magnus Enzensberger hatte einige Gedichte in sein «Museum der modernen Poesie» aufgenommen, ehe Nelly Sachs 1962 unter dem schlichten Titel «Poesie» eine kleine Auswahl bei Suhrkamp herausbrachte. Seit 1991 arbeitet man beim Kleinheinrich-Verlag in Münster an einer bibliophilen Werkausgabe, deren Übertragungen von Klaus-Jürgen Liedtke besorgt werden, einige wenige auch in Zusammenarbeit mit Manfred Peter Hein. Bisweilen hat Liedtke die Ruppigkeit der Verse im Deutschen allzu sehr abgemildert, seine Übersetzungen überzeugen aber dank der grossen rhythmischen Kraft. Mit dem Erscheinen der letzten beiden Bände ist die Edition nun vollständig.
Von Beginn an als zweisprachige Leseausgabe konzipiert, lässt sich über Auswahl und Anordnung naturgemäss streiten. Vielleicht hätte man auf das eine oder andere von Ekelöfs Nonsens- Gedichten verzichten können, vielleicht der berühmten «Mölna-Elegie» mit ihren vielen Flüsterstimmen ein wenig mehr Platz einräumen müssen. Auf jeden Fall hätte eine Ausweitung des Kommentarteils nicht geschadet. Die bei aller Kürze doch kundigen Nachworte des Ekelöf-Forschers Anders Olsson sind einzig um eine Handvoll Anmerkungen ergänzt, die meist noch vom Dichter selbst stammen. Bei einem derart belesenen Autor wie Gunnar Ekelöf, der sich auch in den Sprachwelten von Comics bestens auskannte, reicht das nicht immer aus.
Umso raffinierter scheint die Gesamtstruktur der sieben Bände, die sich vom grossen Spätwerk, der mystisch durchströmten «Akrit»-Trilogie, hin zu den ersten Lyrikbüchern zieht. Dazu gibt es einen eigenen Band mit Essays, Skizzen und Briefen, der zeigt, wie genau Gunnar Ekelöf auch das Prosafach beherrschte, die Kunst vor allem, Gedanken über das eigene Schreiben in kleine Szenen und Schilderungen einzulagern. So kann man sich als Leser zurückarbeiten zu den Anfängen des Werks - dem Spiegelpoeten Ekelöf hätte diese Verkehrung der gewohnten Ordnung gewiss gefallen. Am Ende der Ausgabe stehen die Texte aus dem Nachlass und jene Gelegenheitsgedichte, die Ekelöf in Zeitschriften oder Tageszeitungen veröffentlichte; sie sicherten ihm lange Zeit gemeinsam mit Rezensionen und Stipendien ein Auskommen.
Es ist ein weiter Weg, der nach mehr als einem Dutzend Gedichtbänden im reifen Triptychon des Akrit-Zyklus mündet. Gleichwohl werden schon früh einige bleibende Motive in den Windungen der Ekelöfschen Verse erkennbar. In seinem Début «spät auf erden» versucht sich der Dichter noch als lyrischer Wanderer, der die «buchstabennissen zwischen den zähnen knackt». Fast im gleichen Atemzug sieht er sich aber als «blinder Sänger», der zwischen allerlei Erinnerungen jene «grosse Gebärerin Nacht» erwähnt, die im Spätwerk so strahlende Bedeutung gewinnen wird. Hier entwirft Ekelöf das Bild einer gütigen, allmächtigen weiblichen Gestalt, die einmal als Jungfrau, einmal als Mutter erscheint. Ihre Anrufung verspricht die ersehnte Einheit der «dritten Seite des Lebens», eine mystische unio. Die Suche nach «Nicht-Begierde», nach einem «anderen Licht» ist nicht in einem weltfremden Jenseits angesiedelt. Mit Paradoxien, Fragen und überaus sinnlichen Bildern beschwören Ekelöfs Gedichte ein ums!
andere Mal das, was er «Lebensekstase» nennt: «In meine Seele / grubst Du die Spuren / kleiner Füsse, kleiner Zehen / wie in den feuchten Sand / eines Strands.»


HÖLLENBILDER UND MEERESSTÜCKE
Zu den motivischen Spuren, die sich schon in den frühen Gedichtsammlungen entdecken lassen, gehören neben zahllosen Höllenbildern vor allem die Augen, das genaue Sehen, das nach und nach in den gnostischen Blick übergeht. «Gib mir die Augen der Sepien / die sanften nach innen blickenden / als hörten sie Musik», heisst es 1941 in einem der vielen Meeresstücke dieser Zeit, die einen schön schwingenden Freivers kultivieren. So ist der Lyrikband «Fährgesang» tatsächlich die Überfahrt in die Welt einer anderen poetischen Wahrnehmung, in die des «einsamen Menschen». Dort angekommen, versucht sich Ekelöf auch in der leichteren Kunst von Unfug-Gedichten, wobei er seine poetische Linie nie aus den Augen verliert: «Wenn man es soweit gebracht hat wie ich in der Sinnlosigkeit / wird jedes Wort erneut interessant: / Fundstücke im Erdreich / die man mit archäologischem Spaten wendet.»
Als man Gunnar Ekelöf 1966, zwei Jahre vor seinem Tod, den Literaturpreis des Nordischen Rates verlieh, konnte er wegen Krankheit schon nicht mehr anreisen. In einer verlesenen Dankesrede lässt er seine späten Werke vor den Augen und Ohren der Zuhörer noch einmal aufleben - doch der resignative Grundton dieser Zeilen ist überdeutlich. Die Strahlung seiner Verse indes wird noch lange spürbar sein, sie mag nun Radiowellen gleichen oder der Strömung eines Ozeanriesen, der weit draussen vorüberzieht: «Und wir wissen nichts von ihm / ehe die Bugwelle uns am Ufer erreicht, / erst die eine, und noch eine und immer mehr / die anbranden, sich brechen, bis alles geglättet ist / wieder wie vorher. - Und doch ist alles verändert.»


Gunnar Ekelöf: Färjesng/Fährgesang. Gedichte 1932 bis 1951. Schwedisch - deutsch. Ausgewählt und übersetzt von Klaus-Jürgen Liedtke. Kleinheinrich-Verlag, Münster 2004. 317 S., Fr. 54.25.
Gunnar Ekelöf: En trasig liten ask av trä / Ein zerbrochenes Kästchen aus Holz. Gedichte aus dem Nachlass. Verstreute Gedichte. Schwedisch - deutsch. Ausgewählt, übersetzt und mit einem Nachwort von Klaus-Jürgen Liedtke. Kleinheinrich-Verlag, Münster 2004. 293 S., Fr. 54.25.

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Mittwoch, 21. Oktober 2026

Re: Schneeeee!!!! immer noch

 

den 22 oktober  09:09
Re: Schneeeee!!!! immer noch

Liebe Marlena

Ich nehme mir die Freiheit, ein kurzes Mail zu schreiben. Das kann ich, weil ich heute morgen den Kurs schwänze. Du weisst sicherlich, was "schwänzen" heisst. Die Schüler verstehen sich darauf vortrefflich. Ich muss meine Sparübung noch zu Papier bringen, und dazu brauche ich etwas Zeit. So kommst Du in Genuss eines Mails, das Du eigentlich nicht bekommen kannst, weil ich heute gar nicht im Büro bin. Siehst Du, so virtuell ist auch das RL geworden. Es gibt Dinge, die gibt es gar nicht.

Schnee. Ich kann ihn mir noch nicht vorstellen. Es ist wirklich noch etwas früh, sich mit einem Buch in die warme Stube zurückzuziehen und der Welt den Rücken zu kehren. Aber das ist auch sehr schön. Es ist eigentlich wunderbar. In unserer alten Wohnung hatten wir einen uralten grossen Holzofen. Darauf konnte man sitzen und sich den Hintern versengen, wenn man gerade dran war, Brot zu backen. Wunderbar! Heute ziehe ich mich wirklich in meinen Sessel zurück, einen Ohrensessel aus Leder, englisches Modell, musst Du wissen. Sehr chique (schreibt sich das so?) und sehr introvertiert. Eigentlich fehlte nur noch ein Jagdhund, der einem zu Füssen liegt, um die englische Atmosphäre voll zu machen.

Na ja, was ist der Mensch? In meinem Studium war ich ganz wild darauf, das herauszubekommen. Deshalb behaupte ich auch, ich hätte eine der interessantesten Studienrichtungen gewählt. Als Job ist es dann nicht mehr immer so spannend.

Der Mensch ist eine merkwürdige Affenart, der seine ganze darwinistische Vergangenheit in sich trägt und im Wesentlich aus Sternenstaub zusammengeklebt ist. Ein Prototyp! Eine Wundermischung! Eine Fehlkonstruktion? Und es gibt darunter ein paar ganz wunderbare Exemplare, wie Dich zum Beispiel, oder wie ein paar andere Bekannte. Den Rest könnte man getrost zurück in die afrikanische Savanne schicken. Man muss ja annehmen, dass der Mensch ursprünglich dunkelhäutig gewesen sein muss. Ich kann mir gar nicht richtig vorstellen, wie sie bei Dir die Vollbleichung angestellt haben. Aber auf jeden Fall haben sie es hingekriegt. Man könnte dann ja fast sagen, die Blonden dieser Welt seien evolutionsmässig weiter als die schwarzhaarigen, und noch weiter als die wirklich Schwarzen. Na ja, wir wollen kein Wettrennen veranstalten.

Der Mensch ist nur so wunderbar, weil wir, die wir ihn beurteilen, auch Menschen sind. Wir sind sozusagen von derselben Partei. Ich kann mir eine Konferenz der Tiere vorstellen, die heftigst gegen diese menschlichen Ungeheuer höhnt und sie zum Erbfeind erklärt. Aber wir Menschen sind naiv, wir merken das alles nicht, sitzen gemütlich in einem englischen Ohrensessel und lesen Zeitung, während Armeen von Tieren sich aufrüsten, um sich für den Endkampf vorzubereiten.

Ich habe in den Ferien am Strand von Side ein Buch von Tom Wolfe gelesen. Vielleicht kennst Du dieses amerikanische Grossmaul? Er hat zwei Bestseller geschrieben: "Im Fegfeuer der Eitelkeiten" sowie "Ein ganzer Kerl". Ich habe nur das erste gelesen. Und jetzt eben dieses neue Büchlein, das eine Sammlung von kleineren Texten zusammenfasst. Der Kerl findet, dass mit der Computerisierung und mit dem Internet ein neuer Abschnitt der Weltgeschichte begonnen habe. Er zitiert sogar Teilhard de Chardin, was mich sehr erstaunt hat, und meint, der hätte mit seinem Begriff der Noosphäre die Verkabelung und Vernetzung, die Globalisierung mittels Elektronik vorausgesagt. Solch ein Unsinn. Meines Erachtens meinte Teilhard mit Noosphäre die Spiritualität des Menschen als eine neue Qualität der Schöpfung. Eine solche Behauptung über Teilhard ist echter Unsinn und mehr oder weniger Wortakrobatik. Wolfe meint auch, die Amerikaner seien an der Spitze der Entwicklung und die Herren der Welt, sozusagen. Ist doch alles dummes Geschwätz, wirklich dumm und einfältig, effekthascherisch und auf Verkaufszahlen aus, aber - leider - ziemlich gut geschrieben. Es ist unterhaltsam zu lesen, besonders an einem heissen Strand im Süden der Türkei, wo einem die fettleibigen .. Elefantinnen und Elefanten vor der Nase tanzen und sich im Sonnenlicht aufblasen, um ihre hemmungslosen Dimensionen zu rösten.

Was ist der Mensch?

Das ist wirklich eine gute Frage. Mit 20 hätte ich Dir eine Antwort geben können.

Vielleicht nächstes Mal.

Mit lieben grüssen
...

Dienstag, 20. Oktober 2026

Oktober


Ämne:  Schneeeee!!!!
Datum: den 21 oktober 

Lieber ..,
Ich merke, dass du dich geärgert hast und glaub mir, ich verstehe dich. Eine Menge Psychologen auf einmal muss eine Prüfung sein, schon diese 13 Lehrer gestern Abend waren ein Grenzfall für was man ertragen kann. Und wenn jeder dann seinen klugen Mund öffnet, und man dabei die Absicht merkt.. na ja, dann wird man verstimmt.

Aber natürlich müssen deine jüngeren Kollegen Ausschau halten nach Katastrophen. Sie leben ja davon. Und gäbe es keine, so würden sie glatt welche erfinden. ;-) Ich denke dabei an den Zahnarzt einer meiner Bekannten, den wir stark verdächtigt haben, Löcher zu bohren, wenn er keine gefunden hat.

Ach, du beneidest uns Lehrer wegen der Arbeitszeiten? Das solltest du nicht tun. Jedenfalls nicht mit den Schwedischen. Wir sind wirklich vollzeitbeschäftigt. In Deutschland arbeiten sie ja nur den halben Tag und in Frankreich fast nur das halbe Jahr. Aber ich glaube nicht die Zeit, sondern die Tatsache, dass wir fast alle Schüler auf dem Gymnasium haben, macht die Arbeit so schwer. Man muss immerzu Arbeitsmaterial konstruieren, weil die Lehrbücher immer noch für homogene Gruppen geschrieben sind.
Ach, ich langweile dich und auch mich selbst mit diesen Dingen.

Gestern habe ich dir (in dem verlorenen Mail) erzählt, dass ich einen Film über den Meisterfotografen Lennart Nilsson gesehen habe. Du weisst sicher wen ich meine, denn er ist weltberühmt. Diesmal ging es nicht um die Entstehung des Lebens sondern um verschiedene Krankheitskeime u.a. Poliovirus, Aids- und Sarsvirus, die er mit mehreren millionen Vergrösserung fotografiert hat. Er hilft damit den Forschern sehr.

Ab und zu sehe ich mir eine Serie an mit dem Titel "Was ist ein Mensch?" Jedesmal wird ein Wissenschaftler oder eine ähnliche Person eine Stunde lang interviewt. Einmal ein Biologe, das nächste Mal ein Theologe.. Es ist sehr interessant zu hören, was uns ihrer Ansicht nach so speziell macht und von den anderen Lebewesen unterscheidet. Was würdest du wohl sagen?
*
Ja, es war wirklich weiss draussen heute morgen. Ganz entgeistert habe ich das durchs Fenster entdeckt. Sogar die Birken, die noch grünes Laub tragen, waren ganz weiss. Und der Schnee ist  an vielen Stellen den ganzen Tag liegen geblieben. Ich meine, der erste schmilzt ja meistens schnell wieder dahin. So muss ich mir meine Spikesreifen anmontieren lassen, sonst wage ich nicht Anna am Wochenende mit dem Auto heimzubringen.

Morgen kommt meine Kleine und ich freue mich schon. Ich werde jetzt noch ein wenig aufräumen, damit sie sich wohl fühlt. Sie hat heute von 8.00 bis 18.00 Uhr Prüfungen geschrieben mit nur einer Stunde Lunchpause. Verstehe nicht, wie sie das aushält. Na ja, die jungen Leute haben viel Ausdauer. Hatte ich auch in jungen Jahren, wenn ich zurückdenke.

Und du? Musst du dich nochmals einen Tag mit der jungen Garde abgeben? Mach es wie ich. Studiere sie. Es ist oft eine Show von menschlichen Schwächen, die da über die Bühne geht. Etwas deprimierend anzusehen, aber der schlechte Nachgeschmack ist meistens gemischt mit einem Gefühl von der eigenen Vortrefflichkeit... ;-)))
*
Was tust du nun? Sitzt du in deinem Lieblingsfauteuil und schlummerst vor einem Fernsehprogramm oder liegst du sogar und schläfst? Ich werde das RL anfassen. Es wartet schon auf mich.

So grüsse ich dich lieb.
À bientôt j'espère. Je t'embrasse, mon chéri,
Marlena

Samstag, 17. Oktober 2026

Dampfbügeleisen und Paris

 

date   27 September  21:06
subject  Nostalgieabend


Lieber Mausfreund,
Ich habe dein Bügelmail nochmals gelesen.. wollte ein Bisschen lachen.. ;-) Und nun habe ich ein paar Kommentare dazu. 10 Hemden in 90 Minuten, das ist wirklich nicht schlecht. D.h. wenn es so richtige Hemden sind, wie sie die Herren hier auch früher trugen. Aber sag, warum musst du sie vorher feucht machen? Hast du denn kein Dampfbügeleisen? Und dann nachher faltest du sie zusammen. Ist es weil du sie einpacken willst? Ich hänge K's Hemden immer auf einen Kleiderbügel. Dann bleiben sie garantiert knitterfrei. Übrigens tragen die Männer hier kaum mehr diese eleganten Hemden zu denen ein Schlips gehört. K trägt fast immer weiche Hemden z.B. aus Piké. Die sind auch ganz einfach zu bügeln und außerdem mit kurzem Ärmel. Also keine Manschetten. Er ist sehr für Bequemlichkeit und auch als er noch im Beruf war eine Art Trendsetter. ;-) D.h. wenn er sich traute gegen Regel zu vestossen und zu tragen was er wollte so machten es ihm die anderen auch bald nach.
Nein, so ein Riese wie du glaubst ist K nicht. Etwas über 1.80 glaube ich. Er sieht auf dem Bild nur gross aus neben G, der eher klein ist. Doch G kompensiert seine geringe Körpergröße mit einem starken Ego. *smile*

Morgen wird sich S nach den Flugkarten erkundigen. Es wird langsam spannend. Ich habe Paris so lange nicht mehr besucht.Habe doch nicht einmal die modernen Viertel auf der anderen Seite des Arc de Triomphe gesehen. Doch ich werde an dich denken. Denn sogar Paris ist mit dir verbunden. Erinnerst du dich an deinen Aprilscherz von Anno dazumal?
So werde ich, wenn ich die Champs-Elysées hinunterschreite wahrscheinlich zu meinen Knien hinunter gucken um zu sehen ob du an meiner Seite gehst.
Lieb von dir, wenn du sagst "du entgehst mir nicht". Nein, du weisst es sehr wohl, du wirst mich immer haben.. so lange du willst. Aber ich weiss nicht ob ich so grosse Treue von dir erhoffen kann.
Morgen fahre ich zu Anna mit Äpfeln, Brot und ein paar eingefrorenen Speisen. Es ist schön, diese Möglichkeit zu haben dem Alltag zu entfliehen und ein wenig Abwechslung zu finden.

Nun lasse ich dich für heute.
Wünsche dir alles Gute.
MlGuK
Malou

Grösse X Länge = Volumen