Sonntag, 13. September 2026

Uhrzeit und Ereigniszeit


Liebe Marlena

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Ich beschäftige mich zur Zeit mit interkulturellen Fragen. Das ist ein interessantes Komplex, und natürlich bin ich davon auch persönlich betroffen, indem bei uns der Bosporus mitten durch die Wohnung verläuft. Ein wichtiger kultureller Faktor ist der Umgang mit der Zeit. Die Orientalen leben im wesentlichen nach der Ereigniszeit. Eine Versammlung beginnt, wenn alle da sind, und endet, wenn man sich verabschiedet. Die Ereignisse geben die Zeitphasen vor. Und ich muss sagen, dass ich einen Grossteil meines Lebens so gelebt habe. Mindestens meine Schulzeit, inklusive Universität, war geprägt von dieser Auffassungsart von Zeitdauer. Natürlich gab es damals Termine, aber sie standen nicht im Vordergrund und sie hatten mein Leben nur nebenbei beeinflusst, nicht wirklich geprägt. Die Uhrzeit, nach welcher die westliche Welt nach der Industrialisierung hauptsächlich lebt, ist in jeder Hinsicht absolut abstrakt, hart und leer. Und sie ist in der Lage, uns jede Menge Stress zu verursachen. Man kann hören, dass einige Kulturhistoriker nicht die Dampfmaschineals die Einflussreichste Erfindung des Industriezeitalters bezeichnen, sondern eben die mechanische Uhr, welche die Uhrzeit in Stunden und Minuten vorgibt. Lange Zeit waren die Uhren damals schon recht genau, aber es gab keine wirkliche Standardisierung. Von Ort oder Region zu Region änderte die Zeit vor- und rückwärts. Und es waren nicht zuletzt die nationalen Eisenbahnen, die eine Vereinheitlichung und Standardisierung der Zeit vorantrieben. Ich glaube, erst im 20. Jahrhundert hat die USA per Gesetz 4 Zeitzonen definiert. Vorher waren es einmal um die 50.

Na ja, das ist ein interessantes Thema, dieses Verständnis der Zeit. Weil ja – wie wir seit Heidegger wissen – Sein und Zeit identisch sind, ist die Rythmisierung und Ordnung der Zeit tief in Fleisch und Blut des Menschen. Ich glaube – und jetzt kommt die Pointe – ich glaube, dass der Übergang ins Pensionsalter einem solchen Übergang von der Uhrzeit in die Ereigniszeit entspricht. In der Pension kann man sich, wie früher einmal in der Kindheit, soviel Zeit für Dinge und Tätigkeiten nehmen, wie sie es für sich verlangen. Man braucht nicht mehr mit Minuten und Terminen zu kämpfen. Die Hauptsächlichen Uhren bleiben der Hunger und der Schlaf, die Dämmerung und der Gang der Natur. Das ist eine Rückkehr zur Natur, wie man davon vielleicht immer wieder in diesen hektischen Zeiten geträumt hatte.
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Mit lGuK
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Samstag, 12. September 2026

Kleine Pause

 

Lieber ...,
Ich habe bis jetzt fest gearbeitet und nun bin ich eine Pause wert. Es ist so schön draussen heute Abend und drüben am Waldrand leuchtet die rote Scheune im Abendlicht. Ganz windstill scheint es auch zu sein. Eigentlich sollte ich alles liegen lassen und einen Spaziergang machen. Aber was man gern möchte und was man kann, ist nicht immer dasselbe. Ich muss hier bald weitermachen.
Wie humoristisch du bist.. Diese Perserkriege, die du führst, sind vielleicht garnicht so schlecht.. ;-) Es reinigt die Luft .. Du weisst, wie schön klar die Luft sein kann nach einem richtigen Gewitter. Bei uns gibt es keine solche Kriege. Hier herrscht bewaffnete Neutralität.. ein kalter Krieg, wenn du so willst. Beide Seiten haben zu starke Waffen, um dass man wagen würde, einen Krieg zu entfachen.

Freitag, 11. September 2026

Götter

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Also, ich bin sehr freidenkerisch, ungefähr so wie Rilke, schätze einen tüchtigen Engel oder einen Gott, um mit ihm zu rechten. Ich sage immer, die Götter sollen diese Differenzen und Unterschiede in ihren Doktrinen selbst und unter sich ausmachen. Ist doch nicht das Problem der Menschen, oder? Wenn die Götter Konkurrenzprobleme haben, sagen wir Allah und der liebe Gott und Jehova, oder wie er heissen mag, so bitte, sollen sie sich in Ruhe zusammensetzen und die Sache gütlich regeln. Sie könnten beispielsweise eine rotierende Präsidentschaft einrichten. Oder sie könnten mit Konsens entscheiden. Aber was rede ich da den Göttern hinein? Die Kerle dort oben können das selbst wissen, sonst sollen sie ihre Frauen fragen!


Donnerstag, 10. September 2026

Anweisung für einen Abstieg zur Hölle

Lieber ...,

Es war nett eine Weile heute mit dir zu plaudern. Ich habe dir schon ein Bild gemacht von den Zutaten, die du brauchst für das Rezept, das ich dir senden will.

Neulich musste ich lachen, denn gerade jetzt, wo du dich mit deiner Garderobe für den Aufstieg in den Himmel beschäftigst, kam mir dieser Titel vor die Augen. Es ist ein Buch von Doris Lessing. Vielleicht sollten wir uns auf beide Möglichkeiten vorbereiten. Mir spielt es eigentlich keine grosse Rolle wo ich lande. Die Hauptsache ist, du bist auch dort. Dann wird es nie langweilig. :-)
Alles Liebe noch
mit Gs und Ks
Malou


Anweisung für einen Abstieg zur Hölle

Anweisung für einen Abstieg zur Hölle handelt von einem Altphilologieprofessor, dessen äußere Realität zusammenbricht und der stattdessen in einer inneren Welt des Geistes aufgeht. Das klingt zunächst einmal klischeehaft, fast abgedroschen, ist aber aufgrund der einfühlenden Erzählweise von Doris Lessing spannend und interessant zu lesen. Passagen aus dieser inneren Welt wechseln sich ab mit kurzen Einschüben aus der so genannten normalen Realität, in der Professor, Charles Watkiens, in einer Psychiatrie gelandet ist, in welcher er mit Psychopharmaka behandelt wird. Doch nichts hält Watkiens davon ab, die verborgenen Bereiche seiner Psyche zu erkunden. Schließlich bringt er die Psychiater auch dazu, sich ernsthaft mit seinem Geist und Leben auseinander zusetzen: durch Briefe und persönliche Interviews von und mit den Angehörigen, Freunden und Bekannten wird ein facettenreiches, panoptisches Bild dieses Mannes gezeigt. Schließlich holen die Vertreter der Commonsense-Realität den Professor mit Elektroschocks wieder in die anerkannte Wirklichkeit zurück, so viel sei hier schon verraten. Insgesamt ist dieses Buch ein gelungenes Bewusstseins-Panoptikum, das sich hauptsächlich aus bunten Innenweltschilderungen, Briefen und Interviews zusammensetzt und nicht ganz anspruchslos ist.

Mittwoch, 9. September 2026

Thema: Beichtstühle

 



Lieber ...

Gerade habe ich ein Mail aus Rom erhalten mit unserem Gesprächsthema heute: Beichtstühle. Wie sind wir eigentlich auf die Idee gekommen?

Vor ein paar Tagen habe ich meinen Römern erzählt, dass Anna die Osterwoche in Göteborg verbringen wird.. und weil Göteborg eben schöne Erinnerungen weckt bei mir hatte ich folgendes geschrieben (glaube du hast das schon vor Jahren gehört).

Göteborg is a very beautiful and interesting city at the West Coast. I lived there half a year, while I was attending the school of education.
One of the Catholic priests let me rent his big and wonderful apartment while he was travelling around the world giving talks (lectures).
He was a very learned person and when he visited Uppsala and was preaching in the mass, the "important" people in cultural life came to listen to him.. also the atheists. Besides, it was this priest who heard my first confession.. I think I was about ten years old. I had searched my memory and conscience with great seriousness  and I had a list of 65, (yes, I mean sixty-five) sins to report. ;-)))
Still, when I was grown up I always thought that he remembered this when he smiled at me.

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Und hier, ich glaube das wird dir gefallen, sind die Gedanken meines Römers über Beichtstühle. Nimm es zugleich als eine kleine Sprachübung.

Non sò se nelle vostre chiese il rito della confessione si svolge in quei sarcofaghi neri e bui tipici delle chiese cattoliche che appaiono più simili all'anticamera dell'inferno che alla porta del paradiso. Tu sai che ho fatti per tanti anni il chierichetto proprio nel periodo in cui la guerra ci mostrava segni molto più tragici della prospettiva di andare agli inferi, punizione prevista per chi non si avvicinava al confessionale; il fatto di non poter vedere in faccia il prete, vista la grata che ci divideva, mi metteva in una condizione di disagio che non era il linea con l'intento di questo sacramento, in fondo, non ho mai ben sopportato.
Penso all'espressione che deve aver avuto quel sacerdote nel sentire i "65 sins" detti da una bambina come te che, all'età di 10 anni gli doveva apparire come un angioletto portato via da una pala d'altare; quando vedo le tue foto da bambina, la vera bambina, non quella di Saalbach :-), appari realmente tale.

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Ja, du siehst.. nicht nur du machst dir besondere Vorstellungen von Beichtstühlen.

Glück ist kein permanenter Zustand (wäre auch bald langweilig) sondern kommt täglich in kleinen Momenten. Und zu dieser Jahreszeit gibt es so viele kleine Glücksspender, besonders in der Natur.
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Ich freue mich auch, weil du wieder etwas glücklicher erscheinst. Danke für die schönen Bilder aus deiner Wohnung. Das neue Bild mit dem blauen Sofa finde ich wunderschön. Es sieht alles so heimelig und einladend aus bei dir. Ich glaube ich wäre glücklich, dort zu wohnen. Und dieser bastante und imposante Schreibtisch, an dem ich mir vorstelle (und hoffe) dass du bald schreiben wirst.

Es ist spät und ich bin müde, aber auch zufrieden mit diesem Tag, denn ich habe alles ausgerichtet was ich mir vorgenommen hatte. Die Pflicht ist angenehm, wenn sie getan ist.
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 Mit lieben Grüssen mit sowohl Ks und Qs
Malou



Dienstag, 8. September 2026

RE: Altes Pult..


date 3 May 08:16

Lieber ...,
Ach, wie schön diesen Satz zu finden: "Ich freue mich richtig darauf, an diesem Pult meine Romane zu schreiben." Ich habe gerade gestern ein Mail gefunden, wo ich dich dringend bitte, dass du schreiben sollst." .. die Schweiz braucht doch einen  ...". Und das schöne Pult musst du fotografieren und mich sehen lassen. --- Ich frage dich gleich nochmals, damit du merkst, dass mir wirklich daran liegt: Kannst du mir die Bilder von dir (deinem neuen Look) und dem Büro nochmals senden? Bitte, bitte!
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Du weisst, dass ich sehr viel zusammen mit Anna erlebe.  z.B. die Traditionen die wir hier feiern. Und manchmal stelle ich mir die Frage: Wie sieht sie das? Und ich versuche alle meine Assoziationen abzuschirmen, um zu sehen, was der Augenblick selbst in sich trägt. Versuch es mal.. du wirst erstaunt sein über das Ergebnis.
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Ich hatte eine ehemaligen Kollegin angerufen, um ihr mitzuteilen, dass L .gestorben ist. Und nun schrieb sie mir ein langes Mail, gefüllt mit Erinnerungen an den Verstorbenen. Ich musste lachen, denn natürlich kannte auch ich diese Seite.. obwohl er für mich ein guter Kompanjon, ja man könnte fast sagen ein Komplize war. Es reichte, dass man seine munteren Augen und seine Miene sah, um gute Laune zu bekommen. Es spielte so viel Unfug in seinen Augen.

Diese  Kollegin erzählte von anderen Dingen: Es kam einmal ein Anruf von seiner Bank an die Schule (das Büro?) mit der Frage ob er noch am Leben sei. Er hatte nämlich ein Jahr lang nicht sein Konto, auf dem er sein Gehalt erhielt, gerührt. Dann wollte I.S. ihn einmal zu Ostern zu einem Lammbraten einladen. Doch die Telefonverbindung funktionierte nicht. Schliesslich hat sie das "televerket" angerufen, um zu erfahren, dass man sein Telefon gesperrt hatte, weil er nicht die Rechnungen bezahlt hatte. Es drehte sich um 100:- kronen, also ca 10 euro. Und sie hatte einen riesigen Respekt vor dem Mann, Ein Respekt, von dem ich nie eine Spur gefühlt habe. Doch ich wusste, dass er sehr korrekt sein konnte. "Vrång" sein konnte. Mein deutsches Wörterbuch hat das wort nicht und das englische sagt: Making things difficult for somebody. Disobliging (ungefällig?) würde vielleicht auch passen. Gegen andere Leute. ;-)
Wenn du schwedisch könntest, würde ich dir eine Kostprobe schicken, von den fantastischen Reden, die man bei verschiedenen Gelegenheiten gehalten hat in unserem Freundenkreis von Kollegen. Da gibt es eins, was L's  Wesen "in nuce" erfasst.

Ja, in dieser Hinsicht, habe ich viel dir voraus. Ich meine, ich habe schon viele meiner Freunde und Verwandten unter der Erde. Dazu zähle ich auch die Leute, die in meiner Kindheit in unserem Haus verkehrten. So viele starke Persönlichkeiten, die man nicht vergessen kann. Und du weisst ja, dass ich damals, als ich hier anfing zu arbeiten, ein älteres Kollegium vorfand. Mindestens eine halbe Generation Altersunterschied. Und Studienräte leben anscheinend nicht lange nach der Pensionierung.

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Asaglauben, der Glaube an altnordische Götter. Ich weiss nicht viel darüber, ich meine wie ein moderner Mensch sich das vorstellt und diesen Glauben praktiziert. Aber vielleicht ist es wie du sagst: Die Hauptsache man glaubt an etwas.

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Der Kakao? Das ist sehr einfach: Du rührst Kakao und Zucker zusammen, gibst Schlagsahne dazu und verrührst es bis es schäumig wird. Dann kochend heisses Wasser darüber. Schmeckt ganz wunderbar und hilft auch gegen eine frierende Seele. ;-)) Anna würde dann sicher noch irgendein starkes Gewürz dazugeben
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Hat denn Sozialdemokratie irgend etwas mit Arbeitern zu tun? fragst du und ich staune sehr. Bei uns sind sie so stark verbunden, dass sogar die LO (Gewerkschaft der Arbeiter) in Symbiose mit dieser Partei lebt. So kann man auch schwer am 1. Mai protestieren, da ja die eigene Partei an der Macht sitzt. Doch im Moment blasen Rechtswinde hier in Schweden und die Sozialdemokraten sind hypernervös und benehmen sich ziemlich hysterisch.
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Auch heute ist ein grauer nasser Tag, obwohl es aufgehört hat zu regnen. Das Gras wächst schon ziemlich hoch. Bald wird Zeit für das erste Mähen. Eine schöne Form von Bewegung. (Motion, wie wir sagen). Ich merke, dass ich Kaffeeabstinenz habe. Muss mir schnell einen machen. Kommst du eine Weile?

Ich grüsse dich lieb und hoffe, dass du meine Bitten in diesem Mail siehst. :-)
K
Malou

 

Montag, 7. September 2026

Re: Frequenzen ...


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Abiturtag

Ämne: Re: Frequenzen und Sequenzen? oder Konferenzen..
Datum: den 6 juni 10:37

Nun werde ich hier weitermachen. Habe gerade Blumen bestellt für K, die er Anna um den Hals hängen wird. Ich selbst mache einen schönen Strauss mit gemischten Blumen aus dem Garten. Das wünscht sie sich. Leute, die nicht kommen können, um ihr zu gratulieren, haben schon Geschenke geschickt. Ich finde das ganze etwas übertrieben.