Mittwoch, 2. Oktober 2024

Paul Verlaine

 

Hier eins seiner schönen, musikalischen Gedichte. Sein Traum von einer Frau die ihm die nötige Ruhe schenken könnte. In unserer Zeit hätte er villeicht eine Mausfreundin gehabt ;-)


Mon rêve familier


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Und hier Hermann Hesses  brillante Übersetzung des Gedichtes . Die schwierige Aufgabe, sowohl Klang wie Inhalt des Gedichtes bei der Übersetzung zu beachten, ist Hesse meisterlich gelungen.


Nach Paul Verlaine

Ich träume wieder von der Unbekannten,
Die schon so oft im Traum vor mir gestanden.
Wir lieben uns, sie streicht das wirre Haar
Mir aus der Stirn mit Händen wunderbar.

Und sie versteht mein rätselhaftes Wesen
Und kann in meinem dunklen Herzen lesen.
Du fragst mich: ist sie blond? Ich weiß es nicht.
Doch wie ein Märchen ist ihr Angesicht.

Und wie sie heißt? Ich weiß nicht. Doch es klingt
Ihr Name süß, wie wenn die Ferne singt –
Wie eines Name, den du Liebling heisst
Und den du ferne und verloren weißt.
Und ihrer Stimme Ton ist dunkelfarben
Wie Stimmen von Geliebten, die uns starben.

Hermann Hesse




Dienstag, 1. Oktober 2024

Romantische Malerei

 (R)

J.M.W. Turner - Die Teufelsbrücke St. Gotthard

Subject: Re: Nur drei Worte... (shorthand ?)


Liebste
Ein schönes Gute-Nacht-Mail hast du mir geschickt. Ich habe es jetzt gerade, zu meinem Morgenkaffee gelesen. Und es ist sehr lieb und schön, und ich hätte auf einem so süssen Kissen wunderbar geschlafen. In Wirklichkeit konnte ich nicht sonderlich gut einschlafen, bin nochmals aufgestanden und habe in einem Buch herumgeblättert: romantische Malerei in Deutschland, Dresdener Schule, Caspar Friedrich. Die phänomenale und einmanlige, fast einzelgängerische Malerei von Turner, der bekanntlich auch in den Schweizer Alpen schöne Sachen gemalt hat. Damals, anfang des 19. Jahrunderts haben die Engländer die Alpen entdeckt und haben angefangen, zu uns in die Ferien zu fahren und Bob Rennen zu veranstalten und Skifahren und so fort. Es waren die Engländer, die die Schweiz als Touristenland entdeckt haben. Vorher waren wir wohl mausarm und abgelegenste Provinz. Mit der Naturschönheit und der Erhabenheit sind neue Dimensionen in die Ästhetik gelangt. Das Schöne und das Erhabene, das einen kleinen ästhetischen Schauder erzeugt, sind die beiden Dimensionen. Wir haben auch einen schönen Schweizer Bergmaler der Romantik, das ist Wolf. Er malt die Berge mit soviel schöner Haltung und mit einer Leichtigkeit, dass man immer wieder erstaunt ist. So wie er möchte ich gerne malen könnte, obwohl das heute ja wohl nicht mehr ganz modern wäre.
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2 KOMMENTARE:

  1. Jag ser att jag borde läsa din blogg, för här finns mycket som är bra. Jag har bara lite motstånd mot tyskan. Din blogg ska läsas när jag även vill friska upp min tyska. Tänk: Två flugor i en smäll.

    Wolf har jag lagt på Den blinde Argus en gång. Jag tycker ofta han överträffar Turner, i sin mystik.

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  2. Tack, Gabi! Friska upp tyskan. Precis detta var min avsikt en gång i tiden, och du ser resultatet.
    Lycka till med språket.

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Samstag, 28. September 2024

Eine Gratulationskarte

 Weisst du, so unbehindert und schnell wie jetzt habe ich früher nie deutsch geschrieben. Du bist ein ausgezeichneter Lehrer. :-)

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den 25 september 
Re: echte Liebe oder bloss Libl

Liebe Marlena
Das freut mich, dass Dein Deutsch hervorsprudelt wie Seltzer-Wasser. Ich habe mir Dich nie anders vorgestellt als flüssig deutsch schreibend. Wirklich nie. Stets musste ich mich warnen, dass ich vielleicht doch ein bisschen viel von Dir erwarte, seitenlange Mails in deutsch. Aber auch Deine Bemerkung anfangs, dass Du Mails schreibst, indem Du das Wörterbuch auf den Knien blätterst, habe ich nicht sonderlich ernst genommen. Und als ich Dich dann am Telefon gehört habe, musste ich mir recht geben.

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Der Morgen ist geworden, wie er sich angekündigt hat. Blauer Himmel, warmer Sonnenschein, also so, wie man sich die Herbsttage wünscht. Ich war in Basel, sollte nachmittags eigentlich nach Luzern. Aber das tue ich nicht. Ich muss einige Arbeiten hier beenden, und dann gehe ich heim und mache mir einen schönen Abend. Unser Weekly fällt aus, weil Walter eine Sitzung hat. Das ist doch alles ideal so. In Basel habe ich ein paar Komplimente bekommen für die Zeichnung einer Gratulationskarte. Eine Mitarbeiterin erwartet ein Kind, und der Chef dort hatte mich gebeten, doch eine Zeichnung zu machen. Sie wollten ihr und ihrem Mann ein Nachtessen offerieren. Und die übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden als Baby Sitter auf das Baby aufpassen. Ich habe versucht, die Leute darzustellen, wie sie auf einer Matratze einen kleinen Säugling in die Höhe heben. Und jetzt sind sie dran, zu raten, wer denn wer sei auf der Zeichnung. Ich sollte in der Tat vorsichtig sein mit solchen Zeichnungen. Man verärgert damit bloss für Jahrzehnte jede Menge von Leuten.

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Mittwoch, 25. September 2024

Herbst ... (des Lebens)

 (R)


Blick durchs Fenster 



Ämne: Late again..
Datum: den 25 september 

Lieber ...,
Du beobachtest also deine alternden Clubfreunde, nimmst sie richtig unter die Lupe und spiegelst dich vielleicht auch in ihnen. Ich weiss nicht, ob ich mich so gern von dir beobachten lassen würde. Ich denke manchmal, du bist hart in deinem Urteil über die Menschen. Vielleicht haben sie sogar Angst vor dir und deinem forschenden Blick. Das würde ich sie gern fragen.
Aber es ist so. Ich tue es ja auch. Studiere die anderen und sehe, wie sie älter werden, ich möchte sagen, wie schnell sie altern. Aber vielleicht sind sie gerade in einem Alter, wo sich Leute wirklich verändern. Der Herbst ihres Lebens beginnt. Bei meinen Kollegen, glaube ich auch, dass der grosse Stress dazu beiträgt, dass sie manchmal grau und müde aussehen. Und wie schön jung sie aussehen können, wenn sie lachen und sich ein bisschen entspannen.

surströmming

Über das Schreiben


(Beginn einer Mausfreundschaft)

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Ich möchte dich auf keinen Fall stumm machen, meine Liebe. Ich weiss, manchmal schreibe ich zuviel. Ich merke es erst zum Schluss. Solange ich schreibe, geniesse ich es, in meinen Erinnerungen zu graben. Deshalb ist das Schreiben auch eine Unterhaltung für mich selbst. Aber es ist, wie gesagt, wunderschön zu wissen, dass eine aufmerksame Person dabei ist und mitgeht. Ich glaube, du hast es ähnlich. Wenn du etwas Besonderes erlebst, möchtest du es mit jemandem teilen. Nun ja, vielleicht hat das jeder Mensch?
Ich bin dir dankbar, Marlena, dass du mir die Möglichkeit gibst, zu schreiben. Seit Jahren möchte ich irgendwie schreiben. Doch für mich allein kann ich es nich. Ich nehme mir die Zeit nicht, obwohl ich weiss, dass es durchaus gut wäre, mich hinzusetzen und zu schreiben. Ich finde es witzlos, zu schreiben, wenn niemand den Text liest, ausser ich vielleicht in ein paar Jahren wieder. Doch Schreiben verlangsamt und ordnet das Denken. Und das ist durchaus heilsam. Ich habe in meinen schulpsychologischen Abklärungen immer gerne jene Kinder gemocht, die mit sich selbst sprechen konnten. Sie haben einen besonderen Charme. Wenn sie ein Problem zu lösen haben, stellen sie sich Fragen und beantworten sich die Fragen. Das ist in meiner Meinung eine gute Fähigkeit und Technik, mit dem Leben fertig zu werden. Die Möglichkeit, mit sich selbst zu sprechen, gehört in dasselbe Kapitel wie der Rat, man soll lernen, sich selbst ein guter Freund oder eine gute Freundin zu sein. Ich glaube, das ist heute wichtig, heute, da wir mit sovielen Situationen völlig allein fertig werden müssen.
Ich kann nicht sonderlich gut mit mir selbst sprechen. Manchmal versuche ich es. Und im Grunde hilft es oft, ich komme dann vorwärts. Aber ich mache es meist nur halbherzig. Ich bin darin schlecht begabt und ausgerüstet. Und so bin ich froh, dass ich dich habe. Und dabei erinnere ich mich wieder an deine Andeutung deiner Trauer, über die dunkeln Wolken. Ich bitte dich Marlena, erzähl mir, wenn du es denn kannst. Seit du mehrmals nebenbei etwas anklingen liessest, sorge ich mich. Es erscheint mir ganz einfach unheilvoll und schwer, und ich bin im Unklaren, was ich damit anfangen soll. Aber natürlich weiss ich auch, dass du entscheiden musst, ob du das willst oder kannst oder darfst. Ich weiss es ja nicht.
Ich für meinen Teil habe mir vorgenommen, meine Briefe an dich nicht allzu denkerisch, theoretisch oder geradezu grüblerisch zu gestalten. Ich möchte gerne, wenn ich das schaffe, die Leichtigkeit des Seins betonen. Ich möchte, dass du Freude hast, und dass du bei der Lektüre nicht zusehr deine schöne Stirn in Falten ziehen musst.
So wünsche ich dir einen feinen Anfang der Woche
Mit einem lieben Gruss

Sonntag, 22. September 2024

Wie ist es???


Man weiss nicht richtig wie, aber unsere Wirklichkeitsauffassung beginnt sich schon zu verändern...


- Wenn ich einen Baum fälle auf meinem Grundstück und dann weder darüber twittere, blogge oder "facebooke" - ist es dann wirklich passiert?

- Eigentlich nicht...


- Vorläufig vielleicht, aber es ist nicht eine vollendete Handlung.




Samstag, 21. September 2024

"Zwischen den Stäben"

 




Liebe Malou
Nein, Deine Komplimente über meine Bilder betrüben mich absolut nicht. Sie freuen mich und helfen mir, dass ich auch selbst meine Bilder mit weniger strengen Augen ansehen kann. Ich glaube, die Vorstellung, sich als Maler durch das Leben zu bringen, ist ein fantastisches Alternativprogramm. Ich glaube, es wäre ein harter Job. Und man müsste sich seiner Leidenschaft sehr sicher sein. Denn man muss sie auch gegen das Publikum betreiben können.
Aber wir wissen doch, dass das Alternativprogramm in der Phantasie mehr oder weniger dazu dient, dich im normalen Leben bei der Stange zu halten. Versteht man diesen Satz als Fremdsprachlerin? Ich will sagen: es ist leichter, einen Weg zu gehen, wenn man weiss, dass es auch noch einen Umweg gäbe. Auch wenn der Umweg gelegentlich als attraktiver erscheinen würde. Gut gesagt, nicht wahr?
Allerdings muss man sagen, dass es eine Zeit gab, da Maler neben ihrem bürgerlichen Beruf gemalt, und mit internationaler Wirkung gemalt haben. Jan Steen - so glaube ich mich zu erinnern - war ein solcher Typ. Erinnerst Du Dich? Die Holländer sprechen von einem „Jan Steen Haushalt“. Ich müsste von einem „Jan Steen Büro“ reden. In seinen hübschen Genrebilder liegen immer viele Dinge auf dem Boden herum. Ich glaube, er hatte Angst vor der leeren Fläche, eine Art Horror Vacui. Stehen hatte einen bürgerlichen Beruf und hat daneben gemalt. Und das war damals wohl eher üblich.
Aber heute ist der Künstlerberuf zu einem intellektuellen Turnprogramm erster Güte geworden. Mindestens für jene Künstler, die vorne mit dabei sein wollen. Alle andern sind Epigonen.

Bei uns ist der Frühling durchgebrochen. Der gestrige Tag war ziemlich warm und ich war abends durstig, ohne zu wissen, woher das eigentlich kam. Und viele leiden schon an Heuschnupfen. Und auf der Strasse siehst Du die Jungen ziemlich intensiv küssen. Es wird jedes Jahr intensiver und sie werden jedes Jahr jünger! Nun ja, ich kann mich eigentlich noch ziemlich gut an jene Zeit erinnern. Und wahrscheinlich hat auch uns der Frühling damals das Blut in Wallung gebracht. Wir hatten uns niemals erlaubt, auf der Strasse zu küssen. Aber man stand doch stundenlang an irgend einer Ecke und schäkerte herum. Und man war gut drauf und wusste nicht mal so echt, woher das alles kam. War es vielleicht das schöne Wetter? Und die Erwachsenen, die vorbeigingen, schauten mit einem gewissen Verständnis hin. Wussten sie vielleicht, woher das kam, dass man sich so gut fühlte? Na ja, gelegentlich schauten sie auch eher kritisch. Die wussten sie bestimmt, woher das kam.

Ach, Du siehst, ich verstehe sie schon, die Jungen. Und in kurzen Momenten, wie in Rilkes Gedicht vom Panther, sehe ich zwischen den Stäben meines Käfigs durch und fühle ein kleines Stechen, welches man Neid nennen könnte.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag
Mit lGuK
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