Montag, 29. April 2024

Frühjahrsmüdigkeit, Cartoons und Engel

 

Liebe Malou
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Hier ist es deutlich wärmer geworden. Aber im Moment hat es angefangen, zu regnen. Ein echter Frühlingsregen, der dann alles ins Kraut schiessen lässt. Ich glaube, die Natur mag sowas. Die Natur lechzt nach solchen Drinks und Cocktails. Und ich hatte glücklicherweise einen kleinen Regenschirm bei mir, um die paar Schritte vom Bahnhof bis hier trockenen Hauptes zu bewältigen. Es ist schade, dass man als Erwachsener die Regengüsse nicht mehr so entgegennehmen kann, wie man dies in der Jugend tat. Dieses feuchtwarme Gefühl in den Kleidern, wenn alles nass war. Vielleicht das tropfende Gras in den Füssen, wenn man barfuss unterwegs war? Ach, damals waren wir noch irgendwie mit der Natur in Kontakt, und nicht wie heute, wo wir alle sozusagen hinter Cellophan leben. Ich habe das immer geliebt. Allerdings muss ich sagen, dass der Regen im Wallis doch eher eine Ausnahme war. Der Boden war meist trocken und - fast immer - ziemlich staubig.

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Im Übrigen fühle ich die Frühjahrsmüdigkeit. Man sagt ja doch von den Staatsangestellten, die purzelten direkt aus dem Winterschlaf in die Frühjahrsmüdigkeit. Und ich glaube, ich tue das ganz besonders intensiv. Gestern bin ich auch nicht laufen gegangen. Wenn die Pollen in der Luft sind, tut mir das nicht sonderlich gut. Dann bleibe ich lieber in den eigenen vier Wänden. Ich habe in den letzten Tagen einen Roman von Genazino gelesen. Aber den fand ich äusserst fade und schal. Er handelt von einem alternden Typen mit zwei Freundinnen, der sich nicht entscheiden kann, welche von beiden er wirklich fallen lassen sollte, um sich bei der anderen fürs Alter einzunisten. Wirklich kein grosses Kunstwerk. Das erstaunt mich etwas, denn bisher habe ich Genazinos Texte meist geschätzt. Na ja, der Titel heisst auch "Liebesblödigkeit". Vielleicht ist der Titel die Entschuldigung für das Buch?

Und dann sollte ich ein paar Cartoons zeichnen für eine Kollegin. Sie sind daran, für eine Zeitschrift ein paar Artikel zum Thema Schulschwänzen (verstehtst du das Wort), dh. Absentismus zu schreiben. Und dazu wünschen sie sich ein paar Bilder. Ich habe mir die kleine Studie einer der Leute vorgenommen und angefangen, darin zu lesen. Aber es ist ein wenig kraftlos geschrieben. Immerhin versuche ich, zum Thema ein paar visuelle Ideen zu entwickeln. Ich habe beim Schuleschwänzen sogar eigene Erfahrungen. In der Primarschule habe ich ein oder zweimal Krankheit vorgeschützt. Ich glaube, ich habe sogar den Thermometer ein bisschen in die Höhe geschraubt. Aber damals in Visp haben wir gleich neben dem Schulhaus gewohnt. Und in der 10Uhr Pause bin ich natürlich oben am Fenster gestanden und habe diskret hinuntergeschaut. Ich musste doch beobachten, wie sich das alles ausmacht, wenn ich nicht dabei bin. Es ist ein herrliches Gefühl. Man fühlt sich - kann man sagen - ein bisschen wie ein Engel. Man sieht, wird aber selbst nicht gesehen. Das ist wirklich engelhaft und insgesamt eine erstklassige Unterhaltung.

Du siehst, ich bin wieder bei den Engeln. Wirklich schade, dass sie so aus der Mode gekommen sind. Ich finde es nützlich, zu glauben, man hätte einen Schutzengel wenigstens. Oder man kann glauben, dass ein persönlicher Engel stehts für mich unterwegs ist. Das ist doch ein prima Gefühl, nicht wahr. Und wenn man nur genügend daran glaubt, so werden sich die Dinge schon eher zum Guten wenden. Garantie!

MLG

Sonntag, 28. April 2024

RE: tropfnasserdonnerstagmorgenumsiebeninderfrüh


Ämne: Schneeflocken, Tauben, Kraniche, Abfall u.a.m
Datum: den 25 mars  18:15

Lieber ...,
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Gestern Abend kam ein Anruf. "Bist du das Marlena?" sagte eine sehr greisenhafte Stimme, die ich nicht richtig einordnen konnte unter meinen Bekannten. Einen kleinen Moment hoffte ich es könnte Jan sein. Er war mal mein bester Freund (Bruder, Vater und alles was man sich noch wünschen kann zugleich). Ich habe ihn schon lange für tot gehalten, weil er mir sonst sicher mindestens einmal im Jahr von irgendeinem Kontinent ein Lebenszeichen geschickt hätte.

Es war leider nicht Jan, sondern L. ein früherer Kollege, der auch Deutsch gab und der schon ein paar Jahre in Pension ist. Jetzt hält er ab und zu Vorträge für andere Pensionisten über alles mögliche. Er gehörte zu den äusserst gebildeten Studienräten, die noch eine gediegene klassische Bildung erhalten haben. D.h. Leute, die so 10 Jahre älter sind als meine versäumte Generation. Nun wollte er einen Vortrag über den zweiten Weltkrieg halten und dabei suchte er die "Briefe aus Stalingrad", von denen er dem Publikum einige vorlesen wollte.

So habe ich heute ein wenig in unserer Institution herumgestöbert auf den Büchergestellen, wo wir alte Bücher aufbewahren, von denen wir uns bisher nicht trennen konnten, die wir aber längst vergessen haben. Leider gab es sie nicht, die Briefe aus Stalingrad. Dagegen habe ich ein paar wunderbare Anthologien mit deutschsprachigen Schriftstellern gefunden, zum Teil auch solche, die ich bisher nicht kannte. Und da ich weiss, dass heutzutage niemand mehr so viel Deutsch kann, dass er sie lesen würde (darin sind auch die Lehrer einbegriffen) so habe ich sie mir mit nach Hause geliehen. Ich werde fast traurig, wenn ich sehe auf welch hohem Niveau einmal der Deutschunterricht gestanden hat. Heutzutage wären diese Bücher sogar für die Studenten an der Uni zu schwer. Und es tut mir auch leid um die Schüler, die nicht richtige Literatur zu lesen bekommen sondern nur ziemlich alltägliche, kindische Texte ohne grossen Sinn.  OK... ich muss das Thema verlassen.
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Nein, Marieberg ist nicht was du dir vorstellst. An und für sich lustig zu sehen, was deine Fantasie damit macht. Marieberg ist ein IKEA-ähnliches Gebäude von aussen gesehen.. (siehe Bild unten) 32.000 kvadratmeter Fläche, 2.200 Parkplätze .. du siehst, es ist ziemlich gross, aber innen doch ganz schön und gemütlich. sogar mit ein Bisschen Natur in der Mitte mit plätscherndem Wasser. Und ganz in der Nähe gibt es viele andere grosse Kaufhäuser.. u.a. auch IKEA.
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Jetzt schneit es wieder. Es ist Kuschelwetter. Ich meine am liebsten würde man unter eine warme Decke verschwinden mit einem interessanten Buch. Aber vorher möchte ich noch meine frierende Seele mit etwas Tee erwärmen. Kommst du auch? ;-)
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Wenn du so deine Tauben beschreibst, dann weckt das viele schöne Erinnerungen an Bücher, die ich als Kind gelesen habe oder dann später mit Anna. Bücher in denen Tiere die Hauptpersonen sind und es uns Menschen nachmachen. Ach wie sehr ich diese Bücher mochte. So viele schöne Bilder sind auf meiner Netzhaut hängengeblieben.. denn es gab sie, die schönen Illustrationen dazu.
Fast möchte ich mir ein Buch von dir wünschen, wo du über deine Tauben schreibst. Und ich möchte Illustrationen dazu sehe, mit dem Gartenhaus, wo sie durch die Luke einsteigen können, um es sich in der Ecke auf den Stuhlpolstern gemütlich zu machen und ihre Orgien zu feiern?
Das wäre doch was, oder? Hat doch noch niemand vor dir gemacht. Und Kinder werden sich ewig freuen, wenn sie eine Taube erblicken und an deine schönen Geschichten denken. Mach es doch!
Hast du übrigens die schönen Bilder von den tanzenden Kranichen gesehen, die ich dir mal beigelegt hatte?
Wenn ich an Kraniche denke, muss ich wieder zurückdenken an Uppsala, wo der alte blinde Mann (dem ich manchmal die Zeitung vorlas) in seinem Rollstuhl mir das Gedicht "Die Kraniche des Ybikus" (von Schiller glaube ich) vorsagte. Und wie ich entdeckte, dass sich in einem kaum mehr funktionierendem Körper eine ganze Welt von Schönheit verbergen kann.
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Der Distanzunterricht ist nur dazu da, um zu beweisen, dass es dieses Fernsehstudio gibt und dass es seine Berechtigung hat. Vielleicht ist es etwas spannend für die Schüler ein paar Tage so zu arbeiten aber wie die meisten selbst sagen es "gibt ihnen nichts" und sie hätten mehr gelernt wenn sie stattdessen ihren gewöhnlichen Unterricht gehabt hätten.
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Ach, erst jetzt beginnt ihr euren Abfall zu sortieren? Das tun wir schon seit ein paar Jahren. Flaschen, Dosen und Kartons sowie Zeitungspapier wird in dafür aufgestellte Behälter gelegt. Und hat man einen Garten, dann gibt es da meistens auch einen Kompostbehälter.
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Nun muss ich schliessen und hier ein wenig Ordnung bringen. Auch einen Test korrigieren, den ein Klasse heute geschreiben hat.
Ich grüsse dich lieb und wünsche dir einen schönen Abend bzw einen schönen Tag morgen,
K+S
Malou

Donnerstag, 25. April 2024

Nochmals an diesem dunklen Abend

 

Subject: Nochmals an diesem dunklen Abend
Date: Sun, 16 Nov 21:38

Lieber ... ,
Nun habe ich dein liebes Mail gelesen und auch de Botton gesehen. Das schöne an dem Programm ist, dass er es in dem authentischen Milieu zeigt. So konnte man das Schloss bewundern, in das sich de Montaigne zurückzog um zu schreiben. Es sah, verglichen mit anderen alten Schlössern, die ich schon gesehen habe, ziemlich gemütlich aus. Auch hatte er einen wunderschönen Blick auf die Landschaft von seiner Bibliothek aus. Und auf dem Hof gab es auch jetzt allerlei Tiere zu sehen. Schweine, Schafe, Enten u.s.w. Montaigne hatte ein gutes Verhältnis zu Tieren. Er fand sie klug und meinte wir könnten einiges von ihnen lernen.
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Ja, ich verstehe schon, dass dir der Briefwechsel, von dem du sprichst, gut gefällt. Gewiss, dieser Anthony Hopkins hat etwas besonderes, was ich sehr mag. Etwas um dessen Verlust man trauern könnte. Und wenn er gegen Emma Thompson spielt ist er am meisten zu seinem Vorteil.



Auch ein Bild aus dem Film, den du erwähnt hast. (siehe Bild unten).
Und hier der Kommentar eines Lesers zu dem Film:

Summary: For once you shouldn't read the book

When you first take a look at the story, 84CCR hasn't much going on for it. A movie about books(even worse: old books!), for 75% told off-screen and with two stars who don't share one scene together. It's a miracle that this movie has so much impact on the viewer. The atmosphere is really tense, it's like you're in that little dusty bookstore and you really like the characters, though you don't know that much about them. Great acting by all. Hopkins, playing a character that resembles the ones he played in Shadowlands and even Remains of the Day, is impossibly convincing in his role. Anne Bancroft, although sometimes slightly over the top when she talks to the viewer, makes a great match.

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Deine Frage, ob ich mich je in einen Held (Helden?) in einem Buch verliebt habe? Soll ich es wagen, dir das zu verraten, ohne dass du, als echter Psychologe, mich gleich in ein Fach steckst? ;-)) OK. Ich war sehr verliebt in Rhett Butler in dem Buch "Vom Winde verweht". Habe das Buch als Teenager gelesen, dann später natürlich auch den Film gesehen. Und wenn ich es richtig bedenke, sind fast alle Männer, in die ich mal verliebt war, von dieser Sorte gewesen. Komisch eigentlich. Ist man vielleicht auch für sowas programmiert???

Siehst du, weil du so lieb warst und mir noch heute Abend ein mail geschickt hast, habe ich sogar Lust bekommen dir gleich ein zweites zu senden

Nun sage ich dir gute Nacht. Wünsche dir einen schönen Start in die neue Woche,
mit lieben Grüssen,
Marlena

She's in love with ...




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(R) :-)


  Game, Set ...



Kronprinzessin Victoria und Roger Federer


.. und Kuss?

                   Interview Pre Tournament 2010  hier    

                                   Artikel  2017  hier                                                               





Mittwoch, 24. April 2024

Etwas Schockierendes


Liebe Marlena
...
Ich habe kürzlich ein Bildband gekauft über Lucian Freud. Vielleicht hast du von ihm gehört. Er ist ein Enkel des berühmten Sigmund Freud, lebt in England, und hat sich einen Namen als Porträtmaler gemacht. Und dabei macht er seinem Grossväterchen grosse Ehre. Er malt seine Figuren so nackt, wie man sie kaum je gesehen hat. Das Fleisch springt einem aus den Bildern derart entgegen, wie es bloss noch bei Sigmund aus seiner Psychoanalyse geschehen ist. Die Gemälde haben etwas Schockierendes an sich. Sie versetzen den Zuschauer in die Rolle des vorwitzigen Voyeuristen, weil die Modelle derart offen daliegen. Vielleicht ist es das erste Mal, dass auch Männer sich derart exponieren und ihre Dinger zeigen, wie man das noch niemals auf Bildern gesehen hat. Im ersten Moment wirkt es widerlich. Bei weiblichen Figuren sind wir das mehr gewohnt, denn da führt die Malerei eine lange Tradition fort. Aber das Männer derart die Beine spreizen, das ist unerhört, oder besser unersehen (kein gängiges deutsches Wort). Ich glaube, zur Zeit hat Freud eine grosse Ausstellung in der Tate in London. Und einen Moment lang hatte ich mit dem Gedanken gespielt, nach London zu fliegen, um das anzuschauen. Vielleicht findest Du im Internet ein oder zwei Beispiele von diesem Maler.  ...
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Re:  Ja, es gibt viele Bilder von ihm im Internet,
z.B.  hier


Montag, 22. April 2024

Drei Kategorien von Küssen

 

Liebe Marlena

...

Ich umarme dich, wie eine dieser asiatischen mythischen Figuren mit ihren 6 oder 8 Armen es tun würde. Aber ich würde es sehr vorsichtig und sachte tun, sonst würdest du vielleicht Platzangst kriegen. --- 

Quatsch, ich küsse dich. Weiss doch jeder, wie so was geht. Aber gleichzeitig habe ich ein bisschen ein schlechtes Gewissen. Denn ich weiss, dass du mit Worten nicht so freizügig umgehst. Aber Marlena, es sind bloss diese französischen Küsschen, die man in Richtung Ohr bläst, mit einem Höflichkeitsabstand, damit man der Dame nicht das make-up verdirbt. Diese keuschen kleinen Meringues, die sofort trocknen im Frühlingswind.

Ach, da kommt mir noch etwas in den Sinn, komisch, ich muss es dir rasch erzählen. Im Kiwanis haben wir jedes Jahr im Mai ein Spargelessen im Elsass. Das Elsass ist ja bekannt für seine Spargeln, auch wenn sie sie manchmal aus Cavaillon hertransportieren. Und werner Berger war immer verantwortlich für die Organisation dieses Essens. Er bestellt das Essen, und auch kleine weisse Blümchen, die Maiglöcklein. Und jeder Dame verteilt er nach dem Essen ein kleines Sträusschen dieser Blumen und küsst sie links und rechts, wie ein Kavalier. Und vor ein paar Jahren war ich Sekretär des Clubs und musste ein Protokoll schreiben. Und ich habe mich auf guten anderthalb Seiten über seine Küsse ausgelassen, dass er- wenn man genau hinschaut-  drei Kategorien hat, die er da verteilt. Die erste Art ist die jungfräuliche, die ich dir oben beschrieben habe. Sie sind nur hingehaucht, ohne Leidenschaft, eher mit höflicher zurückhaltung. Die Kategorie zwei sind schon ein bisschen feuchter, bleiben auf der Wange kleben, aber sind noch nicht allzu nachhaltig. Und dann hat er noch die dritte Garnitur, die schon einen Anflug von Leidenschft und stillen Träumen erkennen lassen. Und insgesamt lasse sich aus den Küssen schliessen, ob wir einen warmen Sommer haben  werden. Und so weiter und so fort. Ich habe aus seinen Gentlemans-Küssen eine echte Story gemacht und alle haben geschmunzelt und ihre Freude daran gehabt. Vor allem die Damen, die die Protokolle natürlich zuhause auch lesen, um ihren Mann zu kontrollieren.
Wir sind uns im Klaren Marlena, die meinen waren aus der Kategorie eins. Oder waren es schon Zweier, sagen wir Ribbit. 2 wood? Dann bitte ich um Entschuldigung, my lady.
IM ..
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Sonntag, 21. April 2024

Schwanitz


 Männer und Frauen und ähnlich verrückte Dinge ...

Liebe Marlena

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Gestern habe ich mir ein Buch von Schwanitz gekauft. Du wirst lachen, der Titel heisst "Männer". Ich hatte ihn am Wochenende in einer Diskussion im Fernsehen gesehen und der gute Typ war absolut faszinierend. Schon sein letztes Buch "Bildung; alles was man wissen muss" fand beim Publikum guten Anklang. Es ist im Grunde genommen ein Kondensat unserer humanistischen Bildung. Und er teilt deas Buch in zwei Teile: Wissen und Können. Er ist recht originell und auch gescheit, der gute Schwanitz, war Professor für Anglistik in Stuttgart, wenn ich mich nicht irre. Und ist, um das Paket voll zu machen, in der Schweiz aufgewachsen. Auf einem Bauernhof, wenn ich mich nochmals nicht irre.
Nun also, in dieser Sendung Sonntag morgens hat er über Männer gesprochen. Und das fand ich alles in allem so interessant und mit kulturhistorischem Blick behandelt, dass ich mir das Buch gleich am Montag holte. Ich werde es im Sommer studieren. Kommt uns ja entgegen, da die gender studies so aktuell werden und alle drüber reden.

Vielleicht kann ich für Dich die Einleitung zusammenfassen? Er vergleicht Mann und Frau mit Hund und Katze. Vielleicht weil die Katze gepflegt und diskret daherkommt, während der Hund gerne herumtollt und gerne in wilden Rudeln daherbellt. Es sind zwei unterschiedliche Wesen. "Wenn der Hund in freundlicher Stimmung ist, wedelt er mit dem Schwanz. Ist er dagegen böse, dann knurrt er. Bei der Katze ist es umgekehrt. Ist sie gereizt, dann zuckt die Schwanzspitze. Fühlt sie sich anschmiegsam und liebesbedürftig, beginnt sie zu schnurren. Nähert sich also eine Katze mit vertrauensseligem Schnurren einem Hund, fühlt sich dieser bedroht und beginnt zurückzuknurren. Das missversteht die Katze als Einladung zu Vertraulichkeiten, die der Hund wiederum als Angriff auf seine Unabhängigkeit missversteht und mit Bellen und Bissen beantwortet. Da nimmt es nicht wunder, dass die Katze dieses Verhalten als empörend empfindet.

Doch auch der Hund findet das Verhalten der Katze entsetzlich. Er hat die freundlichsten Absichten und wedelt eifrig und frohgemut mit dem Schwanz. Zu seiner Beruhigung beantwortet sie das mit einem zwar zurückhaltenden, aber deutlich sichtbaren Zucken ihrer Schwanzspitze. Als er, auf diese Weise ermutigt und uneingedenk seines betäubenden Bundgeruchs, sich ihr nähert, liest er an der Frequenzerhöhung beim Peitschen des Katzenschwanzes einen Willkommensgruss ab. Gerade will er zu einem schlabbernden Begrüssungskuss ansetzen, da springt sie ihm spuckend und fauchend ins Gesicht".

Schwanitz nennt dies einen alten Fluch der Menschheit.
Hören wir damit etwas Neues?
Mit einem lieben Gruss