Dienstag, 26. April 2022

Elchwanderung heute

 


Mein Blick geht in den Norden, wo

"die grosse Elchwanderung"

wieder begonnen hat.


hier







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Freitag, 8. April 2022

Freitag, 1. April 2022

Sonntag, 6. März 2022

subject: Turnschuhe und ähnliche Dinge

 

Visp
 

Liebe Malou

Merci für die Fortsetzung. Du beschreibst deinen Alltag, so detailliert und  abgerundet, wie nie vorher. Inklusive P1 am Morgen. 
Merci Malou.

Liest du Zeitungen nur online? Das versuche ich auch, aber ich mag es nicht recht. Meist drucke ich die Artikel aus, damit ich dann etwas Papier in der Hand habe. Dieses Papier passt doch dann besser zum Morgenkaffee. Diese Variante finde ich atmosphärisch besser. Aber ich gebe gerne zu, dass sie auch Nachteile hat. Insbesondere liegen bei mir, im Büro wie zuhause, unzählige solcher Artikel und Reportagen und Studien herum.  Ich versuche zwar, jene Texte, die ich besonders gut finde, rot mit "sic" zu markieren. "Sic" ist ein altes Bettler- und Hausiererzeichen. Damit haben sie Haustüren braver Bürger mit Kreide markiert, um ihren  Mitbettlern zum signalisieren, dass man an dieser Adresse wohl ein warmes Süppchen und einen Bissen harten Brotes bekommen kann. Und die übrigen, dh. all jene ohne 'sic', die müsste ich dann eigentlich wegwerfen. Und das tue ich eben nur sehr inkonsequent. Voilà!
(...)
K hat einen Lieblingssessel. Finde ich auch lustig. Nun ja, jeder hat vielleicht seine bevorzugte Ecke in einem Wohnraum. Aber es erinnert mich an die alten Witze, die man im Zusammenhang mit dem Haushund gemacht hat. Jedem neuen Gast musste man signalisieren, welches der Stuhl, auf den er sich auf keinen Fall niederlassen sollte, weil es ja nun eben der Platz des Hunde sei. Dieses Privileg hatten Haushunde und Grossväter, notabene.

Und ihr macht jeden Tag einen 45 Minuten Spaziergang? Finde ich prima. Ist es immer diesselbe Runde, oder wechselt ihr. Es geht durch den Wald und über Feld, nicht? Das ist ja schon ein bisschen kantianisch? Weisst du, was ich damit meine? Der grosse Philosoph Kant war bekannt dafür, täglich um dieselbe Zeit seinen Spaziergang durch die Strassen von Königsberg und hinaus vor die Stadt zu machen. Die Leute, sofern sie denn eine hatten, stellten ihre Uhren danach. Und - wie mir gerade einfällt - Sigmund Freud war auch ein solcher städtischer Wanderer. Ich dagegen habe mir in den letzten Wochen angewöhnt, abends noch rasch einkaufen zu gehen. Der Laden beim Bahnhof schliesst um 22h. So gehe ich zwischen 21h und 22h. Es ist ein 10 Minuten Spaziergang. Das Walken mit den Stöcken habe ich in der kalten und nassen Jahreszeit unterlassen. Es ist schlecht für meine Lunge. Ich kaufe Joghurt, vielleicht Käse und Brot, Früchte etc. Was man eben so braucht.

Ich gratuliere zu den neuen Joggingschuhen. Klar, gute Schuhe sind wichtig. Und heute gibt es soviele Modelle zur Wahl, alle mit diesen modernen Textilien. Man kann sich kaum mehr vorstellen, wie schwer und unbequem Schuhe einmal gewesen waren. Hallo, und da kommt mir gerade eine uralte Erinnerung hoch. In der Sekundarschule in Visp pflegten wir in der alten Turnhalle der Gemeinde zu turnen. Sie war uralt und stand auf der anderen Seite des Dorfes. Um sie zu erreichen, musste man durch die alten Gassen gehen. Ich erinnere mich gut an dieses befremdliche Gefühl, das ich immer wieder hatte, wenn ich durch diese ärmliche Gegend ging. Beidseitig des Weges standen Steinmauern. Sie schützten die Gärtchen der Visper. Die Gassen selbst waren eng und ein bisschen düster. Man ging beim Schuhmacher vorbei. Dessen geistig behinderter kleiner Sohn sass vor dem Laden auf dem Mäuerchen in der Sonne und lallte vor sich hin. Gleich ein paar Schritte weiter der Schreiner, der eine alte Scheune zur Werkstatt umgebaut hatte. Dazwischen und daneben kleine Ställe. Darin hörte man das unbestimmte Geräusch von Schafen, oder vielleicht da und dort ein Kühlein. Verschiedenste Gerüche lagerten in diesen Gassen. Auf dem Asphalt Kuhdreck. Ein bisschen Unordnung, aber nicht zuviel. Frauen mit hochgekrempelten Ärmeln, Kopftuch und Schürze kamen einem entgegen. Sie machten offensichtlich die Arbeit im Stall, während ihre Männer in der Lonza arbeiteten. Oben dann bei der 'Müüra' der Brunnen, wo sie die Tiere zu tränken pflegten. Und dahinter der Platz, der heute ein Autoparkplatz ist. Damals war er nicht asphaltiert gewesen. Und irgendeinmal an einem Markttag im Herbst, vielleicht ist es Martini? - fand dort der grosse Schafmarkt statt. Die Walliser sind grosse Schafliebhaber. Und sie haben eine eigene Rasse, die Walliser Schwarznase.
 

 
 Nun aber, dort oben, bei der Müüra stand diese alte Turnhalle gleich neben dem Pausenplatz der katholischen Schule. Sie wirkte verwittert und düster, eine Mischung aus Theatersaal und Kaserne. Und gleich im Eingangsraum, also im Gang gab es links und rechts ein Bänklein und Haken, wo man sich umziehen musste. Dort war es kalt im Winter, denn jedesmal, wenn sich die schwere Eingangstüre öffnete, ging ein frischer Luftzug durch den Raum. Die Bänke waren kalt. Der Boden war kalt. Und eben, meine sperrigen Turnschuhe waren ebenso kalt. Ich hasste diese Situation und dieses Gefühl der kurzen Turnhose und des kühlen Lüftleins rund um die nackten Beine. Es war mir alles so fremd und ärmlich und eckig und düster. Ich hatte auch  dort den Eindruck, in einen falschen Schwarzweiss-Film geraten zu sein. Siehst du Malou, all diese Erinnrungen und Gefühle hängen mit einem dünnen Faden an meinen damaligen Turnschuhen. Die waren ein bisschen zäh, passten nur so ungefähr an die Füsse und sahen bei allen genau gleich aus. Es hatte damals vielleicht zwei Modelle gegeben. Und eines davon war völlig unmöglich. Schuhe kaufte man in Visp beim Zerzuben, gleich vor dem Bahnhof. Er hatte alles, was Füsse sich wünschten. Aber damals waren Füsse eben noch fast wunschlos. Ich betrachtete lieber die Schaufenster von Zerzuben. Dort sah man diese schönen glänzenden Eishockey-Schlittschuhe. Daneben ganze Ausrüstungen in den besten Farben: Schienbein-Schoner, Tiefschutz, Brustschutz, Handschuhe. Und natürlich jede Menge Eishockey-Stöcke. Das waren unsere Wünsche. Aber die Stöcke, die waren nun mal das allerwichtigste und kamen vor all den Ausrüstungssachen, die waren teuer. Ich glaube, ich habe bei Zerzuben nie einen Stock gekauft. Ich habe sie immer von Kollegen bekommen. Und sie hatten sie von den Spielern der ersten Mannschaft. Es gab Stöcke für Links- und solche für Rechtshänder. Ich war als Rechtshänder, wie Richard Truffer von der damaligen ersten Mannschaft, ein Exot. Richard Truffer - nebenbei gesagt - war ein einfaches Gemüt. Er kam mit seinen Brüdern, alle in der 1. Mannschaft, aus einem kleinen Nachbardorf und wurde schliesslich Polizist. Das war schon eine beachtliche Karriere. Es kursierte der Witz, dass Richard bei der Aufnahmeprüfung in Sitten hätte rechnen müssen. Er sei dann vom Unterwallis zurückgekehrt und habe gross angegeben, weil er die Prüfung bestanden habe. Sie sei nicht allzu schwer gewesen. In Mathematik hätte man ihm die Aufgabe 4 + 3= ? gestellt. Sofort hätte er natürlich 8 gesagt. Die Kollegen lachten und meinten, 4+3 mache doch niemals 8. Richard brüstete sich noch eine Spanne mehr und meinte, das möge schon sein, aber er sei mit seinem Resultat dem richtigen Ergebnis am nächsten gekommen.
Soweit der Rechtshänder Richard Truffer, Mittelstürmer der ersten Mannschaft des EHC Visp, die damals sogar Schweizermeister geworden waren. Insider behaupteten zwar, Richard hätte kaum das Schlittschuhlaufen beherrscht. Und das ist richtig. Oft ist er auf dem Eis wie ein Handballer herumgelaufen, mehr gerannt als wirklich gegleitet. Ach ja Malou, schau mal die alten Zeiten.  Es kommt mir alles hoch.
Und weisst du, was ich sehe. Auf dem Dach gegenüber ein Taubenpaar. Sie tänzeln in der Sonne, drehen sich um die eigene Achse. Das muss das Vorspiel sein. Stelle dir vor Malou, auf dieser Höhe über der Strasse, in luftiger Höhe, Liebe zu machen. Na ja, sie machen eigentlich nur Quickies, wie man so sagt!
Nun sind meine Gedanken völlig vom Weg abgekommen. Ich muss an die Arbeit.
Wünsche dir einen schönen Tag.
Liebe Gs und Ks

Samstag, 5. März 2022

Fortsetzung ...

Lieber ...,

Eine Fortsetzung wollte ich dir schreiben. Leider ist es schon wieder spät geworden ehe ich dazu komme. Vielleicht sollte ich warten bis morgen. Erstens bin ich schon müde und zweitens ist die Tastatur hier oben so laut, dass es im ganzen Haus hallt.

K sitzt unten und sieht sich einen grausamen blutigen Krimi an. Ich nehme ihn hier oben auf Video auf, um ihn vielleicht später einmal zu sehen. Ich sage vielleicht, denn ich habe unendlich viele Programme eingespielt, die ich gern sehen möchte. Das meiste ist wirklich sehenswert und so gut, dass ich es auch nachher nicht löschen möchte. Ich bilde mir ein, dass wir Schweden das beste Fernsehen der Welt haben. Und weisst du warum? Weil wir die besten Programme, die in der Welt gemacht werden, importieren. Sie werden alle in der in der Originalsprache gezeigt mit Untertext. Ich glaube du bist ein ähnlicher Sammler, nur tust du es mit Zeitungsartikeln, die dich interessieren. Was Zeitungsartikel betrifft, so bin ich noch nicht so weit gekommen. Ich überfliege jeden Tag schnell die Kulturbeilage unserer grossen Tageszeitung, und hebe sie dann auf, um sie später nochmals in Ruhe zu lesen. Auch Anna liest sie mit grossem Interesse und das freut mich besonders. Ihre humanistische Seele braucht auch etwas Nahrung.

Abends komme ich oft erst gegen zwölf Uhr ins Bett. Etwas spät, das gebe ich zu, aber ich kann ja morgens ausschlafen. Das tue ich auch und stehe meist erst gegen neun Uhr auf. Vor kurzem war es dann noch stockdunkel, aber jetzt scheint meist schon die Sonne herein. Manchmal ist K schon aufgestanden und ich spüre den herrlichen Duft von Kaffe und kann auch, wenn ich gut hinhöre, das Küchenradio hören.

Meistens bin ich aber die erste und braue den Kaffee. Während er fertig wird schaue ich nach ob ich mails bekommen habe. Dann frühstücke ich in Gesellschaft mit klein Pojki. Er freut sich über etwas Gesellschaft und singt mir kleine Frühlingslieder vor. :-) Dabei höre ich mir die Morgensendung im Radio an. Immer P1, das beste und interessanteste von allen.
Nach dem Frühstück lese ich noch die Zeitungen online und gehe dann hinauf und beschäftige mich zur Zeit mit meinem Ummöblieren, oder wie man es nennen soll. Annas Zimmer, das ich bisher als Abstellraum für alles mögliche benutzt habe, wird langsam wieder bewohnbar. Es gibt noch Papiere aus meiner Berufszeit, die ich durchgehen muss. Das schiebe ich vor mich hin. Aber mit den Büchern  beschäftige ich mich gern. Ich denke, dass ich diesen Genuss mit dir teile.

K hat inzwischen auch gefrühstückt und verbringt einen Teil des Vormittags in seinem Lieblingssessel mit den zwei Tageszeitungen.. Dann will er eine Runde gehen.. unsere übliche, die so rund 45 Minuten dauert und danach ist es Zeit für Lunch.

Gestern sind wir in ein grosses Kaufzentrum gefahren. K wollte unbedingt, dass ich mir ein paar gute Joggingschuhe kaufe. Und das habe ich auch getan. Er meint schlechte Schuhe belasten zu sehr die Gelenke beim Gehen und damit kann er Recht haben. 

***
Soweit war ich gestern Abend gekommen.
Heute scheint die Sonne wieder ganz herrlich. Ein richtig schöner warmer Frühlingstag ist es. Und ich habe gerade die neuen Schuhe ausprobiert. Man geht wie auf Wolken. :-)

Das obige ist also mein normaler Tagesablauf. Dann gibt es die kleinen Extras, die Perlen an meiner Lebenskette, über die ich mich gern mit dir unterhalte. Sie sind in dieser Periode etwas seltener geworden.

So, ich muss wieder los.
Wünsche dir einen feinen Tag und sende dir wie üblich
liebe Gs und Ks
Malou
...
 

Samstag, 26. Februar 2022

"Ich habe das Password"

 

Lieber ...,
Ach wie schön, noch ein mail von dir zu finden. Ich hatte mir vorgenommen so gegen 13.00 Uhr zu Hause zu sein und bin dann erst drei Stunden später hier gelandet. Und dabei hatte ich sogar vergessen, dass ich noch keinen lunch bekommen hatte. Jetzt habe ich gerade meinen Hunger gestillt.. meinen körperlichen.. meinen seelischen stillst du jeden Tag mit deinen Mails. Ich kann es kaum fassen, dass diese Zeit, die ich glaubte in der Wüste verbringen zu müssen, wo ich mich auf eine lange Hungerkur eingestellt hatte, so anders geworden ist.
Ich merke, dass du freier bist. Du bist auch nicht mehr geizig mit dem süssen Nachtisch. Ich glaube, ich habe noch nie eine so schöne Woche mit dir verbracht. Und obwohl ich fast in Arbeit ertrinke (glaube unsere Chefs sind wahnsinnig geworden, denn sie legen immer mehr Aufträge auf unsere Schultern) so habe ich fast den Eindruck, dass ich auf Urlaub bin mit dir in New York. Ich danke dir dafür. Du bist wirklich so lieb, dass man dich nicht für sich beanspruchen sollte..

"... und dich besitzen, nur ein Lächeln lang,
um dich an alles zu verschenken, wie einen Dank". (Rilke)

Ja, ich habe genau wie du reagiert auf die Bilder zu Rumis Gedichten. Sie sind nicht anstösslich und zeigen schöne Körper aber sie reduzieren die Texte. Ich habe auch noch nicht alle Gedichte gelesen und ich werde sie mir, so wie du, ohne Bilder zusammenstellen. Das kann ich auch für dich tun, wenn du willst. Meine Mailüberschrift "Ich habe das Password" bezog sich auf dieses kleine Gedicht:
..
Ich kann die Rätsel alle dir
der Schöpfung sagen;
denn aller Rätsel Lösungswort
ist mein, der Liebe.

..


Oder dieses:
..
Liebende sehen die Dinge so,
wie sie wirklich sind.
Denn sie sehen mit der Klarheit
des göttlichen Lichts,
und ihre Liebe spricht die Mängel frei.

..


Ist das nicht ein wunderschöner Gedanke, fern von unserer Einstellung, dass Liebe blind macht. Was meinst du?

*
Ich muss mich um das Haus kümmern. In den letzten Tagen ist alles hier liegengeblieben und in den Papierhaufen komme ich vorwärts mit der Geschwindigkeit einer Schnecke. Warum muss es so schwer sein, sich zu entscheiden ob man etwas wegwerfen soll oder nicht? Aber du bist fern von diesen Problemen im Moment und ich will dich eigentlich garnicht daran erinnern, dass es sie gibt.
*
So nun lasse ich dich (jedenfalls für eine Weile) und wünsche dir noch einen schönen Abend. Ich denke du wirst mein mail erst nach dem Kurs finden.. oder gar noch später. Falls ich dich nicht mehr erreiche so möchte ich dir nur schnell noch einen kleinen Rat geben: Schlaf bitte nicht ein bei dem Musical. ;-)

Mit lieben Grüssen,
Marlena

 

Samstag, 19. Februar 2022

Re:

 Liebe Malou

Ist schon ein bisschen merkwürdig, dass du gerade jene Mails deiner kleinen Tochter zu lesen gibst, die absolut nicht jugendfrei sind. Pass auf, dass du sie nicht verdirbst.Und ich rate dir auch ab, dieses Mail herumzureichen. Das kommt nicht gut heraus, und die Leute würden denken, du korrespondierst vielleicht mit einem südeuropäischen Pornospezialisten.
Ich habe mir nämlich die Idee mit den Sexboxes noch weiter ausgemalt. Ich meine schon der Begriff Sex-Box klingt genial, nicht war. Schon beim Wort steigt der Adrenalinspiegel ein bisschen. Aber ich habe mir auch vorgestellt, dass man in einer solch engen Box - sie ist ja nicht viel grösser als ein Sarg - dass man sich darin auch verkeilen kann. Für solche Situationen sollte ein Alarmknopf angebracht sein, den man vielleicht mit der grossen Zehe irgendwie erreichen kann, damit der Boxenmanager die Feuerwehr alarmiert und die beiden verkeilten und verklemmten Menschlein heraus schweisst. Der Aktionsradius ist einfach begrenzt. Man müsste vielleicht an der Aussenwand eine Anweisung anbringen, die zeigt, dass gewisse Stellungen darin sehr riskant und damit mehr oder weniger verboten sind.  Man sollte sich in einer Sexbox wirklich nicht auf Sex-Extravaganzen hinauswagen.
 
Vielleicht ist es das schöne Wetter, das meine Fantasie hochtreibt. Es war eine recht ruhige Nacht. Na ja, ich muss sagen, ab 2.00 war es ungefähr ruhig. Vorher war im Nebenzimmer die Hölle los. Ein Mann hat herumgealbert, geschrieen und getan. Ich dachte, es wäre ein Volksfest mit einer Menge von Personen. Und als ich ungefähr um halb zwei mal hinausging, weil der Lärm wirklich ungeheuerlich war, lag da bloss ein Männlein auf dem Bett und die Schwester war irgendwie damit beschäftigt, ihn zu betten. Ich sah nicht mal das Männlein, sondern bloss zwei dünne Beine. Na, ich durfte mir ja doch nicht erlauben, einfach einzutreten. Aber die Schwester hat mein Problem begriffen. Und ich habe die Zimmertür geschlossen. Und dann bin ich wohl bald mal eingeschlafen. Mit der Morgenschwester hatte ich ein längeres Gespräch. Sie ist ein philosophischer Typ und plaudert gerne, hatte ich den Eindruck. Und ein bisschen hatte ich bei ihr herausgehört, welchen Eindruck wir hier als Familie beim Spitalpersonal machen.
 
Und jetzt bin ich auf dem Heimweg. Zwischenhalt im Büro. Ich hätte jetzt Lust auf einen kleinen, kühlen Apero. Aber das spare ich mir für später mal auf. 
 
 

 
 Bei uns sind die Rosen in vollem Gange, sozusagen. Nein, so kann man es natürlich nicht sagen. Sie sind in Blüte. Sie sind in voller Pracht. Oder so. Ich habe kürzlich einen Film gesehen über englische Rosenzüchter. Das hat mich fasziniert, und irgendwie spiele ich mit dem Gedanken, in der Pension einen hübschen Rosengarten anzulegen. Einen schönen englischen Garten, mit diesem feinen Rasen und dem üppigen Grün rundum, das schaffe ich vielleicht nicht. Wir haben weniger Regen und etwas wilderes Klima als die Engländer. Aber annähernd wäre das schon möglich. Sie machen dort drüben jede Menge Wettbewerbe und Gartenausstellungen und Fotobände usw. Und das Schöne dabei ist, dass die Rosen in einer natürlichen Umgebung blühen. Es sind nicht diese steifen, hoch designten Blüten, die man hier kaufen kann, Baccara-Rosen oder wie sie heissen. Nein, sie wachsen in Gruppen wie Schafe und leben mitten im Grün des Gartens. Wirklich sehr schön. Da war eine Frau. Sie hat ihr gesamtes Vermögen in diesen Garten gesteckt. Ihr Mann schneidet täglich den Rasen und arbeitet nachts als Taxichauffeur, um das Vergnügen zu finanzieren. Ist das nicht faszinierend? Faszinierend nicht solche Rosen, aber einen solchen Mann ???
 
MLG