Sonntag, 24. Dezember 2017
Unsere Weihnachten - ein interkultureller Mix
Liebe Marlena
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Das Julbord sieht fein aus. Es ist ja auch eine besonders festliche Atmosphäre, wenn jedes Jahr dieselben Köstlichkeiten auf den Tisch kommen. Und das beginnt schon in der Küche und mit dem Geruch, der durch die Wohnung zieht, wie Du und Deine Tochter argumentiert haben.
Unsere Weihnachten ist ein interkultureller Mix. Wir sind uns nicht schlüssig, ob wir am 24. Oder am 25. Dezember feiern sollten. Der 25. ist doch eigentlich eher die katholische Variante. Das Glöcklein, das Du nennst, ist unspezifisch. Ich kann mich erinnern, dass bei uns, als wir Kinder waren, immer ein Glöcklein das Signal und die Erlaubnis gegeben hat, in die Stube einzutreten. Und die Eltern wollten dann stets noch einen Vorhang gesehen haben, durch den eine Bewegung, das heisst das Christkind gegangen sei. Ich habe diesen Vorhang und den Windhauch, der ihn bewegt haben soll, nie wirklich gesehen. Aber ich kann diese Szenerie in meinem Kopf sehr plastisch beobachten. Man sieht nur, wie sehr man den jungen Menschen das VL einreden kann, so dass sie RL wird. Die Grenzen sind ziemlich unbewacht. Vor allem bei den Engeln.
Was die Moslems und Weihnachten betrifft, so ist das so, dass S an der UNO damals natürlich jede Menge Weihnachten und Menschen, die sich um Weihnachten kümmern erlebt hat. Es war offensichtlich auch so, dass die vielen Armenier im Iran festlich Weihnachten feiern, und dass sie dann wahllos Freunde, sowohl Moslems wie Juden dazu einladen. Und gerade letztes Wochenende habe ich in einem Interview mit einem Vetter der berühmten Anne Frank gehört, dass seine Familie, eine jüdische offensichtlich, dasselbe in Basel gemacht hat. Sie fanden das Fest einfach schön, ohne dessen religiöse Bedeutung mitzunehmen. Aber ich muss gestehen, dass in unserer Familie das Weihnachtsfest kein sehr eingeprägtes und konstantes Ritual ist. S wechselt, verziert einmal so, kocht einmal anders, mal ohne Baum mal mit. Die Kinder sind ja auch nicht mehr so, dass sie mit grossen Augen unter dem Baum sitzen. Sie haben oft ihre eigenen Anlässe und wollen bald wieder gehen.
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Ich muss Dich lassen und wünsche einen schönen Tag.
Mit einem lieben Gruss
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Samstag, 23. Dezember 2017
23. Dezember
Lieber ...,
Jetzt ist alles fast fertig. Der Weihnachtsbaum ist geschmückt und ich bin mit meinem Werk zufrieden. Wunderschön sieht er aus! Ich tue es jedes Jahr und dabei gehen meine Gedanken zurück in meine Kindheit wo man mir und meiner Kusine diese "wichtige" Aufgabe anvertraute. . Wir bemühten uns den allerschönsten Baum zu machen und hatten einen riesigen Spass bei der Arbeit. Es gab schöne farbige Kugeln, Lametta u.s.w. Unten hängten wir dann noch kleine Körbe mit Gebäck und anderen Süssigkeiten, damit die Katzen auch was gutes bekommen sollten. Mein kleiner Kater Tusse war ganz vernarrt in Weihnachtsgebäck und sogar Feigen ass er mit grossem Genuss.
Eigentlich habe ich nie einen typisch schwedischen Baum gemacht sondern etwas mehr wie ich sie mal als Kind in Wien gesehen hatte. Und wenn wir Besuch bekamen staunten die Leute darüber und beschlossen in Zukunft ihren Baum auch so zu schmücken.
Und nun bin ich also fertig mit dem Kunstwerk und habe Zeit meine e-post zu erledigen. Leider ist es auch Weihnachtspost. Eigentlich liebe ich es nicht so sehr e-cards statt richtige zu senden. Es ist etwas unpersönlich. Aber die Freude schöne Karten (richtige also) auszuwählen habe ich mir nicht nehmen lassen.. Sie liegen hier und erinnern mich an mein Versäumnis. Nächstes Jahr vielleicht.. ;-)
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Freitag, 22. Dezember 2017
Donnerstag, 21. Dezember 2017
Bald Weihnachten
Liebe Malou
(---)
Ja, ich glaube, ich werde mal mit einem solch direkten Zug ins Wallis fahren. Ohne umzusteigen, das ist gut. Da kann man sitzenbleiben und ein dickes Buch lesen. Bloss weiss ich in Visp nicht besonders viel anzufangen. Ich glaube, in einer Stunde habe ich gesehen, was dort los ist. Sie haben ein riesiges neues Bahnhofgebäude gebaut. Und dahinter beginnt gleich das Dorf. Ja, ich merke, ich habe etwas gemischte Gefühle. Die ganze Jugendzeit kommt mir hoch. Wir sind damals oft in den Restaurants umhergezogen, wie man das im Wallis unter Männern eben so macht. Es war eigentlich eine Welt und Zeit ohne viel Ereignisse. Wirklich provinziell. Manchmal, wenn ich zurückdenke, bedaure ich, dass wir als Jugendliche nicht mehr wirklich unternommen haben. Ich meine damit ...
(---)
Weihnachten rückt näher Malou. Ich werde am 25. meinen Vater betreuen. S hat mich instruiert, wie man das tun sollte. Offenbar schläft er viel tagsüber, bleibt aber bis spät in die Nacht vor dem Fernseher. Das heisst doch eigentlich, dass sein Tag-Nacht-Rhythmus gestört sei, nicht wahr? Man sollte ihn morgens ins Licht bringen, habe ich mal gehört. Mittags erhält er sein Essen von Spitex. Das ist ein Mittagessendienst für die Alten. Und für den Abend stellt S etwas hin. So werde ich vielleicht um 20h wieder zuhause sein. Das ist nicht schlecht.
Wie meinst du 'hier ist nicht viel passiert'? Aber Malou, es passiert doch immer etwas, entweder draussen in der Welt, im Quartier, im Haus, oder aber im eigenen Kopf. Das gibt es doch nicht, dass 'nichts passiert'. Das muss eine optisch-akustisch-taktile Täuschung sein.
Jedenfalls wünsche ich dir eine gute Zeit, in der was läuft.
Liebe Gs und Ks
...
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Ja, ich glaube, ich werde mal mit einem solch direkten Zug ins Wallis fahren. Ohne umzusteigen, das ist gut. Da kann man sitzenbleiben und ein dickes Buch lesen. Bloss weiss ich in Visp nicht besonders viel anzufangen. Ich glaube, in einer Stunde habe ich gesehen, was dort los ist. Sie haben ein riesiges neues Bahnhofgebäude gebaut. Und dahinter beginnt gleich das Dorf. Ja, ich merke, ich habe etwas gemischte Gefühle. Die ganze Jugendzeit kommt mir hoch. Wir sind damals oft in den Restaurants umhergezogen, wie man das im Wallis unter Männern eben so macht. Es war eigentlich eine Welt und Zeit ohne viel Ereignisse. Wirklich provinziell. Manchmal, wenn ich zurückdenke, bedaure ich, dass wir als Jugendliche nicht mehr wirklich unternommen haben. Ich meine damit ...
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Weihnachten rückt näher Malou. Ich werde am 25. meinen Vater betreuen. S hat mich instruiert, wie man das tun sollte. Offenbar schläft er viel tagsüber, bleibt aber bis spät in die Nacht vor dem Fernseher. Das heisst doch eigentlich, dass sein Tag-Nacht-Rhythmus gestört sei, nicht wahr? Man sollte ihn morgens ins Licht bringen, habe ich mal gehört. Mittags erhält er sein Essen von Spitex. Das ist ein Mittagessendienst für die Alten. Und für den Abend stellt S etwas hin. So werde ich vielleicht um 20h wieder zuhause sein. Das ist nicht schlecht.
Wie meinst du 'hier ist nicht viel passiert'? Aber Malou, es passiert doch immer etwas, entweder draussen in der Welt, im Quartier, im Haus, oder aber im eigenen Kopf. Das gibt es doch nicht, dass 'nichts passiert'. Das muss eine optisch-akustisch-taktile Täuschung sein.
Jedenfalls wünsche ich dir eine gute Zeit, in der was läuft.
Liebe Gs und Ks
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Sonntag, 17. Dezember 2017
Nochmals ...
Lieber ...,
Nochmals ein paar Zeilen, wie ich gehofft hatte. Wie schön, dass du nun einen schnellen Weg nach Visp hast. Und vielleicht freust auch du dich auf den Aufschwung für die Region, die das bedeutet. Oder hättest du es gern wie früher, nur dass du schneller hingelangen kannst?
Zum "Schweden des Jahres" hat man diesmal den Kommunevorsitzenden von Haparanda gewählt. Ihm muss man es verdanken, dass Kamprad ein IKEA dort etabliert hat. Und damit folgte ein unerhört grosser Aufschwung auf allen möglichen Gebieten. Eine immer mehr verfallene und entvölkerte Region hat wieder Leben bekommen. Der Umsatz bloss bei IKEA war im ersten Jahr doppelt so hoch als man erhofft hatte. Und das freut mich alles sehr, denn jeden Sommer fahren wir mal dorthin, eigentlich auf dem Weg nach Tornio in Finnland das an Haparanda grenzt.
Ja, mach es, fahr bald einmal nach Visp und nimm deine Digitalkamera mit.
Hier ist sonst nichts Neues passiert von dem ich dir erzählen könnte. Am Donnerstag oder Freitag hole ich Anna ab. Dann muss ein Baum gekauft werden. Das ist immer eine aufregende Geschichte.
Wie schön, wenn du meine Mailbox als zu Hause siehst. Das ist sehr lieb gesagt. Ja, bei mir sollst du immer zu Hause sein. Stell dir vor, nie im Leben brauchst du dich einsam fühlen, weil ich immer bei dir bin.. irgendwie bin ich das wirklich.
So, ich lasse dich wieder. Geniesse diese kleine Praline zu deinem Kaffee.
Mit lieben Gs und Ks
Malou
Wie anders ...
Lieber ...,
Ich sehe wieder wie anders es wäre wenn ich deine Mails ganz spontan sofort beantworten könnte. Ach, welch schwerverdauliche Dinge du dir anhören müsstest. Dann vergehen ein paar Tage und ich denke "es ist nur halb so schlimm, nichts worüber man sich äußern müsste" und es bleibt dabei.
Zu deiner Frage wieviel Jahre ich gekriegt habe, wollte ich sagen lebenslänglich. Aber nicht bei Wasser und Brot. Doch all das übrige gleicht sehr deiner Ehe.
*
Heute ist es richtig wintrig draußen. Eine Winterkälte, obwohl das Thermometer rund Null zeigt. Aber der Himmel ist blau und schön!
Die alte Dame die ich heute Nachmittag zum Zahnarzt bringen sollte, liegt wahrscheinlich im Krankenhaus. Und da auch der Zahnarzt krank ist, kann ich die Zeit für mich selbst verwenden. Ich sollte wohl ein wenig Weihnachtpost erledigen, denn es tropfen schon Briefe und Karten
herein von Leuten die es lieber so haben als am Computer.
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Jetzt sehe ich, dass ein Mail von dir hier in der Box liegt. Wie schön!!!! Ich freue mich schon darauf. Kann das lesen nicht mehr aufschieben. :-)
Wenn möglich komme ich später heute nochmals vorbei.
Ich wünsche dir einen schönen Tag
mit lieben Gs und Ks
Malou
Samstag, 16. Dezember 2017
VISP
date: 18 December
Liebe Malou
Ja, deine ausführlichen Antworten sind soooo lang, dass man sie fast nicht mehr überblickt. Manchmal sieht man sie kaum ;-)
Aber ich schreibe dir sehr gerne. Irgendwie ist es für micht, wie wenn ich einen Brief nach Hause schicke.
Stell dir vor: heute Morgen bin ich in Basel in einen Zug gestiegen, für den an der Anzeigetafel V I S P angeschrieben war. Fand ich ganz komisch. Mit dem neuen Lötschbergtunnel ist man von Basel - glaube ich - in weniger als 2 Stunden in Visp. Und Visp ist als Umsteigestation nach Zermatt und Saas Fee wichtiger geworden. Sie fühlen sich neuerdings den Brigern, die früher immer etwas überheblich waren, heute überlegen. Offenbar rechnen sie auch mit neuen Firmensitzen in Visp. Ich glaube, ich werde mal diesen Zug um 6.30h nehmen und sitzenbleiben bis Visp. Denke mal, als ich noch in Zürich studiert hatte, ganz am Anfang, dauerte die Heimreise am Wochenende mindestens 4 Stunden. Es dauerte eine ganze Ewigkeit. Man konnte die ganze dicke deutsche Zeitung DIE ZEIT lesen. Und das will schon was heissen. Und heute ist Visp ein Vorort von Bern, so nennen sie es. Sosehr verändert sich die Geographie in der Schweiz.
Gestern abend bin ich quer durch die halbe Stadt marschiert. Es war kalt. Ich hatte keine Lust, auf den Schützenmattpark zu gehen, wo es dunkel ist wie in einem Kuhmagen. Durch die Stadt ist es unterhaltsam. Aber ich hatte keine Stöcke mitgenommen. Bloss meine Juke Box, und habe philosophische Überlegungen zu den Vorsokratikern von diCresenzo gehört. Aber so genau habe ich oft auch nicht hingehört. Es gab, nach dem regen Wochenende, nicht allzu viele Menschen in der Stadt. Und viele der Restaurants und Cafés, die nicht gerade zentral liegen, waren geschlossen. Die Leute sitzen eben leider alle vor dem Fernseher und schauen in die Welt hinaus, dazu alle in die gleiche Kanal-Richtung.
Heute wollte ich mich mit Walo treffen. Doch er antwortet nicht am Handy. Wahrscheinlich hat er viel Arbeit. Ich werde sehen, was sich ergibt.
Ich wünsche dir einen schönen Tag
Liebe Gs und Ks
...
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