Dienstag, 31. Oktober 2017

Noch ein Römerbild


Santi Luca e Martina


Ich glaube, ich schicke Dir wieder mal ein Römerbild. Hast
Du den Stadtplan dabei, damit Du dann auch genauestens
orientiert bist. Ich behaupte, in einer halben Stunde kann
man das Zentrum Roms auf einem Plan kennenlernen, dass
man sich dann schon ziemlich gut auskennt, sodass man
kaum mehr verloren gehen kann. Und ich muss gestehen,
dass ich mich nach einigen Tagen dort nach meinem Bild
Zürichs orientiert habe. Ich würde sagen, dass Zürichs
Zentrum ungefähr gleich gross sein muss.
Die Via del Corso ist die Bahnhofstrasse. Die Universität
liegtungefähr im Raum der Stazione Termini, wo dahinter
ja wirklich auch die Uni liegt. Der Vatikan wäre ungefähr
der Uetliberg. Und das Forum Romanum stellt als eine Art
Steinwüste den Zürichsee dar. Aber ich habe diese Vorlage
nicht bewusst genommen, sondern habe erst im
Nachhinein bemerkt, dass es in meinem Kopf so abläuft.
Schau mal dieses hübsche Foto. Ich glaube, es war eines
der ersten, die ich knipste. Es war gegen Abend und ich
kam von Termini herunter. Und da fand ich diese Gruppe
Jugendlicher vor der Kirche S Martina e Luca. So glaube
ich zumindest, dass sie heisst. Sie liegt gleich neben dem
Forum Romanum. Diese Kuppelkirchen, typische Barock-
gebilde, haben es mir einfach angetan. Ich habe sie von
allen Seiten fotographiert. Sie prägen ja auch die Sky-Line
Roms. Und sie sehen aus allen Seiten gleich aus ;--).

Ich habe übrigens die Erkenntnis gemacht, wie sich diese
Kirchen architektonisch entwickelt haben. Das wusste ich
vorher nicht, oder nicht so bewusst. Der Anfang war die alte
Basilika, also ein Langraum. Dann kamen die Seitenschiffe
hinzu. Ich glaube, der alte St. Peter war so eine alte
Basilika. Dann kam das Querschiff, das den Grundriss
eines lateinischen Kreuzes machte. Und damit ergab sich
die Vierung, jenes Quadrat, über dem sich Hauptschiff und
Querschiff kreuzten. Darüber entstand oft der Kirchturm.
Und im Barock dann eben die Kuppel, wie man in der
Kirche Il Gesù sehen kann. Und schlisslich hat man die
Schiffe beiseite gelassen und nur diesen Rundbau mit der
Kuppel gebaut. Ich finde, das ergibt einen wirklich schönen,
geradezu idealen Innenraum. Es gibt noch andere solche
Kuppelkirchen in der Nähe des Forums. Diese hier ist lange
nicht renoviert worden und sieht ein bisschen vergammelt
aus. Die eine Seite, nämlich jene, die Richtung Forum geht,
ist eine Präsentationsfassade mit Eingang. Ich glaube, ich
habe sie auf einem anderen Foto mindestens teilweise
erwischt.
Schön ist die Abendsonne auf dem Bild und der Kontrast
der doch überaus vergänglichen und volatilen Ballone vor
dem Hintergrund der Kirche, die ja schon fast sowas wie
die Ewigkeit repräsentiert.





Sonntag, 29. Oktober 2017

Besuch im Vatikan






Hier noch zwei Bilder. Sie kommen, wie Du sicherlich annehmen wirst, aus der Umgebung des Vatikans. Die Medaille für Kristina von Schweden befindet sich, wie Du bestimmt weisst, in S Pietro. Ziemlich nahe beim Eingang auf der rechten seite findet man die riesige Medaille. Sie hängt allerdings ziemlich hoch, so dass man die Inschrift kaum lesen kann. Nicht weit davon steht die Pietà von Michelangelo. Davon schicke ich Dir später ein Bild. Natürlich hätte ich diese katholische Christina niemals gesehen ohne unsere Mailerei.



Und das andere Bild stammt von der Piazza Santa. Es war ziemlich warm, und die drei Patres haben sich irgendwo ein Wässerchen organisiert. Ich glaube, sie kommen alle drei von sehr verschiedenen Ethnien. Na ja, zwei Asiaten und ein Westler. Der liebe Gott muss in der Tat mehrsprachig sein. Die Moslems denken, er spreche arabisch, die Katholiken vielleicht immer noch, lateinisch. Aber er kann bestimmt auch ein paar Brocken Schweizerdeutsch! Wenn man von der Piazza Santa durch die Kolonnaden in den Dom will, muss man einen gründlichen Check über sich ergehen lassen. Manchmal gibt es dort lange Warteschlangen. Sie durchleuchten alles: Taschen, Körbe, Mappen etc. Nur die Priester lassen sie ungeschoren durch, wie ich meine. Und dann geht es wieder mehr oder weniger in Kolonne hinauf zum Eingang. Man muss also, wenn man auf den Petersplatz kommt, auf der rechten Seite hinauf. Links lassen sie einen nicht eintreten.

Die Piazza Santa ist einfach eindrücklich. Einen solchen Platz gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Das hängt an seiner genialen Gestaltung, aber natürlich auch an den vielen Menschen, die ihn beleben. Man hat irgendwie den Eindruck, hier sei so etwas wie das Zentrum der Welt. Das würden natürlich viele bestreiten, aber eine solche Konzention habe ich sonst nirgendwo gesehen. Na ja, ich habe auch nicht alle Plätze gesehen. Ich würde behaupten, S Marco in Venedig mache einen ähnlich grossen Eindruck auf unsere Seelen. Aber daran sieht man vielleicht nur meinen Eurozentrismus. Der grosse Platz in Isfahan ist jedenfalls von völlig anderer Qualität. Und Times-Square ist kein Platz, sondern eine blosse Strassenkreuzung. Na ja, vielleicht wäre da noch der Wasserturmplatz in Liestal zu erwähnen. Er ist natürlich auch eindrücklich im Sinne der Redensweise: Steter Tropfen höhlt den Stein (meiner Seele).

Es ist merkwürdig, wie ich mich in katholischen Kirchen wohl fühle. Ich fühle dort immer einen Frieden und finde mich gut aufgehoben. Das hängt vielleicht schon damit zusammen, dass ich solche Kirchenbesuche mit Ferien assoziiere. In eine Kirche zu treten, bedeutet für mich sozusagen Ferien. Und natürlich sind solche Kirchen immer auch angenehm kühl und ein bisschen dunkel, in Kontrast zur Hitze und Helligkeit der Strasse. Ich kann die Römer verstehen, dass sie ihre schönen Kirchen wie Ruhe- und Meditationsräume nutzen. Und wenn man dann eintritt, zum Beispiel morgens um neun, dann denkt man, man sei allein in diesem grossen Raum. Es sind keine Menschen zu sehen. Man ist beeindruckt vom Raum, von den Säulen, vielleicht von den Malereien oder vom Altar. Man geht herum. Und plötzlich sieht man da und dort Menschen. Die einen sitzen still und scheinen zu beten, oder doch zumindest sich selbst zu suchen und zu finden. Andere gehen herum und schauen sich auch die Kirche an. Vielleicht ist noch irgendwo ein Sakristan unterwegs, der mit irgendwelchen Dingen hantiert. Einziger Nachteil der Kirchen: man kriegt leicht Nackenstarre!

Ich hatte in Il Gesû ein lustiges Erlebnis. Ich war so müde und hatte mich auf einen Bank mitten in der Kirche gesetzt. Es gibt dort ein schönes, barockes trompe d'oeuil Deckengemälde, so dass man denkt, man würde geradewegs in den Himmel hinauf sehen. Aber eben der Nacken. Ich sass also ziemlich erschöpft dort und bemerkte, dass ungefähr 4 m vor mier ein Bild aufgestellt war. Es war so schief an einen Stuhl gelehnt. Und wenn immer Menschen vorbeikamen und das Bild betrachteten, hellte sich ihr Gesicht auf. Sie waren ganz begeistert von diesem Bild, vielleicht 50x100cm gross. Und je mehr Leute ich passieren und leuhten sah desto neugieriger wurde ich, was es wohl auf diesem Bild zu sehen gäbe. Ich dachte an einen Grundriss, irgend eine Darstellung, die den Menschen eine Übersicht und eine Einsicht gaben. Ich konnte mir nichts anderes vorstellen als eine erläuternde Darstellung. Und als ich dann meine Kräfte wieder gesammelt hatte und bereit war, mich hin zu diesem Bild zu bewegen, da fand ich ... einen Spiegel. Er war schief gestellt, so dass man, ohne den Kopf in den Nacken zu werfen, die Decke betrachten konnte. Das war ein lustiger Moment.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag.

Samstag, 28. Oktober 2017

Geheimnis der Liebe

Lieber ...,

---

Übrigens scheint nun das Geheimnis der Liebe bald gelöst zu sein. Die neueste Forschung auf dem Gebiet sagt: eine Verliebtheit (Passion) hält 18 Monate bis zu 4 Jahren an. Wenn wir uns verlieben, bildet der Körper Fenyletylamin (nicht zu verwechseln mit Testosteron). Hier gilt es nämlich wirklicher Liebe. Fenyletylamin hat ähnliche Eigenschaften wie cannabis und amfetamin. Man wird „hoch“ davon.
Leider hat diese körpereigene Passionsdroge noch mehr Ähnlichkeiten mit Narkotika. U.a. bildet der Körper allmählich eine Toleranz dagegen. Der Effekt verschwindet und damit auch die Passion. Und höchstens vier Jahre lang hält die Verliebtheit an. Aber das Ende der Passion braucht nicht das Ende einer Beziehung zu bedeuten. Die Molekylärbiologie hat gefunden, dass Paarbeziehungen auch das morfinähnliche, beruhigende Oxytocin bilden, das nicht so stark ist wie die Passionsdrogen, aber das „habit-forming“ (weiss nicht auf deutsch) ist und auch nach der Verliebheit anhält. Für denjenigen, der nicht ohne Passion leben kann gibt es nur einen Ausweg: einen neuen Partner zu finden in den man sich verlieben kann. Mit einem neuen Objekt für die Verliebheit beginnt die Fenyletynamilproduktion und die Passion von neuem.

Freitag, 27. Oktober 2017

Wie Männer kochen


...
Nebenbei gesagt weiss ich, liebe Marlena, wie Männer kochen. Ich mach das heute eigentlich kaum mehr. Aber früher habe ich auch ab und zu gekocht, so, wie Männer eben kochen. In der einen das Weinglas, in der anderen den Kochlöffel, das ist die klassische Pose. So was gehört sich. Ohne das wäre Kochen Galeerenarbeit und die Küche die wahre Hölle. Mit dem Wein aber schon ein bisschen anzufangen, das gibt der Küche jenen Glanz, die sie überhaupt erträglich, ja vielleicht gar wohnlich macht. Man muss aber auch wissen, dass das nicht freiwillig ist. Es herrschen hier ziemlich verbindliche Regeln und Gesetze: Es geht darum, dass man den Wein rechtzeitig zu öffnen hat. Es geht darum, dass man zu prüfen hat, ob denn der Zapfen nicht riecht. Es geht nicht zuletzt darum, dass man sich für ein Vorhaben solcher Grössenordnung – nämlich ein Essen auf den Tisch zu bringen – dass man sich für ein solches Wagnis etwas Mut antrinken muss. Denn wenn man daran denkt, was dabei alles schief gehen könnte! Also, meine Liebe, alle Männer der Welt kochen auf diese Art und Weise. Nicht alle kochen sie vielleicht eine Bouillabaisse, aber alle fuchteln sie mit Weinglas und Kochlöffel herum. Das ist – darwinistisch gesprochen - das Resultat stammesgeschichtlicher Evolution. Soweit die Summe soziobiologischer Erkenntnis! Und was auch erkannt ist: Männer kochen mit doppelt bis dreifachem Budget als ihre Frauen. Und sie waschen nicht ab post festum und überlassen die schmutzige Küche dem Personal. Wer auch immer dieses Personal sein mag. Gott möge sie segnen und behüten, diese Männer der Welt!!!

Ich selbst bin heute soweit, dass ich mir erlaube, mit dem Weinglas in der Luft herum zu fahren, ohne dabei gleich kochen zu müssen. Das mag jetzt etwas überheblich klingen, Marlena, ist es ja vielleicht auch. Aber es braucht doch viel Arbeit an sich selbst, zu trinken, ohne zu kochen. Das ist sozusagen eine Trapeznummer ohne Netz. ...

Donnerstag, 28. September 2017

Nein ...



Ämne: mimo
Datum: den 1 oktober 10:01

Liebe Marlena
Nein Herr, es ist noch nicht Zeit ... Lass uns noch ein
bisschen herumhängen an der warmen Sonne, warte mit
den Winden und mit dem schweren Wein, wir haben ja
doch noch vom Letztjährigen ...
Du kannst gut Leute beschreiben. Das gefällt mir
fantastisch gut in Deinen Mails. Obwohl ich die Personen
dahinter nicht kenne, schaffst Du in meinem Kopf ein
lebendiges Bild von ihnen, das ich natürlich noch ein wenig
mit den Bildern mische, die Du im Fotofolder eingeklebt
hast. Die Frage, ob Du mit den eingehenden Schilderungen
dieses Surströmming den Ruf der Nation schädigst, ist eine
gute Frage. Wenn man die Bilder anschaut, fällt besonders
und vor allem auf, dass die Tische voller Bierflaschen
stehen. Das sieht einer Kirchenorgel ähnlich. Dann gibt es
bloss noch ein paar Büchsen. Vom Geruch wiederum, den
alle so in den Vordergrund blasen, habe ich absolut nichts
bemerkt ;--)
*
Ach ja, ich bin eben ein Republikaner, kein Monarchist.
Oder vielleicht bin ich ein Anti-Monarchist. Ich finde Deine
Gegenargumente zwar gutherzig, anständig gegenüber
eurem Könighaus, kompromissbereit vis à vis der
gegebenen Situation, aber insgesamt doch etwas fade.
Aber letztlich weiss ich wirklich nicht, weshalb mich dieses
Thema so aufstachelt. Wenn wir in der Schweiz einen König
hätten, dann könnte ich mich verstehen. Es muss ein tiefer
Reflex in mir sein. Und der ist vielleicht interessanter als
die Frage, ob Monarchie oder nicht. Ich kann es mir einfach
nicht erklären, woher ich das habe. Stell Dir vor, in meinem
Gymnasium haben wir nie was von der Französischen
Revolution gehört. Sie wurde mit Schweigen zu Tode
verurteilt. Die Zeit des blühendsten Katholizismus war ja
wohl die Barockzeit, die Zeit der Gegenreformation. Und
ich kann mir nicht vorstellen, dass es die Jesuiten waren,
die mir den republikanischen Reflex eingeimpft haben.
Nein, die katholische Kirche hat ja mehr von einer
Monarchie als irgend sonst etwas auf dieser Welt. Doch
beim Papst beurteile ich das milder als bei den
Königshäusern, die es auf dieser Welt noch gibt.
Nun ja, auch Du bist ja nicht eine echte Monarchistin in
dem Sinne, dass es Dir lieb wäre, der König würde gleich
das ganze Land regieren. Der König ist eine repräsentative
Figur, das ist es, was Du an seiner Rolle akzeptierst.
Aber gerade das ist es doch, was keinen Sinn macht.
Weshalb sollen intelligente, aus guten Familien stammende
Menschen ihr Leben damit verbringen, an Empfängen und
Diners herumzuhängen, den Menschen lauwarm
zuzuwinken mit ihrem müden Fassadenlächeln, und sonst
gar nix tun. Das ist für einen intelligenten Menschen doch
einfach zu wenig. Es ist schlimm und schädlich, auf Kosten
des Volkes und der arbeitenden Leute zu leben. Ich ärgere
mich in den letzten Jahren auch darüber, wie die Manager
internationaler Konzerne ihre Millionen scheffeln. Das
kann man doch einfach nicht akzeptieren. Und sie nehmen
das Geld ja nicht wie Könige, indem sie auf das Recht durch
Geburt pochen, sondern sie sagen, sie hätten etwas dafür
gearbeitet und geleistet. Nein, das finde ich nicht in
Ordnung. Soviel kann ein Mensch nicht arbeiten. Es ist
nicht gut, wenn es Leute gibt, die aus irgendwelchen
oberflächlichen Gründen soviel mehr Rechte und mehr
Ressourcen haben als andere Menschen. Wenn sie mehr
haben, sollen sie um dieses Mehr auch mehr dafür tun und
nützlicher sein die Allgemeinheit.
Die Frage, ob sie glücklich sind oder nicht, spielt doch keine
Rolle. Wir verteilen nicht Glück, wir verteilen Rechte und
Pflichten. Wenn Du also mit dem Glück zu argumentieren
versuchst, würde ich entgegnen: vielleicht sind sie nicht
glücklicher, aber es macht MICH unglücklich, zu sehen,
dass sie so privilegiert sind. Ich muss also schreien:
ICH WILL AUCH KOENIG SEIN!!!
*
Und jetzt haben wir 2 Wochen ruhig. Bloss, die Zeit fliesst
mir so rasch durch die Finger. Bald ist diese Zeit wieder
um, und viele Dinge sind immer noch nicht erledigt und
beendet. So muss ich mich eigentlich sputen. Das will ich
jetzt tun. Ich muss mir eine kleine Zwischenverpflegung
zum 10h Kaffee organisieren ... ;--)

Mit einem lieben Gruss
...

Mittwoch, 27. September 2017

Re: Monarchie ...



königlich


Ämne: Soll ich wirklich..
Datum: den 30 september 16:23

Lieber ...,

Nein, leider gar keine Ferien in Sicht hier obwohl mein Kollege und ich uns gerade heute solche sehnlich herbeigewünscht haben. Es liegt nämlich eine mühsame Periode hinter uns. Die ersten Prüfungen sind korrigiert und so wissen wir was uns an Arbeit bevorsteht um an ein Ziel zu kommen. Ich sage "ein" Ziel, denn ein gemeinsames gibt es nicht mehr.
Ich beneide dich um deine schönen sorglosen Tage aber ich freue mich mit dir dass du sie geniessen kannst. Und auch ich profitiere ja davon da du wohl etwas mehr Zeit für Mausfreunde hast. Danke übrigens für dein liebes Mail von gestern. Käsebrösel nennst du es? Es war doch eine richtig augiebige Mahlzeit. :-) Ich hätte dir gern sofort geantwortet aber ich war gerade dabei wieder nach L zu fahren. Diesmal brauchte Anna ihren Stuhl denn bisher hatte sie nicht ohne ein dickes Buch als Unterlage zum Tisch hinauf gereicht."Liftarens guide till galaxen" hatte gerade das richtige format. So haben wir es gleich umgetauft zu "Lyftarens guide till galaxen". (auf deutsch)
Liftaren = der Tramper, Lyftaren = der Heber.

Lustig wie du dich über die Monarchie erhitzen kannst. Ich bin nach wie vor für Monarchie (jedenfalls so wie sie bei uns existiert). Sie schadet nicht und sie hat viele Vorteile. Du zählst sie ja selber auf. Dich stört ".. die Tatsache, dass es immer noch Menschen gibt, die allein durch Geburt ein privilegiertes Leben führen können." Und wir beide? Gehören wir nicht auch zu diesen Menschen wenn wir uns mit den meisten anderen vergleichen? Muss ein priviligiertes Leben notwendigerweise ein glückliches Leben sein? Ach nein, .... Die Monarchie füllt eine Funktion, die auch du nicht bestreiten kannst. Was man personifiieren kann kommt einem näher. Und die Königsfamilie macht gute Reklame für unser Land.

(---)

Hier ist es wieder ziemlich warm. Schön dass auch ihr noch solche Tage geniessen könnt. Ich liebe die herbstlichen Farben, alle diese Nuancen von braun, gelb und grün. Und es gibt keinen Herbst ohne Rilke. "Herr, es ist Zeit..."

Nun muss ich zurück ins RL. Ich grüsse dich lieb und wünsche dir schöne faule Tage mit all deinen Lieblingsbeschäftigungen (hoffe ich gehöre dazu :-),

Marlena

Dienstag, 26. September 2017

Monarchie - ein heisses Thema





Ämne: momo
Datum: den 30 september 08:44

Liebe Marlena

Langsam fange ich an, dieses Surströming zur Kenntnis zu
nehmen. Das ist offenbar ein uraltes Ritual (Anfang der
biologischen Kriegsführung), das die Schweden erfunden
haben, um wenigstens einmal im Jahr allein und unter sich
zu sein. Verstehe. Dass sie damit den Dreissigjährigen Krieg
gewonnen haben sollen, wird mithelfen, den Mythos
aufrecht zu erhalten, wenn nicht noch zu erhöhen. Das
wusste ich wirklich nicht, dass es in Schweden solch hohe
undpraktisch undurchlässige Einreisebarrieren gibt. Ich
meine, bei uns in der Schweiz machen sie pedantische
Grenzkontrollen, untersuchen neben Paas und Koffer alle
weiteren Papiere, die die Chance erhöhen, dass man
jemanden NICHT einreisen lassen kann. Aber die
Schweden, die machen einmal im Jahr ein solch schwer
abartiges Essen, bei dem sich ganz von allein scheiden
wird, wer ein echter Schwede ist, und wer solches nur
vorgibt. Ist das so, Marlena? Langsam kapiere ich, wie
raffiniert ihr Schweden seid. Es ist wirklich kaum zu fassen.
Und auf einer Site, die Du mir geschickt hast, habe ich auch
gleich und zum ersten Mal die schwedischen Prinzen und
Prinzessinen nebeneinander gesehen: Victoria, Carl,
Madeleine.

Du weißt, und es ist ja schon mehrmals zum Ausdruck
gekommen, dass wir Schweizer, und ich im besonderen,
wenig Verständnis und Zuneigung zu königlichen Familien
haben. Nur S hat hier ein genuines Interesse, bei
Königsklatsch und Hofgeschichten aus den gelben Heften
hinzuhören. Auch Perser sind noch darauf konditioniert,
sich über Prinzen und ihre Heiratsschancen mehr Sorgen
zu machen als übers eigene Kind. Seit Jahren verzehren
sie sich in Aerger, wie sich Stephanie von Monaco vertut
und immer wieder an falsche gerät, an Bodyguards,
Zirkusdirektoren und andere Vagabunden. Seit ewig
machen sie sich echt Sorgen, wo Farah wohl lebt und
wie es ihr gehen mag. Und natürlich hoffen die vielen
Royalisten in Los Angeles, dass der Kronprinz (ich weiss
nicht mehr, wie er heisst), wie ein Erlöser ins Land
zurückkehrt, die arroganten Mullahs verdrängt und
alles zum Guten wendet.

Ach, wie bin ich eigentlich auf ein solches Thema
abgekommen. Ach ja, ich erinnere mich, es war dieses
süsse Foto der süssen schwedischen Königsfamilie.
Und immer wieder sträubt sich in mir etwas gegen die
Tatsache, dass es immer noch Menschen gibt, die allein
durch Geburt ein privilegiertes Leben führen können.
Das ist es, was ich als enormen Anachronismus verstehe.
Im übrigen kann ich für Victorias Legasthenie
durchaus auch ein bisschen Mitleid empfinden. Aber
nicht für eine Prizessin, sondern für einen Menschen.

Du siehst Marlena, ich kann mit diesem Thema ziemlich
heiss laufen. Es kommt einfach hoch, obwohl ich noch nie
durch einen echten König beleidigt worden wäre, oder
durch eine Königin hinters Licht geführt. Ich habe
eigentlich persönlich keinen Grund, eine solch prägnante
Stellungnahme abzugeben, umso mehr, als wir hier in der
Schweiz von Königen und ihrem Anhang ganz und gar
nix wissen. Ich erinnere mich an meinen Sprachaufenthalt
in England. Damals, in diesen gemütlichen Lektionen am
späteren Vormittag, vor dem kurzen Mittags-Sandwhich
mit Ei und Salat, vor der Fahrt mit dem Bus zum Strand,
wo die kühle Brise wehte und die englischen Männer ihre
Tatoos gesonnt und die riesigen Tageszeitung in den Wind
gestreckt haben, damals haben wir zur Übung unserer
englischen Konversationsfähigkeit über das englische
Königshaus diskutiert. Und der Lehrer, vielleicht ein
verkappter Adeliger, wie mir schien, der Lehrer hat das
Haus Windsor auf jede erdenkliche Weise in Schutz
genommen und argumentiert, sogar wirtschaftlich würde
sich die Königsfamilie für die Nation noch rentieren,
wenn man an all die Touristen denkt, die jahrausjahrein
daherkommen, um den Buckingham Palast, die Wache
und den königlichen Firlefanz zu fotografieren. Es gab
Franzosen, die als die Erfinder der echten und richtigen
Revolution hart gegen solche Denkweise gekämpft haben.
Es gab Deutsche, die mit stumpfem Rationalismus dagegen
angingen. Und sogar ein Italiener, so erinnere mich, konnte
sich gegen die Königin ereifern, indem er ihr Sophia Loren
entgegenhielt. Aber wir, die paar Schweizer, die wir auch
in dieser Klasse sassen, verhielten uns mehr oder weniger
neutral und meinten, wenn die Engländer eine Königin
haben wollen, dann sollen sie sie behalten. So etwa.
Und die Italiener sollten ihre Loren umschwärmen.
Die Franzosen hatten ja ihren Präsidenten, der mehr
oder weniger beinahe auch wie ein König war. Und die
Deutschen sollten ihr Sauerkraut zu Ende essen und im
übrigen die Schnauze halten.
*
Heute also ist Montag, ein schöner sonniger
Montagmorgen. Die Kinder sind ausgeflogen. Alle
geniessen ihre Herbstferien. Und das ist gut so. Ich
werde die Gelegenheit nutzen, um meine Pendenzen
zu bearbeiten und wieder einmal etwas aufzuräumen.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag. Habt ihr auch
Ferien jetzt?

Mit einem lieben Gruss
...