Sonntag, 31. Juli 2016
Willkommen
Subject:Willkommen
Liebe Malou
Fein, dass du wieder in der Nähe bist. Klar, Nähe ist immer relativ. Ist immer noch weit im Norden, aber ist deutlich näher, vor allem in der Nähe eines PC. Du hattest zwar gesagt, dass ihr bald abreisen würdet, wolltest dann aber noch vor der Abreise ein Zeichen geben. So mindestens hatte ich es verstanden. Aber vielleicht habe ich etwas übersehen oder misverstanden.
Schön, dass ihr eine gute Zeit hattet. Und bestimmt hat die exzellente Luft gut getan. Sie ist wirklich ein Segen. Ich erinnere mich an die Zeit in Aegypten, wo wir die Winde aus den arabischen Wüsten hatten. Es war eine wunderbare Luft, geradezu zum Einreiben. Ich habe den Unterschied deutlich bemerkt.
Und jetzt bist du an der Wäsche? Das ist das Schicksal der Hausfrau. Die schmutzige Wäsche, bei aller Gleichstellung, bleibt bei der Frau. Ist vielleicht ungerecht, aber ist so. Aber wenn ich an schmutzige Wäsche denke, kommen mir immer auch Waschsalons in den Sinn. Man sieht sie doch oft in Filmen, und immer sind sie der Ort von überaus spannender Erotik. Gerade kürzlich habe ich wieder eine solche Szene gesehen. Und dann wünschte ich mir, mit einem Korb schmutziger Wäsche einmal im Leben in einem solchen Salon aufzutauchen, wo dann ja wohl viele hübsche Singlefrauen mit ihrer Buntwäsche in einer langen Schlange stehen und Zeit zum flirten finden. Oh ja, das wünschte ich mir, egal ob mit Bunt- oder mit Weisswäsche.
Ja, die alten Damen im Bad von I. waren sehr amüsant. Ich habe sie geradezu schätzen gelernt. Sie sind zwar arge Plaudertaschen, schwatzen über dies und jenes und ohne Ende, wenn sie am Rand des Bassins in der Sonne sitzen. Aber die Atmosphäre ist angenehm, ruhig und sehr feundlich. Nun eben, wie die älteren Menschen sind. Ich werde wohl die nächste Woche, wenn es wieder wärmer werden soll, am Morgen jeweils wieder hingehen. Weisst du, dieses Gefühl in den Zehen, morgens über den noch taufeuchten Rasen zu gehen oder ins kühle Bassin zu steigen, das erinnert mich ganz und gar an meine Jugend. Meist nehme ich mir eine Zeitung mit und lese anschliessend in der Sonne. Ich bin schon echt braun geworden. Na ja, ich bin immer noch einer der bleichsten, aber für meine Masstäbe bin ich beinahe afrikanisiert.
Gestern war ich in Aarau im Museum. Die aktuelle Ausstellung war zwar gerade vorbei. Aber es gibt eine hübsche Dauerausstellung mit einigen schönen Werken. Auch Varlin ist bekanntlich dabei. Und dann bin ich mit einer Freundin essen gegangen. Es war nicht zu warm, aber sehr angenehm. Sie ist eine liebe Person und man kann über alles und gut mit ihr diskutieren. Eigentlich ist sie Italienerin, lebt aber schon lange in der Schweiz.
Und morgen ist die Beerdigung von unserem Onkelchen. Er ist am letzten Tag im Juli gestorben. S hatte ihn vor ein paar Tagen noch besucht. Sie hat erzählt, er wolle nicht mehr essen. Er hatte auch immer gesagt, er wolle niemals 100 werden. Und im September wäre er 100 geworden. Nun ja, er hat ein gutes Leben gehabt, vielleicht die paar Jahre im Altenheim ausgenommen. Die waren bestimmt nicht allzu aufregend. Und er hat mir im Hallwilersee den Crawl beigebracht. So gut und gekonnt, dass ich später im Leben mit meinem Schwimmstil bei allen Wettbewerben und auch im Militär mich immer bestens platzieren konnte. Ich war unschlagbar, na ja, fast...
So geht die Zeit dahin. Er hatte immer gesagt, wenn er sterbe, würde er verschwinden, ohne ewiges Leben und so. Vor der Geburt sei er ja auch nirgendwo gewesen.
Siehst du, ohne Illusionen!
Ich schicke dir liebe Grüsse und Küsse
...
Wieder da ... :-)
Subject Wieder da.. :-)
Lieber ...,
Nun sind wir wieder zurück aus dem hohen Norden und zu meiner grossen
Freude habe ich ein paar Mails von dir gefunden. Danke!
Doch, ich hatte dir schon mitgeteilt, dass wir bald abreisen würden
und ich habe vergeblich auf eine Antwort auf mein Mail gewartet. Auch
dort oben habe ich nach ein paar Tagen in die Mailbox geschaut.. aber
nur eine gähnende Leere gefunden. So habe ich gedacht du brauchst eine
kleines "tíme out" und habe beschlossen den Sommer ohne Internet zu
leben. Es ging erstaunlich leicht.
Ja, wir hatten eine schöne Zeit oben im Norden. Besonders angenehm war
die frische Luft, die wir hier schon wochenlang vermisst hatten. S.und ihr
Mann haben auch "vorbeigeschaut" (wenn man es so nennen kann
bei über 1100 km) .. circa eine Woche sind sie geblieben.. ;-)) Ich
schreibe dir später mehr davon.
Jetzt bin ich voll beschäftigt mit der Wäsche (von drei Wochen). Und
morgen werde ich Anna samt ihren vielen Blumentöpfen nach Linköping
hinunter bringen. Sie hat unser Haus in der letzten Woche betreut und
das von den Nachbarn, die eine Woche irgendwo unterwegs waren.
Und du bist fleissig und bereitest dich schon auf dein Leben als
Pensionist vor. Finde ich etwas lustig. Ich habe sehr deine
Schilderung der alten Leute im Schwimmbad genossen. Du bist
ein hervorragender Beobachter. Das mag ich so sehr an dir.
Auch ich freue mich schon auf ein paar neue Zeilen.
Bis dahin, sei lieb gegrüsst,
deine "alte Mausfreundin"
Marlena
Lieber ...,
Nun sind wir wieder zurück aus dem hohen Norden und zu meiner grossen
Freude habe ich ein paar Mails von dir gefunden. Danke!
Doch, ich hatte dir schon mitgeteilt, dass wir bald abreisen würden
und ich habe vergeblich auf eine Antwort auf mein Mail gewartet. Auch
dort oben habe ich nach ein paar Tagen in die Mailbox geschaut.. aber
nur eine gähnende Leere gefunden. So habe ich gedacht du brauchst eine
kleines "tíme out" und habe beschlossen den Sommer ohne Internet zu
leben. Es ging erstaunlich leicht.
Ja, wir hatten eine schöne Zeit oben im Norden. Besonders angenehm war
die frische Luft, die wir hier schon wochenlang vermisst hatten. S.und ihr
Mann haben auch "vorbeigeschaut" (wenn man es so nennen kann
bei über 1100 km) .. circa eine Woche sind sie geblieben.. ;-)) Ich
schreibe dir später mehr davon.
Jetzt bin ich voll beschäftigt mit der Wäsche (von drei Wochen). Und
morgen werde ich Anna samt ihren vielen Blumentöpfen nach Linköping
hinunter bringen. Sie hat unser Haus in der letzten Woche betreut und
das von den Nachbarn, die eine Woche irgendwo unterwegs waren.
Und du bist fleissig und bereitest dich schon auf dein Leben als
Pensionist vor. Finde ich etwas lustig. Ich habe sehr deine
Schilderung der alten Leute im Schwimmbad genossen. Du bist
ein hervorragender Beobachter. Das mag ich so sehr an dir.
Auch ich freue mich schon auf ein paar neue Zeilen.
Bis dahin, sei lieb gegrüsst,
deine "alte Mausfreundin"
Marlena
Donnerstag, 16. Juni 2016
Chaotismo
Liebe Malou
Ja, der italienische Chaotismo. Die Person, die diese Theorie entwickelt
hat, ist ein lustiger Kerl. Er war lange Jahre Auslandkorrespondent für das
Schweizer Radio in Rom. Ich meine, es war in jenen Jahren, als Rom noch
richtiges Ausland und weit weg war. Und ich erinnere mich an seine Stimme.
Als ich hier in meinem Club für das Programm verantwortlich war, hat dieser
Victor Willi plötzlich angerufen. Er hat mir - ziemlich eloquent - erklärt,
dass er gerade in der Schweiz weile und dass er, weil er seine Pension
aufbessern müsse - weil das Schweizer Fernsehen eben leider etwas mickerig
zahle - dass er also in Rotary und Kiwanis Clubs Vorträge mache. Ich sagte
ihm, dass wir für die Vorträge nichts bezahlen. Normalerweise sind
Referenten stolz, bei uns vortragen zu müssen. Wir offerieren das essen. Er
wiederholte seine Argumente und so war ich schliesslich einverstanden. Ich
glaube, ich habe ihm 100.- oder 150.- SFR versprochen.
Und dann kam dieser Victor Willi und hat einen erstklassigen Vortrag über
Italien gemacht. Nebenbei hat er auch noch Reklame gemacht für sein Buch,
das er verkaufte, und für Rhetorikkurse, die er gab. Ich glaube, einige
meiner Kollegen haben bei ihm schliesslich einen Rhetorikkurs gemacht.
Kurz und gut: er entpuppte sich als eine Perle in meinem Programm, und ein
Kiwanis Freund, dessen Frau Norditalienerin ist, kam geradezu in Tränen
aufgelöst und hat mir dafür gedankt.
Und in diesem Vortrag hat er eben seine Theorie des Chaotismo erklärt. Sein
Ausgangspunkt war eine Autopanne, die er mal irgendwo hatte. Und dann hat er
mit viel Worten und viel Emotion geschildert, wie er jemanden kennen lernte,
der ihn eingeladen hat, bei sich zu übernachten. Wie er trotz der Panne mit
Ach und Krach seine Ziele noch erreicht hat. Und wie daraus eine grosse
Freundschaft entstanden sei. Ich glaube, der Kerl hat auch noch dafür
gesorgt, dass sein Auto wieder in Funktion komme.
Na ja, ich glaube, in Persien ist das ähnlich. Es gibt so viele Dinge, die
nicht funktionieren, die anders laufen, als du erwartet hast, die durch
Pannen darnieder liegen, dass immer wieder Improvisation und Kreativität
gefragt ist. Und man kann sich gegenseitig helfen, und man kann sogar
bisweilen Heldentum entwickeln, ohne Zweifel!
Aber bei uns in der Schweiz, wo alles funktioniert, wo jeder mit
Versicherungen abgedeckt ist, wo die Autos ohne Panne fahren und fahren, da
tritt der Mensch kaum mehr in Erscheinung.
(---)
Weißt Du, was ich aus meinen Büro-Fotos festgestellt habe? Mein Chaos ist
gar nicht so schlimm. Ich meine, mein Pult sieht doch gar nicht eigentlich
unordentlich aus. Vielleicht viel beschäftigt. Vielleicht viel interessiert.
Vielleicht vielseitig. Aber doch nicht echt chaotisch. Mindestens liegen
die Papiere doch alle in Reih und Glied, so wie man sich die preussische
Armee vorstellt. Ich kann das so leichthin sagen, weil gestern Abend
offenbar unser Putzengelchen hier war. Sie hat aufgeräumt und nimmt sich in
der Regel viel Zeit, meine Papiere schön ordentlich auf eine Linie zu
bringen. Sie darf ja nichts wegnehmen oder verschieben. Also bleibt bloss,
alles ein wenig zu begradigen. Und siehe: wenn ich am Morgen komme, sieht es
aus als ob es hier wirklich gemütlich wäre. Es sieht irgendwie 'ordentlich'
aus, gepflegt und mit Sorgfalt umspielt. Es ist erstaunlich, wie viel man
erreichen kann bloss durch 'begradigen', d.h. die Beigen von Papier einfach
gerade rücken.
---
Mittwoch, 15. Juni 2016
Dienstag, 7. Juni 2016
Samstag, 21. Mai 2016
Einmal im Leben ..
(---)
Weißt du Marlena, was ich gerade beschlossen habe? Das ist natürlich
wieder einmal ein bisschen verrückt. Aber es ist nun mal so. Einmal
im Leben werden wir uns sehen. Mindestens einmal. Vielleicht nur
eine Stunde, vielleicht weniger, vielleicht nur für dein helles Lachen.
Vielleicht nur eine Zwischenlandung oder eine Durchfahrt irgendwo
auf dieser Welt. Vielleicht sind wir dann schon alt und werden uns
zitterig umarmen. Aber einmal werden wir uns sehen. Da bin ich mir
ziemlich sicher. Ich habe bisher in meinem Leben alle Ziele erreicht.
Aber du musst dir keine Sorgen machen, wir werden §3 und §5
berücksichtigen.
Freitag, 20. Mai 2016
das Wallis - eine urtümliche Gegend der Schweiz
Alpenpanorama im Wallis
---
Dann hast du vielleicht die Karte mit dem Alpenpanorame im Wallis auch bekommen? Sieht doch imposant aus. Das ist kein Foto, sondern eine Zeichnung, wohlbemerkt. Die Namen sind zwar etwas klein und undeutlich. Und wenn man dort wohnt, sieht alles ganz anders aus als aus dieser Vogelperspektive. Aber man hat doch einen Eindruck und kann sehen, dass die Walliser ein echtes Bergvolk sind, wenn auch die meisten unten im Rhonetal leben. Ich habe dir erzählt von meinen Erfahrungen im Militär. Ich war Offizier und hatte nur Walliser Leute und Berneroberländer, also alles Alpentypen. Wenn man mit ihnen ins Schwimmbad ist, konnten viele gar nicht Schwimmen. Und die meisten wagten es nicht, vom Sprungbrett hinunter ins Wasser zu springen. Ich habe mich immer gefragt, warum das so ist. Ich glaube, Gebirgsmenschen haben eine reflexartige Abneigung gegen das hinunterspringen. Das geht ihnen gegen die Natur. Und schwimmen konnten sie natürlich in ihren Bergdörfern nicht lernen. Wasser war ihnen so gut wie fremd. Das brauchten sie nur, um ihre Wiesen zu wässern. Dafür ist das Wallis bekannt, dass es viele kleine Kanäle gibt, die sog. Bisses, in denen man das Wasser von den Bergbächen auf die Wiesen leitet. Würden sie nicht künstlich bewässern, die Vegetation würde im Sommer in der grossen Wärme verdorren. Die bisses sind eine Spezialität des Wallis. Und früher hat man sie in den Dörfern im Gemeinwerk, dh. alle zusammen, gebaut und dann jedes Jahr wieder repariert. Manchmal mussten die Leitungen den Felsen entlang in Holzkanälen aufgehängt geführt werden. Das waren gefährliche Arbeiten und oft ist einer in alten Zeiten zu Tode gestürzt. Und es gab eine spezielle Organisation, wie sie im Dorf das Wasser verteilten. Jeder hatte eine bestimmte Zeit zur Verfügung, während der er das Wasser auf seine Wiesen leiten konnte. Und gelegentlich war das auch mitten in der Nacht.
Foto: Chris
Ja, das Wallis ist eine urtümliche Gegend der Schweiz. Es ist der konservatievste Teil, dadurch, dass es durch die Berge etwas abgeschieden ist. Aber es ist ein sehr schöner Kanton, wie du damals, als ich zum ersten mal darüber gesprochen hatte, gesagt hast, damals, als ich den Eindruck hatte, du sprichst davon, als ob du es schon kennen würdest. Was hast du dir denn dabei gedacht, als ich das so erwähnte? Du musst ja gedacht haben, der merkt auch wirklich alles!! Der ist ein Hellseher?
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