Montag, 1. Dezember 2014

Argumente für direkte Demokratie


Liebe Marlena

(...)
Ich bin nicht sicher, ob ich auf Deine Bemerkungen zu unserer fantastischen
Demokratie schon geantwortet habe. Natürlich triffst Du mit Deinen
Bemerkungen einen schweizerischen Demokraten mitten ins Herz. Und
er kann nicht anders, als solche Gedanken zurückzuweisen.
Du meinst, die Leute können die grossen Geschehnisse nicht beurteilen? Nun
denn, wer kann sie beurteilen? Die Reichen, die Intelligenten, die
Lobbyisten? Nein, meine Liebe, so kann man in einer Demokratie nicht
argumentieren. Es gibt hier bei uns wie überall dumme Menschen, gescheite
Menschen, clevere Menschen, geldgierige Menschen, selbstlose Menschen,
französisch sprechende Menschen, ledige Menschen, junge Menschen, alte
Menschen. Und sie alle sind das Volk. Man kann doch nicht plötzlich sagen,
die einen verstehen nichts von dieser Welt. Das ist nicht demokratisch! Und
immerhin hat eine solch direkte Demokratie den Vorteil, dass man versuchen
muss, die komplizierteren Dinge so darzustellen, dass die meisten sie
verstehen können. Du hast schon recht, direkte Demokratien sind konservativ.
Aber das Volk ist eben konservativ. Das Volk erträgt nicht zuviele
Immigranten. Das ist vielleicht barbarisch, finde ich eigentlich auch, aber
es ist so, wie das Volk denkt. Wir dürfen uns nicht herausnehmen, aus dem
Volk, denn wir sind nur ein Teil des Volkes. Und unsere Meinung wird
relativiert werden durch andere Meinungen, die im Volk herrschen. Und wenn
wir eine andere Meinung haben, als "das Volk", dann können wir nicht einfach
die eigene Meinung durchsetzen, sondern wir müssen das Volk davon
überzeugen. Diese Überzeugungsarbeit, das ist ein politischer Prozess, der
die Fragen und Entscheidungen perspektivisch heraus arbeitet. Und das, meine
Liebe, ist ziemlich kompliziert und differenziert, und natürlich ein wenig
komplizierter, als wenn eine Oligarchie bloss erklärt, wo es langgeht. Es
ist auch besser, denn die Oligarchie entscheidet primär mal in eigenen
Interessen.
Gut, Marlena, Du kannst vielleicht argumentieren, unsere politische Kultur
hätte das Niveau des Fernsehprogramms, das ja auch für Massen gemacht ist.
Das stimmt vielleicht. Aber wir, die wir uns zuschreiben, etwas mehr zu
wissen und etwas besser zu entscheiden, hätten in diesem primitiven
politischen Dialog die Aufgabe, unsere Mitmenschen mit unseren Einsichten zu
erleuchten. Das ist Politik. Sie besteht im Prozess der Ueberzeugung. Und
mit diesem Prozess werden die öffentlichen Dinge geschmiedet und gestaltet
und entschieden.
Es ist doch bestimmt fair, die Elite eines Landes an die Verpflichtung zu
binden, sie könnten zwar entscheiden, sie müssten aber die Mehrheit ihrer
Mitbürger von ihren Entscheidungen überzeugen. Das ist doch nicht mehr als
billig? Für wen denn ist die Demokratie? Doch für das Volk. Und wer ist das
Volk? Das Volk sind wir alle, die Alkoholiker und die Schwangeren und die
Kinder und die Alten zahnlosen und die jungen Bissigen. Alle. Wirklich alle.
Und nach einigen Jahren sogar auch die Fremden.
Aber du hast recht, wir sind echt konservativ.
*
Ich könnte mich richtig entflammen für unsere Demokratie! Das hätte ich nie
gedacht. Ich bin eigentlich politisch nicht sehr aktiv, bin nicht einmal
Mitglied einer Partei. Und dennoch muss ich unsere Demokratie verteidigen
gegen undemokratische Überlegungen, wie diejenigen jener elitären Schwedin.
Stell Dir vor, die alten Griechen, die sogenannten Erfinder der Demokratie,
sie hatten sogar das Los als politisches Instrument. Gewisse Aemter mussten
per Los entschieden werden. Das heisst, das politische System musste
zulassen, dass auch ein Dummer ein hohes Amt einnehmen konnte. Das finde ich
ein weises System. Ihr Monarchisten dort oben lebt mit grossem Risiko.
Natürlich ist es ideal, einen idealen König zu haben, der intelligent,
weitsichtig, selbstlos und fair ist. Aber was, wenn nicht? Demokratie heisst
natürlich, mit dem Durchschnitt leben zu können. Das heisst auch mit dem
Durchschnitt zwischen Ideal und Banal. Das bringt zwar nicht das absolute
Glück, aber auch nicht das totale Unglück.
*
So ist das. Und natürlich weiss ich, dass ihr dort oben keine wirklichen
Monarchisten, sondern bloss konstitutionelle Monarchisten seid. Aber
immerhin.
Ich wünsche Dir trotzdem einen schönen Tag.
Mit einem lieben Gruss
...

(2002)

Sonntag, 30. November 2014

Re: meine Meinung


24/10/2007


Liebe Malou
Nein, klar, die Schulen wolltest du nie abschaffen Malou. Du hast bloss beklagt, wie schlecht sie in den letzten Jahren geworden sind. Es war eine kleine Übertreibung meinerseits.
 ---
Und was die direkte Demokratie der Schweiz betrifft, da muss ich schon sagen, du bist dezidiert dagegen. Das hast du schon mehrmals gesagt. Und ich dagegen finde kein Ende, gegen die Monarchie zu wettern, das gebe ich gerne zu. Aber wenn du die Glücksforschung verfolgst Malou, so wirst du feststellen, dass die Schweizer Bevölkerung die glücklichste der Welt ist. Ich glaube, sie kommt von 10 möglichen Punkten auf 8.5, habe ich kürzlich gelesen. (am Schluss sind die Moldavier mit 3 Pten) Ich glaube das zwar nicht ganz. Aber man erklärt sich das Glück der Schweizer unter anderem mit der Tatsache, dass sie das Gefühl haben dürfen, über ihre eigenen Verhältnisse mitreden zu können und zu dürfen. Das ist doch nachvollziehbar, nicht wahr? Natürlich sind die Schweden auch nicht so unglückliche Menschen. Aber 8.5, ich weiss nicht, ob ihr dass dort oben in der Kälte und mit den kurzen Tagen, die ihr habt, schaffen könnt?? 8.5 Punkte - Malou - das ist doch schon fast ein Climax!! ;-0
 
Aber wir haben eine Bewegung nach rechts in der Gesellschaft. Das sieht man deutlich. Und darunter sind offenbar viele Junge. Auch in meinem Club, von dem ich dir ab und zu erzähle, sind viele SVP würde ich mal annehmen. Aber das habe ich übrigens vorausgesehen. Ich musste vor vielleicht 15 Jahren einen Artikel schreiben über die Globalisierung und Fragen, die im Zusammenhang damit entstehen, und habe darin geahnt, dass sich als Gegenreaktion die Menschen umso mehr an ihre Gegend, ihr Dorf, ihre Sprache, ihr Land krallen werden. Ich hatte gesagt, jedes Dorf würde in ein paar Jahren sein eigenes Heimatmuseum eröffnen. Ecco, da haben wir es heute!
 
Siehst du, ich bin sogar Wahrsager!!
 
Liebe Gs und Ks
...

meine Meinung


23/10/2007

Lieber ...,

(---)

Ach ja, etwas muss ich noch schnell kommentieren. Du schreibst:
"Wo stehst du politisch Malou? Du hast doch ziemlich gemässigte
Meinungen, nicht? Ausser vielleicht über die Schulen, die du am
allerliebsten abschaffen wolltest?  ;))"

Parteipolitisch lasse ich mich nicht einordnen. Ich möchte aber auf
keinen Fall das schweizer System haben. Es ist besser wenn man die
Beschlüsse eingermassen intelligenten Leuten überlässt. Also bevorzuge
ich die repräsentative Demokratie vor der direkten. Natürlich sind wir
auch über die Wahlen in der Schweiz informiert worden. Und das
Wahlergebnis erstaunt mich nicht.

Schulen abschaffen? Wollte ich das wirklich? Vielleicht wollte ich sie
nur in Lehranstalten verwandeln. :-)

So, ich lasse dich.
Mit Gs und Ks und Qs
Malou

Samstag, 29. November 2014

Lucian Freud


Liebe Marlena
...
Ich habe kürzlich ein Bildband gekauft über Lucian Freud. Vielleicht
hast du von ihm gehört. Er ist ein Enkel des berühmten Sigmund Freud,
lebt in England, und hat sich einen Namen als Porträtmaler gemacht.
Und dabei macht er seinem Grossväterchen grosse Ehre. Er malt seine
Figuren so nackt, wie man sie kaum je gesehen hat. Das Fleisch springt
einem aus den Bildern derart entgegen, wie es bloss noch bei Sigmund
aus seiner Psychoanalyse geschehen ist. Die Gemälde haben etwas
Schockierendes an sich. Sie versetzen den Zuschauer in die Rolle des
vorwitzigen Voyeuristen, weil die Modelle derart offen daliegen.
Vielleicht ist es das erste Mal, dass auch Männer sich derart exponieren
und ihre Dinger zeigen, wie man das noch niemals auf Bildern gesehen
hat. Im ersten Moment wirkt es widerlich. Bei weiblichen Figuren sind
wir das mehr gewohnt, denn da führt die Malerei eine lange Tradition
fort. Aber das Männer derart die Beine spreizen, das ist unerhört,oder
besser unersehen (kein gängiges deutsches Wort). Ich glaube, zur Zeit
hat Freud eine grosse Ausstellung in der Tate in London. Und einen
Moment lang hatte ich mit dem Gedanken gespielt, nach London zu
fliegen, um das anzuschauen. Vielleicht findest Du im Internet ein
oder zwei Beispiele von diesem Maler.
Ist er nicht gerade 80 geworden?
*
Oktober 2002

Re:  Ja, es gibt viele Bilder von ihm im Internet,
z.B.  hier

Freitag, 28. November 2014

Besuch im Beyeler Museum


Ich war vorgestern im Beyeler Museum. Das ist jenes Privatmuseum in der Nähe Basels, ein wunderschöner Bau mit meist ausgezeichneten Ausstellungen. Doch es hat nur so gewimmelt von Leuten. Das mag ich nicht. Wenn man sich schon in der Garderobe gegenseitig in die Quere kommt, och, das mag ich überhaupt nicht. Aber schliesslich haben sich die vielen Leute in den grossen Räumen verteilt. Und es war eigentlich nichts Aussergewöhnliches zu sehen. Die Standardausstellung Beyelers mit einigen Giacomettis, ein paar Impressionisten, Picassos, Klees etc. Aber dann gab es da noch eine Ausstellung der Kunstsammlung der UBS. Die hatte ich noch nie gesehen. Es gab ein grosses Bild von Lucian Freud, du kennst ihn. Ich mag ihn eigentlich nur wegen seiner Technik. Die Bilder könnte ich zuhause nicht aufhängen, obwohl seine Porträts sicherlich nicht schlecht sind. Aber diese Nackporträts mag ich nur, weil ich sein Können und vielleicht noch ein bisschen seinen Mut bewundere. Er hat einen guten Dreh gefunden, Fleisch darzustellen. Und das ist bestimmt nicht allzu leicht. Stell dir vor: Fleisch, das bloss so rosa aussieht. Wie kann man es plastisch darstellen, so dass das Knochengerüst durchscheint, und dass man neben den Licht und Schatteneffekten auch noch die Adern darunter sieht. Das macht er nicht schlecht. Und die Leute, die er malt, sind auch keine schönen Menschen. Und dann liegen sie so ausgebreitet da wie die Tiere. Da steht er vielleicht in der Tradition seines grossen Onkels?

Kurz und gut, ich habe diesen Lucian Freud mehr oder weniger übergangen und habe mir die anderen Stücke der UBS angeschaut.

30 December 2005


Donnerstag, 27. November 2014

"ruggig", Ferlin, schwedisches Fernsehen und "afternoontea"


date 14 March  23:40
subject Vielleicht...


Lieber ...,
Vielleicht sollte ich garnicht an einem solchen Tag meine Gedanken in
der Welt herumschicken, denn ich bin wirklich nicht richtig fit. D.h.
schon den ganzen Tag fühle ich mich "ruggig". Das schwedische Wort
sagt haargenau, was ich meine, doch mein Wörterbuch gibt mehrere
komische deutsche Übersetzungen an, wie "struppig" "schäbig"
"unbehaglich" um dann schliesslich das ganze mit dem Satz "es
fröstelt mich" zu beenden. Das letzte ist aber nicht ganz falsch. Ich
habe mich warm und kalt zugleich gefühlt und irgendwie schwach und
lustlos. Und immerzu habe ich nach Anzeihen einer Erkältung gesucht..
und keine gefunden. Man sollte wohl garnicht darüber reden.. denn
morgen, so hoffe ich, ist es wieder vorbei und die Welt sieht ganz
anders aus.

Das Horoskop sollte eigentlich nicht dich beschreiben, sondern das
Verhältnis zwischen dir und mir. Vielleicht habe ich ein
oberflächliches Verhältnis mit einem tiefgründigen Mann..? ;-)) Und
bist du ein unverbindlicher Flirt oder meine grosse und einzige Liebe?
Was mich erstaunt ist, dass man unsere Zeichen als die ideale
Kombination sieht, wogegen man die Kombination Krebs - Wassermann
(K's Zeichen) als eine reine Katastrophe bezeichnet.

Ich habe versucht mich zu kurieren mit Essiggurken und Whisky. Ich
glaube ich kann es dir empfehlen, denn ich fühle mich schon etwas
besser.

Vor einer Weile, habe ich gesehen, dass man nun in Filipstad den dort
gebürtigen Dichter Nils Ferlin mit irgendeinem Monument ehren will.
Eigentlich haben die Leute der Stadt nie ein gutes Verhältnis zu
diesem Mann gehabt. Er war ein misachteter Trinker. Doch er ist einer
unserer grössten und beliebtesten Dichter. Viele seiner Gedichte sind
vertönt worden. Ich liebe sie und kann viele davon auswendig. Ich
glaube er ist auch ins Deutsche übersetzt worden. Doch du weisst wie
es mit Poesie ist. Sie verliert wenn sie übersetzt wird. Besonders
wenn sie so musikalisch ist wie die seine. Doch vielleicht kannst du
einmal nachschaun, ob du was von ihm findest in deiner Buchhandlung.

Ich glaube wirklich, dass das schwedische Fernsehen hohe Qualität
hält. Du kannst immer in den freien Kanälen etwas interessantes
finden. Kultur, Wissenschaft, Politik, Dokumentarfilme u.a.m. Ein
Grund dazu glaube ich ist die Tatsache, dass wir immer alles in V.O.
sehen, mit schwedischem Text darunter. So können wir das beste aus
aller Welt importieren. Es ist keine Garantie, dass nicht auch
schlechte Programme gezeigt werden. Aber, wenn ich manchmal in der
Schule deutsches Fernsehen sah, (wir hatten dort Parabol) war ich
überrascht wie oberflächlich alles erschien. Und dann die Filme, die
alle "dubbed" (weiss nicht auf deutsch) waren. Welch ein Horror!
Übrigens, in Frankreich ist man dabei, seine Ferseher hinauszuwerfen.
Über 10% der Leute, vor allem in den gebildeten Familien, protestieren
auf diese Weise gegen das schlechte Angebot von Programmen.

Nun ja. ich kann mir vielleicht doch vorstellen, was so in eurem Club
besprochen wird. Ich habe immer Männer um mich gehabt im Beruf
und glaube, dass ich mich ganz gut auskenne in dieser Gattung. *s*
Besonders von Åke habe ich so einiges über Männer erfahren, auch
Dinge die ich mir ehrlich gesagt nicht hätte vorstellen können. Er war
ziemlich freisprachig, so dass der andere Kollege manchmal fast errötete..
Doch man konnte ihm niemals böse werden, denn er ist ein herzensguter
Mensch und bei allen beliebt.

Wenn bei uns auch endlich der Frühling einzieht, (vorläufig herrscht
hier noch Winter), werden wir wohl wieder mit unseren Stadt-touren
beginnen und uns auch mit den "Jungs" zum Essen verabreden. Sie
haben uns darum gebeten.
---
In Stockholm hat man in diesen Tagen das erste Teehaus geöffnet.
Ein Luxus! Nicht das Tee trinken an sich, aber die Zeit, die man sich
dafür nimmt. Und so werden wohl die vornehmen Damen von nun an
ihren "afternoontea" auf englische Weise dort trinken und über Gott
(Götter?) und die Welt philosophieren.. oder auch nur über die
neuesten Modetrends. Manchmal sehne ich mich zurück nach Stockholm.

"The stairway to heaven runs through a teapot." (russisches Sprichwort)

Nun sage ich dir gute Nacht und wünsche dir einen schönen Tag morgen,
mit lieben Gs u.a.m.
Malou


Mittwoch, 26. November 2014

Re: Schau mal..


date 14 March 14:38
subject Re: Schau mal..



Liebe Malou
Nicht gerade im Bett gelandet, aber doch noch ein wenig reduziert. Ich
habe viel geschlafen gestern. Und bin abends früh ins Bett. Da gab es
einen Film mit einer Geschichte von Rosamunde Pilcher auf dem Oe 2.
Och, das sind so süsse Filme, bei welchen man die Geschichte aus der
Distanz von Kilometern voraussagen kann. Schon der Anfang zeigt, wie
es enden wird. Aber ich schaue sie vor allem, weil sie allesamt in
Südengland, Cornwall und Devon spielen. Das ist eine wunderschöne
Landschaft. Und dazu die kleinen Dörfer mit den alten Häusern. Früher
hatte ich mir immer gewünscht, dort zu leben. Allerdings muss man auch
sagen, dass der Film das alles meist unter sonnenblauem Himmel und in
der schönsten Blütentracht zeigt. Der Alltag wird ja doch wohl etwas
anders sein.

Was das Sternzeichen über mich sagt? Ich weiss nicht, ob das stimmt.
Es hört sich doch einigermassen oberflächlich an. Und man sagt, die
Skorpione seien tiefgründig. Na ja, wie auch immer. Ich liebe die
Abwechslung, und manchmal habe ich sogar den Eindruck, ich verliere
mich darin. Also doch oberflächlich¨

Heute hatten wir Club-Essen. Th war am gleichen Tisch. Wir werden am
Samstag wieder mal gemeinsam in die Stadt fahren. Und bei dieser
Gelegenheit einen alten Freund, den Mode-Journalisten, besuchen. Er
hat sich lange nicht gemeldet, und ich habe den Vorschlag gemacht, ihn
zu besuchen. Manchmal ziehen sich Clubkameraden einfach in ihre vier
Wände zurück und melden niemandem, was mit ihnen los ist. Und so gehen
sie langsam in Vergessenheit. ich glaube, in einem Damenclub könnte
sowas nicht passieren. Frauen sind einfach viel fürsorglicher.
Wir haben am Tisch über Gott und die Welt diskutiert. Wirklich viel
über Gott. Und die Quintessenz war für D, dass man so leben soll, als
ob es einen Gott gäbe. Das finde ich eine vernünftige
Schlussfolgerung. Wenn man nicht sogar noch eins obendrauf geben
könnte, um zu sagen: lebe so, als ob es die Götter gäbe. Man muss ja
irgendwie davon ausgehen, dass es mehrere und verschiedene gibt.

Ach, du kannst dir kaum vorstellen, was an diesen Mittagstischen alles
diskutiert und beredet wird. Aber weil viele von uns schon älter sind
und täglich älter werden, sprechen sie viel über Bluthochdruck und
Cholesterinspiegel und all die merkwürdigen Eckwerte des Lebens. Man
hat immer wieder den Eindruck, dass sich das Leben doch sehr an die
einfachen Tatsachen hält: Geburt und Tod, Liebe und Hass, Himmel und
Erde. Genau so wie in den Filmen von Rosamunde Pilcher.

Bei uns, so glaube ich, kommt jetzt der Frühling. Die Temperaturen
sind über 10° hochgeschossen. Und man muss zusehen, dass man sich
nicht viel zu warm anzieht. Wer nehmen fest an, dass es fortan
aufwärts geht.
MlG