Dienstag, 22. Oktober 2013
Secondo
den 11 november 14:05
Re: Secondo
Liebe Marlena
Heute morgen war ich ziemlich kurz angebunden. Ich war wirklich unter Druck und konnte nicht länger schreiben. Irgendwie hatte ich mich um 1 Stunden verschlafen. Ich fuhr los, in der Meinung, es sei Viertel vor Sieben. Und dabei war es Viertel vor Acht. Na ja, kann passieren. Offenbar war ich wieder eingenickt. Vielleicht muss ich wirklich wieder früher ins Bett Gestern war es 23.00h. Am Fernsehen lief ein feiner Film aus der welschen Schweiz, den ich sehr gerne bis zu Ende gesehen hätte. Dann habe ich mich mitten drin losgerissen und bin verschwunden. Schade. Die Welschschweizer hatten zur Zeit meiner Studienjahre sehr gute Regisseure und man konnte sie in Zürich in den Kinos sehen. Sie spielten immer wieder mit mehr oder weniger denselben Schauspielern. So fühlte man sich zuhause.
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Heute haben wir hier einen echt düsteren Tag. Der Hochnebel sitzt unverrückbar zwischen den Hügeln und die Farben sind düster bis grau. Das ist die Zeit, einen Whisky zu trinken. Oder eine Zabaione, eine warme Weinschaumcrème. Kennt Ihr das in Schweden? Ihr seid das richtige Land und die richtige Region für eine Zabaione. Man kann sie auch raffinierter schreiben, wie etwa Zabaglione. Dann schmeckt sie noch deutlich besser! Meine Mutter pflegte an kalten Winter Sonntag Nachmittagen, vielleicht nach einem Spaziergang, eine solche Crème zu machen. Und sie ist wunderbar, weil sie die Sinne belebt und den Körper aufwärmt. Man sollte die Crème wirklich literarisch mehr Ehre angedeihen lassen. Man sollte ein Requiem für die Zabaglione schreiben. Das wäre echt schön.
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Soll ich Dir auch ein bisschen über die Tauben erzählen? Das tue ich immer, wenn mir sonst nichts in den Sinn kommt. Sie sitzen drüben auf dem Dach, nicht nur auf der obersten Krete, sondern teilweise auch auf der schiefen Dachfläche auf den Ziegeln. Wie schaffen sie es bloss, nicht abzurutschen? Sie scheinen sich zu putzen, stecken ihre Schnäbel seitlich in ihr Federkleid und hängen herum, erzählen wohl leise kichernd wüste Witze und quere Anekdoten. Sie halten sich wirklich sehr still, viele scheinen gar zu dösen und hängen wahrscheinlich ihren warmen Sommerträumen nach, denken von ihren zarten süssen Freundinnen am blauen Sonnenhimmel oder von kleinen Flirts im halbdunkel schattiger Gassen. Ach, Taube müsste man sein. Es muss herrlich sein, die Welt mehrheitlich von oben zu betrachten. Und von alten Mütterchens gelegentlich mit Brosamen und Kuchenresten überfüttert zu werden, ist auch ein ziemlich erfreulicher Gedanke.
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Ich habe zum Geburtstag als Geschenk eine literarische CD erhalten. Gerade läuft sie auf meinem kleinen Radio hier im Büro. Es handelt sich um 84 Charing Cross Road, eine Freundschaft in Briefen von Helene Hanff. Das Buch ist 2002 in Hofmann und Campe erschienen. Es handelt sich um einen charmanten transantlantischen Briefwechsel zwischen der New Yokrerin Helene Hanff und den Angestellten eines Antiquariats in Londons Charing Cross Road von 1949 bis 1969. Sie tauschen Erstausgaben, seltene Gedichte, Freundlichkeiten, Sticheleien, geräucherten Schinken und das Rezept von Yorkshire Pudding aus.
Yorkshire Pudding ist ein nettes Stichwort. Als ich als Gymnasiast in Bornemouth in meinem Sommerurlaub war, um Englisch zu lernen, hatten wir jeweils am morgens Schule, um am Nachmittag an die Beach gehen zu können. In der Schule gab es eine kleine Kantine. Dort habe ich mir dann ein Eierbrötchen gekauft und bin mit dem Bus zum Strand gefahren. Das habe ich geflissentlich so gehalten. Aber ab und zu nahm ich mir die Freiheit, schon morgens an den Strand zu fahren. Das Gefühl war einfach schön, zwischendurch nicht in die Schule zu gehen. Das war dann wie Feiertag. Und einmal, als ich dann nächsten Morgen wieder brav und fleissig im Klassenzimmer sass, verkündete die Lehrerin - eine eher rundliche und sehr expressive, d.h. schon fast hysterisch laute Person - sie hätte ja gestern die Aufsätze zurückgebracht und sie hätte den meinigen vorgelesen. Ich erschrak erst und versuchte mich zu erinnern, worüber ich geschrieben habe und ob das wirklich vorlesenswert gewesen sein könnte. Ich glaube, die Aufgabe hatte exakt darin bestanden, über Yokrshire Pudding einen Aufsatz zu schreiben. Und ich schrieb einen über den Minenarbeiter Jack, der morgens zwei Eier isst (Go to work on an egg, so lautete die Werbung im TV) und dann mit dem Velo zu seiner Grube fährt. Er kommt mir heute sehr einsam vor, dieser Jack, war Single und lebt irgendwo in einem dunkeln Zimmer. Und am Wochenende isst er dann eben Rumpsteak mit Yoskshire Pudding. Der putzigen englischen Lehrerin hat das so sehr gefallen, dass sie ganz aufgeregt war. Und ich versuchte mir - nach dem ersten Schock - im Stillen vorzustellen, was denn meine Klassenkameraden geschrieben hätten, die sie nun nicht vorzulesen gedachte. Es fällt mir heute auf, dass ich überhaupt nicht stolz war über diesen Vorfall, sondern eher peinlich berührt. Ich fand es ein bisschen ungeheuerlich, dass sie meinen Aufsatz vorträgt, ohne mich zu fragen und ohne mein Beisein. Na ja, so schlimm war es auch wieder nicht. Aber der Yorkshire Pudding hat sich damit tief in meinem Gedächtnis eingebrannt.
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Und wenn ich davon erzähle, kommt mir das Beach von Coney Island in den Sinn. Ich bin an einem Abend etwa um 5 hinausgefahren. Die Stimmung am Meer ist immer merkwürdig. Es gab nicht viele Leute. Eher Schwarze mit Kindern und mit Kinderwagen. Der Wind bliess. Die grossen Möven holten sich, was sie fanden. Reste im Sand von den Leuten, die schon wieder nach Hause gekehrt waren. In der Ferne ein Riesenrad. Auf der anderen Seite ein Stadion wo sie Karaoke sangen, wie mir schien. Auf dem Peer draussen einige junge Leute, die mit kleinen metallenen Küchennetzen zu fischen versuchten. Sie banden ihren Köder ins Netz, worin man sonst Kartoffeln oder Zwiebeln lagert, und liessen das Netz auf Grund. Wenn sich ein Fisch hineinbewegte, zogen sie in Windeseile und im Ruck hoch. Ich weiss nicht, ob das so funktionieren kann. Aber sie haben es immer wieder versucht und oben auf dem Peer die Leute vollgespritzt.
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Ich glaube, ich liebe es, allein durch die Welt zu trampen, zu streichen und in der Luft zu schnuppern. Das genau war die Gemeinsamkeit zwischen Bornemouth und Coney Island. Neben dem Meer, natürlich. Cees Nooteboom, kennst Du ihn, den holländischen Schriftsteller, der immer auf Reisen ist und dabei schreibt? Na ja, einen Teil des Jahres verbringt er im warmen Mittelmeer, um zu schreiben. Aber sonst ist er unterwegs. Ich glaube, er ist erfolgreich, weil viele Leute vom Abenteuer des Reisens träumen. Ich habe vor nicht zu langer Zeit ein Büchlein im Antiquariat gefunden, wo er seinen Aufenthalt in Teheran und Isfahan beschreibt. Aber damals war er noch jung, und der Text ist kein Meisterstück. Kürzlich ist er 70 geworden.
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Ich wünsche Dir einen guten Abend.
Mit lieben Grüssen
...
PS: ja richtig, Krebsforscher ist Klein, das hattest Du gesagt. Ich habe seinen Namen vorher nie gehört.
Ueberigens habe ich die Karte mit den beiden Gläsern gesehen und Deine Glückwünsche. Merci, meine Liebe. Es ist schön, wenn es mit jedem Jahr tiefer wird. Wenn das gelingt? Schreiben hat ja auch seine Grenzen, nicht wahr? Aber wir tun unser Bestes.
Montag, 21. Oktober 2013
Morgenmail - (09:45)
Ämne: Morgenmail
Datum: den 11 november 09:45
Lieber ... ,
Wie schrecklich! Bist du so unvorsichtig mit unserer Korrespondenz? Welches mail war es denn? Ich möchte gern nachsehen wie persönlich es geschrieben war.
Nun ja, du hast ja viele Korrespondenzen und vielleicht ist es nicht allzu aufsehenerregend. Hoffe ich jedenfalls.
Und du bist so kurz heute. Kurz wie noch nie. Ich glaube nicht, dass du mich richtig verstanden hast in meinem vorigen Mail.
Nein, Georg Klein ist kein Philosoph, soweit man das nicht von allen gebildeten Leuten sagen kann, die über die menschliche Existens nachdenken. Natürlich kennt ein gebildeter Mensch Schopenhauer. Und wie du ja in meinem Mail gesehen hast, hat er sogar Rilke zitiert. Das hat mir besonders imponiert. :-)
G. Klein ist ein weltbekannter Cancerforscher und Chef des Karolinska Institutet in Stockholm. Er hat schon in jungen Jahren die Rede an Nobelpreisträger gehalten. Also einer unserer prominenten Leute. Und ich mag ihn weil er einfach und klar spricht und wegen seinen menschlichen Qualitäten, die man immer wieder merkt, wenn man ihn reden hört. Er ist sehr anspruchslos.
Ich muss an die Arbeit. Grüsse dich lieb und wünsche dir einen schönen Tag mit nicht allzu neugierigen Blicken von deiner Sekretärin.
i M
Marlena
Re: Liebe und Elend..
den 11 november 09:24
Re: Liebe und Elend..
Liebe Marlena
Ja gute Frage, was die Schwüre bedeuten. Es sind vielleicht bloss Stimmungen, wie die Liebeserklärungen, also das schönste, was es gibt.
Die Liebe als Institution, d.h. als lange, regelmässige und fixierte Sache ist doch nicht halb so spannend, nicht wahr.
*
Es ist gut, dass Du nicht offene Schwüre und Liebeszeremonien machst. Gestern hat mir meine Sekretärin ein Mail von Dir gebracht. Offenbar wurde es in einem anderen Drucker ausgedruckt. Sie ist aber sehr diskret und ich bin fast sicher (fast) dass sie es nicht gelesen hat. Wahrscheinlich giltst Du jetzt als gute Freundin des Dienstes.
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Ich fliege Ende November nach Prag. Der Club organisiert alles, aber wir wohnen im Hotel, wie ich gehört habe. Wir treffen diese zwei Clubs und lernen die Leute etwas kennen. Ich weiss noch nicht, was sich daraus ergeben wird. Vielleicht neue Freundschaften. Meine Idee ist immer noch, ein Doktoranden Arbeitsstelle für einen Rilke oder Kafka Spezialisten. Aber vielleicht ist das auch ein bisschen zu hoch gegriffen oder insgesamt zu quer.
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Erzähle mich über Georg Klein. Er scheint mir gar nichts zu sagen. Woher kommt er, was macht er, was sagt er? Ist er Philosoph, dass er Schopenhauer kennt. Oder vielleicht Biologe?.
Meine Pflichten Rufen.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag
Liebe Grüsse
Liebe und Elend.. - (23:26)
Ämne: Liebe und Elend..
Datum: den 10 november 23:26
Lieber ...,
Ich habe nochmals deine lieben Mails durchgelesen und frage mich warum du nicht öfters in Stimmung kommen kannst, mir "Liebeserklärungen und heisse Schwüre zu machen"? Was war in dich gefahren? Hattest du irgendwelches Aphrodisiakum genommen? Oder hat der Ekbergfilm eine so starke Wirkung auf dich gehabt? Und dann frage ich mich natürlich auch, was du unter "heisse Schwüre" verstehst. Du hast mich wirklich neugierig gemacht. ;-) Aber die Wirkung, die du dir dabei erhoffst?? Erinnerst du dich nicht mehr wie nüchtern ich sein kann?
Ach Gott, ich schöpfe Mut, dir eine wahre Liebeserklärung zu machen und euer
doofes System zensuriert mich. Ich kann es wirklich nicht verstehen, dass du meinen Geburtstagsgruss nicht sehen kannst. Er liegt doch unten in deinem Mail. Nur runterblättern und du siehst was ich meine mit "geradeaus". Es ist ein so liebes Bild, dass ich immer schmunzeln muss, wenn ich es anschaue. Vielleicht hat es dieselbe Wirkung wie Anita auf dich. :-)
Ich denke an die Zeichnungen, die du für die Kollegin gemacht hast. Würde sie allzu gern sehen. Bestimmt wieder sehr humoristisch und mit dem typischen "...-touch". Vielleicht kannst du sie mir mal zum ansehen schicken. Das würde mich freuen.
Ach, armes Onkelchen. Ich sehe in deinen Mails wie er immer älter und schwächer wird. Und wie du das machst. Ich meine, ich sehe ihn so deutlich vor mir, als hätte ich ihn selbst beobachtet. Ja, das Altern ist eine schreckliche Sache. Wir haben es vor uns. :-(
Ich habe auch schon deinen Gedanken gehabt und finde es auch schade, dass W nicht mit dir nach Basel kommt. Das wäre doch wirklich eine wunderbares Milieu für euer weekly. Aber eine gemütliche Bibliothek ist auch schön an dunklen Abenden. Auch mir würde es gefallen dir in einem Café gegenüber zu sitzen. Ich glaube wir hätten uns unendlich viel zu erzählen. Es wäre schön wieder einmal deine Stimme zu hören. Was mich manchmal etwas wundert ist, dass dich S so allein dorthin fahren lässt. Aber vielleicht schickt sie dich einkaufen und du nimmst dir nur etwas mehr Zeit dazu.
Ein Kollege liegt seit vorgestern im Krankenhaus mit einem Herzinfarkt. Es ist nicht sein erster. Und während man ihn behandelt hat, bekam er noch dazu einen Stroke und ist nun im halben Körper gelähmt. Ich glaube er ist noch keine 50 Jahre alt. Er ist sehr vermögen und hat alles was sich ein Mensch wünschen kann - ausser Gesundheit. Früher war er ein Spitzensportler aber seit langer Zeit kann er sich nur schwer bewegen. Und du weisst, wie es ist mit wohltrainierten Leuten, die dann plötzlich ihr Training aufgeben müssen. Es ist wirklich ein Elend.
*
Ich habe mir nochmals das Programm mit Georg Klein angesehen. Es ist interessant. Er meint u.a. dass Schopenhauer unerhört modern ist in seinen Gedanken. Wenn man seine Worte "der blinde Willen" mit "die selbstsüchtigen Gene" oder "das egositische DNA" ersetzt wird es ein vollständig moderner Text der in jedem Detail standhält. In seine weiteren Ideen, wie man diesen blinden Willen besiegen kann, ist er jedoch nicht bereit Schopenhauer zu folgen.
Ich habe nicht viel von S gelesen. Erinnere mich aber, dass ich ihn zeitweise als, wie soll man sagen.. vielleicht "trostreich" empfunden habe. So ungefähr in der Meinung: Wenn das Leben ein Elend ist, das jeder ausstehen muss, so muss ich es nicht als ein persönliches Misslingen betrachten.
*s* (bedeutet, dass ich über meine Worte lachen muss)
*
Gestern hat der Tscheche in Annas Korridor ihr 60 Bilder von Prag gezeigt, die er auf einer CD liegen hatte. Sie hat sich ein wenig gewundert wieso aber sie war doch so imponiert von der Schönheit der Stadt, dass sie jetzt gern dorthin fahren möchte. Schade nur, dass sie nie Zeit hat, wenn es für mich möglich wäre. Aber irgendeinmal wird es wohl werden.
Wolltest du nicht auch bald dorthin? Wann war das?
Vielleicht habe ich genug geschrieben für heute. Werde noch ein wenig lesen vor dem Einschlafen. Ein bisschen Feng Shui. Brauche einen Schups in die richtige Richtung. (Aufräumen!) Oder lese ich ein Stück in dem Buch von Gayelord Hauser, "Spieglein, Spieglein an der Wand.." Es ist unerhört naiv geschrieben. Ich glaube für amerikanische Hausfrauen in den 60-iger Jahren. Ich habe gerade ein paar Sätze gelesen und schon lache ich. Aber trotz allem schenkt es einem Lust irgendetwas im Leben zum besseren zu ändern. Das Buch habe ich mal in jungen Jahren in einem Kasten auf der Strasse vor einer Buchhandlung gefunden und für fast nichts gekauft. Ich glaube es waren 10:- Kronen. Dafür bekommt man heute einen Viertel Hamburger. Viele Jahre später habe ich mal ein Programm über diesen Mann gesehen und erfahren, dass er ein sehr guter Freund von Greta Garbo war und auch ihr Ratgeber in Fragen Gesundheit und Schönheit. Pass auf Ruedi! Vielleicht werde ich so unwiderstehlich, wie du mich neulich gemacht hast. ;-))
Nun sage ich dir gute Nacht. Wir sehen uns morgen wieder.
Marlena
wie unromantisch (18:10)
den 10 november 18:10
Re:
Liebe Marlena
Ach, wie unromantisch, Du unterscheidest zwischen Liebeserklärung und Liebe. Nein, das ist nicht fair. Die Liebe ist in sich ungenau, da sollte man nicht mit dem Metermass an ihre Schwachseite!
Ich habe die Karte wirklich nicht öffnen können und habe nicht genau gewusst, weshalb ich die Lautsprecher anstellen sollte. Wolltest Du hier die Feuerwehr mobilisieren?
Jetzt bin ich enorm in Eile.
Ich wünsche Dir einen schönen Abend.
Liebe
Re: :-) - (15:28)
Subject: Liebeserklärung :-)
Date: Mon, 10 Nov 15:28:29
Lieber ...,
Es gibt Tage an denen deine Mails das einzige sind, was ich nicht zur Hölle wünsche. Heute ist ein solcher Tag. Aber ich habe keine Lust darüber zu sprechen.
Wie schade, dass dein liebes kleines Sonntagabendmail nicht schon gestern Abend gekommen ist. Ich hätte es sehr brauchen können. Du hättest mir übrigens gern eine Liebeserklärung machen können. Ich hätte mich gefreut und darüber gelacht, denn Liebeserklärungen und Liebe sind zwei verschiedene Sachen.
Ach wie schade, dass du nicht meine schöne Liebeserklärung zu deinem Geburtstag erhalten hast. Aber warte mal. Vielleicht kann ich es dir anders senden. Das Original war mit Musik, die spielte "Happy birthday to you", von der ich hoffte dass sie über den Wasserturmplatz hinausströmen würde und allen verraten würde was für grosse Dinge sich hier in deinem Büro abspielen. Lass mich wissen ob es funktioniert hat.
Ich schreibe dir wohl später nochmals.Mit einem innigen Kuss (siehe Bild hier unten),
Marlena
Sonntag, 20. Oktober 2013
Montag Morgen - (08:49)
den 10 november 08:49
Re: momo
Liebe Marlena
Ja, Du hast Recht, ich habe das Mail mit dem glühenden Rathaus in Stockholm schon früher gesehen. Aber der Schnitt war anders. Im früheren Bild standest Du nicht allein im Wind. Deshalb habe ich mich nicht sogleich dran erinnert. Erst an Deiner Kleidung, offen gesagt, habe ich es bemerkt. Damals war mir aufgefallen, wie chick Du Dich anziehst mit diesen verschiedenen Grau- und Schwarztönen. Diese Farben betonen alle anderen kleinen Farbtupferchen, die aus der Reihe fallen, den Lippenstift, die Augenlieder oder sonst was, nicht wahr?
*
Wir haben ein schönes und ziemlich mildes Wochenende hinter uns. Weil ich aber am Freitag krank war, habe ich am Samstag ziemlich viel gearbeitet. Aber ich bin auch rasch in die Stadt gefahren und ein bisschen zwischen Klein- und Grossbasel herum flaniert. Es ist schade, W. geht nicht gerne in die Stadt, sonst könnten wir uns am Samstag Morgen in irgend einer Kaffeebar (er trinkt auch nicht gerne Kaffee) treffen und einen tüchtigen Wochentratsch über die Theke schieben. Das wäre sehr angenehm und wir könnten die städtische Atmosphäre geniessen. Ich mag sie einfach sehr, ich glaube viel mehr als früher. Früher habe ich es genossen, am Samstag im Garten zu arbeiten, als die Kinder noch klein waren und sich auch irgendwie im Garten beschäftigt hatten. So muss ich mich heute mit den Buchläden in der Stadt begnügen und bringe jedes Mal irgend einen Fund nach Hause.
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Onkelchen war noch nicht bereit gestern. Er kam in einem ziemlich alten Hemd herunter, wo das langärmlige Unterleibchen hervorschaute. Und er fragte, ob er noch Zeit hätte, sich zu rasieren. Offenbar war er erst gerade aufgestanden. Meist öffnet er dann die Türen vorne und hinten im Haus, damit wir eintreten können, und er tappt nochmals hinauf, um seine Morgentoilette zu beenden. Er möchte so verhindern, dass wir läuten und dann minutenlang an der Türe stehen müssen, bis er die Treppe heruntergeturnt ist. Für ihn ist diese Treppe mittlerweile zu einem grösseren Hindernis geworden. Er geht jetzt meist mit seinem Stock herum und nicht mehr freihändig, wie früher. Ach, es ist nicht besonders angenehm, so alt zu werden. Aber er klagt nicht.
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Eine Kollegin hat mich letzte Woche gefragt, ob ich ihr für einen Vortrag einige Zeichnungen machen würde. Sie besucht einen Führungskurs und hat die Aufgabe, Aspekte ihrer Führungsarbeit zu benennen und zu charakterisieren. Sie wollte, dass ich sie (natürlich wollte sie nicht, dass ich sie selbst zeichne, aber eine weibliche Person), dass ich also sie in der Rolle eines Kapitäns, eines Sähers, eines Katalysators, eines Beraters und eines Seismographen zeichne. Das war eine schöne Arbeit und ich habe mir Mühe gegeben, sie ein bisschen lustig zu zeigen, durchaus ein bisschen mit sexy Formen, was sie in natura nicht besonders hat. Ich hoffe, sie fühlt sich nicht zu sehr verulkt. Es ist wirklich angenehm, sich Zeit nehmen zu können um zu zeichnen. Ich habe das am Freitag gemacht, nachdem ich richtig ausgeschlafen hatte. Dann konnte ich in der Stube herumtrödeln und lesen und solche Dinge tun. Die schwierigste Sache war vielleicht die Darstellung des Katalysators. Was ist ein K? Und wie kann man ihn zeichnen, damit alle sofort verstehen, was gemeint ist. Schliesslich habe ich sie mit einer riesigen Fackel gezeichnet, mit welcher sie ihren Patienten oder Klienten (wie wir sie nennen) den Hintern einheizt.
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Und heute muss ich mich noch auf die Sitzung vorbereiten. Ich habe mittwochs eine Diskussion am Radio, für die ich mich noch etwas einlesen muss.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit lieben Grüssen
...
PS
Ja, ich konnte die Karte nicht anschauen. Am Wochenende läuft unser System sooooo langsam, weil sie dann Daten sichern. Ich muss manchmal 5 Minuten warten, bis ein Mail öffnet. Das ist echte Nervenarbeit.
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