Donnerstag, 3. November 2011

eine Geliebte?

Pygmalion und andere Metamorphosen
Sat, 27 May 2000 20:48:39 GMT


Liebste blutrote Marlena
Die Farbe gefällt mir sehr. Da ist was dran, das glüht von innen. Da ist Substanz, auch Kraft und Wärme. Ich finde es ist wunderschön, blutrot, und wenn man dich als blonde Schwedin so anschaut, würde man es vielleicht nicht ahnen. Aber ein bisschen sieht man es schon. ...
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Deine Frage, ob ich eine Geliebte hätte, hat mich noch den ganzen Tag begleitet. Die Frage hat mich gerührt, weil sie mir zeigt, dass du viele Gefühle für mich hast. Nur dann wird eine solche Frage fällig. Und ein bisschen musstest du dich auch überwinden, es zu fragen. Verstehe ich. Vielleicht auch aus Angst vor der Antwort? Und die Frage hat mich ganz nah zu dir gerückt. So etwas fragt mich nur meine Geliebte oder meine Frau. Was würde ich wohl sagen, wenn S. mich fragen würde. Sie merkt schon was, wenn ich auch in letzter Zeit etwas fröhlicher und aufgeräumter geworden bin zu Hause.
Aber die Frage hat mich noch in einem anderen Sinn beschäftigt. Und zwar so: ich selbst hätte dir niemals im Leben eine solche Frage gestellt. Wenn ich all die schönen Worte und die Liebesgedichte und deine gefühlvollen Sätze mir durch den Kopf gehen lasse, so denke ich, es ist einfach unmöglich, dass du einen Geliebten daneben hast. Und wenn du ihn hättest, so würdest du mir nicht auf diese Art schreiben.
Und so habe ich mir gedacht, wie kannst du denn an mir zweifeln? Meinst du denn, meine Worte sind nur gespielt? Denkst du, ich könne am nächsten Tag dieselben Wort zu einer anderen Frau sagen? Wirken denn meine Worte nicht echt, dass du daran zweifelst. Denkst du denn, ich würde so lange Mails schreiben einfach so dahin, vielleicht daneben noch für andere (ach, ich könnte sie ja kopieren und nur den Namen wechseln!). Ich verwende wirklich sehr viel Zeit, noch mehr als am Anfang, mit dir, meine Liebe. Und daneben habe ich einen Chefjob, wo man etwas mehr als bloss 8,5 Stunden arbeiten sollte. Und dann ist da noch eine Familie. Und ich habe knappe 24 Stunden pro Tag zur Verfügung. Wie stellst du dir vor, eine Geliebte daneben. Ich bin doch kein professionelller Dandy. Vielleicht ein Casanova, der sich nie satt bekommt. Ach, wie du unsicher sein kannst, ist so rührend und so erstaunlich in einem. Das hat mich echt ein bisschen erschüttert. Und ich habe es ins Kapitel Geschlechterrollen gelegt. Ich meine damit, bei den Männern hält man es für möglich, dass sie mehrere Geliebte haben können, bei den Frauen glaubt man das weniger. Und deshalb wolltest du vielleicht sicher gehen und einfach fragen. Oder vielleicht war deine Frage nur ein Zeichen unserer Intimität. Und wenn es eine solche Frage war, dann umarme ich dich, dass dir die Frage nie mehr aufkommen wird. Ich würde sogar weiter gehen, als bloss umarmen, meine Liebe. Ich würde dann wirklich untreu werden. Und ich stelle mir jetzt das blutrote Feuer dabei vor. Weißt du, meine Liebe, manchmal, wenn ich deine Mails lese, ...
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So weißt du nun, dass du meine einzige und grosse Geliebte bist. Und damit du sicher bleibst, schreib es irgendwo auf, vielleicht an die Decke? Oder auf die Hinterseite des Pragerbildes? Oder ganz einfach in dein Herz! Weshalb denkst du denn, wollte ich dich unbedingt sehen? Ich wollte bloss wissen, ob ich hier meine Gefühle nicht auf was Falsches verwende.
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Ich wünsche meiner blutroten Geliebten einen wunderfollen Muttertag, das wünsche ich ihr von Herzen
K
U
S
S
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Mittwoch, 2. November 2011

romatisches Programm - Novalis

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Liebe Marlena
...

Gerade habe ich einen Artikel über Novalis gelesen. Ich würde wetten, dass Du ihn kennst. Der Exponent der Romantik und der Taufpate Deines eigenen Denkens. Es gibt ja auch dieses berühmte Abbild, wo er aussieht wie ein Mädchen, mit einem feinen Gesicht und süssen Lippen. Novalis, der in seinen "Hymnen an die Nacht" und dem unvollendeten Roman "Heinrich von Ofterdingen" die Romantik inkarniert hat. Romantik, das ist die erste Avantgardebewegung. Novalis ist der Dichter der Romantik schlechthin.
In seinen "Blütenstaub"-Fragmenten schreibt er, und da spricht er Marlena aus dem Herzen:

"Wir träumen von Reisen durch das Weltall: ist denn das Weltall nicht in uns? Die Tiefen unseres Geistes kennen wir nicht. Nach innen geht der geheimnisvolle Weg. In uns, oder nirgends ist die Ewigkeit mit ihren Welten, die Vergangenheit und Zukunft".

Ja ich finde in diesem ausgezeichneten Artikel von Bohrer sogar ein romantisches Programm, was ich in den letzten paar Jahren immer gesucht habe.

 "Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Anschein gebe so romantisiere ich es".

Das ist, kurz gesagt, Werbung. In den letzten Jahren hatte ich immer stärker den Eindruck, die Romantik sei eine besonders starke Bewegung der Moderne. Vor allem auch in der Psychologie spielt sie eine wichtige Rolle. Aber ich hatte darüber nur ein diffuses Gefühl, keine wirklichen Informationen. Nur da und dort, da ich etwas gelesen habe, hat sich mir die These erhärtet.

Bohrer ist Professor für deutsche Literatur und Spezialist für Romantik, soviel ich weiss. Ich habe zwei Bücher von ihm, aber ich habe etwas Mühe, sie zu lesen, denn sie sind ziemlich komplex.

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So, meine liebe Marlena, ich hoffe, dass Du meine Mails doch noch erhalten hast ...

Mit einem lieben Gruss
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Dienstag, 1. November 2011

Bosheit



Subject: Bosheit
Date: Mon, 03 Nov 2003 17:46:36 +0100

Lieber ...,

So bin ich nochmals bei dir. N. hat angerufen und ihre Telefongespräche werden manchmal sehr lang. Nun ja, sie muss mit jemanden sprechen über ihre jetzigen Probleme. Ihr Freund (Geliebter?) befindet sich im Moment in einer Saufperiode und sie hat Angst, dass es mit dem Tode enden kann. Und es ist ein Unbeschreibliches hin- und her, das ich dir ersparen möchte. Sie tut mir wirklich sehr leid.

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Ich bin eigentlich nicht sehr gut gelaunt. Glaube es hat damit zu tun, dass ich eine Weile neben unserem Direktor gesessen habe. (Barbies Ken, wie ich ihn sehe) Nicht, dass etwas gesagt oder passiert wäre, auf das man hinweisen könnte. Im Gegenteil habe ich mich gut mit der jungen Spanischlehrerin (eine junge dunkelhäutige Schönheit aus Südamerika) über den Mittwoch unterhalten, wo wir Gastgeber waren für die Sprachlehrer der Grundschulen der Region.( Mit Grundschule, meine ich hier die drei letzten Jahre vor dem Gymnasium, wo die Schüler 13 - 16 Jahre alt sind, und wo sie mit einer neuen Fremdsprache beginnen.) Wir haben uns gratuliert zu dem Tag, weil er gut ausgefallen ist und unsere Gäste ihn als sehr gut und wichtig bewertet haben. 9,5 auf einer Skala von 1-10.
Und warum ärgere ich mich dann so über diesen Direktor? Weil er ganz unmöglich dumm ist. Weil er sich über Dinge äussert, von denen er keine Ahnung hat ... Oh Gott, ich muss aufhören. Ich glaube du verstehst mich sowieso. G und A haben übrigens auch abgesagt, die Stunden von H zu übernehmen. Denk dir nur: H kommt am Mittwoch nachmittag und sagt zum Direktor, dass er nun 1½ Monate lang mehr mit Politik arbeiten wird und nicht seine Deutschstunden machen kann. Aber es kann dich nicht interessieren. Ich schreibe es ja auch nur um mich ein bisschen abzureagieren. Darf ich das an dir tun??? :-)
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Ich habe gestern noch das Programm über Georg Klein gesehen. Es war sehr persönlich und ich habe wieder daran gedacht, wie einfach sich die wirklich grossen Leute ausdrücken. Ich meine, es gibt viele halbgebildete, die immer mit Hilfe der Sprache ihr niedriges Niveau zu tarnen versuchen. Besonders im öffentlichen Leben findet man sie. Und man bemerkt dabei auch, wie sie ständig die neuesten Modewörter im Mund tragen. Klugscheisser, glaube ich nennst du sie.

Georg Klein arbeitet mit Forschung und wissenschaftlichen Dingen und als Gegenpol dazu liebt er Poesi und die Natur. Er sprach von seinen jungen Jahren als ungarischer Jude, der in Gefangenschaft geriet und als er einmal bei einem Marsch zur Arbeit fast am umfallen war, kamen ihm plötzlich ein paar Verse aus einem Rilkegedicht in den Sinn. Er zitierte sie auf deutsch.. Und durch diese Zeilen bekam er wieder Kraft weiterzugehen. Er glaubt nicht an Gott. Er ist überzeugter Atheist, der meint dass wir wieder in den Kreislauf eingehen werden, wie alle anderen biologischen Wesen. Manchmal denke ich wie er, aber ich hoffe doch dass ich mich irre.
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"Ondskan" ist der Titel des Buches und auch des Filmes von denen ich dir geschrieben habe. Bedeutet "die Bosheit". Auf Englisch "evil" . Hattest du was von einem schwedischen Schriftsteller gelesen? Ich glaube ich muss mir was von Lisa Marklund vornehmen. Sie hat nämlich die Leute oben in Norrland verärgert, indem sie gewisse Dinge bei Namen genannt hat. Das möchte ich gern sehen.

...

Ich werde mir nun etwas zu essen machen und dann meine Stunden für morgen vorbereiten.
So sage ich dir guten Abend.. oder auch guten Morgen,
Mit einem lieben Gruss
Marlena

Blick durchs Fenster

"Die Blätter fallen ... "
.. nicht mehr

Montag, 31. Oktober 2011

Ondskan

Subject: Ondskan
Date: Sun, 02 Nov 2003 20:49:35 +0100

Liebster Mausfreund,

Dein zuckersüsser Halloweenkuss war gerade was ich gebraucht habe an diesem dunklen Tag. Ich hoffe du hast ihn auch genossen.
Aber nun rasch zu deinem Mail. Deine Logik ist umwerfend! Ich fühle mich geschlagen. Du kannst bis 3000 zählen, aber nicht bis 3? Und wie du das ganze drehst - machst du das immer so? Wie reagieren deine Mitmenschen darauf?
Nein, ich will doch wirklich nicht streiten. Wieso sollte ich? Nicht einmal im RL tue ich das, wenn es zu vermeiden ist. Und das ist es meistens. Ich bin auch durchaus zufrieden mit unserer Mailerei. Genau wie du glaube ich, dass es ziemlich langweilig werden könnte wenn man immer nur auf Dinge im Mail des anderen reagieren und nie was neues hinzufügen würde. Und du bist sehr klug. Das denke ich oft. Ich glaube auch, dass Herz und Verstand bei dir enger verbunden sind als bei mir. Bei mir streiten die beiden zeitweise ziemlich wild - wobei dann immer am Ende der Kopf gewinnt und das Herz leidet..
Findest du das komisch?
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Ja, ich mache dir Komplimente. Eigentlich brauchte ich dir nicht zu sagen wie gut du schreibst. Das weisst du natürlich. Und ich frage mich sogar ob es nicht eher schwer ist, das immer wieder zu hören. Ich denke dabei an damals in meiner Jugend. Ich konnte singen und immer wieder musste ich auftreten. Zuerst zu Hause vor den Gästen, bei grösseren Festlichkeiten. Dann immer in der Schule, wenn irgendein Auftritt war. Habe ich dir mal erzählt, wie ich "Oh mein Papa" gesungen habe, sodass die Schüler fast geweint haben. Stell dir das vor, 14-15-jährige Buben, die so reagieren. Es war ein herrliches Gefühl Menschen verzaubern zu können. Und auch in dem staatlichen Amt, wo ich später gearbeitet habe, habe ich zu Lucia solo gesungen vor all den Angestellten. Es war das schönste und schwerste Lied von allen und ich war so nervös, dass mir die Beine gezittert haben. Und nachher hat man mich von allen Seiten aufgefordert doch Sängerin zu werden. Und was hatte ich davon? Nur das Gefühl, dass ich etwas verpasst habe.
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Nein, von Neruda habe ich nichts gelesen. Wenn ich Zeit habe zum lesen, dann wird es meist etwas was in Schweden gerade aktuell ist. Es gibt viele Leute in der Politik, die ihre Memoiren herausgeben und wenn K solche Bücher herumliegen hat, passiert es dass ich sie auch lese. Bei uns läuft im Moment ein Film, der nach einem Buch von Jan Guillou gedreht ist. Jan Guillou ist ein Typ, eine Art He-man, der seit seiner frühen Jugend die schwedische Gesellschaft ab und zu in Alarmbereitschaft versetzt und immer noch zu unseren bekanntesten Kulturpersönlichkeiten zählt. "Die Bosheit" heisst das Buch und schildert seine Jugendjahre, vor allem seine Zeit in einer Internatschule. Der Film hat grosses Aufsehen erregt und viele lesen nun auch das Buch. K hat es kaum aus der Hand gelegt bevor er es ausgelesen hatte. Ich glaube ich werde es demnächst auch lesen.
Hast du schon mal etwas von einem schwedischen Schriftsteller gelesen?
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Ja, die Pferde sehe ich schon vor mir auf der Sommerwiese. Ich liebe auch Pferde. So werde ich wohl den ganzen Sommer mit Zuckerstücken in meiner Hosentasche herumgehen. ;-) Es ist gut, wenn dort Pferde grasen. Dann sieht es wenigstens bewohnt aus. Es ist eigentlich ein Wunder, dass man das Haus fast das ganze Jahr unbewohnt stehen lassen kann.
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"Kamera: Georg Klein"
Dies ist ein Programm, das ich mir heute abend noch ansehen möchte. Georg Klein, ein weltberühmter Cancerforscher, Schriftsteller und einer der grossen Denker unserer Zeit. Er ist ein Mensch, den ich sehr bewundere. Es gibt nicht allzuviele neben dir. :-)

So, jetzt lasse ich mir Wasser in die Badewanne. Dann musss ich noch ein wenig für morgen vorbereiten. Die Klasse steht kurz vor ihrer Abiturprüfung in Französisch und wir wollen noch einiges wiederholen bis dahin. So stelle ich selbst interessante Texte zusammen, die dafür geeignet sind. Es macht Spass, ist aber zugleich etwas zeitraubend.
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Ich weiss, .., dass du beruflich viel zu tun hast und ich schätze es sehr, dass du dir trotzdem Zeit nimmst für mich. Und ich freue mich jedesmal sehr über deine Mails. Die Serenität, von der du damals gesprochen hast. Es gibt sie noch.

Ich wünsche dir einen schönen Wochenanfang,
mit lieben Grüssen
Marlena

Und ein Bild aus dem Film, das sagt wovon er handelt.

*freudigüberrascht*

Ämne: Oh, du bist lieb..
Datum: den 2 november 2003 13:07

Lieber ...,

Ich bin gerade hier reingegangen um dir zu sagen, dass plötzlich die Sonne durch die Wolken schaut und um dir ein paar Strahlen davon zu senden und siehe da: da liegt ein schönes Mail von dir. *freudigüberrascht*

Ach, wir streiten doch nicht. Weit davon.

Mich hat heute plötzlich die Putzlust ergriffen und solche Gelegenheiten darf man nicht verpassen. Sie sind sehr selten. ;-)

Heute abend schreibe ich dir mehr.

Mit einem lieben Gruss
Marlena

Re: Stacheldrahtmail?

den 2 november 2003 12:15
Re: Stacheldrahtmail? Ja, klaro ...

Liebe Marlena

Ja, das ist vielleicht ein Stacheldraht-Mail. Aber so schlimm ist es auch nicht. Was ist Dir denn über die Leber gekrochen?

Na ja, eigentlich versuchst Du wie eine echte Therapeutin, mich aufzurichten und mir meine Fähigkeiten bewusst zu machen. Wie der Coach den Athleten aufbläst, bevor der Boxer in den Ring steigt. Aber vielleicht kannst Du Dir vorstellen, welche Selbstzweifel eine solch perfekte Digitalkamera mit sich herumtragen kann. Je differenzierter und komplizierter du selbst bist, desto mehr erscheint dir auch die Welt so vielgefächert und verschlungen.
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Schönes Bild, die Pferde auf Eurem Grundstück im Norden. Das stelle ich mir sehr romantisch vor. Ich liebe Pferde, am liebsten diese Apfelschimmel, die weiss sind, aber an den Nüstern, an Beinen und Hintern diese leichten dunklen Muster haben. Ist das nicht ein Bild der Unschuld: weisse Pferde in einer schwermütigen, nordischen Landschaft?
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Gibt es wirklich Fragen, die ich nicht beantworte? Aber ich beantworte doch Vieles, wonach Du gar nicht gefragt hast. Ich glaube nicht, dass es so bewusst läuft, wie Du denkst. Nachlässigkeit ist es auch nicht. Ist es bestimmt nicht. Aber manchmal steht mir die Arbeit hier bis zum Hals. Ich staune manchmal, wenn ich höre, wie viel Zeit Du hast. Mindestens stelle ich es mir so vor und beneide Dich. Es ist - so glaube ich wenigstens - nicht Nachlässigkeit, aber manchmal fühle ich mich echt getrieben durch den Terminkalender, durch die Arbeit und durch all die Dinge, die ich nicht mal selbst organisiert habe. Ich habe mir das Leben der zweiten Hälfte immer sehr ruhig und kontemplativ vorgestellt, so wie die grossen Philosophen, die gemessenen Schrittes auf und ab gehen und sich selbstgestellte Fragen beantworten. Und nun sehe ich, dass auch nach 50 immer alles noch über die Achterbahn fährt. Verrückte Welt!
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Mach mal eine Liste von Fragen, die ich nicht beantwortet habe. Ich glaube, Du hast gelegentlich das Gefühl, ich nehme Dich nicht ernst, ich höre Dir nicht genau zu. Schau mal: Du sagst es waren 3 Mails. Ich behaupte, es war 1 Mail. Die Frage ist doch, wann man zu zählen beginnt. Eine Sache der Interpunktion, wie die Kommunikationsspezialisten das nennen. Wer fängt einen Streit an in der Ehe? Wer hat das erste Wort getan? Das lässt sich nie entscheiden, ist eben eine Frage, wo man den Punkt und den Neuanfang setzt. Du sagst, es waren 3 Mails. Ich behaupte, ich hätte 3'000 geschrieben. Na also.
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Marlena, die Mails sind nicht geeignet für Streitigkeiten. Das haben wir doch schon
festgestellt. ...  Lassen wir den Halloweenstreit. Schreib mir eine tüchtige Liste von Fragen, die Du schon immer fragen wolltest.

Mit einem zuckersüssen Halloweenkuss
...