Mittwoch, 15. Juni 2011

Schöne Schweiz

Die Linde ist ca 800 Jahre alt.                         Foro: Chris

Endlich wieder..

date 8 April 2006 09:00
subject Endlich.. wieder hier


Lieber ...,
Wie schnell ein Tag vergeht, eine Woche.. Die langen Tage, die vielen
Stunden, die ich nach eigenem Wunsch mit Inhalt füllen wollte, gibt es
garnicht. Sie rasen so schnell vorbei, dass ich mich so gut wie jeden
Abend frage, wohin sie verschwunden sind. Ich habe doch alle Zeit auf
Erden und doch wünsche ich mir ständig mehr davon. Klingt das nicht
ganz verrückt? Aber ich weiss, ein Mittel wäre Abwechslung. Ein neues
Milieu. Vielleicht wäre Spanien nicht so dumm. Schade, dass ich nicht
sofort seine Absicht durchschaut habe.. oder vielleicht bilde ich mir
das auch nur ein. Aber er war wirklich sehr beharrlich.

Ok, wie verschaffe ich mir Abwechslung hier in meinem Käfig? Da liegen
vier Bücher, die ich alle sehr gern lesen möchte. Wie Türen kommen sie
mir vor, die ich nur zu öffnen brauche um in ein anderes Leben
hineinzusteigen. Eines davon ist der neueste Roman von Håkan Nesser,
"Mensch ohne Hund". Die Zeitungen sind voll von Rezensionen und Lob.
Dann möchte ich vorwärtskommen in dem dicken Roman "Blonde", der von
Marilyn Monroes Leben handelt. Das möchte ich lesen weil es mir
mehrere Leute empfohlen haben. Mehr als der Roman selbst interessiert
mich wie ein Linksaussen, ein eingefleischter 68-iger ein Buch über
M.M. so loben kann.

Dann liegt da das Buch von Gayelord Hauser. Ich wusste nichts über ihn
bevor ich einen Dokumenatarfilm über Greta Garbo sah. Er war
anscheinend ihr persönlicher Ratgeber in Sachen Schönheit und
Gesundheit, und er hat dieses unglaublich naive Buch geschrieben, das
sich wohl vorwiegend an amerikanische Hausfrauen von Anno dazumal
richtet.

Ich kaufte es mal auf der Strasse oben in Kalix. Es kostete fast
nichts und hat den Titel "Spiegel Spiegel an der Wand". Er sagt nichts
merkwürdiges darin. Spricht über Kost, über Bewegung und vieles ist
wohl schon etwas überholt von der modernen Forschung. Aber wie er es
sagt! Man liest ein paar Zeilen darin und hat das Gefühl einen guten
Freund gefunden zu haben der einem wohl will.

*

Nein doch, du musst dich nicht entschuldigen, dass du über Geld
geschrieben hast. Es galt doch eher dem Verhältnis zwischen Reichtum
und Glück. Ein interessantes Thema.

Von unten dringt Musik herauf und mein Klappern hier auf den Tasten
hört man natürlich ebenso gut von unten. Es ist eine sehr offene
Planlösung in unserem Haus. Es gibt zwar die kleinen Zimmer auf die
Strasse zu, in denen man die Tür schliessen kann, um etwas ungestört
zu sein. Aber mein Computer steht hier in meinem "multipupose room"..
weiss nicht auf Deutsch.

Übrigens habe ich heute im Radio gehört, dass nun auch Deutsch an den
Schulen am verschwinden ist. Einst war das die erste Fremdsprache und
dann später neben Englisch die wichtigste. Aber es ist richtig. Neben
Englisch sollte man eine romanische Sprache lernen. Schon deshalb,
weil die Leute dort fast nie eine Fremdsprache richtig erlernen.

Welche Sprache sprichst du übrigens mit S? Fiel mir neulich ein, dass
es auch Englisch sein könnte. Aber nein, natürlich hat sie längst von
dir perfektes Deutsch gelernt. Oder von den Kindern. Und sie kam wohl
in die Schweiz als sie noch jung war. Doch hier gibt es Einwanderer,
die nach Jahrzehnten ein sehr schlechtes Schwedisch sprechen.

OK... Lassen wir das 7-sternige Luxushotel in Dubai. Das wichtigste
ist schliesslich, dass du dabei bist.

Kann man bei euch im Fernsehen auch das Program "Parkinson" sehen? Es
ist immer sehr unterhaltend. Meistens hat er (Parkinson der
Programleiter) sehr spirituelle Gäste die er interviewt. Oft sind es 2
oder 3 die sich gut ergänzen. Doch letzthin hatte er nur Madonna. Du
weisst wer das ist. Aber du weisst nicht, dass diese Frau auch sehr
intelligent und interessant ist. Ihre strenge Kindererziehung hat hier
ziemlich Aufsehen erregt. Und ihre "Religion" die der neuen Zeit
angepasst scheint.

*

Nach vielen Jahren haben Kollegen von mir wieder Kontakt mit einem
ehemaligen Studienrat an unserer Schule. Er muss wohl bald 80 sein
denke ich und lebt nun "särbo" mit sich selbst. *s* Was hätte man
schon anderes von ihm erwarten können.

Also, so ist es:

1) man ist verheiratet und wohnt zusammen (früher jedenfalls das normale)

2) man ist "sambo", also nicht verheiratet, aber zusammenwohnend.

3) man ist "särbo" die beiden Partner wohnen auf verschiedenen Adressen.

Und dieser R. ist also särbo mit sich selbst. D.h. er wohnt im
Altersheim, hat aber seine eigene kleine Wohnung im Zentrum der
Universitätsstadt Lund.

Na ja, er ist nicht interessant für dich, aber er war besonders. Ein
bisschen wie Oscar Wilde. Ich dachte immer, warum arbeitet dieser Mann
als Lehrer. Heimlicher Agent, Diplomat oder Spion hätte ihm viel
besser gepasst. Nach der Pensionierung lernte er übrigens Arabisch.
Ich sende ihm einen dankbaren Gedanken, denn er hat manche Pause in
der Schule mit seinem Esprit und Witz aufgemuntert. Er war ein fauler
Lehrer... aber auch solche sind wichtig, denn sie haben eine soziale
Funktion, die man nicht unterschätzen sollte. ;-)))

Nun werde ich sehen ob ich an den PC unten rankomme.. Vielleicht ist K
schon davor eingeschlafen. :-)

Ich werde Anna gute Nacht sagen (über Skype)... und dies abschicken, wenn möglich.
Sonst erst morgen.

Wünsche dir eine Schönes Wochenende... und eine angenehme freie Woche.

MlG

Malou
PS Ich glaube ich erzähle dir manchmal Dinge die schon gehört hast.
Ist das schlimm..

Bild zur Einladung

Ich habe nochmals versucht, dir ein Bild zu schicken. Hat aber nicht funktioniert, obwohl ich meine Bilder im jpg Format habe. Aber ich kann es dir kurz beschreiben. Es ist das Bild zur Einladung zu unserem Fest, und es heisst: die grosse Schlachtplatte. Allerdings, das sieht man beim zweiten Hinschauen, ist es eine völlig vegetarische Schlachtplatte. Links liegt ein grosses Ding, könnte eine Melone sein, aber auch ein Kürbis. Rechts so etwas wie eine Ananas. Sie bilden die zwei Schwerpunkte. Und dazuwischen häufen sich kleinere runde Dinge, könnten Pfirsische sein, zur Not auch Aepfel. Vorne eindeutig einige Zwetschgen, meine Lieblinge. Und Links und rechts zwei grosse Traubenbündel, die über die Platte herunterhängen. Und all das noch ein bisschen mit Blättern dekoriert, um Leerstellen zu füllen und um den Eindruck der Fülle zu betonen. Man denkt an Thanksgiving, wenn man das sieht. Und das ist doch durchaus passend für unser Fest. Ach ja, nicht zu vergessen. Die Zeichnung habe ich mit Farbstiften koloriert. Aber bei diesen neuen Stiften kann man die Farbe nachträglich mit Wasser verwischen, so dass es letztlich wie ein Aquarell ausschaut. Darin habe ich noch wenig Erfahrung und das wollte ich eigentlich bei dieser Zeichnung ausprobieren.

Jetzt muss ich weg. Ich wünsche dir eine gute Zeit.
Mit lieben Grüssen
...

Re: Haustiere .. Hochzeit und swisstalk


den 8 mars 2000 20:58
Re:Haustiere und andere Menschen

Lieber .. !
Soeben habe ich deinen lieben Brief über Haustiere gefunden. Und wie immer habe ich mich riesig gefreut, herzlich gelacht und deine Kommentare genossen. Du hast ein sehr gutes Einfühlungsvermögen und deine Beobachtungen sind perfekt. Da du noch dazu die Gabe besitzt alles so treffsicher in diesem schönen Deutsch zu beschreiben kannst du dir sicher vorstellen wie ich es geniesse deine Briefe (oder Tagebücher wie du sie nennst) zu lesen.

Dein vorletzter Brief hat mich auch ein wenig überrascht. "Liebe Maus-Freundin" als Anrede? Meine erste spontane Reaktion war dass ich an den Spiegel laufen wollte um nachzusehen ob ich jetzt plötzlich wie eine Maus aussah. Dann erinnerte ich mich dass du mich ja nur auf einem Bild gesehen hast und so viel ich weiss sehe ich nicht sehr "mäuslich" darauf aus. Später als ich sah was du meinst habe ich mich wieder beruhigt.. :-)

Du wunderst dich wie ich in den Swisstalk gelangt bin. Ich wollte ganz einfach ein wenig Deutsch üben. Das kann man tun indem man gute Bücher liest, aber ich wollte auch das sprechen üben. Irgendwoher bekam ich die Adresse: webchat.de die mich zu verschiedenen deutschen Chats führte. Ich habe mir ein paar davon angeschaut. Es war beklemmend! Das Niveau lag sehr tief und auch sprachlich konnte man kaum was davon lernen.
Dann entdeckte ich den Swisstalk. Er ist eigentlich eine sehr gut durchdachte Konstruktion und auch die Leute mit denen ich sprach haben mir meist gefallen. Während sich andere Frauen über dumme s.g. Anmachen beklagten spürte ich kaum etwas davon.
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Dass ich einen Menschen wie dich dort finden würde konnte ich mir kaum vorstellen. Ich danke meinem lieben Stern dass ich dich nicht verpasst habe.. :-) Bald kann ich mir kaum mehr mein Leben ohne dich vorstellen. Und das ist eben das Gefährliche an der Sache.:-)

Jetzt verstehe ich dass du gern alle Götter an einem Tisch sehen würdest. Aber pass auf!! Vielleicht entdecken sie deine doppelten Lojalitäten .. dann werden sie sich darüber streiten wem du nun gehörst und das könnte im schlimmsten Fall sehr böse enden.

Deine Hochzeit muss etwas ganz besonderes gewesen sein. Ich habe schon mal im Fernsehen gesehen dass es in solchen Ländern ein sehr grosses Fest ist, an das man sich sein Leben lang erinnern muss. Auch ich werde mich mein Leben lang an meine erinnern. Sie war nicht wie deine. Sie war sogar ganz anders als deine. Ich möchte so weit gehen dass ich sie als das Gegenteil von deiner bezeichnen würde. Später werde ich dir vielleicht einmal davon erzählen.
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Von einer Schildkröte habe ich auch etwas Erfahrung. Sie hiess Caroline und gehörte meinen französischen Verwandten in Paris. Es stimmt genau was du über sie sagst. Nur hatte eben diese den Vorteil einen eigenen Namen zu haben und ausserdem spielte sie Fussball ;-)
Es war ein kleiner citronengelber Plastikball, auf den sie immer sehr wütend war. Sie schob ihn vor sich bis er in einer Ecke lag wo sie ihn dann "misshandeln" konnte. Ausserdem erinnere ich mich noch an die Kinderstimmen: "Maman, Caroline a fait pipi. " Aber ist es nicht komisch wie man sich über den geringsten Kontakt mit einem Tier freuen kann. Sogar wenn sie mir Salat aus der Hand frass freute es mich.
Ja, die Wellensittiche gehören Anna. Ich habe sie von einem Kollegen bekommen, dessen Töchter mit der Zeit andere Interessen im Leben bekamen. Es war ein Päärchen glaubte er und sie hiessen Göte und Göta. Wir entdeckten doch sofort dass es zwei Weibchen waren. :-)
Die grosse gelbe starb nach ein paar Jahren und vielleicht wirst du darüber lachen, denn es wundert mich selbst: ich weinte bittere Tränen. Sie war das allerscheueste Tier gewesen und plötzlich nur Wochen vor ihrem Tod begann sie mich zu begrüssen .. es war ein so herrliches Gefühl..
Wir begruben sie im Garten und kauften am Tag darauf den kleinen Lollo (damit Issi sich nicht zu Tode trauern sollte). Leider können wir sie nicht zusammen haben. Er würde sie "totlieben" sie ist ja immerhin schon eine ältere Dame (die nicht an solche Liebe gewöhnt ist) und er noch ein Teenager (der nur eins im Sinn zu haben scheint). Sie wohnt also in einem grossen, geschlossenen Käfig und er in einem kleinen (der immer offen ist).

Es hat mich schon gewundert dass dein Vater einen Volvo gefahren hat. Sind doch nicht so gewöhnlich auf dem Kontinent. Wir nennen ihn oft aus Spass einen "Panzerkampfwagen S".
Doch es sind gute Autos. Selbst flitze ich in einem roten Golf herum (K hat sein eigenes Auto). Ich fahre übrigens wie eine Rennfahrerin, oder besser gesagt, der Wagen fährt mit mir.

Hier noch ein bisschen Schwedisch :
Hallo! = Hej!
Bye! = Hejdå! (å spricht man wie das o in Brot)
Auf Wiedersehen! = Adjö!

Und zum Schluss schicke ich dir noch ein kleines Bild von den Vögeln. Die grüne ist Issi (eigentlich Idi Amin Didi) und der blaue ist Lollo (Blue Sky). Lache nicht!!

Ich wünsche dir alles Schöne und Gute
Marlena

Montag, 13. Juni 2011

Sonntag, 12. Juni 2011

Riviera der Teheranis

Glücksmomente (2)
...

Das Kaspische Meer ist die Riviera der Teheranis. An den Wochenenden reisen sie in Scharen über das Elbursgebirge. Und in einer kurvenreichen Fahrt von etwa 3 Stunden kommen sie dann in diese grüne Ebene, die sehr warm und ziemlich feucht ist. Die Glasscheiben des Fahrzeuges fangen an, sich zu belegen. Die ersten Mücken tauchen auf. Man fährt an grossen Reisfeldern vorbei. Wir waren immer wieder dort drüben und hatten eine gute Zeit. Zum Essen gab es meist gebratenen Stör, ein fantastischer Fisch zum Essen. Sein Fleisch ist fest und würzig. Als wir aber vor ein paar Jahren wieder dort waren, ich glaube es war zusammen mit meinem Neffen, da hatten sie die Strände vor dem Hotel für Männer und Frauen getrennt. Na ja, es war nicht bloss getrennt, sie hatten wirklich mit Sacktuch eine Art Bestallung gebaut. Und ein Bademeister kontrollierte den Eingang. Und abends um 17.00h wurde geschlossen. Es war absolut lächerlich. In dieser schönen weiten Meereslandschaft sich hinter diesen Sacktuchmauern zu verstecken. Ich war oft abends nach 17h noch schwimmen gegangen. Aber die Leute, die vorbei gingen, haben sich an mir gestört. Sie versuchten mich darauf aufmerksam machen, dass mein Tun verboten sei. Und ich tat, als ob ich sie nicht verstehen würde. Das kam mir alles sehr verbohrt und mittelalterlich vor. Und S war sogar etwas traurig. Als sie noch Kind war, hatte ihre Mutter mit ihren 5 Kindern in der Sommerzeit mehrere Monate am Kaspischen Meer verbracht. Und natürlich verbindet sie immer noch mit dieser Landschaft jene alten Erinnerungen, als der Iran unter dem Schah kulturell sehr frei und westlich orientiert war. Schliesslich war der gute Schah-in-shah in einem Internat in der Schweiz aufgewachsen, allerdings im französischen Teil der Schweiz, in der Romandie, wie wir sie nennen.

Und so frage ich mich, wie ich vom Mittelmeer wieder zurück in mein Büro gelange. Es ist mittlerweile 10.00h geworden und eigentlich Zeit für eine Kaffeepause. Hast du deinen schon gehabt. Wir waren mal in der Nähe Venedigs in den Sommerferien, damals noch mit Zelt. Für S war das Zelt zwar immer ein Horror, und ich glaube, wir waren nur zweimal damit unterwegs. Auf jeden Fall sind damals, weil wir ja keine warme Küche hatten, ungefähr um 10.00h ins einzige Lokal des kleinen Dorfes am Meer spaziert und haben einen Espresso bestellt. Und das besondere daran war, er schmeckte ein bisschen salzig. Das fand ich ausserordentlich gut. Hat ihm einen gewissen Pfiff gegeben. Auf jeden Fall vergesse ich ihn nie, den Espresso an der Adria.

Du siehst, ich bin noch immer nicht zurück.
...

Glücksmomente

date 26 October 2005 09:29
subject  Komisch..


Liebe Malou

Na ja, meine Angaben über unseren Takt waren eher ironisch gemeint. Ich merke, dass es mir fehlt, mein Tagebuch. Aber es gibt dann wieder Tage, an denen ich leider nicht dazu komme, auch nur eine Zeile zu schreiben. Du weisst wie das ist: man braucht ein gewisses Gefühl der Ruhe. Und wenn hinter dem Rücken schon Leute warten, dann funktioniert es nicht.
Und rund um unsere interne Kontrolle hatte ich mich auch daran erinnert, was du gesagt hat. Im Prinzip seien Mails wie Postkarten. Wenn mich jemand kontrollieren will, kann er das alles lesen. Und er kann auch berechnen, wieviel Zeit im Büro ich dafür verwendet habe. Das war wohl auch ein Gedanke, der mich sehr gehemmt hatte. Aber jetzt ist das vorbei und ich fühle mich schon fast vogelfrei. Na ja, 'vogelfrei' ist zur Zeit ein schlechter Begriff, weil er ja mit dem 'Stallzwang' einhergeht. So merkwürdig ist unsere Welt.

Hat mich gefreut zu hören, dass du schneller deutsch als englisch schreibst. Das war doch nicht immer so, nicht wahr?

Ich habe im Moment ein bisschen Zeit, weil ich eigentlich mit einem Patienten - wir sagen Klienten - gerechnet hatte. Aber dann sehe ich in der Agenda, dass der Termin verschoben worden ist. Das sind kleine Glücksmomente. Ich habe mich immer darüber gefreut, wenn Leute ihren Termin vergessen, verschoben oder sogar abgesagt haben. Sowas habe ich immer als ein kleines Geschenk angesehen. Und so lutsche ich heute Morgen an meinem kleinen Präsentchen herum und geniesse die Zeit. Kommt nämlich dazu, dass die Sitzung nachmittags auch gleich abgesagt worden ist. Du siehst, ich bin in Ferienstimmung. Ich sitze hier auf meinem Bürosessel wie in einem Liegestuhl am Strand des Mittelmeeres und strecke die Beine aus, so dass ich mit den Zehen knapp das kühle und verspielte Wasser erreichen kann. Fast rieche ich die Sonnencreme auf meinem Gesicht, etwas, was ich sonst eher hasse. Und natürlich schaue ich ein bisschen den Bikins nach. Dazu sind Sonnenbrillen sehr nützlich. Entweder man schaut bloss voreuristisch hin, ohne dass sie es merkt. Sie soll es eben gerade nicht merken. Das ist eine Kunst für sich: hinschauen ohne hingeschaut zu haben. Oder dann, wenn die Verhältnisse dies erfordern, lässt man die Brille auf der Schiene der Nase ein bisschen heruntergleiten und blickt und blitzt demonstrativ über die Brille hinweg plattwegs auf dieses Weltwunder. Das will heissen: hallo, was sehe ich denn da? Kann ich meinen Augen wirklich trauen? Wo steht mir der Kopf?

Ist es nicht merkwürdig, dass Mensch, wenn sie Entspannungsübungen machen, sich allermeist eine Situation am Meeresstrand vorstellen. Obwohl das Meer ja doch auch sehr aufregend sein kann. Ich erinnere mich an Ferien am Kaspischen Meer. Noch heute habe ich einen kleinen Stein hier auf meinem Pult. Die Wellen waren so hoch, dass sie dich, wenn sie dich richtig erwischten, richtiggehend auf den Steinboden hämmerten. B., die immer eine passionierte Schwimmerin war, war mit mir draussen, etwa 50 m vom Strand. Und da kam auch mein Schwiegervater dazu. Sie bemerkte, dass er diesem endlosen Wellengang irgendwie hilflos gegenüber war. Wenn eine Welle ihn überspült hatte, wischte er sich sein Gesicht, und noch bevor er zuende damit war, kam bereits die nächste Welle. B hatte seine Probleme bemerkt und so haben wir ihn zusammen zurück ans Ufer gelotst. Und ich glaube, wenn er allein dort gewesen wäre, hätte er ertrinken können. Irgendwie konnte er sich nicht selbst entscheiden, zurück ans Ufer zu gehen. Na ja, er war schon älter, vielleicht 70. Und der Wellengang war ein bisschen zu hoch für einen Menschen in diesem Alter. Ich aber liebte diese donnernden Wellen, die manchmal hart zuschlugen. Diesen Kitzel mochte ich. Aber ich wusste auch, dass man der Kraft des Wassers nicht widerstehen konnte. Man musste sich ihm überlassen, ungefähr wie ein Küchenlappen, wenn er dahin schwimmt. Wenn man so nachgeben konnte, schwand die Kraft der Wellen. Dann war es eher wie eine Unterwasserganzkörpermassage. Tolles Wort, nicht wahr?

Das Kaspische Meer ist..
... 

(Fortsetzung morgen)