Donnerstag, 18. Dezember 2025

Grau und schwarz ...

 

Ämne: Grau und schwarz..
Datum: den 4 december 20:05

Liebster Mausfreund,
Ja, sicher ist es so, dass du dich besser an Details erinnern wirst, weil du sie einmal niedergeschrieben hast. Aber wenn ich deine Mails so lese, kommen mir fast zu jedem Abschnitt Erinnerungen, die ich meines Wissens niemals niedergeschrieben habe und ich wundere mich sehr, dass es sie noch in meinem Gedächtnis gibt. Vielleicht vergessen wir wirklich nichts. Das weisst sicher du am besten, da du dich auch in Dingen Hypnose auskennst.
In letzter Zeit habe ich manchmal den Eindruck, oder lass mich sagen die Angst, dass ich mich wiederhole. Du kennst mein Leben schon so gut und ich weiss nicht mehr genau, was ich dir eventuell noch nicht erzählt haben könnte. Aber vielleicht ist es nicht so schlimm, wenn etwas nochmals erzählt wird. Tut man ja schliesslich oft im RL mit Dingen, an die man sich gern erinnert.



 Karpfen z.B. haben auch wir, als ich Kind war, am Weihnachtsabend gegessen. ... Wir pflegten ihn direkt vom Fischhändler zu kaufen, der in einem kleinen Lieferwagen durch die Strassen fuhr und hupte, so wie es heutzutage noch der Eisverkäufer tut, um uns Kunden auf sich aufmerksam zu machen. Das hätte er garnicht tun müssen, denn unsere Katzen wussten längst, dass er sich näherte. Und als wir den Karpfen gekauft hatten, legten wir ihn in die Badewanne, wo er sich, zu unserem grossen Erstaunen, wieder belebte und dann fröhlich herum schwamm. Wir Kinder hatten einen Riesenspass daran und fütterten ihn mit Brotstücken. Und, wie du dich vielleicht erinnerst, nahm mein kleiner Cousin Gerhard, er war wohl damals 6-7 Jahre alt, Eintritt von allen Kindern in der Nachbarschaft und es war ein wildes Gerenne, die Treppen auf und ab.
Aber es war nicht ganz leicht, dieses "neue Haustier" dann auf dem Teller zu sehen.

Karpfen ist doch eigentlich ein Sumpffisch und man isst ihn kaum in Schweden. Man pflanzt ihn manchmal ein, in kleineren Seen, weil er den See sauber hält.

Schön, dass du dein Herz bei dir hast.. :-) Und diese Müdigkeit, die nachkommt ist ganz natürlich, wenn einen nach so vielen Erlebnissen und Kontakten mit Menschen, wieder der eintönige Alltag wie ein Hammer auf den Kopf trifft. Dann ist es auch sicher schön eine Delegation von jungen Pädagoginnen zu empfangen, die einen wieder ein bisschen aufheitern können.
*
Ach, jetzt erinnere ich mich gerade, dass ich noch Informationen über alle meine Schüler an ihre Mentoren abgeben muss morgen. Sie werden dann von diesen an die Eltern und Schüler weitergeleitet. Es ist immer eine Übung in der Kunst etwas zu sagen ohne was gesagt zu haben. Wenn du verstehst, wie ich das meine..

So grüsse ich dich nochmals an diesem dunklen Abend und wünsche dir einen guten Rutsch den letzten Hang hinunter ins bevorstehende Wochenende.
M + K,
Malou




Mittwoch, 17. Dezember 2025

RE: Tschechien


Ämne: RE: Tschechien
Datum: den 2 december 23:28

Lieber ...,
Ach, so ein wunderbares langes Mail mit dieser hinreissenden Schilderung von deinem, wie du ihn nennst, trüben Besuch in Prag. Ich frage mich, was all die Leute denken würden, wenn sie lesen könnten, wie du sie mit deinem scharfen Blick gesehen hast. Und du bist ja auf deine Kosten gekommen. Ich meine ein paar schöne Frauen, die dir tief in die Augen schauen, eine Hand, die die deine liebkost, ein junges Mädchen, das in Trance fällt beim Anhören deiner schönen Stimme.. was kann man denn mehr vom Leben verlangen?? :-) Und ich wünsche mir sehr, ich hätte alle diese Dinge an ihrer Stelle tun können.
Oh Gott, wenn ich deinen Bericht so lese, dann frage ich mich, ob ich mich je trauen würde, mich deinen Blicken auszusetzen. Und dann habe ich natürlich hell gelacht, wirklich laut gelacht über diesen Mann, der in jede Pfütze getreten ist. Ja, es gibt solche Menschen und man registriert irgendwie ihre Tollpatschigkeit und amüsiert sich darüber. Wie ein Chaplinfilm kommt es einem vor. Man wartet dann schon auf das nächste Malheur. Aber wenn du es dann auch noch verbalisierst, dann wird es fast zu viel..

Ich glaube du wirst dich gern an dieses Treffen erinnern, obwohl manches anders war als du erhofft hattest. Kann die Stadt wirklich so anders gewesen sein, als ich sie kenne? Vielleicht darf man nicht vergessen, dass ich sie in Gedanken mit dir besucht habe. Das ist es natürlich. :-) Und deswegen wird auch Prag immer mit dir verbunden bleiben. Ich glaube, du musst noch einmal hin.

Jetzt kommt gleich ein französischer Film. Zwar mit Depardieu, den ich nicht so besonders attraktiv finde.. aber ich werde es mir eine Weile ansehen und wenn es mir gefällt vielleicht auf Video aufnehmen.
Ich gehe eine Weile... komme vielleicht dann nochmals zurück.
Liebe Grüsse
Malou

Tschechien

 



Ämne:  Tschechien
Datum: den 2 december 10:20


Liebe Malou
Puh, ein bisschen bin ich immer noch müde. Gestern war wohl mein Schlaf etwas zu kurz. Ich bin dann zwar direkt mit dem Zug nach Basel gefahren und habe die ganze Zeit gedöst. Es ist so schön, irgendwo in einer warmen Ecke einzuschlummern. Aber der Eisenbahnzug war zu schnell in Basel, und bald musste ich wieder an die frische und feuchte Luft. Und heute scheint es ganz ähnlich zu sein. Ich muss sehen, wie ich mich wach kriege.
*
Ich glaube nicht, dass ich meine Ente im Katzenlokal gegessen hatte. Es war irgend ein durchschnittliches Lokal und wir haben es ziemlich zufällig gefunden auf der andren Seite der Moldau. Es lag gleich neben einem sehr touristisch ausgerüsteten Lokal. Alexandra hatte es gewählt, aber ich denke, sie hatte sich vorher nicht überlegt, wohin wir zum Essen gehen könnten. Und das war denn auch typisch für den ganzen Tag in Prag. Er war nicht wirklich vorbereitet, und was Alexandras Freundin uns erzählte, das war minimal. Zusammen mit dem schlechten Wetter, der ganzen Beliebigkeit und Zufälligkeit war der Pragaufenthalt bei weitem nicht so gut, wie ich ihn erwartet hatte. Die Stadt war eigentlich enttäuschend nach allem, was ich von Dir und von meinen Töchtern gehört hatte. Bestimmt hat das Wetter einen wichtigen Teil dazu beigetragen. Es war echt regnerisch und trüb und unfreundlich, wie man es sich nicht mal für einen ganzen Tag im Büro wünschte. Ich erinnere mich, wie ich lustlos an meinem Kaugummi herumkaute und nach irgend etwas Interessantem suchte in den Schaufenstern, in den Strassen, an den Hausfassaden ---- nichts. Es gab bloss diese Souvenirläden und unendlich viele Touristen, die wohl mehrheitlich Tschechen waren, wie man aus ihren eher grauen und farblosen Bekleidungen schliessen musste. Nicht mal die hübsch gepflasterten Strassen, die Du mir beschrieben hattest, sind mir dort aufgefallen. Die Karlsbrücke mit den schwarzen Figuren .. na ja, ich war wirklich nicht in Bewunderung. Vielleicht hängt es daran, dass ich überhaupt nicht vorbereitet war. Das heisst, ich hatte mir keinen Reiseführer gekauft, um nachzusehen, was mich alles in dieser Stadt erwartete. Aber es war bestimmt noch mehr diese Führung. Wir kamen etwa um 11.00h an und gingen gleich in ein Restaurant, um ein Bier und einen Brandy zu trinken. Nun, wo tut man so etwas nach einer Reise von einer knappen Stunden, wenn alle erwarten, etwas zu sehen? Ab und zu ist mir Kokoschkas Gemälde durch den Kopf gegangen. Ich glaube, es ist eine Sicht vom Schloss her und hinunter auf die Stadt, und es sieht alles so lebendig und vital aus. Nein, das Prag, das ich gesehen habe, war bloss ein kleiner Abglanz der Ansicht Kokoschkas, knusprige Ente hin oder her!

Na ja, die tschechischen Augen! Sie sind mir bei einigen Leuten aufgefallen, ehrlich gesagt, eher bei Damen. Den Männern schaue ich vielleicht nicht so tief in die Augen. Ich hatte zwar eine lange Diskussion mit einem Arzt, ein Gynäkologe, der in Südböhmen Schwangerschaftsuntersuchungen macht. Er war ein merkwürdiger Kerl, sehr weich, kam mir irgendwie oesterreichisch vor. Ich hatte ihn gefragt, wo er denn sein gutes Deutsch gelernt habe. Und er meinte kurz und bündig, beim ORF, bei oesterreichischen Fernsehen. Er war ein stiller Typ, wie überhaupt in Tschechien die Frauen der aktivere und lebendigere Teil der Bevölkerung zu sein scheint. Na ja, wo ist das nicht so? Er hat etwa 30 Angestellte für seine Fruchtwasser-Untersuchungen und - wenn nötig - Abtreibungen. Er erzählte, seine Frau wäre Psychologin mit eigener Praxis, sein Sohn wiederum Arzt … er käme aus einer echten Arztfamilie, auch schon sein Vater und sein Schwiegervater wären Arzte gewesen. Seine ärztliche Haltung zeigte sich vor allem in der Tatsache, dass er den ganzen Abend Bier ohne Alkohol getrunken hat. Das war wirklich sehr verantwortungsbewusst und Hyppokrates hätte Freude an ihm gehabt. Der Herr Doktor hatte komisches Haar, ungefähr so, wie ein Foxterrier, wenn er frisch getrimmt worden ist. Ich habe mir beim Voressen mit wurstartiger Pastete und Preisselbeeren lange überlegt, ob er ein Toupet trage. Aber ich kam zum Schluss, dass er mit seinem grauen Haar wohl bloss hinaus in den Regen geraten sei. Er sah ein bisschen aufgewärmt aus, wenn man das so sagen kann. Und gegen Ende des langen Essens mit vielen Vorträgen und Wortmeldungen war er müde und musste gegen den Schlaf ankämpfen. Ich glaube, er hätte dann viel darum gegeben, vor dem ORF zu sitzen um ein bisschen zu schlummern. Und das konnte ich ihm nicht verdenken. Es war manchmal wirklich etwas langweilig, wenn meine Kollegen ihre Vorträge machten. Ich hatte keine offizielle Mission, und darüber war ich echt froh. Ich konnte mich auf das Gespräch mit meinen Tischnachbarn konzentrieren. Die Studentin links von mir sprach gut deutsch. Sie hatte einen etwas angespannten Mund und sorgfältig gebundenes Haar. Sie erschien mir sehr wohl erzogen und war wohl diejenige, die am besten Deutsch sprach. Sie hat im Namen ihrer Leute den Club von Budweiser vorgestellt. Und sie fing damit an, dass sie sich entschuldigte, dafür eine schriftliche Unterlage zu brauchen. Das war sehr nobel eingeführt. Sie wirkte dann aber beim Sprechen etwas gehemmt und steif. Aber das wird sie bestimmt noch entwickeln. Sie war 22, wenn ich mich recht erinnere und studiert im 4. Semester Spanisch an der örtlichen Universität. Ich habe ihr ein bisschen von A. erzählt. Offenbar zweifelt sie an ihrer Studienrichtung, doch habe ich fast die ganze Zeit, die ich für die Bearbeitung meines Hauptganges (Hühnchen an Sauce und viel Kartoffelcorquettes) verwendet habe, dafür eingesetzt, sie zu überzeugen, dass man nach dem 4. Semester nicht mehr wechseln sollte. Sie hat ein 8 jähriges Gymnasium mit Latein hinter sich und ich habe meine alte Leier über die Schönheiten des Latein, und was man damit alles anfangen kann … wieder einmal hervorgeholt. Manchmal hatte ich den Eindruck, sie fällt in Trance, wenn sie mir zuhört, und ich brauchte Anstrengung, sie wieder ins diesseitige Leben zurückzubekommen. Und während der ganzen Zeit sass ihre Mama, offenbar eine Heilpädagogin und Professoren-Witwe, schräg rechts gegenüber, schmiegte sich ziemlich an den hübschen Schauspieler, der neben ihr sass, aber ohne die Grenze der guten Manieren je zu übertreten. Er war ein lustiger Kerl, hatte bereits den Oberon in Shakespeares ‚Sommernachtsträume’ gespielt, aber noch nie, wie er mir bestätigte, eine Rolle aus Frisch oder Dürrenmatt. Dürrenmatt sei sehr schwierig, meinte er bedeutungsvoll, denn der Kerl sei überaus philosophisch. Das konnte ich nicht verneinen. Aber das alles erzählte er in knappen Worten und via Übersetzung meiner linksseitigen Studentin, denn er konnte kein Deutsch. Er sprach bloss ein bisschen mit seinen Händen. Rechts von mir sass eine gesetztere Dame mit langem, blondem Haar und einem einladenden, kurzphasigen Lächeln. Sie war etwas altmodisch gekleidet. Schon draussen vor dem Hotel unter den Lauben, mit ihrem Mantel und ihren weiten Hosen aus rotem Vorhangstoff, war sie mir aufgefallen. Bestimmt schneiderte sie ihre Hosen selbst. Sie entpuppte sich als Handleserin und - unverschämt wie ich sein kann - habe ich ihr meine Rechte hingestreckt. Mit einigem Zögern fing sie dann an. Aber wir gaben bald wieder auf, weil ihr, wie sie meinte, die sprachlichen Nuancen fehlten, um wirklich zu erzählen, was mir laut meiner Hände im Leben noch blühen könnte. Literarische oder künstlerische Interessen hatte sie darin gesehen. Darauf nickte ich heftig, um sie zum Weitermachen zu ermuntern. Was mir dabei auffiel, war die Tatsache, dass sie die Hand nicht bloss anschaute, sondern wirklich in die Hände nahm und daran schon fast zärtlich herumtastete und -strich. Das ist natürlich ein exzellentes therapeutisches Instrument, wenn man dem anderen Menschen so nahe treten darf.

Einer meiner Kollegen haben über unseren Club und seine Geschichte gesprochen, vor allem über die Überalterung des Clubs. Das ist zwar richtig, war aber wohl nicht gerade im Zentrum des Interesses jener Leute. Ein anderer hat sehr detailliertes Bild über unsere Sozialaktionen gegeben und bis in Frankenbeträge hinein konkretisiert. Und D. hat über die Stadt Basel referiert. Er war lustig, denn er ist ein tapsiger Kerl der - wie ich feststellen konnte - in jede Pfütze tritt, die Prag zu bieten hatte. Aber die Leute haben das nicht so sehr bemerkt und die hübschen Bilder bestaunt, die er von Basel gezeigt hat.

Ach, wenn ich so anfange, zu erzählen, bemerke ich, dass ich doch einiges erlebt habe. Vorher hatte ich den vagen Eindruck, dass da doch fast nichts gewesen sei. Da sieht man bloss, wie gut es tut, wenn man eine liebe Mausfreundin hat.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit lieben G&K

...

Dienstag, 16. Dezember 2025

... bald Weihnachten


subject: Re: ...

Liebe Malou
Einen Purzelbaum habe ich geschlagen. Denn halbwegs hatte ich dich bereits für verschollen erklärt. Vielleicht eine schwere Krankheit? Ein Unfall? Bloss ein Defekt am PC? Vielleicht ein häusliches Drama?
Ich hätte daraus hundert Romane schreiben können. Du bist mir zuvorgekommen.
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Ich habe mich einigermassen erholt von meiner Grippe. Aber der Husten ist noch da und damit kann ich immer noch zarte Jungfrauen und dünne Tännlein umhusten. Und die Bernhardiner denken, ich spreche einen seltenen lokalen Dialekt, vielleicht von der Südseite des Grossen St. Bernhard?

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Im übrigen geht es auf Weihnachten zu. Es gibt viel zu tun. S macht ihre Frauenparty. Immer wieder müssen wir meinen Vater füttern und betreuen. Heute Morgen hatte es ein wenig Schnee auf den Wiesen, nicht viel, vielleicht einen knappen Zentimeter. Aber es ist doch der Eindruck entstanden, es könnte Dezember sein. Und gestern hatte ich mein Weekly verpasst. W hat mir noch ein Geburtstagsgeschenk gebracht und ins Türgitter geklemmt. Ein Buch mit dem Thema: Der Tod. Er erspart mir nichts, mein Freund.

Von den Tauben auf dem Dach gegenüber gar nicht zu reden.

...


Samstag, 13. Dezember 2025

Sankta Lucia

 

 


"Semblable à une apparition céleste, Sainte Lucie vient illuminer les ténèbres des nuits de décembre. À travers tout le pays, aux premières heures du jour, les écoles, les hôpitaux, les maisons de retraite et les lieux de travail reçoivent, dans une atmosphère baignée de magie, la visite d'une Sainte Lucie et de son cortège. Vêtues de longue robe blanche, précédées de la Sainte coiffée d'une couronne de bougies, les jeunes filles s'avancent solennellement, chacune portant une bougie à la main et chantant des refrains traditionnels. "

Besonders die Worte ".. dans une atmosphère baignée de magie.." gefallen mir daran, denn diese Feier hat etwas Magisches an sich. 

Das Lied "Sankta Lucia"    hier









Freitag, 12. Dezember 2025

The invisible wall

 Lieber ... ,

(---)

Was ich dir eigentlich erzählen wollte ist, dass ich mir gerade ein Buch bestellt habe.

The Invisible Wall
von Harry Bernstein

 
Es ist der Debütroman eines 96-jährigen. Also noch 35 Jahre könntest du warten.

MlGuK
Malou

 
"There are places that I have never forgotten. A little cobbled street in a smoky mill town in the North of England has haunted me for the greater part of my life. It was inevitable that I should write about it and the people who lived on both sides of its 'Invisible Wall.' " 


The narrow street where Harry Bernstein grew up, in a small English mill town, was seemingly unremarkable. It was identical to countless other streets in countless other working-class neighborhoods of the early 1900s, except for the "invisible wall" that ran down its center, dividing Jewish families on one side from Christian families on the other. Only a few feet of cobblestones separated Jews from Gentiles, but socially, they were miles apart.
On the eve of World War I, Harry's family struggles to make ends meet. His father earns little money at the Jewish tailoring shop and brings home even less, preferring to spend his wages drinking and gambling. Harry's mother, devoted to her children and fiercely resilient, survives on her dreams: new shoes that might secure Harry's admission to a fancy school; that her daughter might marry the local rabbi; that the entire family might one day be whisked off to the paradise of America.
Then Harry's older sister, Lily, does the unthinkable: She falls in love with Arthur, a Christian boy from across the street.
When Harry unwittingly discovers their secret affair, he must choose between the morals he's been taught all his life, his loyalty to his selfless mother, and what he knows to be true in his own heart.
A wonderfully charming memoir written when the author was ninety-three, The Invisible Wall vibrantly brings to life an all-but-forgotten time and place. It is a moving tale of working-class life, and of the boundaries that can be overcome by love.





https://www.nytimes.com/2007/04/04/books/04grim.html

Donnerstag, 11. Dezember 2025

... über Mittag in Basel

 

(...)

Gestern war ich über Mittag in Basel. Es war ziemlich warm, und ich bin über den Rhein nach Kleinbasel gefahren. Das ist der neuere Teil der Stadt, dort, wo die ärmeren Leute gelebt haben. Heute ist dort die Atmosphäre so wie irgendwo im Ausland. Es gibt viele Frauen mit Schleier, viele türkische Restaurants, auch zunehmend Schwarze. In der Dämmerung der Mittagswärme so zu flanieren, als ob ich im Ausland wäre, das habe ich genossen. Zufällig bin ich schliesslich an ein Buchantiquariat geraten, und konnte nicht widerstehen, in der staubigen Höhle zu schnuppern. Der Raum war vollgestopft mit Gestellen, die bis zur Decke reichten, so dass nur sehr enge Schluchten übrig blieben, worin man sich durchzwängen musste. Ich liess mir die Felswand mit den Kunstbüchern zeigen. Die Bände standen dichtgedrängt. Und wehe, wenn du einen herausgezogen hattest, du konntest ihn kaum wieder zurückstellen, denn die übrigen Bände schlossen schnell die Reihe, als ob sie ihre Plätze eifersüchtig verteidigten. Und einige musste ich herauszerren, wenigstens, um die Preise kennen zu lernen. Die Preise waren, um es kurz zu machen, 30 bis 50% zu hoch. Ich dachte, er glaubt, Unikate oder Erstausgaben in seinem Laden zu führen. Da war ein Fotoband über Ferdinand Hodler, den bekannten expressionistischen Schweizermaler, für Fr. 120.- Die Fotos waren zwar gut, ich hatte die meisten davon noch nie gesehen. Aber ein Buch für Fr. 120.- aus einem Antiquariat. Na ja, vielleicht für eine Ausgabe aus den Zeiten Gutenbergs. Aber doch nicht ein Band aus Mitte letzten Jahrhunderts.
Ich habe mir dann zuviel Gedanken gemacht, wie schnell ich wieder raus soll, wie ich mich verabschieden sollte. Sollte ich etwas über die Prei sagen? Soll ich gleich gehen oder noch etwas umschauen? Würde ich vielleicht unerwarteterweise noch etwas Lustiges finden? Kurz und gut, ich zog mich nach etwa 10 Minuten aus der Unterwelt zurück, ging rasch an ihm vorbei, der beim Eingang in ein Buch vertieft gemütlich in einem Lehnstuhl lag. Ich liess ihn nicht fragen, ob ich was Bestimmtes gesucht hätte. Aber ich glaube, er war nicht mal enttäuscht. Er verabschiedete sich kurz und wandte sich dann wieder seinem Buch zu. Kunststück, der Kerl hat einiges zu tun, bis er seinen Laden leergelesen hat!
...
Als ich um etwa 15h wieder im Büro angekommen war, hatte ich das Gefühl, einen warmen Sommertag in der Stadt verbracht zu haben. Weißt Du, was ich damit meine. Wenn es wirklich warm ist, dann ist man ein bisschen dämmerig, schwebend, in sich verschlossen, mit reduzierter Empfindlichkeit und ohne grosse Interessen. Dämmerig ist wirklich das beste Wort. Man kann dann vor sich hin sein wie ein Tier. Und das ist schön. Der Zwang, zu denken, ist für einen Moment ausgeschaltet. Die Leitungen sind leer und hängen durch. Das ist wunderbar!