Donnerstag, 4. September 2025

Kurs vorüber

 

Datum: den 30 augusti 01:38

Liebe Marlena
Jetzt ist der Kurs vorueber und - Du wirst staunen - ich habe ihn bestanden. Es gibt ein schoenes Zertifikat des Institutes hier in New York. Allein das ist eine Reise wert. Und wie es nach einem Kurs so ist, alle sind ein bisschen aufgeweicht und versprechen sich ewige Liebe und Freundschaft. Na ja, es hatte ein paar nette Leute, und frueher oder spaeter werde ich mit einigen per Mail Kontakt aufnehmen. Aber ich kann meinen Adressenkreis nicht beliebig erweitern. Meine Kapazitaeten kommen langsam an ihre Grenzen.
Der letzte Tag war gefuellt mit Uebungen. Und es ist interessant, wie man in diese Art von Sprache hineingeraet, die automatisch in die Trance fuehrt. Natuerlich kann man bei diesen Leuten, die hier waren, im Moment mit den Fingern schnalzen, und alle sind weg. Na ja, sie sind nicht weg, sie sind in Trance. Sie sind es so gewohnt. Aber das aendert sich in den naechsten zwei oder drei Wochen.

Heute habe ich irgendwie eine kleine Erkaeltung. Ich weiss nicht, woher sie stammt. Gestern war es keineswegs kalt. Es gab ein MTW Konzert in Rockefeller Center. Und wir haben gesehen, wie die Saenger eingefahren ist. Du weisst sicherlich, wie das ist. Ich kann mich erinnern, dass ich sowas erstmals im den 70er Jahren in England am Fernsehen gesehen habe. Die Stars waren die Beatles und die Rolling Stones. Soviele junge Leute hatte man vorher in der Geschichte wohl niemals gesehen Und das Fernsehen zeigte sie in den Hauptnachrichten, die vielen jungen Maedchen, die kreischten, ausser sich waren, die Fassung verloren und manchmal ohnmaechtig hinsanken. Ich erinnere mich, wie sehr ich sprachlos war, und wie sehr ich auch das Gefuehl hatte, ich gehoere zu dieser Jugend. Es war schoen damals, jung zu sein. Und es gab eine Aufbruchstimmung ueber die Musik, die die alten ueberhaupt nicht verstanden. Es war sozusagen ein Angriff der Jugend von hinten. Aber weil es soviele Leute gab, konnte man nichts sehen. Auch die einzelnen, die ihre Digitalkamera in die Hoehe hielten, um im Display etwas zu sehen, auch das half nichts. So sind wir im Kaufhaus in den 4.Stock gefahren und haben heruntergeschaut. Da konnte man - von weitem - ein bisschen was sehen. Dann sind wir ueber Times Square zurueckgekehrt. Dort sind die Theater, wo die vielen Musicals laufen. Aber ich habe mich nicht entschliessen koennen, in ein Musical zu sitzten. Mit der W bin ich dann zurueckgekehrt und habe nich mein Pensum geschrieben.
Ich habe gestern auch erstmals ein Sandwich gegessen, Corned Beef Sandwich, wenn ich mich nicht irre. Das war eine ganze Platte mit viel Fleisch, oben und unten eine scheue, weisse Brotscheibe, und dazu French Potatoes. Hatten die Amis nicht beschlossen, die French Potatoes umzubenennen? Also wenn sie die Dinger umbenennen, schadet das absolut nichts. Das waren keine Frites, sondern Kartoffelstreifen von der Konsistenz verkochter Pasti. Weich und lahm waren sie. Man haette genauso Pellkartoffeln beigeben koennen, das waere besser gewesen. Aber ich habe mir gesagt, man muss alles probieren, und so habe ich fast den ganzen Teller gegessen. Eine lange Tranche saure Gurke war auch noch drauf. Sie war aber nicht sauer, sondern vor allem salzig. Na ja, es war alles gut gemeint, und ich bin sicher, jeder normale Theaterbesucher haette diesen Teller in hoechstem Masse genossen. Ich habe dem Barmann ein gutes Trinkgeld gegeben, so wie man ueberall in den Touristenfuehrern angewiesen wird. Und er hatte mich angeschaut, als waere er Europaer. Vielleicht Tscheche oder sowas? Es ist schoen, bei diesem milden Klima abends, wenn es dunkel ist, zu Fuss heimzuschlendern. Im Village ist ohnehin noch viel los. Und man sieht soviele Dinge. Aber wiederum habe ich meine Tuere verpasst und bis bis zur 1. Avenue gegangen.

Und heute morgen bin ich via Washington Square zum Kurs gegangen. Auch dort haben sie ein Gaertchen, fuer die Hunde. Und schon morgens frueh - natuerlich vor der Arbeit - sitzen sie dort mit ihren Vierbeinern und lassen sie austoben. Und weiter unten hatte es Tische mit einem eingearbeiteten Schachbrettmuster. Bereits drei Typen sassen da, als ob sie dort uebernachtet hatten, hatten schon die Steine aufgestellt und einer forderte mich in morgenlichem Uebermut auf, mit ihm eine Partie zu machen. Ich glaube, sie machen das gegen Bezahlung. Auch vor der Public Library gab es solche Spieler. Idelerweise melden sich zwei, die spielen wollen. Wenn nur einer kommt, muessen sie den Sparringpartner abgeben. Dort oben hatten sie auch Backgammon gespielt. Hier aber war kurz nach 8h, und kein vernuenftiger Mensch spielt morgens um 8 im Washington Square auf einem kalten und eher etwas schmutzigen Steintisch eine Partie Schach. Ausser vielleicht eines dieser Hoernchen. Die waren schon auf und hatten ihre grosse Zeit. Sie pfluegen sich wirklich zu Dutzenden durch das Gras. Und auf einer anderen Grasflaeche hatte ein Schwarm Tauben ihre Fruehmesse. Sie haten sich getrennt voneinander, die Tiere, denn sie lieben die Ordnung. Und dann kommte ich wieder zu einem hohen Gitter, dreimal so hoch wie jenes, worin die Hunde spielen. Das ist fuer die kleinen Kinder. Dort drin wie in einem Raubtierkaefig stehen die Muetter und sehen zu, wie lange es dauert, bis die kleine Sally genug geschaukelt hat. Der Boden ist geteert, aber dort, wo die Kinder meist herumtollen, ist der Teer mit einer Gummimatte bedeckt. Es sieht einfach komisch aus, die kleinen Kinder hinter diesen grossen Gittern. Man denkt natuerlich - oder vielleicht denken wir Europaer so - das Gitter soll uns vor den Kindern schuetzen. In Wirklichkeit denken die Amerikaner wohl, das Gitter soll die Kinder vor den Homophilen schuetzen. Ich kann mir keinen anderen Grund vorstellen. Hier die kleinen Kinder, dort drueben die Hunde. Einziger Unterschied: beim Hundezwinger gibt es noch eine Schleuse, dh einen kleinen Vorraum, wohl um dem Tier die Leine umzuhaengen oder zu loesen. Das ist aufwendig, aber praktisch gedacht. Wenn du also einen Wunsch hast, in NY, dann waehle Hund und besser nicht Kind zu sein.
Ich ueberquere jeden Tag den Broadway, um zum University Place zu kommen. Allein das ist ein gutes Gefuehl, obwohl der Broadway eigentlich hier eine ganz gewoehnliche Strasse ist. Sie ist sogar ein bisschen enger, hat aber einen gepflegteren Gehsteig.
*
Ich bin gerade unterbrochen worden. Ch. ist mit ihrer japanischen Freundin gekommen. Japaner, so habe ich festgestellt, sind sehr nett. Sie machen eine nette Konversation. Das einzige Problem liegt darin, dass man sie schlecht versteht. Sie haben eine Aussprache, die vom Englischen wirklich weit entfernt scheint. So muss ich meist vieles erraten. Aber so genau muss man die Dinge meist auch gar nicht verstehen. In einem small talk genuegen ein paar Stichworte. Darin aehnelt der Small Talk der Trance.
*
Jetzt muss ich mir rasch ein Alkaseltzer + Cold holen. Ich fuehle, dass etwas im Anzug ist. Und vielleicht ist es besser vorzubeugen, bevor es richtig einschlaegt und ich im Flugzeug von einer Stewardess individuell gepflegt werden muss.

Ich geh mal schnell zum Deli, um ein Alkasetzer zu holen.
Bis spaeter
Gruss
...

Dienstag, 2. September 2025

Down Town heute

 Datum: den 20 augusti

Liebe Marlena
Na ja, wenn Odysseus einen Laptop gehabt hätte, wäre die Geschichte nicht halb so melodramatisch herausgekommen. Stelle Dir vor, wie die arme Penelope ihre Freier hingehalten hat, und das, obwohl sie nicht wusste, ob und wann er kommt. Es ist die ewige Geschichte der Hausfrau, die mit dem Nachtessen auf den Mann wartet, der einfach nicht von der Arbeit loskommt. Mit Laptop würde sie vielleicht doch herausbekommen, dass er drüben mit Circe in der Bar sitzt.
Ja, wir haben hier 6 Stunden Differenz. Aber mein Jetlag war eigentlich kaum spürbar. Man hatte mir gesagt, ich solle viel trinken. Und das tue ich unablässig, wenn ich hier bei meinen Bekannten bin. Und man soll am ersten Tag erst um Mitternacht ins Bett. Auch das habe ich getan. Wir haben gestern noch einen Spaziergang hier im East Village gemacht und die Bar besucht, die sie jeden Abend besuchen. Sie kennen dort viele Leute und bekommen die meisten Drinks gratis serviert, so dass sie bloss noch ein Trinkgeld bezahlen. Ich habe bis 24h durchgestanden, obwohl von der Air Condition her eine herbe Brise wehte. Und nachher hatte ich dann davon auch etwas Kopfweh. Aber die Müdigkeit war stärker.
Heute habe ich Down Town besucht. Das ist das Geldzentrum mit der Wallstreet, dem Ground Zero, dem Finance Center, also eigentlich der unterste Zipfel der Insel. Man sieht von dort schön auf die Freiheitsstatue, die nicht müde wird, ihr Corne mit Softice hoch zu halten. Ich bin mit der Ferry nach Staten Island hinüber gefahren, um von dort eine schöne Sicht auf Manhattan zu haben. Es war so, wie man es auf den Fotos sieht. Sie brauchen kaum zu retouchieren, es sieht bei Sonnenuntergang einfach grandios aus. Und als guter Katholik habe ich auch die Trinity Church besucht, die gleich neben Ground Zero liegt. Sie ist ein neugotisches Kirchlein, wo wir Europäer sofort uns zuhause fühlen. Und auch das Kirchlein ist wunderbar airconditioned. Und hinten, neben der Sakristei, gibt es auch Erfrischungsräume für uns Gläubige. Ich habe mich ins Gästebuch eingeschrieben. Hinten, in der letzten Rubrik, wo man eine Mitteilung eintragen konnte, kam ich ein bisschen in Verlegenheit. Und so dachte ich, es würde einen sehr guten Eindruck machen, wenn ein Schweizer aus der Schweiz "God save America" hinschreibt. Ich hoffe, die Amis werden mir das nicht vergessen!
Es ist ziemlich warm in der Stadt, weil auch die Luft feucht ist. Wenn ich Schweiss im Rücken spüre, dann suche ich eine von diesen riesigen Buchhandlungen. Sie sind nicht so kalt conditioned wie andere Räumlichkeiten, wahrscheinlich, weil sonst die Bücher schimmeln würden. Bei angenehmer Frühlingstemperatur lese ich dann ein oder zwei Kapitel aus Tolstois Krieg und Frieden. Dann bin ich wieder auf Normaltemperatur. Es ist wirklich sehr angenehm. Und sie haben riesige Ledersessel, dass man sich wie zuhause fühlt.
Im Finance Center habe ich einen Kaffee getrunken. Es gibt dort einen schönen Wintergarten mit 16 Palmen. Der Starbucks Kaffe wurde mir in einem XL/Becher gereicht, gut ein Viertel Liter. Und dann stülpen sie über den Becher so einen Deckel, damit man wie ein Baby daran saugen kann. In der Schweiz nennen wir sowas Schoppen. Ich musste das Gebräu allerdings in einem kleinen Laboratorium gleich neben der Theke noch nachkorrigieren. Dazu habe ich reichlich Zucker und Milch beigegeben.
Es gibt viele schöne Frauen in NY. Der Grossteil sind Latinas, also wohl von Mittel/ und Südamerika. Die Amerikanerinnen selbst sind nicht so besonders, meist unelegant und etwas massig. Aber ein paar sind dann, um den Durchschnitt zu heben, wirklich Klasse. Ich war abends noch rasch in den Central Park gefahren. Dort hat ein Zeichner mit Kohle eine junge Frau porträtiert. Und natürlich hat sich hinter seinem Rücken eine Traube gebildet. Ich glaube, es waren zwei Schwedinnen, die neben mir standen. Sie waren jung, hübsch und und unschuldig, also süss. Der Zeichner hat übrigens seine Kohle mit dem Pinsel aufgetragen. Ich glaube, er mischt Kohlestaub mit einer Flüssigkeit, vielleicht Terpentin. Und dann kann er damit arbeiten wie mit Schuhwichse. Er hat das Gesicht gut getroffen, nach meinem Geschmack einfach zu sehr sich mit kleinen Nuancen und Details beschäftigt. Aber die Leute mögen es ja, wenn das Bild fotoähnlich rauskommt.
Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, heute auch ab und zu ein bisschen zu zeichnen, oder skizzieren. Aber es gab soviel zu sehen, ich habe das schlicht vergessen. Und beim Sitzen war ich - wie gesagt - mit der Überdosis Kaffee beschäftigt.

East Village

Morgen will ich die Villages besuchen: Greenwich Village, Eastern Village, SoHo. Das ist alles hier in der Nähe und bildet den mittleren Teil Manhattans. Hier gibt es keine hohen Gebäude, sondern oft noch die alte Grundstruktur, also Backsteingebäude mit diesen Eisentreppen und Feuerleitern, wie man sie in den Filmen sieht. Übrigens erinnert mich die Strasse, in der ich wohne, an jene, die man gleich anfangs im Film Mrs Dalloway sieht. Und mein Gastgeber hat mir erzählt, dass diese 9th Street oft gesperrt bleibt, weil man Filme dreht. Die Polizei habe eine eigene Abteilung, die damit beschäftigt ist.
*
Und Du bist bühnenhungrig, "schulgeil" würden wir hier - etwas grob - vielleicht sagen. Das zu hören hat mir gefallen. Das zeigt Deine Energie. Das ist "die Angst des Torwarts vor dem Elfmeter", würde Handke es formulieren. Aber es ist doch gut, dass Du etwas zu tun hast, was Dich in Schuss hält, nicht wahr? Du bist ja doch eine Vollblutlehrerin. Ich glaube, Du gehst in Deinem Beruf sehr gut auf. Und das weisst Du auch, obwohl es - wie in jedem Job - einiges zu beklagen und zu bemängeln gibt.
*
So ist das doch ein ziemlich ausführliches Mail geworden. Das hatte ich eigentlich nicht geplant. Aber meine Gastgeber sind auf Tour. Sie treffen sich mit ihren Freunden in den Bars. Und so sitze ich hier allein in Bs. Arbeitszimmer und trinke das Reservoir an Wasser im Kühlschrank leer.
*
Ich wünsche Dir einen allerbesten Arbeitsanfang und eine gute Zeit.

Mit allerliebsten Grüssen aus der Ferne
...



Re: still from ...

 

Ämne: Re: still from far away..
Datum: den 19 augusti  09:07


Lieber ...
Ich bin ganz ohne Hoffnungen an den PC gegangen und war erstaunt und erfreut, zwei Mails von dir zu finden. Ach, du bist lieb. Wie wäre es gewesen, wenn Odysseus einen Laptop mit gehabt hätte? ;-)
Es ist schön zu hören, dass du gut angekommen bist und schon deine ersten Eindrücke bekommen hast. Ja, genau das hat mich in Singers Buch überrascht. Wie diese riesige Weltstadt eigentlich ein Mehrmillionendorf ist. Und nun verstehst du auch, was ich meine, wenn ich sage, dass man den Patriotismus etwas übertreiben oder, lass mich sagen, erlernen muss. Aus so vielen Nationen ein "wir" zu schaffen, verlangt schon etwas Mühe.

Ich bin heute wie ein nervöses Pferd, das bald auf die Rennbahn muss. Oder eine Schauspielerin, die auf die Bühne soll. Aber ich weiss, dass dieses Gefühl sofort verschwindet, wenn ich dann vor den Schülern stehe. Wenn ich schon von Bühne spreche, so habe ich gestern Moulin Rouge gesehen. Die Handlung war sehr banal und voraussehbar.. La Traviata oder die Kameliendame.. aber trotzdem hat es eine Dimension gehabt, die den Film sehenswert macht. Dann schaue ich mir noch einmal "Chocolat" an. Ein ganz anderer Film, mit viel Wärme und Charme. Kennst du ihn? Wie du siehst, versuche ich so gut wie möglich meine Gedanken abzuleiten.
*
Und heute geht der Kurs wohl los bei dir? Aber im Moment schläfst du sicher noch, denn du liegst wohl zeitlich ungefähr 6 Stunden nach, oder?

Ich wünsche dir alles Gute und Schöne,
Mit lieben Grüssen
Marlena

Still from far away

Datum: den 19 augusti 00:19

Liebe Marlena
Manhattan ist eigentlich wie ein Dorf. Es ist alles viel übersichtlicher, als ich es mir vorgestellt habe. Die Strassen gerade, durchgehend nummeriert, man kann fast nicht verloren gehen. Fast ein bisschen fantasielos.
Aber die Leute, die man hier sieht, kommen aus der ganzen Welt. Das ist schön anzuschauen. Manchmal gibt es Exemplare darunter, dass man nur staunt. ...

Jetzt muss ich mir langsam überlegen, was ich morgen tun soll. Und heute Abend / so wurde mir gesagt / soll ich nicht zu früh ins Bett, damit das Jet Lag nicht einschlägt. Ich werde sehen, was ich tun kann.
Mit noch einem lieben Gruss
...



.

Montag, 1. September 2025

Gut angekommen


From far away..

Meine liebe Penelope
Ich bin gut angekommen nach einem endlos langen Flug. Ich sass neben einem Schweiyer Studenten aus Berkely. Es war gany interessant, mit ihm yu diskutieren. (wo du ein y liest, sollte ein z sein und umgekehrt ).
Jetzt bin ich schon bei meinen Bekannten yuhause und wir lernen uns kennen. Er gleicht seiner Mutter sehr.
Es scheint mir, dass es eine lustige Woche geben wird.
Dein Mail konnte ich noch nicht wirklich lesen. Aber ich werde es demnaechst nachholen.
Mit einem lieben Gruss aus der neuen Welt\
...



Mein Beschluss


den 17 augusti 14:44
Re: Vielleicht doch..

Liebe Marlena
Na klar, habe ich noch dies und jenes vergessen im Büro. Vor allem muss ich noch die Adresse des Institutes in meine private Mailbox kopieren. Weshalb das so ist, erzähle ich Dir später.

(...)

Und ich habe beschlossen, mich neu zu erfinden. Wie Du sagst, tut man das jeden Tag. Aber mit meiner Pilgerreise nach NY soll es einen kleinen Mutationssprung geben. Ich meine einen Sprung von der Grössenordnung zwischen Schimpanse und Mensch ;--)) Klingt ein bisschen zu nitzscheanisch, nicht wahr? Aber im Ernst, ich möchte doch versuchen, in diesen 14 Tagen Energie zu schöpfen, die für die letzten paar Jahre im Job hinhalten. Und das Buch gibt gute Anregungen.

Vielleicht komme ich auch mal dazu, Dir ein Mail zu schreiben, vielleicht. Erwarte nicht zuviel, meine Liebe, denn NY scheint eine hochelektrische Stadt. Und wenn man in diesen Strom hineingerät, dann sitzt man nicht mehr still. Nur noch in diesen Bars mit dem Neonlicht, wie man sie auf den Bildern sieht.

Ich wünsche Dir eine gute Zeit.
Halt mir den Daumen und die Treue, meine liebe Marlena.
See you
kisses
...


***

Ämne: Telegramm
Datum: den 17 augusti 19:17



Lieber ...,
Wenn du dich nun auf deine Odyssee begibst, bitte nimm dich in acht vor den Sirenen.
Deine Penelope



.



From far away

 

Ämne: From far away..
Datum: den 18 augusti 17:18


Liebster Mausfreund,
Hier sitze ich und fühle mich irgendwie ganz verlassen und du scheinst mir so unendlich weit weg. Eigentlich ist das komisch, denn wenn du in der Schweiz bist, bist du doch genau so unnahbar.

Wenn du dieses Mail kriegst, bist du schon am anderen Ende der Welt und beginnst deine Verwandlung (Mutation, wie du sie nennst). Ach, du bist lustig. Aber ich glaube wirklich, dass diese Reise dich verändern wird. Du hast so viele Auffassungen (ich wollte fast sagen Vorurteile) über Amerika und nun kannst du sie mit der Realität konfrontieren. Nein doch, sei mir nicht böse. Vorurteile ist nicht das perfekte Wort dafür.. aber Meinungen, die man sich irgendeinmal, durch eine persönliche Erfahrung, zugeeignet hat.. und die dann, vielleicht mit Unrecht, hängengeblieben ist. Ich sage vielleicht. Es geht mir auch so. Ich sehe die Amis als meist sehr liebe und freundliche aber naive Menschen. Mit dem Verstand weiss ich natürlich, dass das nicht allen dort gelten kann und trotzdem denke ich es immer wieder gefühlsmässig. Nur weil ich in meiner Jugend in Paris mit naiven Amerikanern in Kontakt gekommen bin.
*
Heute bereiten sich alle auf den Empfang der neuen Schüler vor und auf die ersten Unterrichtsstunden. Auch ich sollte das tun, aber wie immer schiebe ich das ganze aufs längste vor mir hin. Keine noch so unangenehme Aktivität scheint mir im Moment weniger sympathisch. So sollte ich wohl eigentlich die Gelegenheit ausnützen und etwas tun vor dem ich mich sonst drücke. Aber zuerst muss ich eine Weile mit dir sprechen.
Sag, wie ist es von dort drüben auf Europa zurückzublicken? Siehst du es leuchten wie ein kleines Juwel am anderen Ende des Ozeans? Sogar wenn ich im Sommer die 1.000 Kilometer von hier entfernt bin, sehe ich mein Leben hier mit anderen Augen. Ich bin fest überzeugt davon, dass du dir die nötige Energie holen wirst für deine kommenden Berufsjahre. Ach, wie bin ich neugierig auf deine Erlebnisse "over there".
*
Heute sehne ich mich dauernd nach etwas Süssem. Orangenmarmelade oder Schokolade. Vielleicht hilft es mir über die schlimmen Abstinenzsymptome hinweg.

Doch ich höre am besten jetzt auf. Du kannst doch nicht deine kostbare Zeit am PC verschwenden, das verstehe ich sehr gut. Ich hoffe, dass du viele interessante Erlebnisse haben wirst und ich freue mich schon auf den Tag, wenn du mir davon erzählst. Es scheint eine Ewigkeit bis dahin...

So grüsse ich dich lieb und wünsche dir eine schöne Zeit,
Marlena
PS: Schick mir nur ein paar Zeilen, damit ich sehe, dass es dir gut geht.