Freitag, 18. Juli 2025

Klarissimo

 (R)

Liebe Malou
Ja, das klingt gut. Würde ich vielleicht auch lesen. Aber ich glaube nicht, dass ich je ein ganzes Buch in Englisch gelesen habe. Irgendwie würde ich mich dort nicht ganz heimisch fühlen. Aber es ist gut. Ich erinnere mich dabei an mein Onkelchen und die Dinge, die er erzählt hat. Allein die Tatsache, dass es damals ganz eine andere Welt war, allein diese Tatsache macht einen solchen Roman spannend. Wir können uns die Zeit nicht vorstellen. Ich habe eine Erinnerung aus der Zeit, als ich noch nicht zur Schule ging. Wir waren in Zürich und sassen beim Bahnhofplatz auf einer Terrasse. Man sah hinunter auf den riesigen Platz. Es gab einige wenige Tramschienen, vielleicht das Denkmal von Escher, daran erinnere ich mich nicht mehr. Und sonst war der Platz einfach leeeeeeeeeeeeeeeeeeer. Einfach absolut leer, vielleicht einige wenige Personen, Männer mit einem Hut. Frauen mit knöchellangen Röcken.

Ja, vielleicht ist schreiben einfach aus diesem Grunde gut: gegen die Zeit zu schreiben, erzählen, wie es war. Gegen diesen schleichenden Untergang anschreiben, den alles erfasst und der alles mit sich reisst. Ich werde traurig und wütend gleichzeitig, wenn ich davon rede. Du nicht, Malou? Wie das Leben vergeht, ist doch einfach ungeheuerlich, ungerecht, absolut brutal!!! All die Verstorbenen und Vergessenen, stell dir vor, wo sie sind! Es macht mich wahnsinnig, wenn ich daran denke.
Und jetzt trinke ich einen latte macchiato. Das ist die einzige Art von Kaffee, die man mit dem Suppenlöffel einnehmen kann, pflege ich scherzhaft zu sagen. Wenn du zu mir zu Besuch kommst, Malou, dann serviere ich dir einen solchen Latte. Ob du magst oder nicht, ich werde ihn dir an der Bar vor meiner Küche servieren. Die Bar ist ein Schrank, der früher in einer Zahnarztpraxis gestanden haben muss. Er passt blendend in meine 2-Zimmer-Klause. Nur darf man sich nicht zusehr betrinken. Wenn man sich an dieses Möbel lehnt, dann fährt es davon !! Ich werde dir dann ein Foto schicken, Malou, wenn es soweit ist. Das mache ich bestimmt. Ich habe vom Mann der Zügelfirma gehört, dass im Café gegenüber riesengrosse Sandwiches serviert werden. Die seien weitherum bekannt. Seine Männer gehen immer wieder dorthin, weil sie doch beim Zügeln einen respektablen Hunger entwickeln. Ist das nicht eine wundervolle Gegend? Und heute habe ich einen weiteren Band gefunden über die Primaten und Halbaffen. Diese Literatur brauche ich unbedingt in meiner Nähe, wenn ich dann einen Steinwurf vom Affenhaus entfernt wohne. Ich glaube, ich werde regelmässig zu den Affen gehen. Die Tiere haben mich schon immer fasziniert.
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Liebe Grüsse und Küsse und Qs
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Donnerstag, 10. Juli 2025

Emmas und Omas

Liebe Marlena 

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Hier hat das Wetter etwas aufgehellt. Und die Tauben trippeln wieder in aller Seelenruhe auf dem Dachfirst gegenüber auf und ab und schauen aus, als ob sie Emma hiessen. Ach nein, das waren die Möwen, die Emma hiessen. Nach einem Kästner-Gedicht. Aber für uns Landratten könnten auch Tauben Emma heissen. Oder meinst Du, wenn sie vom Markusplatz kommen, sie hiessen etwa Julia, Maria-Lena, Crescentia oder so ähnlich? Nein, die Tauben hier in L, sie heissen definitiv Emma oder so.
Meine Grossmutter mütterlicherseits hat Emma geheissen. Sie war eine kleine, etwas dicke Frau, und ich erinnere mich, wie sie das Brot zur fülligen Brust nahm, um es zu schneiden. Ich hatte als kleiner Junge immer etwas Sorge um ihre Brust, wenn sie sich zu solchen Manövern herbeiliess. Aber es geschah nie ein Unglück. Nur, dass sie, wenn sie dann das Brot zurücklegte, auf ihrer Brust einen mehligen weissen Fleck zur Schau trug. In meiner Fantasie war das wie ein Wundmal. Ich habe gedacht, die Soldaten tragen blutige Wunden aus der Schlacht mit sich herum, und Hausfrauen mehlig weisse Brüste. Das war irgendwie ihr Schicksal. Ich hatte meine gute Oma Emma immer im Verdacht, dass sie etwas dumm war. Manchmal lachte sie so verlegen, wie man es als junge von einer erwachsenen Person nicht erwartet. Oder sie hatte spezielle Dialektausdrücke, die sie mir nicht einmal in meine Sprache übersetzen konnte. Sie hatte beispielsweise ein merkwürdiges Wort für Sieb, und es fiel ihr selbst nicht einmal auf, dass das Wort komisch war, ich meine, dass sonst niemand auf der Welt ein solch fremdes Wort gebrauchen würde.
Mein Grossvater war ein grosser und stattlicher Mann, der es noch selbst übernahm, Fleisch einzukaufen. Morgens fragte er jeden von uns, ob wir eine Schweins- oder eine Kalbswurst wünschten. Und das war absolut luxuriös, denn damals gab es noch nicht täglich Fleisch. Er aber wollte uns verwöhnen und besorgte täglich unsere Ration, die er in seiner kleinen Mappe heimbrachte. Ich meine, wenn er abends heimkam, sah er aus, als ob er direkt von der Arbeit im Büro käme. Aber dann öffnete er seine dünne Ledermappe, und es purzelten lauter Würste heraus. Neben dem Wursteinkauf gab er sich nicht allzu sehr mit Kindern ab. Das war nicht sein Geschäft. Stattdessen spielte Oma Emma stundenlang mit uns Elfer-Raus. Es war ein gutes und nützliches Spiel für uns im Kindergartenalter, denn dabei lernte man die Zahlenreihen von 0 bis 20 hin und zurück, so dass man sie noch im Schlaf aufsagen konnte. Und man lernte ungefähr 12 Karten in einer Hand halten. Das war nicht so einfach, wie es sich anhört. Schliesslich sollten sie regelmässig wie ein Fächer geordnet sein, so dass man die Übersicht bewahren konnte. Ach, wir haben wirklich stundenlang dieses Spiel gespielt. Und dazwischen schnitt sie uns als Zwischenmahlzeit dicke Brotscheiben auf ihrer Brust. Sie war mir immer irgendwie fremd, diese Oma Emma. Sie war keine starke Persönlichkeit und ihr Haus war rundum ein bisschen unordentlich. Grossvater hatte zahlreiche Tiere im Garten, und wenn man hereinkam, schrieen die Gänse, so dass sie einen beinahe in die Flucht trieben. Dagegen war meine Oma Frieda väterlicherseits eine wirklich aparte Person. Sie war bis ins höchste Alter attraktiv, zog sich gerne hübsch an und liebte es, unter die Leute zu gehen und sich noch nach Jahren, als ihr Mann längst gestorben war, Frau Direktor ansprechen zu lassen. Das liebte sie sehr. Und das alte Oesterreich-Ungarn und die Wiener-Walzer liebte sie noch mehr. Sie hat mir den Walzer beigebracht. Aber ich weiss, das habe ich bereits erzählt. Ihr alter Gramophon stand rechts, neben dem Steinofen. Und dort, gleich bei der Tür zur Stube, konnte man auch im Walzertakt einige Dreherchen machen. Ach, sie war im Himmel, wenn sie Walzer tanzen konnte. Und sie hatte an der Wand eine kolorierte Zeichnung vom Schloss Schönbrunn. Und ein Foto meiner Eltern, die beide in dickem Mantel und breitrandigem Hut dasassen. Und wenn ich bei Oma in den Ferien weilte, dann bat ich sie, dieses Bild zu entfernen, weil ich sonst zusehr unter einem heftigen Heimweh leiden würde. Sie hatte Verständnis und hängte das Foto verkehrt herum an die Wand. Das sah komisch aus und und die weisse Rückseite erinnerte mich umso mehr an meine Eltern, die mich - Rabenvater und Rabenmutter - hier mutterseelenallein und schutzlos zurückgelassen hatten. Aber Oma gab sich Mühe, mich zu unterhalten. Zum Essen bereitete sie Pommes Frites, wie ich sie mir immer wieder wünschte. Und sie pflegten aussergewöhnlich gut zu schmecken. Dann räumte sie ordentlich die Küche auf, um später mit mir, oder mit uns, wenn mein Bruder dabei war, um mit uns Karten zu spielen. Mit Oma Frieda spielten wir nicht Elfer-Raus, sondern Joker. Das war zwar ein ähnliches Spiel, aber es erwies sich als variantenreicher. Oma Frieda hasste es, mehrmals hintereinander zu verlieren. Das konnte sie nicht ausstehen. Sie erwartete von ihren Enkeln in dieser Hinsicht etwas Nachsicht und Respekt.
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Und jetzt sind alle Emmas weggeflogen.

Ich wünsche Dir ruhigere Zeiten und wenig Extrasitzungen. Sie bringen ohnehin nicht soviel.
Mit einem lieben Gruss

Montag, 7. Juli 2025

Trauerblume

 



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Weil du nicht da bist, blättre ich in Briefen
Und weck vergilbte Träume, die schon schliefen.
Mein Lachen, Liebster, ist dir nachgereist.
Weil du nicht da bist, ist mein Herz verwaist.


Mascha Kaléko


Donnerstag, 3. Juli 2025

Ein Nicht-Ereignis im Wallis

 

Ämne:  Tour de Suisse

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Gerade habe ich auf der Frontseite der NZZ, die bei mir immer als 1. Seite im www erscheint, gesehen, ...  dass die Tour de Suisse gestern hier vorbei gefahren war. Ich habe davon auch nicht den leisesten Eindruck erhalten. Aber ich erinnere mich an Tour de Suisse Durchfahrten im Wallis. Im beschaulichen Tal war ja eigentlich nicht viel los. Und wenn schon mal ein nationales Ereignis von dieser Grössenordnung angesagt war, waren alle, und besonders wir Kinder aus dem Häuschen. Und so standen wir dann stundenlang an der Kantonsstrasse, schauten staunend den plärrenden Lautsprecherfahrzeugen nach, die vorbei glitten, und warteten auf die Fahrer, die noch kommen sollten. Immer hiess es, dass sie gleich kämen. Und jedes neue Lautsprecherfahrzeug jagte uns den Puls wieder in die Höhe, nachdem man die Hoffnung schon ein wenig aufgegeben hatte. Und dann, nach vielleicht 2 Stunden, als man wirklich nichts mehr erwartete und nur noch herumstand, weil alle anderen Leute auch herumstanden, als man sich schon wieder auf den Rest des Tages zu konzentrieren begann, erst dann kam mäuschenstill und in Windeseile ein Schwarm von Velofahrern. Die älteren Leute, die wussten, worum es sich hier handelte, klatschten, riefen vielleicht hopp schwiiz, hopp schwiiz, und in aller Stille war dieser farbige strampelnde Schwarm vorbei. Man konnte es nicht glauben, dass das jetzt die Tour de Suisse gewesen sein sollte. Ich meine, hör Dir doch mal diesen Namen an: TOUR DE SUISSE. Ich meine, das klingt doch nach etwas. Aber es war das absolute Nicht-Ereignis, ‚much ado about nothing’ würde der olle Shakespeare sagen. Ich habe das als Junge vielleicht zwei- oder dreimal erlebt. Und ich war jedes Mal bis über die Ohren frustriert und habe schwer an der Vernunft der Erwachsenen zu zweifeln begonnen. So bestand keine Gefahr, dass ich hier in Liestal an die Strasse stehen würde, um auf die Tour de Suisse zu warten. Wirklich keine Gefahr.



Gruss aus L.


Datum: den 25 oktober 22:33

Lieber ...,
Es ist ein ganz besonderes Gefühl, einen Abend allein in einer Studentenbude zu verbringen. Anna ist zu ihrer Veranstaltung verschwunden. Es ist der Verein "Donna", der seine jährliche Sitzung hat. Es ist immer ein schönes Fest. Erst wird gut und reichlich gespeist und dann kommen verschiedene Vereine und sorgen für lustige Unterhaltung der Damen. Ich glaube am Ende wird noch auf den Tischen getanzt, oder so ähnlich. Na ja, dann haben viele wohl ein wenig zu tief ins Glas geschaut.

Und ich sitze hier und erinnere mich an alte Zeiten. Habe mir etwas zu essen hervor gesucht. D.h. einen Tee gemacht und Gott sei Dank hatten wir ein ganz herrliches Brot gekauft auf der Fahrt hierher. Es war so gut, dass ich nicht einmal die Apfelsinenmarmelade, die es auch hier gibt, darauf haben wollte. Sonst schmeckt das so wunderbar zu Tee. Erinnert mich ein wenig an die englische Teestunde, wo man den Tee zu etwas Süssem geniesst.

Und nun habe ich nochmals deine spritzigen Mails durchgelesen. Zuerst war ich etwas ängstlich über deine Reaktion auf das Wort spritzig aber dann habe ich mich hier im Internet davon überzeugt, dass ich das Wort nicht falsch verwendet hatte. Dort steht "anregend, belebend, prickelnd". Und so sind sie, deine Mails. Immer wieder.

Was musste ich lachen über dein Gespräch mit dem Pfarrer. Ich denke er muss sich genau so sehr amüsiert haben wie ich, aber es ist nun seine Aufgabe für den einen Gott zu propagieren. Sicher hat er eingesehen, dass hier Hopfen und Malz verloren sind und dass er gut daran täte sofort das Feld zu räumen. Oder ist er eben weggelaufen, weil er nicht verraten wollte, wie schön ihm dein Gedanke gefiel. ;-) Man kann wirklich nicht wissen, was solche Leute im innersten denken und ich frage mich nicht selten, ob sie an ihre eigenen Worte glauben.

Schade dass du erkältet bist. Aber es geht hoffentlich bald wieder vorüber. Und sogar mit deinem Schnupfen stellst du alles mögliche an. Bald wird dein Chef auch im Bett liegen und du wirst deine Ruhe haben. War wohl auch deine Absicht?
(---)
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Ja, ich kenne deine Begeisterung über die Türken. Und Istanbul ist eine wunderschöne und interessante Stadt, die sehr wohl eine Reise wert ist. Auch K hat enthusiastisch über die Leute dort gesprochen, doch ich habe mir damals nichts besonderes dabei gedacht, denn sie, d.h. er und seine Gruppe, werden immer sehr gut behandelt auf ihren Reisezielen. Doch wenn ich jetzt zurückdenke, erinnere ich mich, dass er sehr die Bedienung gelobt hat und die Freundlichkeit aller Menschen. die ihnen begegnet sind.  Ich erinnere mich an das Jahr, weil Anna und ich auf Cypern waren und als wir am späten Abend über Istanbul geflogen sind, haben wir hinunter geschaut auf die vielen Lichter und gedacht, dass K nun irgendwo dort unten ist. Damals, glaube ich, hatte man auch die Leute vor Reisen in die Türkei gewarnt (erinnere mich nicht mehr an den Grund) und die Schweden glaubten, dass sie deswegen so geschätzt wurden, weil sie sich nicht um das Verbot gekümmert hatten.
Wie du sagst, der Charme der Südländer, gemischt mit der Ehrlichkeit eines Nordeuropäers (falls es sowas noch gibt), muss doch irgendwie ideal sein. Und du meinst es gefunden zu haben. Ich glaube, ich muss auch einmal dorthin fahren.
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K wollte doch nächsten Sommer in Rente gehen aber nun will man ihn nicht gehen lassen. Seine Chefs verwenden alle möglichen Überredungskünste um ihn behalten zu können. Das doppelte wohnen ist ja sehr kostsam und wir würden unsere Ausgaben sehr reduzieren, wenn wir nicht zwei Haushalte zu bezahlen hätten. Ich glaube er hat eine schwere Wahl im Augenblick. Na ja, er hat noch etwas Zeit sich zu entschliessen aber sie warten eifrig auf einen positiven Bescheid. Und seine nächsten Kollegen, mit denen er gut befreundet ist, wollen ihn absolut nicht gehen lassen. Ein bisschen stolz muss er schon sein über diese Reaktionen.
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Ach nein, du verstehst nicht, was ein Kuss auf die Schläfe ist. Solche gibt man wirklich nicht alten, tatterigen Greisen. Am besten sind sie auf kleinen Babys. Hast du noch nie jemanden auf die Schläfe geküsst? Du musst deine Lippen eine gute Weile dort ruhen lassen und du wirst fast das Gefühl haben, dass du die Seele des anderen spürst. Jedenfalls wie das Leben unter deinen Lippen pulsiert. Aber.. wer weiss, vielleicht bin ich etwas vampirisch veranlagt. ;-)

Und damit du nicht meinst, ich behandle dich wie einen sehr alten Mann, so küsse ich dich diesmal auf den Mund.. Komm, lass mich...   (---)

Ich wünsche dir einen schönen Sonntag und ein feines Treffen mit deinen Verwandten.

Marlena

Dienstag, 1. Juli 2025

.. begeistert von den Türken

 Liebe Marlena

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Gestern war ich kurz bei Walter am Weekly. Ich dachte, ich könne ihn nicht nochmals sitzen lassen, nachdem ich schon die letzte Woche verschlafen habe. Aber es war wirklich kurz, eine gute Stunden sassen wir in seiner Bibliothek und diskutierten die türkische Kultur. Habe ich Dir schon erzählt, wie begeistert ich von den Türken bin. Sie sind wirklich tüchtig, wohlerzogen, speditiv, praktisch und haben Charme. Echt toll! In NY war eine Türkin im Kurs, die in NY lebt. Auch sie hat mir echt imponiert, eine hübsche Frau, gut gekleidet mit wunderbar balancierten Umgangsformen. Fast schon wie eine Perserin. Aber - wie sie mir erzählt hat - ist oder war ihr Vater Chirurg. Sie kommt also von einer gutsituierten Familie. Und ich hätte nie gedacht, dass mich auch die einfachen Leute in der Türkei beeindrucken würden. Aber sie haben mich wirklich. Und nicht nur die Frauen, sehr wohl auch die Männer. Ich glaube, ich muss mal Instabul besuchen. Das scheint eine wundervolle Stadt zu sein. Und weisst Du was, sie passen zu den Deutschen, die Türken. Sie passen wundervoll zusammen. Beide sind pflichtbewusst, exakt. Die Deutschen sind gleichzeitig etwas nüchtern und kühl, manchmal protzig. Die Türken sind fein, elastisch und können sich gut einschmeicheln. Aber das Grundgerüst ist ziemlich ähnlich, wie mir scheint.

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Und so mache ich mich langsam dran, mich auf die Sitzung vorzubereiten. Während andere ihre Aktenmappen füllen, fülle ich meine Hosensäcke. Mit Papiernastüchern natürlich.
Mit lieben Grüssen ..,

A propos: Deine Schläfen-Küsse lassen mich wirklich alt ausschauen, schon fast ein bisschen tatterig. Du weisst doch, was tatterig ist? Kleine Schritte, wackeliger Gang, zitterige Hand, Spuke, die aus den Mundecken quellt, kleiner Tropf an der Nasenspitze ... na ja, und so weiter. Eben tatterig!

,,,und echten saftigen Küssen

...

Re: Early morning tea

Datum: den 23 oktober  23:32

Lieber ...,

"Die ganze Sache ist nicht so einfach".. Es ist sogar die aller schwierigste Sache, mit der man sich überhaupt befassen kann. Wir könnten uns ewig über dieses Thema unterhalten und ich würde mich dabei ganz schrecklich unterlegen fühlen. Vielleicht ginge es etwas leichter im RL darüber zu sprechen, wo man sofort die Reaktion des anderen sieht. Aber so, schwarz auf weiss sieht alles so definitiv aus und lose Gedanken hin- und her sehen aus wie richtige Überzeugungen.
Es ist lustig wie du oft darauf zurückkommst, dass ich als Katholik so oder so denken muss. Aber du weisst doch, dass ich diese Religion nicht selbst und aus tiefer Überzeugung gewählt habe. Sie ist fast angeboren. Natürlich hat dann das Milieu in dem ich gelebt habe gewisse Spuren hinterlassen, genau wie bei dir. Aber würde man richtig nachforschen, was ich eigentlich bin.. nun ja, ich wage dir nicht einmal zu sagen wo ich da möglicherweise landen könnte.
Die Frage "Was ist ein Mensch" ist doch wohl äusserst auch die Frage, ob gerade der Mensch eine ewige Dimension, eine unsterbliche Seele hat. Der Theologe hat den Menschen als moralisches Wesen, von den anderen Lebewesen abgrenzen wollen.
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Ich verstehe es schon dass ich dich vielleicht mit meiner Begeisterung über deine schönen Mails in Verlegenheit bringen kann. Es ist wohl wie bei einem Nobelpreisträger in Literatur. Er fragt sich, was muss ich nun schreiben um zu beweisen, dass ich "der Beste" bin. Aber ich bin sicher nicht der einzige Mensch, der von dir fasziniert ist. Es kann nicht neu sein für dich, dass du ganz einmalig bist. Ich frage mich manchmal wie ich eine solche Person überhaupt finden konnte.
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Oh, spät!!! Habe die Zeit vergessen beim Schreiben.
Ich wünsche dir alles Gute für morgen,
Mit lieben Grüssen und einem zärtlichen Kuss (auf die Schläfe)..
Marlena