Ämne : Re: ???
Datum : Tue, 01 Jan
Liebe Marlena
So haben wir also dieses bedenkenswürdige Jahr geschafft! Ich wünsche Dir und Deinen Lieben alles Gute, viel Glück und Frohsinn und natürlich auch gute Gesundheit und jeden Morgen eine feine Tasse Kaffee. Das letztere klingt vielleicht etwas komisch. Aber letztlich sind es ja auch die kleinen Dinge, die unser Leben zufrieden und geniessenswert machen. Ich jedenfalls schätze meine Tasse Kaffee am Morgen vor der Arbeit und abends, wenn ich heimkomme, besonders.
Man soll sich für ein neues Jahr nicht zuviel vornehmen. Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert, sagt man. Deshalb nehme ich mir nur kleine Dinge vor, und ich behalte sie vorsichtshalber für mich selbst. Und ich schicke in dieser Sache auch keine SMS.
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Und dann hoffen wir, dass wir auch mit dem Euro erfolgreich umgehen können. Auch ihr Schweden werdet zwei parallele Währungen nebeneinander bewältigen müssen. Aber es macht es doch einfacher, in Europa zu reisen. Ich werde vielleicht ein zweites Portemonnaie kaufen. Vielleicht das ist ein guter Vorsatz, den ich auch weiter erzählen kann.
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Schliesslich habe ich diesen 800 Seiten Roman von John Irving doch noch bewältigt. Das Ende ist dann doch noch etwas trivial geworden. Im Wesentlich geht es in diesem Roman um Eddie, der als 16 jähriger Student bei einem Schriftsteller einen Ferienjob antritt und dabei die Geliebte seiner schönen Frau wird. Die Frau verlässt dann ihren Mann und ihre Tochter und verschwindet für die nächsten 35 Jahre. Ihre Tochter, die damals 4 Jahre alt ist, wird später Schriftstellerin, und Eddie wird das auch. In ihren Büchern versuchen sie ihre Lebensprobleme zu bewältigen. Sie beispielsweise das Verschwinden ihrer Mutter. Er seine Liebe zu einer älteren Frau. Schliesslich schreibt aber auch die verschwundene Mutter Romane, Kriminalromane. Sie tut es unter einem Pseudonym. Aber Eddie erkennt sie in den Romanen.
Ist das nicht eine arg konstruierte Geschichte? Nun gut, zum Schluss des Romans wird deutlich, dass viele Ereignisse und Details am Anfang der Geschichte schliesslich zu ihrer Bedeutung kommen. Daraus sieht man, das der gute Irving das ganze Projekt intensiv durchdacht hat.
Was mich vor allem gestört hat war die Tatsache, dass viele Figuren detailliert und umfangreich geschildert wurden, die eigentlich nebensächlich sind. Ich hatte mich immer wieder überlegt, ob ich mich darauf einlassen sollte, oder ob ich die Seiten besser überspringen würde. Das ist ja nicht einfach, weil man oft dann Dinge verpasst, die später für das Verständnis wichtig würden. Aber es gab soviele Personen, mit denen sich Irving akribisch beschäftigt hat, die später wieder aus seiner Geschichte verschwinden. Es ist ja doch wie wenn deine Töchter Freunde mitbringen. Man soll sich nicht mit jedem verbrüdern und Freundschaft schliessen, weil er nach 3 Monaten vielleicht wieder in der Vergessenheit landet.
Und weiter hat mich am Roman gestört, dass sie alle sexoman sind, diese Amerikaner, die Frauen wie die Männer. Die Schriftsteller wie die Gärtner. Wenn sie eine Frau sehen, schauen sie sich erst einmal die Brüste und und das Becken an und fragen sich, wie sie es mit ihr im Bett anstellen wollen. Das ist auf die Länge wirklich ziemlich monoton. Irving arrangiert die Bettepisoden wie ein Historienmaler Schlachtszenen. In allen hässlichen Details und mit ganzer Palette malt er sie aus, von hinten und von vorne und von oben und von unten. Er erspart unserer Fantasie wirklich absolut gar nichts. Es ist geradezu tierisch.
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Ich werde mir im neuen Jahr meinen Walter vornehmen. Er soll seinen Irving verteidigen, wenn ich ihn nach Noten niedermache. Und er muss schon gute Argumente finden, um sein Leben zu retten. Sein literarisches natürlich. Was mich betrifft, so habe ich meine Hausaufgaben gemacht. Ich werde in meinem kommenden Leben mit einiger Wahrscheinlichkeit kein Buch von Irving mehr zur Hand nehmen. Soviel Zeit für sowenig Profit, das will ich mir nicht mehr leisten. Und mein 800-Seiten-Exemplar werde ich getrost weiterschenken können. Vielleicht ist das eine Idee? Ich schenke dieses 800 Seiten Büchlein Walter zum Neuen Jahr. Zwar glaube ich, dass er schneller liest als ich. Er hat auch ein ruhigeres Familienleben und kann sich besser auf seine Lektüre konzentrieren. Aber dennoch, er soll auch daran leiden!
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Heute ist wiederum wunderschönes, kaltes Winterwetter. Es gibt kaum Leute, die unterwegs sind. Alle müssen sich ihren Silvesterrausch ausschlafen. Auch die Italiener stehen noch nicht unten vor der Buchhandlung. Wahrscheinlich wäre es ihnen auch zu kalt. In Schattenlagen liegt noch etwas Schnee. Das ist eine gute Erinnerung an die diesjährigen weissen Weihnachten.
Und bald schon fängt die Arbeit wieder an. Meist, wenn solche Ferien- und Feiertage vorbei sind, ärgere ich mich ein wenig darüber, dass ich nicht mehr aus ihnen gemacht habe. Malen, Zeichnen, Schreiben, Fachbücher lesen: wann denn sonst sollte man sich diese Dinge vornehmen, wenn nicht an freien Tagen. Aber diese verflixten Tage fliessen und tropfen durch die Finger und verschwinden ins Nichts. Man wollte sich nur mal ein wenig hängen lassen, und schon sind sie vorbei. Zeitmanagement, das wäre gut.
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Ich wünsche Euch allen noch einen schönen und sonnigen Neujahrstag, ...
Mit einem lieben Gruss
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Ein guter Schlagabtausch!!! Wie schnell es manchmal geht, wenn Worte missverstanden werden.Aber die Ausräumung solchen Missverstehens wirkt reinigend im gesamten Gemüt, lächel... sooo fein... ich sauge deine Gedanken auf...
Habt ein gutes Wochenende (ich schließe deine Anna mit ein!)
LG, Edith