Freitag, 27. Dezember 2024

Re: ok ok

 Liebe Marlena

Oh Gott, so beginnst Du. Das verspricht einige Erschütterung, wenn nicht gar Leidenschaft. Und in der Tat wird es so etwas wie eine fulminante Verteidigungsrede.
Aber es ist doch durchaus möglich, dass etwas von innen anders aussieht wie von aussen!
Wenn ich sage, Du handelst oder schreibst clever, meine ich das nicht schlecht oder hinterlistig, sondern eben clever. Vielleicht bist Du eben unabsichtlich clever. Das ist ja durchaus möglich bei einer intelligenten Person. Ist sogar wahrscheinlich, dass man intuitiv sehr clever sein kann. Das glaube und hoffe ich. Soviel verspreche ich mir von der Intuition doch sehr. Intuition ist eine Art, sehr umfassend zu kalkulieren, dh. sehr viele Faktoren in die eigene Aktion einzubeziehen. Intuition ist oekologisch sozusagen. Ich glaube, dass ich sehr oft intuitiv reagiere. Manchmal auch mit schlechtem Gewissen und mit viel Erklärungsnot gegenüber Mitmenschen und Mitarbeiter. Wenn Du es nicht magst, ich hoffe doch sehr, ich selbst sei ein bisschen clever. Vielleicht hörst Du aus dem Wort Egoismus? Das meine ich nicht unbedingt.
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Zur Zeit lese ich ein kleines Büchlein über Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre. Das sind zwar tempi passati, aber es ist doch ganz amusant, denn Sartre war in meiner Jugend DER grosse Philosoph, den wir alle bewunderten. Ich habe sein Hauptwerk "L'être et le néant" mit einiger Hingabe gelesen, mindestens doch einige Kapitel angelesen. Er war mir aber weniger verständlich als Heidegger.
Doch was ich sagen wollte: Wenn ich über das Verhältnis der beiden lese, dann geht mir da und dort unsere Mausfreundschaft durch den Sinn. Es ist mittlerweile einiges aus ihrem Nachlass aufgetaucht, was man früher nicht wusste. Die beiden haben nach ziemlich kurzer Zeit absolut platonisch zusammengelebt und sich ihre auswärtigen Liebschaften in allen Details genüsslich erzählt oder geschrieben. Sie haben sozusagen aus Entfernung Nähe hergestellt. So ist ihre petite famille entstanden. Simone musste sich allerdings für dieses Lebensprojekt von ihrer eigenen Familie loskämpfen. Und ihr adeliger Vater hat seine Tochter offenbar erotische "Hure dieses Wurms" genannt. Sartre war in der Tat hässlich wie ein Wurm. Und wer so hässlich ist, muss sich im Leben doppelt anstrengen. Hat er gemacht, mit einigem Erfolg.

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Ja, ich habe die Flasche doch noch gefunden. Sie lag wirklich ganz zuunterst und versteckt. Deine Begründung ist "gut", um (diesmal) nicht zu sagen "clever".
Eigentlich ist es lustig. S mag es auch nicht, wenn ich irgend ein Vorgehen, eine Art, wie sie etwas angepackt hat, "clever" nenne. Sie hat genau dieselben Vorbehalte wie Du, indem sie sagt, das sei nicht Berechnung, das sei nicht (hinterlistige) Raffinesse -- was ich damit eigentlich nicht gemeint hatte. Ein Mann würde "cleverness" sofort als Kompliment akzeptieren. Why are women not more like men? (Dr. Higgins in my fair lady).
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Heute feiern wir Onkelchens Geburtstag, sage und schreibe 95 Jahre. Er hat allerdings erst am Mittwoch seinen Tag. Aber am Mittwoch können wir nicht hinfahren. Ich habe heute morgen eine Ste Honorée Torte in Basel geholt. Das ist so was wie süsse Luft, mehr Imagination als wirklich etwas Substanzielles zwischen den Zähnen. Aber die Conditorei in Basel ist berühmt dafür. Ich musste das Ding gestern bestellen und habe es heute wie eine Bombe vor mich her haltend heimtransportiert.
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Ich beneide Dich um die zwei freien Tage. Und wenn das Wetter so schön und mild ist wie bei uns, beneide ich Dich aus tiefstem Herzen. Es ist die Zeit für gemächliche Wanderungen in der Nachmittagssonne, in den Alleen, wenn die Blätter treiben. Oder um im Garten Laub zusammen zu rechen? Auf jeden Fall ist die Luft voller Melancholie, und ein Schluck Ermitage mit frischen Nüssen wäre echt eine Medizin.
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Mit einem lieben Gruss von Deinem klugen Kopf
...


Dein ceterum censeo habe ich nicht übersehen, aber ich kann es von hier aus
wirklich nicht öffnen. Ich muss es zuhause versuchen. Geduld, meine liebe,
ist die Mutter grosser Dinge.

Nicht nur seelisch..


Lieber ...,

Oh Gott, wie weit du dich von meinem ursprünglichen Bild von dir entfernt hast.. das erste also. Gerade weil du so klug erschienst, so "unverdorben" ;-) bin ich hängengeblieben, oder wie man sagen soll. Und nun kommst du mir mehr harroisch vor als Harro selbst und ich weiss nicht mehr richtig, wer du eigentlich bist.
Geistesabwesend war ich vorige Woche??? Willst du mich ärgern? Oder beherrsche ich meine Sprache so schlecht, dass du nicht spüren kannst, wie anwesend ich bin??
Und clever. Wenn du damit meinst, dass ich kalkulierend bin, dann ist das ganz falsch. Ich weiss dass es Leute gibt, die sich ein Ziel vorsetzen und dann ziemlich tricksen, um es zu erreichen. So bin ich nie gewesen. Bei mir geschieht das meiste etwas unbewusst. Wenn ich mal einen Erfolg habe, was mir im Beruf öfters passiert ist, dann bin ich irgendwie darüber gestolpert und wusste meistens nicht, wie ich dazu kam. In der Liebe würde ich auch nie List verwenden. Entweder liebt man mich oder man lässt es sein. Es hat nichts mit mir zu tun. Schau, ich habe Männer gekannt, die alles hatten, was man sich von einem Partner hätte wünschen können. Ich habe es deutlich gesehen mit meinem Verstand und ich wusste, dass ihre Gefühle für mich sehr tief waren und trotzdem konnte ich mich nicht in sie verlieben. Sie hätten diese Tatsache nicht ändern können.
Aber wie bin ich denn auf dieses komische Thema gekommen? Und wenn ich sehe, was ich hier geschrieben habe, dann scheint es ja beinahe, als wäre ich richtig böse was doch nicht der Fall ist.
*
Es riecht ganz wunderbar hier. Zeit zum Abendessen. K hat schon seine Weinflasche(n) aufgekorkt. Ach, ja! Hast du sie nicht gefunden? Ich hatte sie ganz unten im Korb flach gelegt, damit du das andere auch beachten solltest...




Man rezensiert den neuen Film "Moulin Rouge". Und man sägt ihn total, "an den Fussknöcheln" wie wir sagen, nur um dann am Ende zu sagen: "Es gibt gute Gründe diesen Film nicht zu mögen. Dass man ihn trotzdem liebt beruht auf einer Variante von Einsteins Relativitätstheorie die sagt, dass die Geschmacklosigkeit, wenn sie weit genug getrieben wird, sich selbst überwindet und zu einer Qualität wird."

Ich wünschte mir dasselbe von diesem Mail.
Mit einem lieben Samstagabendgruss
Marlena

Ceterum censeo fotofolder... esse!

1 Kommentar:

  1. Ein guter Schlagabtausch!!! Wie schnell es manchmal geht, wenn Worte missverstanden werden.Aber die Ausräumung solchen Missverstehens wirkt reinigend im gesamten Gemüt, lächel... sooo fein... ich sauge deine Gedanken auf...

    Habt ein gutes Wochenende (ich schließe deine Anna mit ein!)
    LG, Edith

Dienstag, 24. Dezember 2024

An alle lieben Leser





God Jul

Frohe Weihnachten

Merry Christmas

Joyeux Nöel

メリークリスマス

聖誕快樂

.



Samstag, 21. Dezember 2024

Samstag Abend

 


Lieber ... ,

Wie schön du über die Schneelandschaft aus deiner Jugendzeit schreibst. Auch ich erinnere mich sehr gut an die Winter in meiner Kindheit. Sie waren richtige Winter mit strahlend weissem Schnee. Und im Winter nahm man nicht das Fahrrad, wenn man wohin wollte, sondern diese typisch schwedischen Schlitten. Er wurde von alt und jung benutzt. Damals streute man weder Salz noch Sand auf den Strassen und man konnte gut und schnell vorwärts kommen mit diesen Dingern. Heute sieht man sie garnicht mehr in unserer Region. Vielleicht gibt es sie noch oben im Norden.


Heute bin ich durch eine blendend weisse Winterlandschaft zu Anna hinuntergefahren. Du weisst, wenn auch die Bäume ganz von Schnee bedeckt sind. Und ich dachte, genau so sehen sie aus, die Ansichtskarten, die man so kitschig findet. Warum tut man das?

Das Zusammenpacken von all dem was Anna mitnehmen sollte nach Hause hat länger gedauert als geplant und so sind wir erst gegen halb vier, als es schon dunkel war, losgefahren. Uh, ich mag es nicht bei solchem Wetter dauernd geblendet zu werden von grossen LKWs, die einem dann außerdem die Windschutzscheibe vollspritzen so dass man ein paar Sekunden ganz ohne Sicht ist. Aber wir sind gut zu Hause angekommen... hungrig wie Wölfe. Aber ab morgen wendet es sich und die Tage werden wieder länger.

Wir werden uns morgen einen Baum besorgen. Das ist immer ziemlich harte Arbeit. Eben weil wir etwas Perfektes suchen. Habt ihr auch einen Weihnachtsbaum zu Hause bei dir?

Und dann werde ich es ruhig nehmen.. take it easy.. nur das machen wozu ich im Moment Lust habe. Vielleicht doch einen richtigen Stollen backen. Es gehört irgendwie dazu.
(---)

Ich grüße dich lieb und wünsche dir einen schönen Tag.

Malou






Freitag, 20. Dezember 2024

Ach, mein lieber Mausfreund

.. wenn du von deiner neuen Wohnung erzählst, dann spüre ich sogar das Glück, das damit verbunden ist. Ich sehe sie schon vor mir. Viele Bücherschränke, ein wunderbares Fauteuil mit guter Lesebeleuchtung und natürlich ein bequemes Bett. Und ein guter Computer für unser Mausleben. :-)

Kannst du dir Dinge von zu Hause mitnehmen? Oder musst du alles neu kaufen? Und deine Bilder?
Übrigens, in dem Film "House of Sand and Fog", den ich dir empfohlen habe, hatten fast alle Bilder des iranischen Paares solche dicke Goldramen, und auch die meisten Bilder der Impressionisten waren damit versehen.



Wenn du noch Dinge gemeinsam mit S machst, miete dir doch den Film auf DVD und sehe ihn dir mit ihr an. Du wirst es nicht bereuen, das verspreche ich dir.

Ich mache jetzt eine kleine Pause. Will mir etwas zu essen machen. Doch ich komme nochmals vorbei heute Abend.

Bis dahin alles Gute,
Mit lieben Gs und Ks
Malou

Donnerstag, 19. Dezember 2024

Schon spät...


Lieber ...

(---)

Gute Nacht, mein lieber Mausfreund. Lass dich nicht stören von dem Frauengelächter. Je älter Frauen werden, desto lauter lachen sie. So als müssten sie ihre Trauer über die Vergänglichkeit verbergen. Oder auch haben sie nur festgestellt, dass ihnen Lachen besser steht als Mundwinkel, die herunterhängen. ;-))

Kuss
Malou
<

Mittwoch, 18. Dezember 2024

Re: für und gegen Ameisen

 


das Bild


Ämne: Re: für und gegen Ameisen
Datum: den 15 juni  08:49

Liebe Marlena
Ja, ich glaube, ich weiss doch einigermassen, was Du mit dieser Attacke der Ameisen meinst. Und ich glaube auch, dass Du recht hast. Ich merke das zwar meist nicht bei mir selbst, sondern bei meinen Mitarbeitern.Die Männer haben eine Tendenz, aus jeder kleinen Frage gleich ein Indizienprozess mit grossen Worten zu machen. Dazu kommt mir jenes Bild von Rubens in den Sinn, welches ich vor 20 Jahren einmal kopiert habe. Du hast mir davon mal ein Bild geschickt. Dort sind die Männer mit schimmernden Rüstungen und Helmen bekleidet, während die Frauen und Kinder mehr oder weniger nackt in der Natur herumstehen und agieren. Ich glaube, die Barockmalerei - und nicht nur sie - übt eine raffinierte Faszination durch diesen Kontrast zwischen kaltem Metall und warmem Fleisch. Und das ist es doch, was Du in der Diskussion beobachtest.
Nun ja, wenn ich das sehe, dann bin ich sozusagen in der neutralen und distanzierten Position des Zwitters. Als Mann unterliege ich diesen kulturellen Schemata natürlich jederzeit. Das weiss ich auch. Ich kenne die geheime Lust, eine solche Diskussion vom Zaune zu reissen. Und wenn immer es geschieht, dann erinnere ich mich im Stillen an die Zeit des Gymnasiums und der Universität, wo man diese Art des Kampfes gelernt und eingeübt und immer wieder durchgespielt hat.
Um das hübsche Bild mit den Ameisen aufzunehmen, liebe Marlena, so muss man sich die Sache doch so vorstellen: Die Ameisen, die daherkommen, und vor denen Du fliehen möchtest, um nicht gebissen zu werden, diese Ameisen kommen aus einem dunkeln Versteck. Und wenn Du genau beobachtest, siehst Du, dass sie aus der Rüstung des Mannes krabbeln. Aus allen Ritzen und Öffnungen klettern sie heraus und suchen sich ihren Weg. Und wenn Du Dich dann von Deinem Schock etwas erholt hast, dann wirst Du Dir vorstellen können, wie es sich innerhalb einer solchen Rüstung anfühlen muss. Das ist ein veritables Ameisennest dort drinnen. Das ist der Horror per se. Und trotzdem singt Prefessor Higgins in "My fair lady" "weshalb können Frauen nicht mehr sein wie Männer?".
*
Interessant, welche Eigenschaften Anna für die Zukunft empfiehlt. Das eine kann man überigens ungefähr mit "Stresstauglichkeit" übersetzen. Finde ich in der Tat eine wichtige Eigenschaft. Am meisten hat mit "Quellenkritik" verblüfft. Ich halte das zwar eher für eine Fähigkeit denn eine menschliche Eigenschaft. Aber es ist richtig und von einem jungen Menschen gedacht, der sich im Internet auskennt. Ich pflege statt dessen die Eigenschaft der Entscheidungsfähigkeit in den Vordergrund. Ich glaube in unserer Welt der zahllosen Möglichkeiten ist es eine wichtige Überlebensstrategie, rasch und instinktsicher zwischen Ja und Nein entscheiden zu können. Und ich würde jetzt - zu meiner Ehrenrettung - die Quellenkritik unter die Entscheidungsfähigkeit nehmen.
(Da siehst Du Marlena, ich brauche das Wort "Ehrenrettung". Ich habe das Wort an sich zwar spielerisch gemeint, so als eine Art zu reden, aber genau genommen kommt es aus jenem gesellschaftlichen Spiel der gerüsteten Männer und der nackten Frauen. Doch jetzt genug der Selbstbezichtigung!!!)
Im Übrigen möchte ich Anna 100% zustimmen. Und gerade die Eigenschften und Kompetenzen, der Kreativität, der Offenheit, der sozialen Fähigkeiten und der Flexibilität verlangen ein Selbst, das kohärent, aber doch nicht statuesk mit sich selbst identisch ist. Das moderne Subjekt braucht eine lockere Oberflächenstruktur, um sich in dieser verrückten Welt leicht ein- und ausklinken zu können. Die Rüstung ist dafür absolut ungeeignet. Mit einer Rüstung steht man ziemlich steif und den unüberblickbaren Kräften hilflos ausgeliefert in der lebendigen Landschaft.
*
Ach, und was Du über die Jesuiten sagst, und über die Frage des glücklichen Lebens, womit wir wieder bei Epikur wären, das kann ich im Moment einfach nicht beantworten.
Ich wünsche Dir ein gutes Wochenende. Du bist glücklich und geniesst die schöne Zeit, das merkt man durch Deine Zeilen.
Mit G+K