Sonntag, 14. Juli 2024

Auf Zypern

Lieber ...

Vorigen Sommer war ich mit Annas Abschlussklasse eine Woche auf Zypern. Der Klassenlehrer hatte ein paar Eltern gebeten mitzufahren, um die jungen Leute unter Aufsicht zu halten. Wir landeten in einem sündigen Nest,  wie du es dir kaum vorstellen kannst. Aya Napa. Doch mitten in diesem Vergnügungszentrum mit hunderten von Discos, die wie in Hong-Kong aufeinander klettern, liegt ein altes Kloster mit einem über tausend Jahre alten Baum. Am Eingang hatte ich gelesen, dass am Sonntag um 17.00 Uhr eine Messe in englisch in dieser alten Klosterruine stattfinden sollte. Ich gehe fast nie in die Kirche, aber an diesem Tag zog es mich gewaltig dorthin - vielleicht brauchte ich eine wenig Gegengewicht.

Wir nahmen ein Taxi, denn es war viel zu heiss um zu gehen und waren so eine Viertelstunde vorher dort. Leider gab es nur noch 2 Plätze frei. Anna setzte sich auf den einen (ganz vorne) und ich auf der anderen Seite, etwas weiter hinten.
Es war eine sehr schöne Predigt. Sie handelte von Liebe. Wo immer man auf der Welt ist, wenn man in den Gottesdienst geht, fühlt man sich sofort wie zu Hause. Dann kam die Kommunion. Der Priester begann mit einem Gehilfen die Hostien zu verteilen. Ich hatte das letzte mal vor so 15 Jahren gebeichtet und überlegte, ob ich seitdem gesündigt hätte.;-) Ich kam zu dem Schluss: Nichts, das Gott nicht schon wissen müsste und empfing die Hostie. Was ich jedoch nicht verhindern konnte, war, dass Anna dasselbe tat. Ich wollte ihr ein Zeichen geben, dass sie es nicht tun sollte, aber ich konnte ja schliesslich in diesem Moment nicht anfangen laut zu rufen - und so liess ich es geschehen. Ich dachte mir später: ein reineres Kind hat nie die Kommunion empfangen (um mich zu entschuldigen).
So, nun weisst du etwas, was nur Anna und ich wissen. Und der liebe Gott natürlich :-)

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Samstag, 13. Juli 2024

Rainy days

 

den 29 mars  Ior

Lieber ...!

Ich schreibe sobald es aufgehört hat zu regnen.
Love
Marlena 




den 30 mars 
rainy days

Mein Fyrklöver
Du schreibst mir, sobald der Regen aufgehört hat. Hast du deinen PC im Garten stehen? Ich schalte sofort von meinem PC auf die Wetterprognosen. Hast du - nebenbei gesagt - den Baum im Garten schon geschnitten? Das erinnert mich an den unseren, den ich noch schneiden müsste. Es ist schon arg spät. Bald treiben ja die Knospen!!!
Nein, Spass beiseite. Bei uns regnet es auch im Moment und es ist ziemlich kühl geworden, wieder. Wie du sagst, ein kleiner Rückschlag. Auch wir warten hier auf die Lerchen und die Schwalben. Es gibt ein deutsches Sprichwort: Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling. Wir warten also auf die ersten zwei! Sagen wir drei, um sicher zu gehen.
Deine Schilderung über die Messe auf Zypern hat mich beeindruckt und ist mir noch lange in meiner Erinnerung nachgegangen. Es ist lustig, in meiner Fantasie habe ich euch beiden von oben zugeschaut, als ob ich an der Decke hängen würde (neben dem lieben Gott zu sitzen, kann ich nicht sagen, das wäre blasphemisch). Es war hell, als ob die ganze Kirche voller Kerzen wäre. Es kann aber auch eine klimatische Helle gewesen sein, dh. die Sommerwärme. Habt ihr den alten Baum auch gesehen? Überhaupt war dein Brief sehr schön und ich hatte den Eindruck, er kommt aus der Tiefe deines Wesens. Ich danke dir.

Gerade habe ich gelesen, dass die Restaurierung der Cappella Sistina in Rom 

Donnerstag, 11. Juli 2024

Restaurierung der Sixtinischen Kapelle in Rom



Liebe Marlena

Gerade habe ich gelesen, dass die Restaurierung der Cappella Sistina in Rom nach über 20 Jahren abgeschlossen worden sei. Das ist eine enorm lange Zeit, aber für den Vatikan natürlich ein kleiner Moment in seiner langen Geschichte.

Zuerst hat man offenbar die Eingangswand restauriert, dann die Lunetten mit den Sibyllen und Propheten von Michelangelo. Dann kam 85-89 die grossartige Decke an die Reihe, und schliesslich das jüngste Gericht.
Es ist erstaunlich, wie intensiv die Farben sind, die man hier zum Vorschein brachte. Alle, die schon einmal in der Kapelle gewesen waren, mussten nochmals gehen, weil sie nun ja ganz anders und neu wirkte. Und diese starken Farben standen nun in grossem Kontrast zu den tieferen Zonen, den seitlichen Fresken aus dem 15. Jahrhundert. Deshalb hat man seit 95 zum Schluss auch diese Seitenwände restauriert.
Diese seitlichen Fresken sind von den bedeutendsten Meistern der Zeit (Quattrocento) gemalt, Botticelli, P. Perugino, Ghirlandaio, Rosselli, die alle ein ein umbrisch-toskanisches Ambiente entwickeln. Es sind zwei Zykeln, die sich gegenüber stehen. Links sind es 6 Szenen aus der Moses-Vita, rechts aus der Vita Christi.
Vasari, das grosse Tratschmaul der Renaissance, der erste Sensationsjournalist (ein "Wortscheisser" würdest du sagen) seiner Zeit, berichtet darüber. Es soll sich in diesem engen Raum rasch eine grosse Konkurrenz unter diesen Malern entwickelt haben. Der Wettbewerb wurde noch verschärft durch die Tatsache, dass Papst Sixtus IV dem besten eine Siegesprämie in Aussicht gestellt hatte.
Vasari berichtet, der schwächste sei Cosimo Rosselli gewesen, der bei der "Anbetung des goldenen Kalbes", "der Bergpredigt" un "des Abendmahls" mit dem Format nicht gut zurecht gekommen sei, und seine Schwierigkeiten mit teurem Material zu kaschieren und zu kompensieren versucht habe. Er brauchte viel Ultramarin, Gold und kräftige Farben, "so dass kein Baum, kein Kraut, kein Gewand, keine Wolke war, die nicht leuchtete" (so Vasari kritisch).
Doch offenbar ist Rosselli, entgegen dem Urteil Vasaris, schliesslich von Papst Sixtus die Prämie zugesprochen worden. Diese kleine Anekdote lässt sich heute, nach der Restaurierung, besser nachvollziehen.
Roselli verwendet offenbar bei seinen Malereien Neapelgelb, während Botticelli Rauch- oder Königsgelb benutzte. Letzteres war eine spezielle Farbe, über die sich schon Plinius geäussert hatte. Jener hatte empfohlen, sie auf Kreidegrund und nicht auf nassen Grund (al fresco) zu verwenden. Und tatsächlich fand man im unteren Bereich der Fresken einen Malgrund aus Kalk und Pozzolanerde. Hier wurde neben "al fresco" auch "mezzo fresco" gemalt, was der Tafelmalerei näher kommt. Rosselli tat sich dagegen mit reichem Einsatz von Goldhöhungen hervor. In seinem Bild vom goldenen Kalb reicht das Gold hinauf bis in den Himmel und zur einzig leuchtenden Wolke des Zyklus.
Nach der Reinigung der zwei Zyklen zeigen sich die Fresken in neuer, kristalliner Klarheit (so mein Zeitungsbericht), wie sie auch die die Tafelmalerei jener Zeit auszeichnet. Zwei Arten von Schäden sind beseitigt worden. Einerseits Wasserschäden von den Fenstern. Andererseits mechanisch verursachte Schäden, die dadurch entstanden waren, dass man an liturgischen Festtagen immer wieder die Teppichserie Raffaels aufhängte und dazu Leitern an die Wand gestellt hatte.
So ist ein harmonischer Gesamteindruck neu entstanden. Er verleiht der Zone einen Eigenwert und eine Eigenständigkeit gegenüber den Fresken Michelangelos, welche mit viel stärkeren Effekten arbeiten (und insofern irgendwie moderner wirken). Im neuen Licht vermögen sich auch die Quattrocento-Malereien durchaus gegenüber den oberen Zonen behaupten.

Bist du mal in der Sixtina gewesen, Marlena? Wir waren vor - ich weiss nicht mehr so genau - vielleicht vor mehr als 10 Jahren in Rom. Der Vatikan hat mich absolut beeindruckt. Und natürlich war ein Höhepukt die Kapelle des Papst Sixtus. Erstaunlich, wie eng der Raum war. Ich hatte ihn mir immer viel grösser vorgestellt. Und dann natürlich die Dunkelheit. Es ist ein dunkler und enger Raum, diese Sixtinische Kapell. Und man darf sich vorstellen, dass hier die Papstwahlen stattfinden. Es ist nicht erstaunlich, dass es meistens nicht allzu lange dauert, bis der weisse Rauch aufsteigt. Länger halten es die Kardinäle hier einfach nicht mehr aus. Die seitlichen Fresken, von denen hier die Rede ist, waren mir damals gar nicht besonders aufgefallen. Auf jeden Fall hatte ich sie nicht mehr in Erinnerung. Was mir im Gedächtnis geblieben ist: alle Leute schauten zur Decke hinauf, ähnlich wie bei einer Sonnenfinsternis. Und das war sehr anstrengend, man wurde rasch müde im Nacken. Am liebsten hätte man sich auf den Boden gelegt. Aber das war nun auch nicht möglich, denn mit den vielen Leuten entstand eine enge Situation, die Himmelgucker hätten einen glattweg zertrampelt, und immerhin befand man sich in der Sixtinischen Kapelle. Erheiternd empfand ich, dass alle 2 bis 3 Minuten ein Priester, der mit der Aufsicht betraut war, hervortrat und laut in die Hände klatschte, um die vielen Touristen aus aller Welt zur Ruhe und zum Respekt vor diesen heiligen Räumen zu ermahnen. Eine halbe Minute sank jeweils der Geräuschpegel, und stieg dann wieder zu normalem mitteleuropäischem Niveau an. Das fand ich sehr sympathisch und sehr katholisch, diese immerwährende Anstrengung gegen die menschlichen Schwächen, die aber stets mit einem guten Mass an Nachsicht einhergeht.

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Ich wünsche dir eine gute Zeit, das Wochenende ist bereits in Sicht.
Mit einem lieben Gruss
..

Samstag, 6. Juli 2024

Sehnsucht ...

 



... in den hohen Norden

...

Und dann zuletzt, pflücke ich auf der Wiese den Blumenstrauss, der in einem kleinen Korb neben der Tür verkünden soll dass wir nun zu Hause sind und alle herzlich willkommen heissen. Und man kommt. Von nah und fern. Die meisten jungen Leute sind doch in den Süden ausgewandert. Aber im Sommer kommen sie ”nach Hause” und dann tauchen sie auf, Ks Freunde aus seiner Kindheit u.a. (einige haben auch in Uppsala studiert) und man erzählt sich bei einer Tasse Kaffee was man in dem vergangenen Jahr erlebt hat oder spricht von Erinnerungen aus der Kindheit.

...



Donnerstag, 4. Juli 2024

Sauberer Freitag

 


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Varlin  Winter in Bondo



Ämne: Sauberer Freitag.. ;-)

Lieber ...,
Der Hunger und die Lust auf eine Tasse guten Kaffee haben mich heute früh aus dem Bett gelockt. Und dann finde ich sofort wieder ein herrliches Mail von meinem lieben Mausfreund. Aber wie ich sehe habe ich Konkurrenz bekommen um die Liebe zu Varlin. Du Untreuer!
Nun, jedenfalls hast du mir einen fröhlichen Morgen gemacht. Ich habe nochmals wegen Varlin im Internet nachgesehen und habe diesmal eine Page gefunden, die ganz wunderbar ist. Falls du sie nicht kennst, gebe ich dir die Adresse. HIER

Du darfst dabei nicht vergessen zu lesen was er "über sich selbst" schreibt. Er scheint auch ein Humorist zu sein. Solche Menschen mag ich sehr.

Weniger mag ich folgende Zeilen:
Das Fehlen einer wirklich eigenständigen Bildsprache verhindert bis heute Varlins Anerkennung über die schweizerischen Landesgrenzen hinaus. 

Ich finde, wenn ich seine Bilder betrachte,jedenfalls die man hier sehen kann, dass sie einen einheitlichen Stil haben. Ich glaube du bist derselben Meinung.


Lustig was du über die Schneeglöckchen sagst. Gerade so stehen sie, als brauchten sie einen eigenen Raum.. Sie erinnern mich immer an meine Tante, die stets Schneeglöckchen malte, wenn sie etwas verzieren wollte.

Ich komme später wieder. Muss den Tag anfassen. :-)

Mit lieben Grüssen,
Malou



Subject: Varlin nochmals

Lieber ...,
Bevor ich mich in die grosse Welt hinaus begebe, noch ein paar Worte über Varlin.
Eigentlich nur ein paar Zitate aus dem "über sich selbst" falls du es noch nicht gelesen hast.

"Die Kunst, wenn man nichts hat, sich mit primitivsten Freuden zu begnügen, zum Beispiel: eine Seife in der Badewanne entschlüpfen lassen und wieder einfangen." *s*

"Ich entdecke mit der Zeit die masochistische Neigung der Intellektuellen, sich von mir malen zu lassen. Die Schadenfreude führt zu immer weiteren Empfehlungen.."

"Der Schutzverband der von Varlin Geschädigten erfasst immer weitere illustre Namen."

Und als Illustration zu dem Text oben, ein Bild von Ernst Schröder. Ich frage mich nur, wie Schröder wohl reagiert haben mag, als er das Bild sah. Was würde W sagen, wenn du ihn so porträtieren würdest???



So lasse ich dich wieder. Du Glückspilz mit einer freien Woche vor dir.
Alles Liebe
Malou

Mittwoch, 3. Juli 2024

Himmelsmenuett

 

Liebe Marlena

Wir haben ein weiteres und sonniges Wochenende vor uns. Ist das nicht wunderbar? Die Tauben kreisen schon so früh morgens am Himmel. Sie haben sich in zwei Schwärme aufgeteilt und tanzen sozusagen ein Himmelsmenuett. Vielleicht sind die einen die Weibchen, die anderen die Männchen? Oder die Alten gegenüber den Jungen? Es ist merkwürdig, dass sie sich in der Luft scharen und scheinbar nutzlos Runden drehen. Als ob es die reine Freude wäre, am Himmel oben herumzufliegen und Energie zu verscheudern! Es hat ja wohl auch Signalcharakter. Sie sammeln sich, um dann in den Süden zu fahren, nicht wahr? Sie haben doch bestimmt in Venedig ein hübsches kleines Hotel gebucht. Und jetzt wollen sie bestimmt abreisen und dabei sicher gehen, dass hier keiner im eiskalten und grauen L sitzen bleibt. Das finde ich absolut rücksichtsvoll. Alle sehnen sie sich nach dem Geschmack des Meeres in der Luft, nach Spaghetti und Amore. Ach, wie kann ich sie gut verstehen!

Euphorie

 Gunnar Ekelöfs Gedichte gibt es in deutscher Übersetzung von Klaus-Jürgen Liedtke.

  1. Hier das schöne Gedicht "Euphorie" auf Deutsch.

  2. http://www.ekelut.dk/poems/e_p5de.html