Sonntag, 26. Mai 2024

Giersch – "the garden devil weed from hell "

 

subject Sonne :-)


Lieber ...,
Heute scheint die Sonne. Es sieht aus, es könnte ein herrlicher Tag werden. Ich habe gerade meinen Morgenkaffee getrunken. Hmmm.. was wäre ein Tag ohne dieses gute belebende Getränk?

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Die kleinen Vögel haben jetzt Junge im Nistkasten und sie eilen hin und her um Futter zu finden. Es gibt dieses Jahr ungewöhnlich wenig Insekten.

Die Waschmaschine arbeitet schon für mich und bald werde ich das Gras mähen. Muss nur ein wenig trocknen.

Wenn du wirklich ein Mittel findest gegen das lästige Unkraut, dann möchte ich gern darüber hören. Ich glaube leider dass es keines gibt. unser Nachbar hat grosse schwarze Plastiksäcke über die Partien gelegt wo es gewachsen ist und dann meint er immer wieder wegmähen wäre die beste Methode. Aber wie tut man das wenn es im Garten zwischen den Blumen und Sträuchern erscheint? Zum Glück haben wir es nur ausserhalb des Gartens.

Das war ein kleines RL-mail. Ich hoffe dir bald ein anderes senden zu können.

Wünsche auch dir einen schönen Tag mit Sonne und blauem Himmel. 
MlG
Malou

Samstag, 25. Mai 2024

Sonntag, 19. Mai 2024

Nostalgie

 




Liebe Marlena

Ich weiss gar nicht, ob ich so alte und so lange Mails von mir nochmals lesen sollte. Ich habe es noch nicht getan, und vielleicht brauche ich vorher wirklich einen starken Schluck Whisky. So genau möchte ich ja doch meine seelische Vergangenheit nicht erforschen. Oder sollte ich?

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Ja, ich habe diese CD von Helene Hanff schon mehrmals gehört. Es ist so romantisch und so hübsch. Es handelt sich um einen Briefwechsel zwischen einer amerikanischen Schriftstellerin, die in N.Y. wohnt, und einem englischen Buch Antiquar an der Charing Cross Road in London. So ungefähr. Und die Amerikanerin ist ein bisschen jugendlich und manchmal ungeduldig und naughty, und der Engländer sehr formal und höflich. Allerdings ist es in diesem kleinen Buchladen nicht immer dieselbe Person, die schreibt. Die Hanff bestellt diese oder jene Bücher, gibt diesen oder jenen Kommentar. Und die Engländer berichten, wie sehr sie sich Mühe gegeben haben, dieses oder jenes Buch zu finden, wie sie vielleicht an ihren Besuchen in englischen Landhäusern nicht erfolgreich gewesen sind, diese oder jene Erstausgabe zu finden. Es ist die Zeit nach dem Krieg, und die Amerikanerin schickt ihnen Esswaren, während die Leute der Buchhandlung ihr dann eine spezielle Ausgabe eines speziellen Buches als Dank zuschicken. Na ja, es ist ganz hübsch, und offenbar ist kürzlich ein Büchlein herausgekommen, da die Hanff erzählt, wie es war, als sie erstmals nach London gereist war. Und einmal schickt sie sogar einen Schinken, und macht sich dann als Jüdin Gedanken, ob sie nicht doch besser eine Zunge geschickt hätte.

Ach es wirkt alles so romantisch und alt. Die Leute wählen noch nette Formen, wenn sie einander schreiben und tauschen Höflichkeiten aus. Man hat dieses Bild vor sich, wie ältere Leute in aufgeräumter Kleidung abends unter dem warmen Licht irgendeiner hübschen Tischlampe sitzen und mit ihrer Feder und mit echter Tinte einen Brief hinkritzeln. Ach, was waren das schöne Zeiten: das warme Licht, das echt raschelnde Papier, die pechschwarze, nass schimmernde Tinte, das krakelige Kratzen der Feder, der ruhige Fluss der Zeit vielleicht sichtbar am Mond zwischen den Vorhängen, in der das alles vor sich ging in einem mit dunkeln Holz möblierten Zimmer.

Es muss die Zeit gewesen sein, als Menschen noch persönliche Gesichter hatten. Ich meine, sie waren noch Persönlichkeiten mit einer ihnen gemässen Aura, auf die man gehen konnte. Ihr Verhalten war mehr oder weniger vorhersehbar. Ihre Kleider waren zerknittert und grau vielleicht, aber umso mehr haben ihre Gesichter sich zu erkennen gegeben. Ach, das waren noch Zeiten.

Wenn ich mir eine solch antike Buchhandlung vorstelle, dann kommen mir jene in N.Y. in den Sinn. Sie waren zwar nicht alle alt, einige aber altmodisch eingerichtet mit einer schönen Atmosphäre. Eine, The Strand glaube ich, hiess sie, war sehr ungeordnet und übervoll mit Büchern. Die meisten davon waren wohl, was wir ‚modernes Antiquariat’ nennen. Es sind nicht alte, sondern mittelalterliche Bücher, die verbilligt verkauft werden, weil man im Lager Platz braucht. Dort ist die Atmosphäre nicht sonderlich gemütlich, denn es gibt zu viele Leute und zu viele Bücher. Die Kombination von beidem macht eine Enge, die ein bisschen nervös macht.

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Jetzt bin ich von der Sitzung zurück. Sie war nicht sonderlich ergiebig. Aber ich glaube, der Chef braucht einen Kreis, in dem er gewisse Fragen diskutieren und testen kann. Er sucht noch seinen Weg und er ist abhängig von seinem Team. Ich bin ja nun nicht einer, der sich dort in den Vordergrund drängt. Dazu ist meine Dienststelle zu klein und hat nicht eigentlich staatstragende Bedeutung. Beim alten Chef war ich respektiert, weil er meine Texte schätzte, glaube ich. Der Neue kennt mich noch nicht. Und ich glaube nicht, dass er mit Texten sosehr ansprechbar ist. Er kommt aus den Gewerkschaften. Das sind praktische Menschen, denen es nicht um Schöngeisterei geht, sondern um ungeschminkte, nackte Tatsachen und nicht zuletzt um das Materielle. Na ja, wir werden sehen, jeder hat seine schwache Stelle, seinen Knopf, worauf man drücken muss, damit man zu seiner Sache kommt.

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Na ja, wenn ich diesen Briefwechsel zwischen Hanff und der Buchhandlung 84 Charing Cross Road höre, so kommt mir auch der unsere in Gedanken auf. Sie dort hatten den Vorteil, dass sie ein vorgegebenes Thema hatten. Die Hanff wollte alte günstige Bücher und der zuständige Mitarbeiter bei Marks & Co gab sich Mühe, sie zu finden. Das ist doch schon eine materielle Basis, die was hergibt. Aber zwischendurch spielt die Hanff mit dem Gedanken, nach London zu fahren und sich alles persönlich anzuschauen. Und offensichtlich hat sie das ja nach dem Krieg auch gemacht.

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Vielleicht haben wir uns ein bisschen anstecken lassen. Auf jeden Fall stand unser Weekly gestern auch unter dem Thema von ‚merry old England’. Na ja, nicht England, aber jener Zeit. Mit anderen Worten, wir wärmten romantische Erlebnisse unserer Jugend auf. Ich erinnerte mich, dass meine Mutter mich jeweils mitnahm, wenn sie einen Laden aufsuchte, in welchem es vornehmlich Dinge gab, die man zum Nähen brauchte. Vielleicht gab es auch Unterwäsche. Ich weiss es nicht mehr so genau. Aber es war alles ziemlich ordentlich und geregelt. Und genau das war schlimm. Es gab keinen kleinen Stein des Anstosses, wo man hätte zugreifen können. Es gab keine Unregelmässikeit, die doch an sich interessant sind. Auf jeden Fall fand ich diese endlosen Stunden, während der meine Mutter unbekümmert mit der Besitzerin des Ladens plauderte, endlos lang. Es war eine Qual. Eine endlose Qual, um genau zu sein. Es war im Grunde Kindsquälerei. Ich hing meist vor der Ladentüre auf der steinernen Treppe herum und es war dort absolut nichts los. Höchstenfalls hätte ich mir, durch irgend eine gewagte Übung, das Knie aufschlagen können. Und auch im weiteren Umkreis war nichts, was sich hätte für einen kleinen Zeitvertreib anbieten können. Absolut nichts! Es war die veritable Hölle. Und ich habe nie begriffen, wie sich die Frauenwelt in einer solchen Umgebung unterhalten und gar noch gut unterhalten kann. Niemals war das zu begreifen. Ich dachte mir, diese Wesen müssten von einer anderen Welt sein, irgendwie mit anderen Gesetzmässig­keiten und anderen Programmen, die Zeit zu geniessen.

Umso mehr schätzte ich damals meine kleine Freundin, bei der ich bemerkte, dass sie genau dieselben Dinge mochte, die auch ich mag. Wir hingen nach der Schule hinter dem Schulhaus herum, hängten uns an die Turnstangen, plauderten hin und her. Einmal hatte sie mich eingeladen, in einem Motorlastwagen mitzufahren. Ihr Vater führte ein grosses Baugeschäft in Lenzburg. Und ich hatte die Ehre, zwischen Chauffeur und meiner kleinen Freundin auf diesem holperigen und ausgesessenen Sitz zu hocken und über das Armaturenbrett hinunter auf die Welt zu schielen. Es war einfach grossartig. Ich glaube, ich habe eine zeitlang sogar meine Freundin neben mir vergessen. Aber irgendwie genoss auch sie es. So habe ich es in Erinnerung. Entweder war sie stolz, dass ich ihre Welt so sehr bewunderte. Oder sie war erfreut, dass sie mir eine Freude machen konnte. Aber irgendwie war sie hell und fröhlich neben mir. Und natürlich hatte ich die Vorstellung, dass sie jeden Tag mit diesen riesigen Lastwagen in der Welt herum fahren würde. So ein kleines Ding von einem Mädchen mit einem kecken Rossschwanz hatte solch gigantische Maschinen unter Kontrolle!! Ich sag Dir, Marlena, ich war schon schwer beeindruckt.

Ich glaube, das ist es für heute

Ich wünsche Dir einen feinen Tag

Kuss
...

Samstag, 18. Mai 2024

Pfingstrosen





Siehst Du, wie die Pfingstrosen blühen? Es sind von allen Blumen die ersten, die ich in meiner Jugend irgendwie bemerkt habe. Vielleicht mal von den Hortensien abgesehen, die ich seit der Beerdigung meiner Mutter irgendwie kannte. Pfingstrosen haben Ameisen, deshalb vielleicht habe ich sie mir gemerkt. Und ich erinnere mich an ein Bild Manets mit schönen Pfingstrosen. Sie sind schön, wenn sie blosse Knospen bilden und sie sind schön, wenn sie in barocker Fülle sich offen den warmen Pfingsttemperaturen hingeben. Siehst Du Malou, ich bin ja wirklich nicht gerade ein guter Blumenkenner. Aber zu den Pfingstrosen habe ich ein kameradschaftliches Verhältnis gefunden. Und ich frage mich, weshalb wir in unserem Garten keine Pfingstrosen haben.

Ich wünsche Dir schöne Pfingsten.
MlGuK

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Freitag, 17. Mai 2024

Wie rasch die Zeit vergeht.

 

Liebe Malou
Ach, wie rasch die Zeit vergeht. Jetzt ist diese Woche doch auch schon vorbei. Und ich habe nichts getan. Rein gar nichts. Nur gegessen, geschlafen und gelesen. Es ist fast schade um die Zeit. Wenn man keine Zeit hat, möchte man soviel tun. Und wenn man viel Zeit hat, lässt man sie den Bach hinunter schwimmen. Es ist allzu schade.

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Im Museum gab es einen Hinweis auf eine kleine Ausstellung in der Gallerie Beyeler in Basel. Diese habe ich gestern besucht. Der Basler Künstler hat hübsche, sehr farbige Stücke gemacht. Er ist hier ziemlich bekannt und hat auch einige lustige Wandmalerei in der Stadt gemacht. Die Gallerie war nicht überwacht. Es war weit und breit kein Mensch zu sehen. Ich hätte ein paar dieser Bilder einpacken können. Schliesslich kam ein weiterer Besucher. Er war äusserst gesprächig und ich musste annehmen, dass er selbst Maler sei. Er hat die Bilder kaum angeschaut, sondern überaus intensiv auf mich eingeredet. Immer wieder hat er Hodler gelobt. Und es gab ein Bild in der Ausstellung, das in Stil und Technik einem Hodlerbild geglichen hat. Aber das hatte er nicht bemerkt. Er hat bloss immer wieder von Hodler gesprochen und bei Cuno Amiet die Anlage des Hintergrundes vermisst. Manchmal sei der Schüler besser als der Lehrer. Nun, das konnte ich nicht bestreiten, aber ich hatte noch nie gehört, dass Hodler ein Schüler Amiets gewesen sei. Da kannte ich mich zuwenig aus. Bestimmt waren sie Zeitgenossen.
Kurz und gut, der Kerl hat drauflos gesprochen, dass ich definitiv den Eindruck hatte, er wäre einer Psychiatrischen Klinik entwichen. Er sagte, er lebe in Nizza und er male klassisch. Klassisch hiess für ihn eben, mit guter Anlage von Hintergrund, Mittelgrund, Vordergrund. Soviel hatte ich begrffen.
Schliesslich wurde er wirr und wirrer, so dass ich mich entschloss, zu gehen. Aber er folgte mir und redete weiter drauflos. So verliess ich die gute Gallerie Beyeler mehr oder weniger fluchtartig. Und gleich beim Ausgang begegnete mir eine Dame, die im Begriff war, in die Gallerie einzutreten. Ich glaube, sie ist ihm direkt in die Arme gelaufen und bestimmt hat er sie davon überzeugt, dass Hodler der allergrösste sei.

Du siehst, ich vertreibe mir meine Zeit mit vielen Unnötigkeiten.
Ich wünsche dir eine gute Zeit.
MLG
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Donnerstag, 16. Mai 2024

Lucian Freud

  

Liebe Malou..

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Ich habe kürzlich ein Bildband gekauft über Lucian Freud.
Vielleicht hast du von ihm gehört. Er ist ein Enkel des brühmten Sigmund Freud, lebt in England, und hat sich einen Namen als Porträtmaler gemacht. Und dabei macht er seinem Grossväterchen grosse Ehre. Er malt seine Figuren so nackt, wie man sie kaum je gesehen hat. Das Fleisch springt einem aus den Bildern derart entgegen, wie es bloss noch bei Sigmund aus seiner Psychoanalyse geschehen ist. Die Gemälde haben etwas Schockierendes an sich. Sie versetzen den Zuschauer in die Rolle des vorwitzigen Voyeuristen, weil die Modelle derart offen daliegen. Vielleicht ist es das erste Mal, dass auch Männer sich derart exponieren und ihre Dinger zeigen, wie man das noch niemals auf Bildern gesehen hat. Im ersten Moment wirkt es widerlich. Bei weiblichen Figuren sind wir das mehr gewohnt, denn da führt die Malerei eine lange Tradition fort. Aber das Männer derart die Beine spreizen oder besser unersehen (kein gängiges deutsches Wort). Ich glaube, zur Zeit hat Freud eine grosse Ausstellung in der Tate in London. Und einen Momentlang hatte ich mit dem Gedanken gespielt, nach London zu fliegen, um das anzuschauen.
Vielleicht findest Du im Internet ein oder zwei Beispiele diesem Maler.

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Re:  Ja, es gibt viele Bilder von ihm im Internet,   z.B.  hier

Zeit, ein eigenwilliger Partner

 

Ämne: weekendmail
Datum: den 21 februar13:10


Liebe Malou
Graues, kühles Fastnachtswetter haben wir hier. Am Montag beginnen die Schulferien, und man fühlt sich ein bisschen leichter und in Ferienstimmung. Hoffentlich weiss das Wetter, was es uns schuldet in den nächsten Tagen. Ich habe zwar einige kleine Projekte, die ich in diesen Tagen zu Ende bringen will. Aber Du weißt, wie es ist. Wenn man plötzlich frei hat, zerrinnt die Zeit zwischen den Fingern. Die ersten paar Tage denkt man, dass man einige faule Stunden sehr wohl verdient hat. Und dann sind die 14 Tage auch schon um. Man muss sehr schlau sein im Umgang mit der Zeit. Sie ist ein cleverer und eigenwilliger Partner, und um sie zum Freund zu machen, muss man sie an die kurze Leine nehmen, wie einen verspielten Hund. Ich habe in meinem Leben sehr viel Zeit vergammelt. Wenn man all diese Momente und Stunden zusammennehmen würde, könnte man gut und gerne ein zweites Leben daraus machen. Aber die Kunst, die ich benötige, besteht heute darin, dies alles nicht als Verlust, sondern als Gewinn anzuschauen. Diese vielen freien und losen Stunden waren ein Geschenk des Himmels. Ich bin wie Du, ich lasse mich gerne verführen von Filmen am Fernsehen, von Leuten, die ich zufällig treffe, von Büchern, die ich zufällig da und dort finde, von Themen, die mich weiss Gott woher aus dem blauen Himmel anspringen. Wenn ich an einem Thema arbeite, so treffe ich überall verwandte Dinge, Querverbindungen, Unterthemen und so fort. Das Thema wird immer grösser und reicher.

Immer noch freut es mich von Dir zu hören, dass Du Ungerer entdeckt hast. Das kleine Büchlein seiner Jugend ist ziemlich eindrücklich. Er hat mit seiner Familie im Elsass den wirklichen Krieg erlebt. Daraus merke ich, dass er eine andere Generation ist, als ich es bin. Wer so was erlebt hat, der ist für das ganze Leben geprägt. Krieg ist eine Situation, die die Menschen von Grund auf verändert. Und der kleine Tomi Ungerer war ein Bube, der viel gezeichnet hat. Darin fühle ich mich ihm verwandt. Ich erinnere mich daran, wie ich im Kindergarten eine Zeichnung über einen Deichbruch in Holland gemacht hatte, worüber ich in den Mittagsnachrichten gehört hatte. Die Kindergärtnerin war ganz begeistert und hatte mein Werk mit einem Titel beschrieben, damit man später erkennen würde, was damit gemeint sei. Ich sehe die Zeichnung noch heute ungefähr vor mir, obwohl ich sie vor etwa 20 oder 25 Jahren beim Aufräumen verbrannt hatte. Ein Helikopter schwebte über einem Hausdach, das aus dem Wasser ragte. Dort sassen auf dem Giebel eng zusammengedrängt einige arme Menschen. Vom Helikopter wurden Wolldecken und - komischerweise - Münzen abgeworfen.

Ungerer hatte eine tüchtige Mutter. Sie hat die Familie in schweren Zeiten ohne Mann durchgebracht. Und sie hat in schwierigen Situationen sehr geschickt und mit offenbar weiblichen Charme gemeistert. Das erinnert mich an S und an meine Schwiegermutter. Der Iran ist heute noch ein Kontext, wo man so etwas lernen kann. Bei uns in der Schweiz, wo alles reglementiert ist, läuft das Leben völlig anders.

Soweit mein Wochenendmail.
Mit Gs und Ks
...

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Ämne: RE: weekendmail...
Datum: den 21 februari 23:18

Lieber ...,
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Ich habe mich sehr gefreut über dein schönes week-endmail. Ja, die liebe Zeit. Es ist wirklich eine Kunst, mit ihr richtig umzugehen. Irgendwie nähere ich mich der Auffassung, dass die faulen und nicht die fleissigen Stunden die wichtigsten sind. Oft habe ich das Gefühl, dass wir nur dauernd arbeiten, in der Hoffnung einmal später Zeit zu finden für andere Dinge. Aber es ist nicht sicher, dass wir diese Zeit je finden. Andereseits geniesse ich die freien Stunden viel mehr, wenn ich zuerst eine lästige Arbeit hinter mich gebracht habe. Dann erst werden sie richtig wertvoll. Aber auch das ist wohl angelernt. Man glaubt, man muss die Freizeit verdient haben. Wenn nicht jagt einen das schlechte Gewissen. Ich glaube, das ist das Problem in unserer westlichen Welt. Wir haben ein bisschen vergessen zu leben.

Du schreibst schön über die Zeit. Ach, ..., wenn du wüsstest was du damit anstellst..

Ich habe entdeckt, dass ich wieder die webcam von L sehen kann. Zwar ist die Ansicht jetzt nicht mehr so schön wie früher. Man sieht alles mehr aus der Ferne. Aber für die Leute ist es wohl angenehm nicht von allen gesehen und erkannt werden zu können. War das Deutsch?

Sag, kann man vielleicht sogar dein Fenster sehen auf dieser Webcam? Oder wie liegt dein Büro im Verhältnis zu dem Bild? Ich freue mich mit dir auf die freien Tage. 14 Tage sogar.. das klingt wie der reine Luxus.

So sende ich dir diesen kleinen Abendgruss ab.
Mit lieben Gs und Ks,
Deine Malou