Mittwoch, 10. April 2024

Schlußstück

 

 


Der Tod ist gross.
Wir sind die Seinen
Lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.
 
 
(Rilke
 
 
 
 

.

Montag, 8. April 2024

Erich Kästner nochmals...


Subject: Kästner nochmals und viele Zitate


Liebe Marlena

Beim Umzug meiner Bücher habe ich ein paar Sachen gefunden, die ich kürzlich gesucht hatte. Beispielsweise das kleine Bändchen Erich Kästner "Briefe an die Doppelschätze".

In einem Hinweis steht zum Schluss: "Am 15. Dezember 1957 wurde Friedel Sieberts und Erich Kästners Sohn Thomas in München geboren. Im Januar 1962 muss Erich Kästner das Lungensanatorium in Agra aufsuchen. In den Jahren 1962 und 1963 entstand das Kinderbuch "Der kleine Mann", das die "Gute-Nacht-Geschichten" enthält, welche Erich Kästner seinem Sohn Thomas erzählt hatte. 1962-63 lebte Friedel Siebert mit Thomas in Küsnacht bei Zürich. Im Jahre 1963 erschien das Buch "Der kleine Mann". Im September 1963 kann Erich Kästner nach München zurückkehren, und im Januar 1964 zieht es auch Friedel Siebert mit ihrem Sohn dorthin. Vom Januar bis August 1964 kommt Erich Kästner zum zweitenmal nach Agra. Im Herbst 1964 zieht Friedel Siebert mit Thomas nach Berlin. Anfangts 1966 muss Erich Känstner noch einmal zur Kontrolle nach Agra. Ende April 1966 kehrt er nach München zurück."

Und als Einführung gibt es im Büchlein einen kleinen Kommentar von Horst Lemke. Ich glaube, das war der Illustrator seiner Bücher, nachdem der berühmte Walter Trier in der Hitler-Ära nach Kanada emigriert war, wo er genauso viel Erfolg hatte wie in Europa. Von dort illustrierte er noch einige Bücher für Kästner, das letzte war das Bilderbuch "Die Konferenz der Tiere". Dann starb er unerwartet. Lemke schreibt etwa über Kästner:

"Er liebte seine gewohnte Umgebung, sein Haus, seinen Platz am Fenster mit dem Blick in seinen Garten, die Schreibmaschine vor sich auf dem Fensterbrett, sein Café (ich glaube, es war das Café "Leopold"), in dem er jeden Tag zur gleichen Zeit erschien, um seine Korrespondenz zu diktieren, seine Taxifahrer, seine Nacht-Clubs."

"Kästner war ein stiller, ja ein schweigsamer Mensch, und es war nicht einfach, ihm näherzukommen oder gar seine Freundschaft zu gewinnen. Und je gefeierter er wurde und je mehr ihn Journalisten und durchreisende Bewunderer belästigten, desto zurückgezogener wurde er."

"Kästner fuhr nicht Auto, hat auch nie eines besessen, und als ich mir Sorgen machte, wie er zu unseren Treffpunkten kam, meinte er, ich solle mir mal keine Sorgen machen, bisher sei er immer noch dahin gekommen, wo er hinwollte. Und da er ein Gentleman war, immer sehr gepflegt angezogen und immer einen Homburg trug, und sehr grosszügig war, werden sich die Taxifahrer und Kellner von Lugano noch deutlich an ihn erinnern."

"Sein Café in Lugano, in dem er eigentlich jeden Tag erschien, las und schrieb, war merkwürdigerweise der Kursaal.

Merkwürdig, weil es ein besonders altmodisches Café war, im Stil der alten Grand-Hotels, mit einer grossen Terrasse und innen so gross wie eine besonders geräumige Bahnhofhalle. E.K. sass immer drinnen. Aber es hatte etwas von der alten Pracht der Côte d'Azur, wahrscheinlich liebte er das daran.

Den Kellnern war er in kürzester Frist vertraut, nicht nur wegen seiner Persönlichkeit, sondern auch wegen seiner fürstlichen Trinkgelder.

Ohne zu bestellen, wurde ihm ein Whisky im Teeglas serviert. Der Whisky war ihm wohl vom Doktor untersagt, aber er dachte gar nicht daran, von der liebgewordenen Gewohnheit abzugehen, genauso wenig wie er zu bewegen gewesen wäre, auf eine seiner starken Camel-Zigaretten zu verzichten".

"Wenige Jahre vorher hatte ihm seine Freundin einen Sohn geboren. Für ihn schrieb er dieses Buch, für ihn erfand er Mäxchen Pichelsteiner. Dass Mäxchen klein war, so klein sogar, dass er in einer Streichholzschachtel schlafen konnte, war auch kein Zufall: Kästner war auch klein, und er hat bei vielen Gelegenheiten betont, dass die meisten grossen Männer, Alexander der Grosse, Cäsar, Friedrich der Grosse, Napoleon, nur als Beispiele, klein von Statur waren."




"Unsere Treffen beendeten wir meistens in dem Café Ristorante San Gottardo, hundert Meter vor dem Sanatorium, das häuptsächlich von Patienten und Besuchern bevorzugt wurde. Dort war am Abend munteres Treiben, und es war schön mitanzusehen, wie beliebt Kästner bei allen Patienten war, trotz seiner stillen, zurückhaltenden Art. Und da waren sicher auch Leute darunter, die sonst nicht seine Kragenweite gewesen wären, aber er war zu allen freundlich. Und wenn er sich zu einem Gespräch nicht äussern wollte, pflegte er nur ein gedehntes "na - ja" zu sagen, und für ihn war der Fall erledigt, und er nahm noch einen kleinen Schluck aus der Whisky-Teetasse".

Soweit also Lemke, in seinem einführenden Kommentar. Und das ein Briefbeispiel Kästners vom 12. 4. 62 aus Agra:

"Meine Doppelschätze, mein Wiesengrund, verehrter Herr Napfkuchen (damit meint er spielerisch seien Sohn Thomas), liebe Frau Venusbruuust,

ich sitze beim Toni und denk an Euch. Und schreib ein paar Zeilen. Den Brief, mit einem Schein beschwert, werf ich dann am Nachmitag in den Briefkasten beim Vanini (Piazza di Riforma). Anschliessend spazier ich zu den Zitronenbäumchen im Kurpark. Dann setz ich mich in den Kursaal und mach Notizen, da stört mich die Kapelle überhaupt nicht. Na ja, und gegen 19h greif ich mir ein Taxi und rutsch wieder nach oben. Venedey ist noch krank. Stattdessen macht der Chefarzt, der "steile Erich", Visite, mit seinem vor lauter Hemmungen strengen Gesicht.

Heute war Badetag, und ich bin aufs zweckloseste sauber wie ein frisch ins Bett gebreitetes Frottiertuch.

Wenn ich mir die Notizen anschaue, die ich in den letzten Tagen gemacht habe, stell ich fest, dass man das nie im Leben drucken kann! Nun, ich mach sie trotzdem. In Stenografie. Zur Pflege des Gedächtnisses.

So. Jetzt hops ich auf den Balkon und spiele Liegekurfürst.

Viele Küsse

Euer Erich

Und Papa



Samstag, 6. April 2024

Hans Blix - eine gewissenhafte Figur


Liebe Marlena
Merci für den Artikel über Hans Blix. Lange hatte ich nicht gewusst, dass er Schwede sei. Und im Fernsehen, wenn immer ich diesen Mann mit seinem Hut und seiner durch und durch soliden, bürgerlichen Erscheinung gesehen habe, fand ich ihn lustig. Das hing auch an seinem Namen. Es klingt alles so gewöhnlich, sieht so gewöhnlich aus, und dabei geht es hier um nichts weniger als um Krieg und Frieden. Diesen Zusammenhang habe ich immer ziemlich krass gefunden. Doch wahrscheinlich müssen wir von Glück reden, dass wir eine solch unscheinbare, aber gewissenhafte Figur haben, die in diesen sensiblen Bereich zwischen den Kanonen arbeitet. Es gibt ja zwei Typen von Menschen: es gibt die Blender, die grossartig erscheinen und die Welt mit eloquenten Worten für sich einnehmen. Und es gibt die bescheidenen Typen, die sich zurückhalten, die dann aber im Hintergrund Grosses leisten. Ich glaube, Blix ist von der zweiten Sorte. Und wir hoffen alle, dass er seine Arbeit für uns alle gut macht und sich von den Iraqis nicht an der Nase herumführen lässt.

Ich kenne diese Menschen aus dem Mittleren Osten ein bisschen. Sie haben in ihrem taktischen Verhandlungsgeschick einfach ein breiteres Register, als wir Westler es tun. Das hängt meiner Meinung nicht zuletzt damit zusammen, dass sie über eine andere, integralere Logik verfügen. Wir Menschen aus dem Westen sind ja doch sehr beeinflusst und geprägt von der naturwissenschaftlichen Logik, von klaren und distinkten Ideen und der Unterscheidung wahr und falsch. Das alles haben die Orientalen viel weniger. Während wir sozusagen in grossen, autobahnähnlichen mainstreamartigen Bahnen denken, denken sie in kleinen Pfaden und Abkürzungen und Umwegen quer durch das Gelände und Gebüsch. So erreichen sie ihren Punkt schneller als wir den unseren. Wir haben immer wieder den Eindruck, sie würden uns hintergehen.

Denk an die Gefühle, die uns in einem orientalischen Bazar aufkommen.  Wir ...


(jan. 2003)

Nochmals Mr. Blix

 

Liebe Marlena 
---
Gestern habe ich nochmals Mr. Blix im Fernsehen

gesehen. Er scheint ein mutiger Mann und es gefällt
mir, wenn er den Amis ein bisschen auf die Zehen tritt.
Er wird im Juni in Pension gehen, hat er offenbar
irgendwo geäussert, und hat die Absicht, sich in sein
Ferienhäuschen zurückzuziehen. Der Glückliche! Er
hatte wirklich eine Herkules-Mission zum Schluss
seiner Karriere. Und er hat als David zwischen den
übermächtigen und arroganten Goliaths sein Bestes
daraus gemacht. Jetzt geht er bald in sein Refugium.











Ich stelle mir sein Ferienhäuschen vor an einem
menschenscheuen schwedischen See mit tintiger
Wasserfläche, umgeben von schwarzen Wäldern
voller neugieriger Grizzlis. Und über dem Eingang
des einfachen Blockhauses,...  die Jagdtrophäe,
das stattliche Riesengeweih eines Elchs, das in der
Hütte die bösen Geister fernhält. Mr Blix wird nicht
daran glauben, aber er weiss, ein solches Geweih
wirkt auch bei Ungläubigen. Er wird die Zeit der
bösen Geister definitiv hinter sich haben.
*

Ich bin unterbrochen worden. Und mittlerweile ist
es schon bald 11.00h. Ich will also, wie versprochen,
diesen Text in die Mühle geben, ...
Mit einem lieben Gruss zum schönen Tag.



Re:  Nochmals ...

Lieber ...,
---
Schade, dass du unterbrochen wurdest. Müsstest eigentlich ein Schild an die Tür hängen:

Marlena-time, bitte nicht stören!

 












Ich glaube nicht, dass sich Blix ein Elchgeweih aufhängen wird. Für uns sind Elche etwas ziemlich alltägliches und wir verstehen nicht die Deutschen, die ganz verrückt sind nach diesen Tieren. Sogar unsere Verkehrsschilder mit Elchen drauf stehlen sie.
Aber sicher hat Blix ein schönes Sommerhäuschen irgendwo an einem See oder an der Küste. "Il faut cultiver notre jardin!" Wie recht er hatte, Voltaire. Das ist eine Beschäftigung, die einem im hohen Alter noch Freude machen kann.

Mittwoch, 3. April 2024

Blick duchs Fenster

 


3. April 2024

und 


8. April 2022



Schneeee..!






Montag, 1. April 2024

Fortsetzung:


den 1 april 13:13

Liebe Marlena
Se non é vero, e ben trovato!

Bevor dein Schock total wird, möchte ich dich vorsichtig darauf hinweisen, dass das dieses erste Mail von heute ein Aprilscherz (APRIL-SCHERZ) ist. Habe ich heute morgen gerade noch rechtzeitig bemerkt, dass 1. April ist. Und so habe ich mir gedacht, ich könnte dich etwas aufheitern. Hast du was bemerkt? Hast du geglaubt? Stell dir vor 135cm, das wäre ja grässlich. Ich würde bei der Eisenbahn glatt mit einer Kinderfahrkarte durchgehen! Und ich würde im Alkohol enden, wie Toulous.Lautrec. Und der bei Grass hiess Oskar Mazareth (weiss nicht, wie sich das schreibt?), jetzt fällt es mir gerade wieder ein. Der war ja auch nicht gerade der glücklichste. Also, liebe Marlena, ich dreh mich jetzt von 75 wieder auf 100%, wenn du erlaubst.

Wie weit bist du mit der Arbeit? Trinken wir einen kurzen Kaffee zusammen und dann erzähle? Mélange, wenn du willst, wie in Wien.



Ich hoffe du magst mich trotzdem.


 Liebe Marlena,

Nein, eigentlich wollte ich so genau von dir wissen, wie gross du bist, nun ja, wie soll ich dir das sagen, weil ich selbst eher klein bin. Ich habe vielleicht mal eine Grösse gesagt, aber ich muss dich enttäuschen, ich kann wohl nicht auf deine 175 oder so hinaufreichen. Meine kleine Statur hat es eben gemacht, dass ich gelernt habe, mich schriftlich auszudrücken. Mündlich komme ich bei den Leuten schlecht an. Sie nehmen mich nicht ernst. Verstehst du, Marlena, mit 135 spricht man aus der Froschperspektive. Da muss jedes Argument doppelt genäht sein, da sollte jeder Satz sitzen. Also, höchstens beim Sitzen könnte ich Dir meinen Arm um die Schulter legen. Denn was mir an Länge fehlt, fehlt vor allem an den Beinen. Das ist ein bisschen wie bei Toulouse-Lautrec, oder bei diesem kleinen Kerl da in Grass' Blechtrommel, wie hiess er schon. Allerdings trage ich keine Trommel herum, da kann ich dich beruhigen, meine liebe Malou, und ich zersinge auch nur in Ausnahmefällen Gläser.. Du musst dir auch vorstellen, welches Bild wir auf der Champs Elysees abgeben würden!! Du in deiner ganzen wunderschönen Statur und ich daneben wie ein Mickey Mouse, in kleinen rasanten Schrittchen. Die Passanten würden sich doch nach uns umdrehen. Manchmal wollen sie sogar Autogramme von mir. Da gehen wir doch lieber gleich in eines diesernNobelrestaurants und ich lass mir einen Hochstuhl kommen. Meist haben sie ja diese Stühle für die Kinder. Die sind zwar etwas eng, aber meist komme ich ganz gut hin. Und wenn meine Beine erst einmal unter dem Tisch sind, dann sieht man mir das kaum mehr an. Dann müsstest du dich nicht mehr genieren.

Das meine liebe Marlena, wollte ich dir heute, speziell heute, noch kurz sagen. Ich hoffe, du magst mich trotzdem als Mausfreund??
Mit einem schönen 
Gruss

...