Donnerstag, 5. August 2021

Nichts Persönliches - oder doch?


Lieber ...!

Ein bisschen Literatur für den Abend. Es ist ein Text den ich manchmal in der Schule verwende. Vielleicht gefällt er dir auch.

Marlena

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Das schweigsame Fräulein

Sie war sehr jung, sehr unerfahren und sehr wissbegierig. Er war genau so wissbegierig, nicht eben unerfahren und fast zwanzig Jahre älter. Trotzdem hätte er von ihr manches lernen können; denn sie war, wenn auch ein Mädchen, eine Frau, und er, wenn auch ein Mann, ein Kind. Aber sie kamen nicht auf diesen naheliegenden Gedanken. Oder scheuten sie sich darauf zu kommen?

In den Tagen, da sie ihn heimlich besuchte, damit er ihr schönes Gesicht wieder und wieder zeichne, um den Zauber ihrer Züge aufzuspüren, sagte er gelegentlich: "Sie dürfen getrost sprechen, während ich arbeite. Ich will sie ja nicht photographieren. Reden Sie getrost, mein Kind."

"Ich bin kein Kind", antwortete sie dann ruhig. Und so redete er statt ihrer, indes sein Blick gespannt zwischen dem Gesicht und dem Block hin- und herwanderte. Sie schwieg, schaute ihn unverwandt an und sagte nur manchmal: "Aha." Oder: "Ja, ja." Oder: "So, so."

*

"Lesen Sie zuweilen Liebesromane?" fragte er eines Tages. Und als sie, wie gewöhnlich, schwieg, fuhr er fort: "Lassen Sie's sein. Man kann nichts daraus lernen, mein Kind."

"Ich bin kein Kind", sagte sie ruhig.

"Nirgendwo", sagte er, "wird so viel niederträchtig geheuchelt, nirgends werden Wirklichkeit und Wahrheit so kaltblütig unterschlagen wie in den Liebesromanen. Wenn ein Schriftsteller beschreiben will, wie jemand jemanden umbringt, oder in kleine Stücke schneidet, oder sich selbst aufhängt, oder eine Stadt anzündet, oder ein Tier quält, sind seiner Genauigkeit keine Grenzen gesteckt. Niemand käme auf die Idee, ihm seine Gründlichkeit zu verübeln. Keine Behörde würde versuchen, sie ihm zu verbieten. Manche Romane sind wahre Handbücher für angehende Räuber und Mörder. Unterfängt sich aber ein Dichter, Dinge der Liebe zu schildern, die ja doch das grösste, wenn nicht das einzige Glück für uns Menschen bedeutet, ist er so gut wie verloren. Er täte besser, sich umzubringen, bevor es die anderen tun. Das Scheusslichste darf er entschleiern. Das Schönste mit Worten auch nur anzudeuten, ist ihm verwehrt. Es dennoch zu versuchen, wäre Todsünde. Die Grundlagen des Staates, der Kirche und der Gesellschaft würden sonst wanken. Und die Gebäude, die darauf errichtet worden sind, müssten einstürzen wie Kartenhäuser. Die Hüter der Konventionen zittern Tag und Nacht vor der elementaren Gewalt des Glücks und der Liebe."

Sie sah ihn unverwandt an und murmelte: "Aha."

*

"Im Grunde", sagte er ein andermal, "ist es zwei Menschen, die sich lieben oder sich doch zu lieben glauben, völlig unmöglich, einander wahrhaft nahezukommen. Vermutlich werden Sie diese Behauptung bezweifeln, mein Kind."

"Ich bin kein Kind", erwiderte sie sanft.

"Ein französischer Dichter unserer Tage", fuhr er fort, "hat die Unmöglichkeit, einander vollkommen zu begegnen, in einer recht düsteren Allegorie zu anschaulichen versucht. Jeder der beiden Liebenden, meint er, sei wie in einem groben Leinensack eingenäht, so dass er nichts sehen und sich kaum bewegen könne. In dieser betrüblichen Verfassung stünden sie sich nun gegenüber, spürten die beglückende Nähe des anderen, fühlten die Welle der ans schmerzliche grenzenden Zuneigung, sähen Dunkelheit, Leinwand rühre täppisch an Leinwand, unbeholfen und unzulänglich, und keiner der beiden wisse eigentlich, wer denn nun und wie in Wahrheit der andere sei.

- Der Vergleich klingt nicht sehr poetisch und nicht gerade tröstlich, aber ich befürchte, dass er zutrifft. Es heisst in der Bibel, dass schon Adam und Eva den Apfel vom Baume gepflückt und verzehrt hätten. Ich halte das für eine Falschmeldung. Man hat nur vergessen, sie zu dementieren. Er hängt noch immer hoch oben im Baum, der geheimnisvolle Apfel, und ist den Menschen ewig unerreichbar."

Sie schaute ihn unverwandt an und sagte leise: "So, so."

*

"Man verfällt nur allzu leicht - was man doch längst weiss, vergessend - der Meinung", sagte er eines schönen Nachmittags, "die hierzulande offizielle Ächtung der Liebe sei alt wie die Welt. Wie aber verhält es sich denn wirklich? Wurde die Liebe immer und wird sie etwa überall versteckt, als sei sie eine Sünde und Schande? Als gehöre sie ins Gefängnis, und man täte recht, von ihr zu schweigen wie von einer Verwandten, die silberne Löffel zu stehlen pflegt? Es war nicht immer so, das weiss jedes Kind."


"Ich bin kein Kind", antwortete sie ruhig.


"Es war nicht immer so", wiederholte er. "Denken Sie nur an die alten Griechen, die der leiblichen Schönheit in den Tempeln anbetend huldigten. Es war und ist nicht überall so. Denken Sie nur an die indischen Lehrbücher der Liebe. Und vergessen Sie nicht die natürliche, offenherzige Auffassung des Japaners, die er von Dingen und Vorgängen hat, die man im heutigen Abendlande in geradezu kindischer Manier totschweigt oder unappetitlich bekichert. Wie aber, frage ich, kann man denn aufrichtig vom seelischen, vom himmlischen Anteil der Liebe sprechen, wenn man die irdische Liebe verachtet, ächtet, und sich ihrer schämt? So wird nicht nur ein Teil, so wird das ganze zur Lüge."

Sie blickte ihn unverwandt an und sagte: "Ja, ja."

*

So und ähnlich redete er, während er sie immer und immer wieder zeichnete. Und so und ähnlich schwieg sie dazu. Bis dann jener Nachmittag nahte, da er, den Kopf schief haltend, die letzte Zeichnung prüfte, dem Blatt ein wenig zunickte und sagte:

"Besser kann ich's nicht, mein Kind.

Sie schwieg.

"Es wäre leichtfertig", fuhr er fort, "Sie weiterhin um Ihre Besuche zu bitten. Die Zeichnung ist, an meinem Talent gemessen, nicht übel. Wollen Sie sich das Blatt ansehen, mein Kind?"

Sie stand schweigend auf und trat hinter ihn.

Er räusperte sich. Dann fragte er: "Darf ich's Ihnen schenken - mein Kind?"

"Nein", sagte sie. "Wir hängen es dort drüben übers Sofa."


Er drehte sich erstaunt zu ihr um. Sie lächelte ein wenig, blickte sinnend von einem Fenster zum andern und meinte: "Neue Vorhänge sollten wir besorgen.

Wenn es - dir recht ist."

Er sah sie unverwandt an und murmelte, nach ihrer Hand greifend:

"Oh, ich Kind."

Freitag, 30. Juli 2021

Ein bilateraler Vertrag

 


(R)


Regel für ein Mausleben

...

Und für unsere Maus-Freundschaft habe ich schon 3 §§§ zu offerieren:

§1 ...dass unser Kontakt uns beide von innen erleuchtet, so dass wir für unsere Lieben der Familie und unsere Leute der Umgebung eine geheinmisvolle Serenität ausstrahlen können.

§2 Es darf nie etwas Negatives für unsere Nahstehenden bedeuten.


§3 En cas de guerre 
sonnez deux fois.


Ist doch fantastisch, ein echter bilateraler Vertrag! Wir können mit einem Glas Champagner darauf anstossen!

§3 kommt überigens aus einer Anekdote, die man sich vom provinziellen Bern, der Bundeshauptstadt der Schweiz vor dem ersten oder aber auch dem zweiten Krieg erzählt. Offenbar hatte man im Aussenministerium im kleinen Bern nur eine Hausglocke. Und weil die Zeiten schwierig und die internationalen Spannungen gross waren, so hatte man unter die Drucktaste der Glocke eben diese Anweisung hingeschrieben: En cas de guerre sonnez deux fois. Damit wussten sie im Aussenministerium, dass sie etwas rascher erwachen sollten. So ungefähr die Andekdote. Und so schlage ich als §3 vor: wenn zwischen uns ein Missverständnis, ein Problem, ein Streit entsteht, dann müssen wir uns das gegenseitig signalisieren. Dann müssen wir vielleicht für einen Moment und etwas deutlicher auf die Metaebene. Und zum Schluss dann die Friedenspfeife, wie du vorschlägst, können wir geradezu als §4 nehmen. Bist du damit einverstanden? Verstehtst du, was ich damit meine? Das ist alles Prophylaxe, wie man so schön sagt.

Donnerstag, 22. Juli 2021

Re: Malen oder schreiben

 (R)


Lieber ...,
Ich hatte eigentlich von diesem Tag nichts mehr gutes erhofft, als ich mich an den PC setzte und in meine mailbox schaute. So kam dein Mail als eine grosse freudige Überraschung. Ich brauchte eins.
Manchmal (so heute) zweifle ich nämlich an allen meinen gutenVorsätzen. Die Bekannten von mir, diejenigen, die schon ihre volle Freiheit geniessen und denen ich gesagt habe, dass ich jeden Tag etwas wichtiges tun möchte, sagen mir lachend ins Gesicht, dass ich das vergessen kann. Es wird ganz einfach nichts daraus. Sag, sind wir Menschen wirklich so sehr auf äusseren Zwang angewiesen?
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Ja doch, ich kenne diesen Houellebecq oder wie er sich nun schreibt. Ich habe ihn hier in der Bibliothek introduziert. Wenn ich gewusst hätte, welche Themen er behandelt, hätte ich es wohl nicht getan. Aber ich wusste nur, dass man ihn sehr lobte und mit Sartre verglich und ich war neugierig geworden auf ihn.

Es freut mich, dass du schreiben möchtest.  Ich meine, wenn du so schreibst, wie du mir schreibst, dann kann es nicht besser sein. Natürlich machen sich viele einen Namen, indem sie etwas Schockierendes bringen, das bisher Tabu war. Aber das hast du nicht nötig.

Wenn ich einen Roman schreiben würde, dann würde er von einer älteren Frau handeln, die von ihrem Leben enttäuscht, in eine Cyberwelt flieht. Ein Roman mit demselben Thema, wie es Bichsel in seiner Kurzgeschichte "Ein Tisch ist ein Tisch" verwendet. Du kennst sie sicher. Der alte Mann findet sein Leben so öde und langweilig bis er eines Tages auf den Gedanken kommt alle Wörter mit anderen zu ersetzen. Er glaubt, dass sich sein Leben nun ändern wird und er hat viel Spass dabei. Doch er verlernt darüber seine eigene Sprache und kann sich am Ende mit niemandem mehr verständigen.
Es ist eine wunderbare aber auch sehr traurige kleine Geschichte, die ich die Jahre hindurch im Unterricht verwendet habe. Bichsel hat sie sogar selbst für den schwedischen Schulfunk vorgelesen. Aber das habe ich dir vor langer Zeit schon einmal erzählt.

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In der Zeitung habe ich gerade wieder von einer Person gelesen, die das Buch "Blonde" über alles preist, und ich frage mich warum ich nicht darin weiterkomme. Ich kämpfe wirklich damit. Am liebsten möchte ich es nur liegen lassen, aber dann bin ich wiederum neugierig, was Leute so gut daran finden. Aber da, wo ich mich befinde, ist M. Monroe immer noch ein Kind, obwohl ihr tragisches Leben eigentlich schon begonnen hat. Hast du das Buch gelesen?
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Nun verabschiede ich mich für heute.
Mit lieben Grüssen,
Malou

Montag, 5. Juli 2021

Europa - "als Grundriss eines Hauses"

 

Liebe Mausfreundin
Soeben habe ich das Budget  unterschrieben. Meine Sekretärin ist soweit und hat alles gut gemacht. Ich bin froh dass sie sich immer grosse Mühe gibt. Ich mag diese Detailarbeiten nicht alle so genau kontrollieren.
Aber ich wollte dir kurz etwas Lustiges erzählen. Kürzlich habe ich in der Zeitung die Wetteraufnahme gesehen. Das ist ein Foto vom geostationären europäischen Satelliten über dem Golf von Guinea. Man sieht Europa in seiner ganzen schönen Länge und Breite. Vorne hängt Spanien beinahe über den Bildrand hinaus, ein bisschen vorwitzig, wie die Spanier eben gerne sind. Rechts davon unser schönes Mittelmeer mit dem italienischen Stiefel. Dann kommt der Zentrale Block mit Frankreich, Deutschland, Beneluxstaaten, Oesterreich, Schweiz bis zu den Osteuropäischen Staaten. Warschau ist noch eingezeichnet und die Grenzen der Staaten. Und dann ganz oben sieht man Skandinavien in dieser unendlichen Länge. Es verschwindet schon beinahe am Horizont. Und natürlich die Britischen Inseln sind auch nicht zu übersehen, trotz der Wolken, die davor hängen. Dabei sind stets die Hauptstädte eingezeichnet: Paris, London, Rom, Zürich, Frankfurt (letztere zwei sind eigentlich keine Hauptstädte, sondern Finanzplätze). Und ganz oben kann ich genau noch bis Stockholm sehen, und gegenüber auf der anderen Seite sehe ich Helsinki, noch ein bisschen weiter. Es ist doch gar nicht so weit. Es ist ein Katzensprung von Zürich via Frankfurt nach Stockholm. Müsste doch zu machen sein! Wenn man das ganze als Grundriss eines Hauses anschauen würde, nun ja, dann wären Spanien und Italien die Veranda. Da liegen die Europäer auf dem Balkon und sonnen sich bis sie goldbraun sind. Der zentrale Teil des Hauses ist dann Frankreich, Deutschland, Schweiz und ein bisschen Oesterreich. Das ist der Korridor, sagen wir Frankreich die Stube, Deutschland das Schlafzimmer, die Schweiz der Putzraum (oder der Tresor?). Britische Inseln die Gästezimmer, etwas abgetrennt, damit sie Ruhe haben und sich nicht so leicht gestört sind. Und im Norden Skandinavien, das ist natürlich das Atelier. Ein gutes Atelier braucht Nordlicht, das ist eine klassische Bedingung. Stockholm liegt mitten im Atelier Europas. Dort oben tut sich etwas im europäischen Haus. Und ihr könnt alle auf uns heruntersehen. Wir liegen Euch zu Füssen, wie man so schön sagt. Soweit meine Beobachtung.
Aber was ich dir eigentlich sagen wollte. Von diesem geostationären Satelliten kann ich wirklich bis zu dir hinauf sehen. Und wenn du nun von Stockholm geradewegs nach Süden gehst, Marlena, immer geradeaus, so wie der Typ, der sehen wollte, ob die Welt rund ist, wenn du also mit deiner Karawane nach Süden kommst, dann wirst du in einigen Wochen direkt in Rom landen. Und wenn du schon einmal unterwegs bist, machst du auf der Höhe  der Schweiz einen kleinen Schwenker nach rechts und nimmst mich auch mit, dann werden wir zusammen nach Rom weiter pilgern und uns die renovierte Sixtinische Kapelle anschauen und abends auf der wunderschönen Piazza Navona flanieren und an einem Espresso nippen, und den Latinos zuschauen, von denen ich mich unterscheide wie Fisch von einem Vogel. Und ich werde den Mund halten, weil du ja italienisch sprechen kannst und mit diesen charmanten Italienern verhandeln wirst.  Ich kenne ein schönes Hotel namens Locarno bei der Piazza del Popolo, im Nordwesen der Stadt, mit einem uralten klapperigen Lift und einer schönen Bar. Da ist es ruhig und schön und gemütlich und wir werden eine wunderschöne Zeit haben.
Das wollte ich dir noch rasch sagen, bevor es dunkel wird über Europa. Es ist nicht sooo weit, Marlena, Kopf hoch.
Mit einem lieben Gruss
... i.M.


Oben links ist Grönland, das ist dann aber echt weit, da könnte man schon verzweifeln. Aber Stockholm, von da kommt man immer noch trockenen Fusses nach Zürich, wenn man denn will.

 

Mittwoch, 16. Juni 2021

Reisen ..

 


.. wenn auch nur ein paar Stunden -

wäre wunderbar.








Sonntag, 30. Mai 2021

Chaotismo

Liebe Malou

Ja, der italienische Chaotismo. Die Person, die diese Theorie entwickelt hat, ist ein lustiger Kerl. Er war lange Jahre Auslandkorrespondent für dasSchweizer Radio in Rom. Ich meine, es war in jenen Jahren, als Rom noch richtiges Ausland und weit weg war. Und ich erinnere mich an seine Stimme. Als ich hier in meinem Club für das Programm verantwortlich war, hat dieser Victor Willi plötzlich angerufen. Er hat mir - ziemlich eloquent - erklärt, dass er gerade in der Schweiz weile und dass er, weil er seine Pension aufbessern müsse - weil das Schweizer Fernsehen eben leider etwas mickerig zahle - dass er also in Rotary und Kiwanis Clubs Vorträge mache. Ich sagte ihm, dass wir für die Vorträge nichts bezahlen. Normalerweise sind Referenten stolz, bei uns vortragen zu müssen. Wir offerieren das essen. Er wiederholte seine Argumente und so war ich schliesslich einverstanden. Ich glaube, ich habe ihm 100.- oder 150.- SFR versprochen.

Und dann kam dieser Victor Willi und hat einen erstklassigen Vortrag über Italien gemacht. Nebenbei hat er auch noch Reklame gemacht für sein Buch, das er verkaufte, und für Rhetorikkurse, die er gab. Ich glaube, einige meiner Kollegen haben bei ihm schliesslich einen Rhetorikkurs gemacht. Kurz und gut: er entpuppte sich als eine Perle in meinem Programm, und ein Kiwanis Freund, dessen Frau Norditalienerin ist, kam geradezu in Tränen aufgelöst und hat mir dafür gedankt.

Und in diesem Vortrag hat er eben seine Theorie des Chaotismo erklärt. Sein Ausgangspunkt war eine Autopanne, die er mal irgendwo hatte. Und dann hat er mit viel Worten und viel Emotion geschildert, wie er jemanden kennen lernte, der ihn eingeladen hat, bei sich zu übernachten. Wie er trotz der Panne mit Ach und Krach seine Ziele noch erreicht hat. Und wie daraus eine grosse Freundschaft entstanden sei. Ich glaube, der Kerl hat auch noch dafür gesorgt, dass sein Auto wieder in Funktion komme.

Na ja, ich glaube, in Persien ist das ähnlich. Es gibt so viele Dinge, die nicht funktionieren, die anders laufen, als du erwartet hast, die durch Pannen darnieder liegen, dass immer wieder Improvisation und Kreativität gefragt ist. Und man kann sich gegenseitig helfen, und man kann sogar bisweilen Heldentum entwickeln, ohne Zweifel! Aber bei uns in der Schweiz, wo alles funktioniert, wo jeder mit Versicherungen abgedeckt ist, wo die Autos ohne Panne fahren und fahren, da tritt der Mensch kaum mehr in Erscheinung. Na ja, Malou, um kein Geld in der Welt würdest Du auf unsere Mailerei verzichten. Das ist schön gesagt, schon fast ein wenig heldenhaft. Ich danke für das Kompliment. Ich glaube auch, dass Geld tendenziell eher unglücklich macht. Geld scheint gut, solange man nicht zuviel davon hat. Dann ist es ein perfekter Sehnsuchtspunkt. Aber wenn man es hat: um Gottes Willen. Es braucht Nerven und bereitet Sorgen. Nicht dass ich Dir da aus Erfahrung berichten könnte. Aber man merkt das aus diversen Beobachtungen.


Weißt Du, was ich aus meinen Büro-Fotos festgestellt habe? Mein Chaos ist gar nicht so schlimm. Ich meine, mein Pult sieht doch gar nicht eigentlich unordentlich aus. Vielleicht viel beschäftigt. Vielleicht viel interessiert. Vielleicht vielseitig. Aber doch nicht echt chaotisch. Mindestens liegen die Papiere doch alle in Reih und Glied, so wie man sich die preussische Armee vorstellt. Ich kann das so leichthin sagen, weil gestern Abend offenbar unser Putzengelchen hier war. Sie hat aufgeräumt und nimmt sich in der Regel viel Zeit, meine Papiere schön ordentlich auf eine Linie zu bringen. Sie darf ja nichts wegnehmen oder verschieben. Also bleibt bloss, alles ein wenig zu begradigen. Und siehe: wenn ich am Morgen komme, sieht es aus als ob es hier wirklich gemütlich wäre. Es sieht irgendwie 'ordentlich' aus, gepflegt und mit Sorgfalt umspielt. Es ist erstaunlich, wie viel man erreichen kann bloss durch 'begradigen', d.h. die Beigen von Papier einfach gerade rücken. Dieses Wochenende haben wir Doppelstress, würde A sagen. Einerseits ist Muttertag. Andererseits gibt es eine Buchmesse in Basel, die ich gerne besuche. Und dann steht noch Onkelchen auf dem Programm. Das ist ein wenig viel für bloss ein Wochenende. Aber wir werden ja sehen. Ach ja, die Vorbereitung der Sitzung vom Montag habe ich gar noch nicht erwähnt. Und dienstags ist die grosse Sitzung. Nun: alles mit der Ruhe ! Puh, jetzt muss ich mich beeilen.
Ich wünsche Dir einen feinen Tag
MlGuK 
...

Donnerstag, 27. Mai 2021

Blick durchs Fenster

 



Die Redensart "wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen"

bezeichnet für gewöhnlich

einen einsamen, weit abgelegenen Ort, außerhalb der Stadt. ...

aber nicht bei uns ... :-) 




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