Mittwoch, 22. April 2020

"christianisierte Antike"



Piazza Santa
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Es ist nebelig heute morgen, und die Tauben sitzen etwas depressiv dort oben auf dem Dachfirst. Aber bestimmt riechen sie, was in der Luft liegt. Bis Mittag wird doch sicherlich die Sonne wieder erscheinen und uns schönes Wetter schenken.
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Ich füge hier ein Bild ein. Es ist ein Ausblick von der Kuppel des Petersdoms auf die Piazza Santa (so ist es auf den Autobussen angeschrieben) und die Engelsburg. Dahinter, der grosse helle Komplex, das ist der Justizpalast. Ist ja auch merkwürdig, dass die Italiener einen solch stattlichen Palast haben für ihre Justiz, wenn man weiss, wie sie mit ihr umgehen. Und das ganze liegt in Trastevere, also jenseits des Tiber. Das ist ein stattlicher Ausblick, nicht wahr?
Was mir immer wieder gefällt, sind diese vielen Statuen, die Heiligen, auf den vatikanischen Kolonnaden. Das ist sozusagen christianisierte Antike. Darauf falle ich immer wieder herein. Das gefällt mir immer wieder. Und auch die barocken Kuppeln packen mich. Sobald eine erscheint, zücke ich meine Kamera. Jedes Mal I fall in love. Ich kann es weder erklären noch ändern. Na ja, will ich eigentlich auch nicht.

Ich muss jetzt mal herausfinden, wie ich die Bilder in den Fotofolder transportieren kann. Dh. ich weiss das schon, aber ich möchte sie in einem speziellen Arrangement.

Mit lGuK


Dienstag, 21. April 2020

Nochmals Mr. Blix


Liebe Marlena 
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Gestern habe ich nochmals Mr. Blix im Fernsehen

gesehen. Er scheint ein mutiger Mann und es gefällt
mir, wenn er den Amis ein bisschen auf die Zehen tritt.
Er wird im Juni in Pension gehen, hat er offenbar
irgendwo geäussert, und hat die Absicht, sich in sein
Ferienhäuschen zurückzuziehen. Der Glückliche! Er
hatte wirklich eine Herkules-Mission zum Schluss
seiner Karriere. Und er hat als David zwischen den
übermächtigen und arroganten Goliaths sein Bestes
daraus gemacht. Jetzt geht er bald in sein Refugium.











Ich stelle mir sein Ferienhäuschen vor an einem
menschenscheuen schwedischen See mit tintiger
Wasserfläche, umgeben von schwarzen Wäldern
voller neugieriger Grizzlis. Und über dem Eingang
des einfachen Blockhauses,...  die Jagdtrophäe,
das stattliche Riesengeweih eines Elchs, das in der
Hütte die bösen Geister fernhält. Mr Blix wird nicht
daran glauben, aber er weiss, ein solches Geweih
wirkt auch bei Ungläubigen. Er wird die Zeit der
bösen Geister definitiv hinter sich haben.
*



Ich bin unterbrochen worden. Und mittlerweile ist
es schon bald 11.00h. Ich will also, wie versprochen,
diesen Text in die Mühle geben, ...
Mit einem lieben Gruss zum schönen Tag.



Re:  Nochmals ...

Lieber ...,
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Schade, dass du unterbrochen wurdest. Müsstest eigentlich ein Schild an die Tür hängen: Marlena-time, bitte nicht stören!

 











Ich glaube nicht, dass sich Blix ein Elchgeweih aufhängen wird. Für uns sind Elche etwas ziemlich alltägliches und wir verstehen nicht die Deutschen, die ganz verrückt sind nach diesen Tieren. Sogar unsere Verkehrsschilder mit Elchen drauf stehlen sie.
Aber sicher hat Blix ein schönes Sommerhäuschen irgendwo an einem See oder an der Küste. "Il faut cultiver notre jardin!" Wie recht er hatte, Voltaire. Das ist eine Beschäftigung, die einem im hohen Alter noch Freude machen kann.

Montag, 20. April 2020

Verhandlungsgeschick - Diplomatie

Forts. Hans Blix
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Denk an die Gefühle, die uns in einem orientalischen Bazar aufkommen. Wir gehen herum, halten krampfhaft unsere Börse und nehmen die Fröhlichkeit und Nettigkeit des Verkäufers als reinen perfiden Hinterhalt. Aber er meint sein Lächeln nicht als Trick, er will durchaus freundlich sein, er will dich gewinnen und seine Regeln des Handelns erlauben ihm dies alles. Dass man die Artikel in seinem Laden mit einem Preisschild bezeichnen könnte, fände er einigermassen dumm. Das würde ihm die ganze Freude des Verkaufes nehmen, und er hätte keine Möglichkeit, bei einer ärmeren Frau sein Mitleid fliessen zu lassen, bei einem Reichen den Betrag wieder hereinzuholen, also eine Art von kleiner Gerechtigkeit spielen zu lassen. Auch solche Händler haben, wie ich immer wieder festgestellt habe, ein grosses Ehrgefühl. Das Ziel des Verkaufes ist vielleicht, beide, Händler und Käufer glücklich zu machen. Und wenn das manchmal auf der zweiten Seite nicht zu lange andauert, liegt es meist an der Dummheit des Käufers. Im orientalischen Markt gehen Käufer und Verkäufer davon aus, dass beide wissen, was sie wollen. Der Käufer hat die Ware geprüft - dazu dient nicht zuletzt die Zeit, die er beim Feilschen einsetzt - weiss, wieviel Interesse er dafür hat, ob und wie dringend er das Ding braucht. Zur gleichen Zeit prüft der Verkäufer den Käufer, versucht herauszufinden, wie gross sein Interesse ist und wie viel Ressourcen er zur Verfügung hat. Im Spiel des Feilschens werden diese zwei Positionen zwischen zwei Menschen, das heisst eben Personen mit all ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten von den schauspielerischen bis zu jenen Zufälligkeiten des Momentes ausgespielt, um einen Konsens in der Mitte zu suchen. Doch die Mitte ist eben nicht allein von anonymen Marktgesetzen vorbestimmt, sondern ist ein Resultat des Horizontkreises, den die beiden Akteure des Marktes ziehen. Darin ist viel Menschliches und einer guten Feilscherei zuzuschauen, das ist soviel wie ein kleines Kunststück geniessen. Meine Schwiegermutter ist darin eine Künstlerin. Und sie versteht es, ihre Feilschereien immer sehr lustig zu machen. Vielleicht ist das eine Strategie, das Herz des Gegenübers aufzuweichen? Auf jeden Fall ist Lachen, wie wir alle wissen, gesund. Es handelt sich also nicht bloss um Kauf und Verkauf, sondern ebenso um eine kleine Therapie, um eine soziale Unterhaltung, um einen Wettbewerb, ein Spiel, um eine moralische Auseinandersetzung, kurz und gut: um die Begegnung zweier Menschen. Doch davon haben wir Westler kaum mehr Ahnung. Der orientalische Markt erfordert Intelligenz, der westliche vielleicht bloss Geld.

Doch wir waren bei Blix. Auf diesem Eis also bewegt sich der gute schwedische Diplomat. Doch als Diplomat wird er sich in solchen Dingen auskennen. Die grösste Schwierigkeit dabei ist ja doch wohl das dauernde, primitive Säbelrasseln der Amerikaner, das wir alle kaum mehr zu ertragen vermögen.
*
Heute ist einigermassen mildes Wetter mit einem hellen, leicht bewölkten Himmel. Ich habe viel zu tun heute Samstag. Und nachmittags möchte ich noch rasch nach Basel. Ich glaube, es gibt Ausverkauf und ich will mal sehen, ob ich mit meinen Möglichkeiten des Feilschens etwas erreiche.

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.
Mit lieben Grüssen
...

Sonntag, 19. April 2020

Hans Blix - eine gewissenhafte Figur


  Datum: den 18 januari 2003

Liebe Marlena
Merci für den Artikel über Hans Blix. Lange hatte ich nicht gewusst, dass er Schwede sei. Und im Fernsehen, wenn immer ich diesen Mann mit seinem Hut und seiner durch und durch soliden, bürgerlichen Erscheinung gesehen habe, fand ich ihn lustig. Das hing auch an seinem Namen. Es klingt alles so gewöhnlich, sieht so gewöhnlich aus, und dabei geht es hier um nichts weniger als um Krieg und Frieden. Diesen Zusammenhang habe ich immer ziemlich krass gefunden. Doch wahrscheinlich müssen wir von Glück reden, dass wir eine solch unscheinbare, aber gewissenhafte Figur haben, die in diesen sensiblen Bereich zwischen den Kanonen arbeitet. Es gibt ja zwei Typen von Menschen: es gibt die Blender, die grossartig erscheinen und die Welt mit eloquenten Worten für sich einnehmen. Und es gibt die bescheidenen Typen, die sich zurückhalten, die dann aber im Hintergrund Grosses leisten. Ich glaube, Blix ist von der zweiten Sorte. Und wir hoffen alle, dass er seine Arbeit für uns alle gut macht und sich von den Iraqis nicht an der Nase herumführen lässt.

Ich kenne diese Menschen aus dem Mittleren Osten ein bisschen. Sie haben in ihrem taktischen Verhandlungsgeschick einfach ein breiteres Register, als wir Westler es tun. Das hängt meiner Meinung nicht zuletzt damit zusammen, dass sie über eine andere, integralere Logik verfügen. Wir Menschen aus dem Westen sind ja doch sehr beeinflusst und geprägt von der naturwissenschaftlichen Logik, von klaren und distinkten Ideen und der Unterscheidung wahr und falsch. Das alles haben die Orientalen viel weniger. Während wir sozusagen in grossen, autobahnähnlichen mainstreamartigen Bahnen denken, denken sie in kleinen Pfaden und Abkürzungen und Umwegen quer durch das Gelände und Gebüsch. So erreichen sie ihren Punkt schneller als wir den unseren. Wir haben immer wieder den Eindruck, sie würden uns hintergehen.

Denk an die Gefühle, die uns in einem orientalischen Bazar aufkommen.  Wir ...


Donnerstag, 16. April 2020

Mittwoch, 15. April 2020

Armer Papst

Nov. 2004

 "Dein Bild vom Petersplatz war wunderschön. Aber, der arme alte Papst. Wer hätte gedacht, dass dieser Mann so enden würde. Das Leben ist grausam."


Re:

Liebe Malou
Vielleicht ist das schlimmste an der Ansicht des Papas der Bildschirm.



Vielleicht hat der alte Mann immer noch undendliche Glücksgefühle, wenn er vor dem Petersdom vor aller Welt eine Messe feiern kann und wenn ihm links und rechts jede Handreichung geboten wird. Vielleicht fühlt sich das an, wie in dem Moment, da ein Greis seine alte Geliebte küsst.
Ach, ich weiss es nicht. Es gab in der Schweiz grosse Diskussionen, weil ein Theologe aus Basel gefordert hatte, der Papst sollte doch zurücktreten. Er hatte damit die halbe katholische Kirche schweizweit gegen sich aufgebracht und man warf ihm vor, ein Verräter zu sein. Zu Zeiten der Inquisition wäre er bestimmt geköpft worden.
Mir war lange nicht ganz klar, weshalb sein Vorschlag so schlimm sein sollte. Offenbar könnte ein Papst theoretisch zurücktreten. Aber wenn er das tut, dann ist das Papsttum bloss mehr ein Amt, und nicht sozusagen die Inkarnation der Stellvertretung Petri. Na, so ungefähr würde ich mir das vorstellen als Semi-Katholik.
Damals, als in der Schweiz soviel über diese Frage geredet worden war, gab es auch eine Fernsehdiskussion. Und ich war erstaunt, wie sehr die zwei jungen Leute (sie kamen aus der katholischen Innerschweiz, woher auch die Gardisten zu kommen pflegen) den Papst unterstützten und argumentierten, dass er der ganzen Welt zeige, wie das Alter eine Realität sei und wie man im Leben auch Leiden auf sich nehmen sollte. Sie haben den Papst unterstützt und nicht befürwortet, dass er zurücktrete.
Aber auf dem wunderbaren Petersplatz wirkt das alles halb so schlimm. Es sieht einfach alles grandios aus bei Sonnenschein und bei Menschenmassen aus der ganzen Welt. Es ist wirklich ein friedlicher Moment, hatte ich den Eindruck, natürlich eine Mischung zwischen Kultur und Folklore.



Was mir auch immer wieder ins Auge sticht, sind die grossen Bilder, die man oben an St. Peter aufgehängt hatte. Das ist für Protestanten vielleicht das Allerfremdeste. Dieser gewisse Personenkult bis hin zu Selig- oder Heiligsprechungen, das können die Reformierten nicht verstehen.

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Die Engelsburg






Liebe Malou
Wenn es gelingt, schicke ich Dir noch ein Bild. Vielleicht mal eines der Engelsburg, jenem hässlichsten Bau Roms. Das runde Möbelstück ist zwar rund 2000 Jahre alt. Es hat als Fluchtburg für die Päpste gedient. Es gibt einen geschützten Gang vom Vatikan in diese alte Backsteinburg. Sie ist wirklich nicht hübsch.


Aber die Brücke vorne dran macht doch eine recht feierliche Atmosphäre. Meist ist sie überfüllt mit Schwarzen, die dort ihre kleinen Handarbeiten, Gürtel und Taschen, verkaufen.
MlG
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2020