Freitag, 25. Mai 2018
Re: Wieder..
Liebe Malou
Am meisten hat mir die Legende gefallen: Giapponesi in fila. Ich hätte
mir im Leben nie geträumt, dass man giapponesi so schreiben könnte.
Aber es schaut wunderbar aus.
Na also, eine Beauvoir-Sartre-Kiste!! Wir können doch absolut offen
sein. Die einzige, die die Dinge versteckt, bist doch eigentlich Du.
Bei mir gibt es kaum Geheimnisse. Wo ich nichts sage, ist auch nichts.
So einfach ist das.
Und auch streng, so glaube ich, bin ich kaum. Ich kann sehr nachlässig
sein, ich bin absolut undiszipliniert, wenn es sein muss. Ich lasse
mich gehen, wie es mir gefällt. Aber was ich nicht vertrage ist, wenn
all die anderen rundum undiszipliniert sind. Dann werde ich vielleicht
streng. ;--))
(---)
Da kommt mir noch in den Sinn, dass von der berühmten Beziehung
Beauvour-Sartre vor ein paar Jahren Unterlagen, vielleicht Tagebücher
oder so ähnliches zum Vorschein gekommen sind. Und die haben kein
schönes Bild auf die beiden geworfen. Sie haben sich draussen mit
weiss Gott wem vergnügt und in den Betten herumgetrieben, und zuhause
haben sie gemeinsam über dieselben Leute schlecht geredet. Nein, das
klang nicht besonders gut. Vielleicht war es ja nur Selbstschutz von
den beiden Stars. Trotzdem!
Ob ich ein workoholic sei? Och, das ist eine gute Frage. Da müsste ich
meinen Chef fragen. Oder meine Mitarbeiter. Aber ich glaube, ich muss
Dir die Frage ein andermal beantworten.
Jetzt muss ich ein paar Akten studieren. Nächste Woche gibt es
Aufnahmeprüfungen an der Fachhochschule für Lehramtskandidaten.
Ich wünsche Dir ein gutes Wochenende
Mit lieben Grüssen
...
Donnerstag, 24. Mai 2018
Wieder ...
Giapponesi in fila
Lieber ...,
Wieder ein Tag vorüber.. und wenn ich nachdenke, was ich
damit tun wollte und vergleiche mit dem, was ich getan
habe.. Na ja, das Ergebnis kann ich dir garnicht verraten.
Du bist ein so strenger Mensch geworden. :-)
Jedenfalls kam S hier an kurz nach ein Uhr. Sie brachte
diesmal den Lunch mit. Den üblichen: kleine Minipizzas,
die in ein paar Minuten im Ofen aufgewärmt sind. Ich hatte
schon einen Salat dazu bereit. Und dann hätten wir wohl
fleissig lernen sollen. Aber ich hatte gestern am Telefon
erfahren, dass unsere Buchhandlung nicht das Wörterbuch
hatte, das ich neulich woanders gesehen hatte, aber dann
hier kaufen wollte, um eben diese wunderbare kleine Buch-
handlung zu unterstützen. Der Buchhändler wollte es
bestellen, aber es zeigte sich, dass es auch im Verlag nicht
mehr zu haben war. Und so habe ich S mitgelockt nach
M... um dasjenige zu kaufen, das ich dort gesehen hatte.
(Wenn ich so weiter schreibe könnte doch eigentlich etwas
Proustähnliches dabei herauskommen, oder was meinst
du?) *s* Ach, eigentlich habe ich ja nicht Proust gelesen
aber ich stelle mir vor, dass er in einem so dicken Buch
sehr viel über nichts sagt.
Also habe ich das Buch heimgeführt, wie eine Trophäe, mit
dem Gedanken, dass ich das allerletzte im ganzen Land
ergattert hätte. Ein herrliches Gefühl!
S hatte heute Anweisungen zu Qi Gong mitgebracht und wir
haben es ein wenig ausprobiert. Ich kenne es nicht. Habe
nur mal Chinesen auf der Strasse am frühen Morgen sowas
ausüben gesehen. Dagegen würde ich gern wieder mit Thai
Chi beginnen. Es sind sehr langsame harmonische
Bewegungen, von denen man schnell abhängig wird. Ich
meine es wirkt wie eine beruhigende Droge. Sehr "habit-
forming". Wie sagt man das auf Deutsch?
Jetzt am Abend habe ich einen englischen Film über die
Kraft der Liebe gesehen. An ein paar Beispielen hat man
gezeigt was sie mit einem tun kann. Da war auch der alte
Mann, der sein Leben lang nicht seine erste Liebe vergass.
Ein Mädchen, in das er sich als Kind verliebte. Und als
seine Frau gestorben war, begann er nach ihr zu suchen
und fand sie schliesslich in .. Australien. Und sie meinten
beide, als sie sich wiedersahen, dass sie das Gefühl hatten,
nie auseinander gewesen zu sein. Ja, ein komisches Ding,
die Liebe.
(---)
Ich lache immer noch über deine acht Finger.. Ich würde
mich kaum trauen meine Hände in den Mund zu stecken.
Jemand kann doch was gefährliches reingelegt haben
Einen Scorpion oder so..
Trotz deiner acht Finger, habe ich wohl die Hoffnung
aufgegeben ein Beauvoir-Sartre-verhältnis mit dir zu
haben. Ich meine ein solches, wo man total offen über
alles sprechen kann. Doch vielleicht sind wir auch etwas
zu englísch für sowas.
Sende dir nochmals ein Bild von dem Mund.. Japaner!
Ich mag sie. Ihre Begeisterung lässt auch uns wieder das
schöne, was uns umgibt, entdecken.
Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
MlG,
Malou
Samstag, 19. Mai 2018
Freitag, 18. Mai 2018
Kirchen, Dohlen und Vestatempel
---
Wie meinst Du, hat Cäsar seine Mosaikböden
mitgeschleppt? Die sind doch nicht transportabel!
Und das Bild von der Via del Cappulari ist hübsch. Es ist
erstaunlich, wie die Leute damals malen konnten. Heute
kann das niemand mehr. Aber damals haben sie noch mit
der Fotographie gewetteifert. Und dazu das mechanische
Bild überboten, was die Bildstimmung betrifft.
Ich werde mal sehen, wo ich meine betende Nonne finde.
Ich weiss auch nicht mehr genau, wo ich das Bild aufge-
nommen habe. Es war in irgend einer Seitenkapelle einer
Kirche. Ich habe eine Vermutung. Mehr ist es aber nicht.
Es gibt soviele Kirchen. Kürzlich habe ich einen einfachen
Stadtplan Roms gesehen. Und überall, wo eine Kirche steht,
ist das auf dem Plan mit einem Symbol markiert. Man kann
es sich kaum vorstellen. Es gibt den Eindruck, dass du
überall im Zentrum Roms innert 500 m eine Kirche
erreichen kannst. Es gibt soviele Kirchen wie
Bushaltestellen, hat man den Eindruck. Das ist wirklich
phänomenal. Aber es ist im Sommer auch sehr bequem,
wenn man alle 500m in einen kühlen, grossen und
dunkeln Raum eintreten kann, um sich wieder auf
Normaltemperatur herunter zu kühlen. Da ist der
liebe Gott doch wirklich sehr mildtätig.
Gestern war hier nochmals Fasnacht, und ich bin schon
um halb drei nach Hause. Ich habe mir einen faulen
Nachmittag gemacht. Abends war A. zu Besuch, und S
verwöhnt sie immer mit viel Aufwand auf dem Tisch.
Aber ich habe mich zurückgehalten. Nach 5 Uhr nichts
mehr essen, wie Dein Kollege gesagt hat, das ist ein
gutes Rezept.
Ja, ich glaube, dass die Stare nicht auf dem Weg in den
Norden sind, sondern einer Kältewelle ausweichen. Ich
erinnere mich ans Wallis, wie die Dohlen immer dann
von den Bergen herunterkamen, wenn es kalt wurde.
Das war ein merkwürdige Erscheinung. Man kannte diese
Vögel von den Bergen her, sagen wir auf 2000m Höhe,
auf dem Gornergrat oder so, wenn man in den Bergen
wanderte, konnte man sie beobachten. Und plötzlich
kreisten sie über den Dächern und stürzten sich auf jedes
fressbare Ding im Garten. Meine Mutter hatte dann immer
die Küchenabfälle hinausgebracht. Und innert weniger
Minuten waren die riesigen Vögel da, so dass echte
Tumulte entstanden, und haben alles mitgenommen.
Du willst mich nochmals aufwärmen für eine Rom_
begeisterung? Na ja, da weiss ich jetzt nicht, welche
Temperaturen ich noch erreichen kann. Aber ab und zu
suhle ich noch in meinen Erinnerungen. Und immer noch
wollte ich eigentlich einen kleinen Bericht - Text und Bild -
schreiben. Aber ich habe nicht die Geduld, mich dafür
hinzusetzen. Es ist ja auch so, dass die Früchte eines solchen
Berichtes erst in ein paar Jahren deutlich werden. Das
erschwert die Motivation. Ich hatte mal angefangen, und
es dann wieder liegen gelassen. Im Moment macht es
kaum einen Unterschied. Aber in 10 Jahren wäre es
vielleicht hübsch, das nochmals zu lesen.
Merci für das Bild des Vestatempels. Er sieht so urümlich
und doch irgendwie schön aus. Ich habe mal geslesen, dass
die Dachkonstruktion neu sei. Aber genau dieser nahtlose
Übergang von den Säulen zum Dach, ohne Zwischenbau
sozusagen, das hat mich immer fasziniert. Das macht diese
Urtümlichkeit aus, glaube ich. Es ist nicht so, dass ich den
Tempel so sehr mag, weil ich mir die Vestalinen darin
vorstelle, die jungen unverheirateten Frauen Roms, meist
aus guten Familien stammend. Das waren wohl die ersten,
aber 'heidnischen' Nonnen Roms!? Es gibt bestimmt aus
dem 19. Jahrhundert schöne, realistisch gemalte Bilder
über Vestalinen, und wie sie dort ihr Feuer pflegen.
Damit haben wir uns als Gymnasiasten die Fantasien
gekitzelt.
Ich muss schliessen. Ich habe bald eine Sitzung und muss
ehen, dass ich rechtzeitig dort bin.
ich wünsche Dir einen schönen und sonnigen Tag.
Mit lieben Grüssen
...
Wie meinst Du, hat Cäsar seine Mosaikböden
mitgeschleppt? Die sind doch nicht transportabel!
Und das Bild von der Via del Cappulari ist hübsch. Es ist
erstaunlich, wie die Leute damals malen konnten. Heute
kann das niemand mehr. Aber damals haben sie noch mit
der Fotographie gewetteifert. Und dazu das mechanische
Bild überboten, was die Bildstimmung betrifft.
Ich werde mal sehen, wo ich meine betende Nonne finde.
Ich weiss auch nicht mehr genau, wo ich das Bild aufge-
nommen habe. Es war in irgend einer Seitenkapelle einer
Kirche. Ich habe eine Vermutung. Mehr ist es aber nicht.
Es gibt soviele Kirchen. Kürzlich habe ich einen einfachen
Stadtplan Roms gesehen. Und überall, wo eine Kirche steht,
ist das auf dem Plan mit einem Symbol markiert. Man kann
es sich kaum vorstellen. Es gibt den Eindruck, dass du
überall im Zentrum Roms innert 500 m eine Kirche
erreichen kannst. Es gibt soviele Kirchen wie
Bushaltestellen, hat man den Eindruck. Das ist wirklich
phänomenal. Aber es ist im Sommer auch sehr bequem,
wenn man alle 500m in einen kühlen, grossen und
dunkeln Raum eintreten kann, um sich wieder auf
Normaltemperatur herunter zu kühlen. Da ist der
liebe Gott doch wirklich sehr mildtätig.
Gestern war hier nochmals Fasnacht, und ich bin schon
um halb drei nach Hause. Ich habe mir einen faulen
Nachmittag gemacht. Abends war A. zu Besuch, und S
verwöhnt sie immer mit viel Aufwand auf dem Tisch.
Aber ich habe mich zurückgehalten. Nach 5 Uhr nichts
mehr essen, wie Dein Kollege gesagt hat, das ist ein
gutes Rezept.
Ja, ich glaube, dass die Stare nicht auf dem Weg in den
Norden sind, sondern einer Kältewelle ausweichen. Ich
erinnere mich ans Wallis, wie die Dohlen immer dann
von den Bergen herunterkamen, wenn es kalt wurde.
Das war ein merkwürdige Erscheinung. Man kannte diese
Vögel von den Bergen her, sagen wir auf 2000m Höhe,
auf dem Gornergrat oder so, wenn man in den Bergen
wanderte, konnte man sie beobachten. Und plötzlich
kreisten sie über den Dächern und stürzten sich auf jedes
fressbare Ding im Garten. Meine Mutter hatte dann immer
die Küchenabfälle hinausgebracht. Und innert weniger
Minuten waren die riesigen Vögel da, so dass echte
Tumulte entstanden, und haben alles mitgenommen.
Du willst mich nochmals aufwärmen für eine Rom_
begeisterung? Na ja, da weiss ich jetzt nicht, welche
Temperaturen ich noch erreichen kann. Aber ab und zu
suhle ich noch in meinen Erinnerungen. Und immer noch
wollte ich eigentlich einen kleinen Bericht - Text und Bild -
schreiben. Aber ich habe nicht die Geduld, mich dafür
hinzusetzen. Es ist ja auch so, dass die Früchte eines solchen
Berichtes erst in ein paar Jahren deutlich werden. Das
erschwert die Motivation. Ich hatte mal angefangen, und
es dann wieder liegen gelassen. Im Moment macht es
kaum einen Unterschied. Aber in 10 Jahren wäre es
vielleicht hübsch, das nochmals zu lesen.
Merci für das Bild des Vestatempels. Er sieht so urümlich
und doch irgendwie schön aus. Ich habe mal geslesen, dass
die Dachkonstruktion neu sei. Aber genau dieser nahtlose
Übergang von den Säulen zum Dach, ohne Zwischenbau
sozusagen, das hat mich immer fasziniert. Das macht diese
Urtümlichkeit aus, glaube ich. Es ist nicht so, dass ich den
Tempel so sehr mag, weil ich mir die Vestalinen darin
vorstelle, die jungen unverheirateten Frauen Roms, meist
aus guten Familien stammend. Das waren wohl die ersten,
aber 'heidnischen' Nonnen Roms!? Es gibt bestimmt aus
dem 19. Jahrhundert schöne, realistisch gemalte Bilder
über Vestalinen, und wie sie dort ihr Feuer pflegen.
Damit haben wir uns als Gymnasiasten die Fantasien
gekitzelt.
Ich muss schliessen. Ich habe bald eine Sitzung und muss
ehen, dass ich rechtzeitig dort bin.
ich wünsche Dir einen schönen und sonnigen Tag.
Mit lieben Grüssen
...
Nochmals ..
... um deine Lust für Rom wachzurufen.. :-)
Ein bild mit dem Text:
Albergo dell'Orso, d.h. "Hotel zum Bären", ist wohl das älteste
Hotel von Rom. Oder besser gesagt war. Es ist nämlich seit
mehreren Jahrzehnten verwandelt zu der Luxuskneipe Hostaria
dell'Orso. Hier, behauptet man, habe Dante gewohnt im Jahre
1301 und im 16. Jahrhundert hiess die Besitzerin Donna Vanezza,
ehemalige Geliebte des Papstes Alexander VI Borgia.
- Aquarell von Roesler Franz 1878.
Weisst du, dass Julius Caesar auf seinen Reisen seine eigenen
Mosaikfussböden im Gepäck mitführte?
Das Buch ist voll von solchen lustigen Informationen, zwischen
den Fakten.
Wo bist du? Schon zu Hause auf dem Sofa? Oder in deinem
Lieblingssessel?
Und nun lasse ich dich wieder.. nur weil es so sein muss..
GuK,
Malou
Donnerstag, 17. Mai 2018
*lol*
Lieber ... ,
Ich sehe sie vor mir, deine 8 Finger.. Du bist ganz unwiderstehlich,
wenn du deine Fantasie loslässt. *s*
Wenn du so weitermachst werde ich bestimmt mindestens 120 Jahre alt..
wie die Leute in Georgien, die sich von Schafskäse ernähren. Ein
Lachen soll so ungefähr dasselbe tun.
---
Dienstag, 15. Mai 2018
Argumente für Englisch
Liebe Marlena
Vielen lieben Dank für Dein barockes Mail. Sie sind in der Tat wunderschön geworden, Deine Mails in letzter Zeit. Ich geniesse sie wie ein Festschmaus, jedes von ihnen.
*
Ein bisschen unfair bist Du darin, dass Du Dich nicht zwischen mir und meinem Chef entscheiden willst. Du sagst, klar, alle müssen Frühenglisch haben. Aber auch Französisch. Was jetzt nun, beides?? Das ist wohl nicht gut möglich, mit den Grundschülern schon mit zwei Fremdsprachen anzufangen, schliesslich müssen sie auch noch Hochdeutsch lernen, was sie im Alltag ja auch nicht brauchen. Das wären sozusagen drei fremde Sprachen, wie einige behaupten.
Nein, ich glaube, es geht wirklich um die harte Entscheidung: Französisch oder Englisch ab 2. Klasse? Ich bin, wie gesagt, für Englisch. Und ich habe gute Argumente:
Erstens: Englisch bietet, wie Du sagst, Anschluss zur Welt, zur Welt des Kommerzes, des Computers.
Zweitens: Kinder haben mehr Motivation, Englisch zu lernen als Französisch.
Drittens: Englisch ist leichter als Französisch, vor allem in der Anfangsstufe.
Viertens: Schüler auf dem praktischen Bildungsweg erreichen in 7 Jahren eine Kompetenz in Englisch, die ihnen im Beruf nützlich sein kann. In Französisch kommen sie kaum soweit, dass sie praktisch sprechen könnten.
Fünftes: Mein Chef behauptet, Sprache sei mehr als ein Verständigungsinstrument weltweit, mehr als eine lingua franca. Klar, hat er recht, aber auch das moderne Englisch ist Teil einer Kultur, der postmodernen, internationalistischen, übernationalen Kultur. Es ist ja nicht ein Queens-Englisch, das hier zur Diskussion steht, sondern eine Art Strassenvariante in hunderten von Akzenten. Wie nennt man dieses neue Englisch, das man überall spricht, mit einem sehr reduzierten Wortschatz? Es hat doch irgendwie einen Namen, den ich schon gehört habe?
Sechstens: Der Kulturstreit in der Schweiz wird nicht so heiss werden, wie mein Chef prognostiziert, weil auch die Romands Englisch lernen, und dann können wir mit ihnen Englisch reden, wenn es denn sein muss. Das geschieht schon heute gelegentlich im Militär beispielsweise.
Siebtens: Der Kulturstreit könnte sogar gemildert werden dadurch, dass wir uns nicht mehr zwischen Italienisch oder Französisch entscheiden müssen. Es wäre doch denkbar, dass die Tessiner enttäuscht sind, wenn wir Französisch wählten, und dass die Romands enttäuscht sind, wenn wir Italienisch wählen. Mit Englisch sind wir von beiden gleich weit entfernt, oder gleich nah respektive.
Achtens: Und die Romands und Tessiner können sich auch auf die Weltsprache Englisch konzentrieren, und müssen nicht zuerst noch Deutsch lernen, einfach, weil man in der Schweiz ohne Deutsch keine Karriere machen kann. In Zukunft wird man auch in der Schweiz die Karriere in Englisch machen.
Neuntens: Wenn alle Englisch können, wird es wieder geschätzt und exklusiv werden, Französisch auch noch zu können. Dann wird der Wert von Französisch bestimmt wieder steigen, vielleicht nicht für alle, aber für diejenigen, die sich auf Marktlücken vorbereiten.
So:
Findest Du denn nicht, Marlena, mein Chef sei längst k.o.? Seine Argumente sind doch ideologischer Natur, ein wenig nostalgisch. Und unter uns gesagt, ich vermute, dass er selbst kein Englisch kann. Aber das weiss ich nicht. Er ist sonst sehr kompetent und intelligent. Auf jeden Fall muss man doch konstatieren, dass, wenn man ein wenig herumreist, zu aller erst auf das Englische fällt, und kaum je auf Französisch. Sogar mit meiner belle soeur aus Paris spreche ich Englisch, wobei es bei ihr ja sünd und schade ist. Ich könnte nämlich viel von ihr lernen.
Also, meine liebe Marlena, ich hoffe doch sehr, dass Du Deine Pflicht tust und das Match entscheidest Er oder ich, das müssen wir jetzt wissen ;--))
(---)
Nein, wenn ich regressive Trance sage, meine ich nicht, dass ich es bereue. Ich fand bei der Lektüre bloss, es wäre sehr schlecht formuliert, nachlässig und undiszipliniert. Vielleicht so, wie man auf der Couch des Psychiaters spricht? Nein, es ist keine Reue, eher etwas unwohl Dir gegenüber, wo Du doch immer perfekte und korrekte Sätze schreibst.
*
Ja, wenn Du Dich richtig erinnerst, habe ich den Begriff Internet-Ehe erfunden und Dich damit ziemlich erschreckt! Kannst Du Dich erinnern? Damals warst Du noch sehr "korrekt" und als ich erzählte, ich träumte, mit Dir in Paris zu sein, hast Du Dich etwas indigniert gewundert, was den meine Frau dazu denke und dass sie sowas bestimmt nicht möge. Du hast mich praktisch zurechtgewiesen. Remember?? Es war köstlich. Es war wohl noch vor Deiner feinen und vorsichtigen Liebeserklärung, die ich immer noch in schönster Erinnerung habe. Und Du warst es, die das Symbol des Turmes erkannt und thematisiert hast. Das fand ich auch sehr schön, nun ja, ist es immer noch.
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