Samstag, 12. Mai 2018
Roman-is-tik
Lieber ...,
Danke für deine schnelle Antwort. Aber chéri, du musst dir doch keine Sorgen machen wegen deinen Fantasien. Ich liebe es wenn du so direkt drauflosschreibst ohne Korrektur und ich lache herzlich über deine manchmal etwas lustigen Gedanken. Natürlich bin ich ein wenig so wie du schreibst.. aber eigentlich nur wenn ich verliebt bin. Dann werde ich ein bisschen barock, das muss ich zugeben. ;-)
Ein Text ist ein Text sagst du wieder. Und das klingt irgendwie als ob du sagen würdest: Worte sind nur Worte. Dahinter keine Realität. Ich meine, zuerst ist die Realität und die Worte sind nur dazu da diese an einen anderen Menschen zu vermitteln. Ich kann nicht Realität mit Worten erzeugen. Oder was meinst du, mein lieber Mausfreund? Ich kann Gefühle hervorrufen damit, das stimmt sicher aber.. OK ich lasse es.. wir müssten es vielleicht mal in der Italobar diskutieren.
*
Ich schreibe dir noch heute weil ich morgen Nachmittag wegfahre mit meiner Klasse und "dem" Kollegen und erst am Mittwoch Abend zurückkomme. Zuerst war mir der Gedanke sehr zuwider aber da ich nicht davonkommen kann habe ich mich entschlossen das ganze als eine Herausforderung zu sehen und eine Möglichkeit dieses komische Exemplar von Homo Sapiens etwas näher zu studieren. Meine grösste Aufgabe wird sein nicht zu sagen was ich denke.. nach dem Motto: "Aushalten, Haushalten, Maulhalten"
*
Anna und ich waren den ganzen Nachmittag bis spät am Abend in der Stadt. Wir sind in etlichen Geschäften gewesen um ein wenig neue Kleider und Schuhe für die kalte Jahreszeit zu besorgen. Wir mussten diesen Tag dazu ausnutzen weil wir ja sonst nie gleichzeitig frei sind. Ich mag nicht die Luft der Kaufhäuser und die Leute die ihre Tage dort verbringen müssen tun mir wirklich leid.
*
Ich muss immer wieder an deine lustige Schilderung von eurer Schule denken und dabei sehe ich euch unbemerkt unter den Bänken aus dem Klassenzimmer kriechen. Vielleicht war es eine sehr liebe Lehrerin, die ein Auge zugedrückt hat, weil sie euch ein wenig Freiheit gönnen wollte. :-) Jedenfalls muss ich mich beherrschen damit ich nicht plötzlich anfange zu lachen wenn ich daran denke. Es ist wirklich zu drollig.
Nun werde ich mir eine Tasse Tee machen und dann für morgen ein wenig packen. Es sieht aus nach Regen aber die Aktivitäten werden ja meist "indoors" stattfinden. Also kein Problem.
Danke nochmals für den Brief mit dem Artikel. Ich werde ihn im Bett heute Abend noch ein wenig studieren. Deine Zeichnungen sind auch so treffend. Ich gratuliere dir dazu.
So, ich muss langsam gehen. Habe noch nicht meine Stunden für morgen Vormittag vorbereitet.
Am liebsten möchte ich dich nun umarmen weil ich dich so lieb habe.
Ganz platonisch ;-)
Ti voglio tanto bene.
Marlena
Donnerstag, 10. Mai 2018
Etwas zu lang wohl ...
Lieber ...!
Ich habe dich heute im Swisstalk verpasst - vielleicht nur mit Sekunden. Aber es macht nichts denn eigentlich hätte ich nur eine ganz kleine Weile mit dir chatten können.
Ich liege auch mit meiner Arbeit nach... aber das ist eher normal. In diesem Beruf kann man immer noch etwas tun und es kommt vielleicht ein bisschen auf das Ambitionsniveau an. Die sehr heterogenen Klassen machen dass man immerzu selbst extra Material herstellen muss um die Studien zu erleichtern. Natürlich könnte ich nur 80 % arbeiten, aber wahrscheinlich würde ich genauso viel Zeit darauf legen aber mit nur 80 % Lohn. Deswegen zögere ich.
Aber genug davon jetzt.
Ich war eigentlich etwas erstaunt als ich sah dass Erich Kästner die Geschichte von dem schweigsamen Fräulein geschrieben hatte. (Sie steht in einer kleinen schon veralterten Anthologie, zusammengestellt für das Gymnasium). Eine andere kleine Geschichte aus demselben Buch ist "Ein alter Mann stirbt" von Luise Rinser. Sie ist traurig und schön und zeigt wie kompliziert das Verhältnis zwischen Eheleuten sein kann. Sie endet mit den Worten:
"Altersschwäche", schrieb der Arzt auf den Totenschein. Ich aber begriff, woran sie gestorben war, und mich schauderte davor, zu sehen, was für unheimliche Formen die Liebe annehmen kann."
Damit wäre ich wieder ganz unwillkürlich bei meinem Lieblingsthema gelandet ;-)
Heute werde ich einen stillen Abend im Kreis der Familie verbringen. Das wäre fast unmöglich gewesen bei meinen Eltern... Immer war etwas los und das Haus voller Gäste wenn wir nicht selbst wo eingeladen waren. Mein Onkel liebte es Menschen um sich zu haben, je origineller desto besser. Schauspieler, Sänger, Künstler und Weltenbummler ohne eigentlichen Beruf mengten sich zu unseren nahen Freunden. Es wurde gelacht, getanzt und gesungen bis in die späte Nacht. Ich hatte an solchen Abenden oft eine Kusine in meinem alter zu Besuch und wir schlichen leise die Treppe hinunter um einen flüchtigen Blick (?) von diesem heimlichen Leben der Erwachsenen zu bekommen.
Es ist komisch wie du mich wieder an Sachen denken lässt die ich glaubte längst vergessen zu habe. Manchmal kommt es mir vor als hättest du die Schleusen zu meiner Vergangenheit geöffnet und nun quellen die Erinnerungen nur so hervor.
Ich glaube nicht du sondern ich liege auf der Couch und ich erkenne die Gefahren dabei. :-)
Du meinst 2000 Km schützen uns gegen unerwünschte (?) Gefahren... Wir werden sehen..
Es ist inzwischen Sonntag geworden. Ich höre mein Lieblingsprogramm im Radio. Redakteure einiger der grössten Zeitungen unterhalten sich in amüsanter Form über die grossen Ereignisse der Woche. Man hat Leichen in der politischen Garderobe gefunden. Die U-bootkränkungen sind auf dem Weg ihre natürliche Erklärung zu erhalten. Das schwedische Militär hat nämlich heimlich (ohne das Wissen der Regierung?) mit der Nato zusammengearbeitet und die vermuteten russischen U-boote waren wahrscheinlich meistens amerikanische die also die geheime Erlaubnis hatten dort zu operieren. Welch ein Doppelspiel des Militärs! Man musste ja sogar tun als ob man sie suchte und bekämpfte.
Norwegen hat eine neue Regierung gebildet, mit dem jüngsten und schönsten Staatminister je. Er ist erst 41 Jahre alt und nach einer Rundfrage hat es sich gezeigt dass fast alle Frauen ihn sehr gern als den Vater ihrer Kinder oder als ihren heimlichen Liebhaber sehen würden.
Man spricht auch viel von unserer Alkoholpolitik. Die EU will dass sich Schweden dabei dem übrigen Europa anpassen soll. Wir haben sehr hohe Steuern und der Staat würde viel Geld verlieren wenn wir die Möglichkeit hätten diese Getränke im Ausland zu kaufen.
Thema "unheimliche Geliebte".. Diese Woche haben wir die Erlaubnis erhalten unsere Schokolade als Schokolade bezeichnen zu dürfen (obwohl sie nicht den Qualitäts-forderungen der EU entspricht). Freue dich also dass du bei dir das beste geniessen kannst.
Und schliesslich diskutiert man die Arbeitszeit. Während andere Länder diese reduzieren, ist sie bei uns in den letzten Jahren gestiegen. Auch in meinem Beruf merkt man davon. Früher hatte man 6-7 Klassen, heute 9 - 11.
Zu Goethes Faust möchte ich dir sagen dass ich die Gründgens-Inszenierung des Düsseldorfer Schauspielhauses ( Deutsche Grammophongesellschaft, Literarisches Archiv) besitze. Wenn du das einmal gehört hättest würde dir der Faust auch gefallen. Es ist mit Schauspielern wie Paul Hartman, Gustaf Gründgens und schliesslich Käthe Gold als Gretchen. Es ist ganz einfach einmalig. Ich habe übrigens die Universität mit dieser Vertönung bereichert (sicher zu grosser Freude aller Deutschstudierenden). Denn es nur zu lesen kann nie dasselbe sein.
Was könnte ich dir sonst noch erzählen? Mein Leben ist zeitweise ziemlich uninteressant und manchmal träume ich davon es radikal zu ändern. Möchte eine Zeit in die Welt hinaus, neue Milieus erleben... aber ich habe einen "husband" (dieses komische Wort :-), der mich ans Haus bindet und so werde ich wohl alle diese Träume weiterhin nur in meiner Fantasie ausleben können. Manchmal stelle ich mir einen Tag mit dir in Paris vor und was wir alles tun würden. Natürlich gehen wir auf derselben Strassenseite. Du legst sogar dabei deinen Arm um meine Schulter (vielleicht nur weil du von dem vielen Wandern müde geworden bist und mich als Stütze benutzen willst ;-) Aber es ist trotzdem schön und du erzählst mir so viel von dem ich noch nichts gewusst habe. Ich werde fast krank vor Sehnsucht wenn ich daran denke....
Ich liebe Paris. Es ist mit meiner Jugend verbunden genau wie das Wallis mit deiner.
Du sprichst von Musik. Ich glaube Musik spielt in meinem Leben dieselbe Rolle wie die Malerei in deinem. Sie tröstet mich, begeistert mich und ich hole Kraft daraus. Ob ich selbst ein Instrument spiele? So möchte ich es nicht nennen :-) Aber Klavier und Gitarre habe ich gelernt. Mein Onkel, der Geige spielte, wollte dass ich auch dieses Instrument lernen sollte, aber es gibt Grenzen ;-) Gitarre habe ich gelernt um mich selbst beim Singen zu begleiten. Sicher sind einige der Chansons von denen du sprichst auch auf meinem Repertoire gewesen. In meiner Jugend bin ich manchmal aufgetreten und in der Schule musste ich immer solo singen bei verschiedenen Anlässen. Leider auch zu Hause in der Familie. Dabei fühlte ich mich meistens wie ein dressierter Affe ;-) und zum Schluss weigerte ich mich es zu tun.
Da neigt sich die Stunde und rührt mich an
mit klarem, metallenem Schlag:
mir zittern die Sinne. Ich fühle, ich kann -
und ich fasse den plastischen Tag
.....
Das werde ich nun auch tun.
Lass es dir gut geh'n
Love
Marlena
Mittwoch, 9. Mai 2018
Sonntag, 6. Mai 2018
Letzte Hoffnung
Letzte Hoffnung
Am Kirchhof steht ein Baum
alleine
In einer jungen
Herrlichkeit.
Ihn pflanzt
kein hergebrachtes Leid, –
Sanft
neigt er sich dem schlichten Steine.
Im Sommer wie im Winter
singt
Ein Vöglein auf dem
Baum, wie klingt
So zart
der Schmerz der treuen Töne.
Der Vogel und der Baum
sind wir,
Du das Gedenken,
ich die Ferne.
Der
einst'gen Tage, mild wie Sterne –
Ach lebt ich noch zu Füssen dir!
Ach leben, leben! Meine
Schöne,
Das kalte Nichts
besiegte mich,
Doch leb ich
dir im Herzen? Sprich!
Donnerstag, 3. Mai 2018
Frühling
(R)
subject Frühling
Lieber ...,
Es ist wieder ein wunderschöner Morgen. Jedenfalls
durchs Fenster sieht es so aus. Strahlende Sonne und
an allen Sträuchern und Bäumen grosse Knospen, die
bald aufbrechen werden. Ach, sie ist so schön diese
Zeit des Wartens.
Und doch, vor meinem Fenster spielt sich im Moment
ein kleines Drama ab. Ein Vöglein kam mit einem Bausch
im Mund und wollte ihn in den Nistkasten legen. Doch
dann kam er schnell, wie von etwas gestochen wieder
heraus und sass lange im Kirschbaum damit. Es sah so
lustig aus.. als hätte er einen Schnurrbart à la Nietsche.
Und dann sah ich einen Vogelkopf aus dem Nistkasten
herausschaun, sehr lange, bis dann zwei kleine Vögel
herausflogen. Und jetzt ist er wieder da der Kleine mit
dem Riesenschnurrbart.. doch die anderen beiden jagen
ihn weg.
Ich muss ein bisschen schmunzeln, denn ich denke, dass
ich wohl nun wirklich eine alte Person geworden bin - nur
solche haben Zeit den kleinen Vöglein zuzusehen zu dieser
Zeit am Morgen.
---
Es gibt ein schönes Gedicht von Karin Boye über diese
Zeit des Jahres.
Es beginnt so:
Ja visst gör det ont när knoppar brister.
Varför skulle annars våren tveka?
Ja, gewiss, es tut weh wenn Knospen aufbrechen,
warum würde sonst der Frühling zögern?
-----------------
Ich wünsche dir einen schönen Tag
MlGuK
Malou
Buschwindröschen - welch schönes Wort
subject Frühling
Lieber ...,
Es ist wieder ein wunderschöner Morgen. Jedenfalls
durchs Fenster sieht es so aus. Strahlende Sonne und
an allen Sträuchern und Bäumen grosse Knospen, die
bald aufbrechen werden. Ach, sie ist so schön diese
Zeit des Wartens.
Und doch, vor meinem Fenster spielt sich im Moment
ein kleines Drama ab. Ein Vöglein kam mit einem Bausch
im Mund und wollte ihn in den Nistkasten legen. Doch
dann kam er schnell, wie von etwas gestochen wieder
heraus und sass lange im Kirschbaum damit. Es sah so
lustig aus.. als hätte er einen Schnurrbart à la Nietsche.
Und dann sah ich einen Vogelkopf aus dem Nistkasten
herausschaun, sehr lange, bis dann zwei kleine Vögel
herausflogen. Und jetzt ist er wieder da der Kleine mit
dem Riesenschnurrbart.. doch die anderen beiden jagen
ihn weg.
Ich muss ein bisschen schmunzeln, denn ich denke, dass
ich wohl nun wirklich eine alte Person geworden bin - nur
solche haben Zeit den kleinen Vöglein zuzusehen zu dieser
Zeit am Morgen.
---
Es gibt ein schönes Gedicht von Karin Boye über diese
Zeit des Jahres.
Es beginnt so:
Ja visst gör det ont när knoppar brister.
Varför skulle annars våren tveka?
Ja, gewiss, es tut weh wenn Knospen aufbrechen,
warum würde sonst der Frühling zögern?
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Ich wünsche dir einen schönen Tag
MlGuK
Malou
Dienstag, 1. Mai 2018
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