Montag, 11. Dezember 2017

Italienischer Himmel


Liebe Malou
Wenn ich das schon höre "irgendwie hast du ja recht".
N E I N   Malou,
ich habe total recht. Ich habe sowas von recht.  Nein, die Wirtschaft ist uns total aus den Fugen geraten. ...
(---)
Wir haben hier feines Herbstwetter, ziemlich mild, aber doch irgendwie dezemberig. Es ist angenehm und schön, fast so schön wie unter einem italienischen Himmel.
Ja, wir müssen den italienischen Himmel fördern. Es gibt ihn ja schon ein bisschen. Der Papst rasselt mit dem Schlüsselbund. Er kontrolliert sozusagen den Eingang. Ich frage mich, ob man auch im Bikini in den italienischen Himmel treten kann. Dabei kommt mir eine lustige Walliser Sage in den Sinn. Sie erzählt von Seline, die früh Verstorbene. Die Eltern überlegen sich, dass es nach all dem Schmerz auch nützlich sei, jemanden im Himmel zu haben, der sich auskennt. Wenn sie selbst dann einmal eintreten, unvorbereitet, vielleicht in den Werktagsschuhen, dann wird Seline sie in Empfang nehmen und ihnen zeigen, wie es dort oben so läuft, wie man den lieben Gott ansprechen soll und all die anderen wichtigen Dinge.
Am Radio besprechen sie gerade das Problem der Gratiszeitungen, Pendlerzeitung nennt man sie. Es gibt schon ungefähr 4. Sie liegen überall auf, besonders auf den Bahnhöfen. Ich pflege darüber zu sagen "sie sehen aus wie Zeitungen, sind aber in Wirklichkeit keine Zeitungen". Das heisst, sie äussern sich nicht über Politik, sie geben keine Hintergründe und sie machen keine Kommentare. Neuigkeiten kann man überall bekommen. Aber Meinungsbildung und Differenzierung des Urteils, das geschieht nicht. Gerade heute ist eine neue Variante zum ersten mal erschienen. Ich habe sie mir angeschaut. Sie ist ein bisschen differenzierter als die anderen, aber nicht wirklich gut. Ich glaube, ich bleibe bei meiner NZZ am Wochenende.
Ich wünsche dir einen prima Tag
Liebe Gs und Ks und Qs


Re: Haha..

Ok, mein Schatz, du hast "total recht". Ich komme noch darauf zurück. Aber was ich dir nur schnell sagen möchte, ich meine falls es aktuell  werden sollte: Ich rate dir ab von Bikini. Bei dir wäre wohl eine Badehose passender.

Auch dir einen feinen Tag.
Mit lieben Gs und Ks
Malou

Sonntag, 10. Dezember 2017

Wo sind sie...


Liebe Malou
Heute ist Samstag. Und das ist gut so. Der Hochnebel hängt zwar über der Landschaft und die Tauben machen eine Trauerparty drüben auf dem Giebel. Aber es wird sich schon geben. Vielleicht feiern sie auch bloss den 2. Advent und sind ein bisschen ruhiger als an warmen Sommer-
samstagmorgen.

Es war eine hektische Woche. Ich glaube, ich war jeden Tag unterwegs. Das ist nicht unangenehm und entschädigt mich ein wenig angesichts einiger Kollegen, die in der ganzen Welt herumreisen. Aber wenn man zurück ins Büro kommt, liegt alles noch hier wie zuvor. Wo eigentlich sind diese Engel oder Heinzelmännchen, von denen wir in der Jugend gehört haben. Sie sollen während der Schlafenszeit alles aufräumen und erledigen. Hast Du je mal einen davon gesehen? Den einzigen Engel, den ich habe, ist unsere gute Putzfrau. Die Italienerin räumt einmal die Woche in meinem Büro ein bisschen. Aber sie tut das, wie der Küster in der Kirche. Sie berührt alle Papiere mit Respekt, als ob es sich um schwerwiegende Verträge und hohe Schuldscheine handelte. Und sie rückt sie einfach ein bisschen zurecht, damit sie dann in einem schönen rechtwinkligen Verhältnis zur Umgebung liegen. Das sieht, ich muss es zugeben, zuversichtlich aus. Aber an der Arbeit, die getan werden sollte, hat sich überhaupt nichts geändert. Na ja, so ist das Leben.

Morgen haben wir den 2. Advent. Und bestimmt seid ihr in Schweden oben schon mitten in diesem weihnachtlichen Gefühl von Kerzenlicht und Zimtsternen. Bei uns ist es noch weit.  ...

Zum Wochenende


Datum: den 9 december 04:32

Lieber Mausfreund,
Es hat endlich wieder mal aufgehört zu regnen und wenn man zum Fenster hiaussieht hat man den Eindruck es könnte nun April sein. Das Gras wächst und wenn es nicht so nass wäre würde ich den Rasen mähen - stell Dir vor, sowas im Dezember zu tun!!
Ach, chéri, wie gut dass du nicht deletet hast. Deine Briefe sind so wunderbar geschrieben dass ich immer den Eindruck habe, dass ich die Dinge von denen du schreibst wirklich erlebe - nicht nur lese. Das ist auch was ich von einem gut geschriebenen Roman verlange - dass ich hineingehe in die Handlung und dass sie Wirklichkeit wird.

Du bist lieb und versuchst mich auf schonende und vorsichtige Weise zu beraten. Ja, es gibt viele Möglichkeiten Stress zu lindern aber wir leben an unserer Schule in einer Athmosphäre die an sich schon stresserzeugend ist, und dann noch dazu all diese extra Arbeit die eigentlich das Schulwerk zentral tun sollte, die man aber den Schulleitungen überlässt - und die diese wiederum von den Lehrern ausführen lassen. Ich wünsche dass man sich endlich einmal auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren könnte.
Du hast ein wenig Angst vor den Weihnachtsferien. Ich merke es in deinen Mails. Aber wir werden es zusammen überstehen. Und du wirst doch auch etwas mehr Zeit für Geselligkeit haben.. und auch Zeit haben deine 42 Bücher zu lesen ;-) Und bald hat A ihr Abitur überstanden und dein Leben wird auch etwas ruhiger werden.

Siehst du ein wenig von der Nobelpreiszeremonie morgen? Es wäre schön etwas mit dir zusammen zu tun.
Ich sende dir diesen kleinen Samstagsgruss und wünsche dir ein richtig schönes erholsames Wochenende.
Schreib mir ein paar Zeilen. Es würde mich sehr freuen
Liebe Grüsse
und KKK
Marlena

Ich vermisse dich..



Samstag, 9. Dezember 2017

Post-Nikolaus zum Zweiten


Datum: den 7 december  09:18

Ach, Marlena, Dein Mail war wirklich so lieb und innig, wie ich es schon lange nicht mehr gefühlt hatte. Ich danke Dir herzlich dafür. Es ist ein schönes Geschenk, Dich zu kennen. Und Deine Idee, S könnte mit B. was unternehmen, möchte ich weiter verfolgen. Es ist nämlich so, dass die beiden zur Zeit nicht gut miteinander auskommen. B meint, S sei viel zu streng. Und sie hat natürlich von ihrer Kultur und ihrer Familie her sehr klare und strikte Vorstellungen, wie das Leben vor sich gehen sollte. Ich bin dagegen geradezu vage. Ich finde, jeder muss seinen eigenen Weg finden, und jeder mäandert so durch die Lebens-Landschaft. S dagegen ist überzeugt, es gibt einen Weg, und er ist gerade wie eine Avenue. Man soll sie auch nicht verlassen, denn sonst verläuft man sich gerne. Da kannst Du Dir denken, dass unsere individualistischen Vorstellungen, die natürlich auch meine Töchter haben, ein klein wenig zu kurz kommen.

Du hast schon Recht mit deinem Eindruck, dass B mehr nach aussen orientiert ist. Sie hatte immer mehr Freunde als A.. Sie hatte immer mehr Zeit mit anderen Leuten verwendet. Aber im Moment findet sie alle Schulkameradinnen und -kameraden unakzeptabel und naiv. Und die nächste Klasse, die sie besuchen würde, wenn sie ein Jahr repetiert, findet sie eben so schwach. Und ihren Ex-Freund, den sie für ein paar Monate hatte, findet sie echt naiv und ahnungslos. Das ist schade, denn er war ein netter Kerl. Und sie hat die Möglichkeiten dieser Freundschaft gar nicht voll ausgeschöpft. Sie hat das zu früh wieder beendet. Ich finde, sie hat zwar recht, dass er etwas unentschlossen und weich war. Aber das ist für den Vater natürlich ein guter "Schwiegersohn" ;--)

Und dass B immer lebenslustig und sinnlich war, das stimmt auch ganz gut. Das hast du schon richtig vernommen. Aber heute hat sich das alles etwas gedreht. Aber ich glaube, sie hat die andere Seite immer noch. Wenn sie tanzen geht am Freitag Abend, dann macht sie schon einen anderen Eindruck. Aber nur einmal in der Woche so zu wirken, ist eben schon ein wenig selten.
Man sagt immer, die Mädchen seien leicht zu erziehen, wenn sie klein sind, und schwierig, wenn sie in die Pubertät kommen und später. Und bei den Buben ist es umgekehrt. Sie sind schwierig, wenn sie als Kleine ihre Streiche machen, und wenn sie anfangen, den Mädchen gefallen zu wollen, dann werden sie ganz brav und fangen an, ihre Haare zu kämmen. So über Kreuz verläuft die Entwicklung!
Ich danke Dir, meine bessere Krebs-Hälfte (das sagt man hier eigentlich von seiner Ehefrau!!!) Ich wünsche Dir einen schönen Tag
SSS
...




Freitag, 8. Dezember 2017

Pause



Palmenhaus in Göteborg







Mittwoch, 6. Dezember 2017

St. Nikolaus



...

Wir haben heute St. Nikolaus. Den kennt ihr ja auch. Aber er kommt hier nicht mit einem Rentier, sondern allenfalls noch mit einem Esel. Es gibt zwei Arten von St-Nikolaus. Im Wallis, also einem katholischen Teil des Landes kommt der St.Nikolaus mit dem Bischofsstab. Er sieht wie ein Bischof aus, hat natürlich aber auch Bart und ein Gehabe wie St. Nikolaus. Und daneben kommt Schmutzlich, er ist ganz schwarz. Man könnte denken, es sei der Teufel, oder mindestens sonst ein nicht sonderlich vertrauenswürdiges Wesen.
Und dann gibt es den St. Nikolaus in reformierten Gebieten. Dort hat der Mann einen meist roten Anzug mit einer Kaputze und einen langen weissen Bart. Meist hat er auch noch ein riesiges Buch, aus dem er den Kindern die Sünden und Straftaten des Jahres vorhält.
*
Ich kann mich an eine Nikolaus-Szene im Kindergarten erinnern. Wir hatten eine Bank rundum im Raum und sassen gespannt da, bis das grosse Unikum hereintrat. Und siehe da, der Kerl hatte einen Sack auf dem Rücken, an dem ein Sack hing. Und aus dem Sack ragte ein Bein in Strumpf und Schuh. Natürlich wollten wir Kleinen sofort wissen, was mit dem Bein los sei. Und der komische Kerl meint, dies sei Vreni, die eben nicht folgsam gewesen sei.

Lange Jahre konnte ich kein Mädchen ertragen namens Vreni. Ich verabscheute sie richtiggehend, nur weil sie hiessen, wie dieses Mädchen, von dem ich glaubte, es wäre wirklich im Sack des St. Nikolauses weggetragen worden.

...

Ämne: RE: St. Nikolaus
Datum: den 6 december 11:47

Liebster Mausfreund,
Zum ersten mal seit ewig kann ich dir einen sonnigen Gruss senden. Über dem Waldrand steht sie, diese grosse leuchtende Kugel und scheint so herrlich in den Garten und zum Fenster herein. Ich spüre wie meine Lebensgeister wieder erwachen. Ach, es ist einfach herrlich!

Und da finde ich gerade auch ein Nikolausmail von dir. Hatte ganz vergessen, dass heute Nikolaus ist, denn bei uns feiert man das nicht. 

Ach, du bist lieb, dass du mir dieses Mail sendest obwohl du keins gehabt hast. Ich sende dir dafür meine allerbesten Wünsche für diesen Tag und falls ich dazu komme schreibe ich dir noch ein längeres Mail etwas später heute.
G+K
Malou

Freitag, 1. Dezember 2017

Advent



...

Und was treibst du Malou? Bist du an den Weihnachtsvorbereitungen? Das glaube ich mindestens. Du wirst dein Haus auf Hochglanz bringen und alles beleuchten, was beleuchtenswert erscheint, nicht wahr?

Und ich, wie gesagt, mit einem Kerzlein unter der Brücke.
Liebe Gs und Qs und Ks und so


Lieber ...,

"alles beleuchten, was beleuchtenswert erscheint" *smile* Ja doch, das tun wir alle hier in Schweden. Und nicht nur was beleuchtenswert erscheint..
In allen Fenstern siehst du, schon vom 1. Advent an, entweder Sterne oder Leuchter. Früher, als ich noch klein war, gab es diesen schönen aus Papier, der wirklich wie ein richtiger Stern aussah, wenn er angezündet war und ein warmes schönes Licht verbreitete. Ich habe immer noch einen solchen oben bei mir und ich muss sehr vorsichtig damit umgehen beim aufhängen, denn er leidet schon sehr an Altersschwäche. Werde ganz nostalgisch wenn ich ihn leuchten sehe. Doch heutzutage gibt es alle möglichen Sorten. Manche aus dünnem Holz geschnitzt, andere aus goldglänzendem Metall: Ach, es gibt wirklich so viele verschiedene Sterne und immer wieder kommen neue dazu.

(---)

Und jetzt glaubst du, dass du bald als Clochard leben wirst.. wenn ich dich richtig verstanden habe. Ja, pass ein Bisschen auf, ...! Ich hatte in meinem Freundenkreis Männer, die nach einer Scheidung ziemlich verwahrlost daherkamen. Mit wildem Haarwuchs und Kleidern, die man ihnen am liebsten gleich in die Waschmaschine gesteckt hätte. Aber nein, bei dir ist das keine Gefahr. Hast doch sogar schon deine eigene Friseurin. ;-)

Es freut mich, dass du mit dem Schreiben beginnen willst. Aber Konsalik? Ich kenne den Namen und ich glaube sogar, dass ich eventuell ein Buch hier irgendwo stehen habe, das mir mal Bertelmans Lesering geschickt hatte, als ich vergessen hatte abzubestellen. Ich war, als ich an der Uni Germanistik studiert habe, Mitglied in diesem Lesering.

Ich habe dir sicher schon einmal von dem Programm erzählt, das man eine zeitlang jeden Donnerstag sehen konnte. Man zeigte jeweils einen Schriftsteller und liess ihn/sie über sein Schreiben berichten. Man erfuhr wie, wo und wann sie schrieben und dabei habe ich gestaunt, wie hart sie fast alle ihr Schreiben diszipliniert haben. Fast wie Bürozeiten kam es mir vor. Sie erzählten sehr persönlich und voll Charme. Manche trugen ständig ein kleines Notizbuch bei sich, damit sie, wenn ihnen was Gutes einfiel, es gleich aufzeichnen konnten.
Ich habe mir diese Programme öfters auf Video aufgenommen, um sie später nochmals richtig geniessen zu können. Ich hatte auch den Eindruck, dass sie in ihren kreativen Perioden sich  von der Umwelt zurückzogen, um nicht gestört zu werden. Anfangs hatten sie meistens einen Plan (einen Plot?)  und gewisse Personen bestimmt für ihre Story. Doch oft merkten sie, wie sich diese Personen selbständig machten und sich nicht besonders um die Absichten des Schriftstellers kümmerten. Der Roman schrieb sich sozusagen selbst. :-)

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So verabschiede ich mich wie üblich mit lieben Gs und Ks (wahlfreie Sorte) Qs
Marlena