Mittwoch, 3. August 2016
Ecco
date 5 August 08:53
subject Ecco
Liebe Malou
Das war eine kleine Überraschung, dich plötzlich in einem chat zu treffen. Lustig, dass du gedacht hast, ich hätte getrunken. Ich war so nüchtern wie eine Tasse kalter Kaffee. Aber in guter Stimmung und noch einigermassen wach. Ich hatte den Eindruck, du bist fast ein wenig erschrocken. Und dann war plötzlich zu Ende.
Wir haben hier kühles Wetter. Es ist kaum mehr 13°. Schnee liegt bis 2000m herunter, hat mir jemand erzählt. Ich weiss gar nicht, wie jetzt unsere Bohnen im Garten schimpfen. Bohnen lieben die Wärme und sind auf solche Schocks sehr empfindlich. Nu ja, wir werden sehen.
Erzähle mir noch ein bisschen vom Norden. Hat sich was verändert. Gibt es immer noch diese vielen Fische im Fluss? Ich habe noch das Bild in Erinnerung, auf dem du in einem dicken Pullover vor dem Fluss stehst. Und dahinter hört man das Rauschen sozusagen.
Ich habe jetzt noch 2 Wochen Ferien. Habe mir gedacht, dass ich ein wenig in der Schweiz herumreise. Ich will dies und jenes ansehen und mich ein bisschen vergnügen. Man soll ja doch den Schweizern auch ein bisschen Aufmerksamkeit gönnen. Alle reisen in den Ferien heutzutage noch am gleichen Tag, da die Arbeit endet, los irgendwo in südliche Orte wie Spanien, Italien, Griechenland oder sogar weiter. Und dabei kann es hier in der Schweiz recht heiss und schön sein. Mittlerweile kommen die Inder und die Chinesen zu uns auf Besuch. Sie besuchen Luzern, fahren auf den Pilatus oder sogar zur Jungfrau hinauf und sind, wenn ich recht höre, ganz begeistert. Aber sie wollen ihre eigenen Mahlzeiten. Die Hotels mussten umstellen. Sie essen nicht Kartoffeln und Wienerschnitzel oder Zürcher Geschnetzeltes mit Rösti. Darin sind sie noch nicht sehr entwickelte Touristen. Ähnlich wie die Deutschen, die auch auf der ganzen Welt ihre eigenen Würstel essen wollen. Und auf der Jungfrau stehen sie mit ihren Sandalen im Schnee und staunen, wie rutschig die Schweiz in Wirklichkeit sein kann.
Ja, mein Harem. Du hast recht. Ich bin ziemlich im Stress. Aber das wird auch vorbeigehen. Ich habe mich ein bisschen verliebt in eine Ärztin aus Zürich. Und ich weiss noch nicht recht, was ich damit anfangen soll. Es gibt mir viel Freude und Energie. Aber eben, du kannst dir ja schon vorstellen in meiner Situation .... Im Moment ist sie in Buenos Aires. Sie ist passionierte Tango-Tänzerin und geniesst es dort offenbar.
Es ist schön, eine alte Mausfreundin zu haben, der man alle Sünden beichten kann. Schreib mir bald und sei nicht eifersüchtig!
Herzliche Grüsse und Küsse
...
--------
chat
Dienstag, 2. August 2016
Sonntag, 31. Juli 2016
Willkommen
Subject:Willkommen
Liebe Malou
Fein, dass du wieder in der Nähe bist. Klar, Nähe ist immer relativ. Ist immer noch weit im Norden, aber ist deutlich näher, vor allem in der Nähe eines PC. Du hattest zwar gesagt, dass ihr bald abreisen würdet, wolltest dann aber noch vor der Abreise ein Zeichen geben. So mindestens hatte ich es verstanden. Aber vielleicht habe ich etwas übersehen oder misverstanden.
Schön, dass ihr eine gute Zeit hattet. Und bestimmt hat die exzellente Luft gut getan. Sie ist wirklich ein Segen. Ich erinnere mich an die Zeit in Aegypten, wo wir die Winde aus den arabischen Wüsten hatten. Es war eine wunderbare Luft, geradezu zum Einreiben. Ich habe den Unterschied deutlich bemerkt.
Und jetzt bist du an der Wäsche? Das ist das Schicksal der Hausfrau. Die schmutzige Wäsche, bei aller Gleichstellung, bleibt bei der Frau. Ist vielleicht ungerecht, aber ist so. Aber wenn ich an schmutzige Wäsche denke, kommen mir immer auch Waschsalons in den Sinn. Man sieht sie doch oft in Filmen, und immer sind sie der Ort von überaus spannender Erotik. Gerade kürzlich habe ich wieder eine solche Szene gesehen. Und dann wünschte ich mir, mit einem Korb schmutziger Wäsche einmal im Leben in einem solchen Salon aufzutauchen, wo dann ja wohl viele hübsche Singlefrauen mit ihrer Buntwäsche in einer langen Schlange stehen und Zeit zum flirten finden. Oh ja, das wünschte ich mir, egal ob mit Bunt- oder mit Weisswäsche.
Ja, die alten Damen im Bad von I. waren sehr amüsant. Ich habe sie geradezu schätzen gelernt. Sie sind zwar arge Plaudertaschen, schwatzen über dies und jenes und ohne Ende, wenn sie am Rand des Bassins in der Sonne sitzen. Aber die Atmosphäre ist angenehm, ruhig und sehr feundlich. Nun eben, wie die älteren Menschen sind. Ich werde wohl die nächste Woche, wenn es wieder wärmer werden soll, am Morgen jeweils wieder hingehen. Weisst du, dieses Gefühl in den Zehen, morgens über den noch taufeuchten Rasen zu gehen oder ins kühle Bassin zu steigen, das erinnert mich ganz und gar an meine Jugend. Meist nehme ich mir eine Zeitung mit und lese anschliessend in der Sonne. Ich bin schon echt braun geworden. Na ja, ich bin immer noch einer der bleichsten, aber für meine Masstäbe bin ich beinahe afrikanisiert.
Gestern war ich in Aarau im Museum. Die aktuelle Ausstellung war zwar gerade vorbei. Aber es gibt eine hübsche Dauerausstellung mit einigen schönen Werken. Auch Varlin ist bekanntlich dabei. Und dann bin ich mit einer Freundin essen gegangen. Es war nicht zu warm, aber sehr angenehm. Sie ist eine liebe Person und man kann über alles und gut mit ihr diskutieren. Eigentlich ist sie Italienerin, lebt aber schon lange in der Schweiz.
Und morgen ist die Beerdigung von unserem Onkelchen. Er ist am letzten Tag im Juli gestorben. S hatte ihn vor ein paar Tagen noch besucht. Sie hat erzählt, er wolle nicht mehr essen. Er hatte auch immer gesagt, er wolle niemals 100 werden. Und im September wäre er 100 geworden. Nun ja, er hat ein gutes Leben gehabt, vielleicht die paar Jahre im Altenheim ausgenommen. Die waren bestimmt nicht allzu aufregend. Und er hat mir im Hallwilersee den Crawl beigebracht. So gut und gekonnt, dass ich später im Leben mit meinem Schwimmstil bei allen Wettbewerben und auch im Militär mich immer bestens platzieren konnte. Ich war unschlagbar, na ja, fast...
So geht die Zeit dahin. Er hatte immer gesagt, wenn er sterbe, würde er verschwinden, ohne ewiges Leben und so. Vor der Geburt sei er ja auch nirgendwo gewesen.
Siehst du, ohne Illusionen!
Ich schicke dir liebe Grüsse und Küsse
...
Wieder da ... :-)
Subject Wieder da.. :-)
Lieber ...,
Nun sind wir wieder zurück aus dem hohen Norden und zu meiner grossen
Freude habe ich ein paar Mails von dir gefunden. Danke!
Doch, ich hatte dir schon mitgeteilt, dass wir bald abreisen würden
und ich habe vergeblich auf eine Antwort auf mein Mail gewartet. Auch
dort oben habe ich nach ein paar Tagen in die Mailbox geschaut.. aber
nur eine gähnende Leere gefunden. So habe ich gedacht du brauchst eine
kleines "tíme out" und habe beschlossen den Sommer ohne Internet zu
leben. Es ging erstaunlich leicht.
Ja, wir hatten eine schöne Zeit oben im Norden. Besonders angenehm war
die frische Luft, die wir hier schon wochenlang vermisst hatten. S.und ihr
Mann haben auch "vorbeigeschaut" (wenn man es so nennen kann
bei über 1100 km) .. circa eine Woche sind sie geblieben.. ;-)) Ich
schreibe dir später mehr davon.
Jetzt bin ich voll beschäftigt mit der Wäsche (von drei Wochen). Und
morgen werde ich Anna samt ihren vielen Blumentöpfen nach Linköping
hinunter bringen. Sie hat unser Haus in der letzten Woche betreut und
das von den Nachbarn, die eine Woche irgendwo unterwegs waren.
Und du bist fleissig und bereitest dich schon auf dein Leben als
Pensionist vor. Finde ich etwas lustig. Ich habe sehr deine
Schilderung der alten Leute im Schwimmbad genossen. Du bist
ein hervorragender Beobachter. Das mag ich so sehr an dir.
Auch ich freue mich schon auf ein paar neue Zeilen.
Bis dahin, sei lieb gegrüsst,
deine "alte Mausfreundin"
Marlena
Lieber ...,
Nun sind wir wieder zurück aus dem hohen Norden und zu meiner grossen
Freude habe ich ein paar Mails von dir gefunden. Danke!
Doch, ich hatte dir schon mitgeteilt, dass wir bald abreisen würden
und ich habe vergeblich auf eine Antwort auf mein Mail gewartet. Auch
dort oben habe ich nach ein paar Tagen in die Mailbox geschaut.. aber
nur eine gähnende Leere gefunden. So habe ich gedacht du brauchst eine
kleines "tíme out" und habe beschlossen den Sommer ohne Internet zu
leben. Es ging erstaunlich leicht.
Ja, wir hatten eine schöne Zeit oben im Norden. Besonders angenehm war
die frische Luft, die wir hier schon wochenlang vermisst hatten. S.und ihr
Mann haben auch "vorbeigeschaut" (wenn man es so nennen kann
bei über 1100 km) .. circa eine Woche sind sie geblieben.. ;-)) Ich
schreibe dir später mehr davon.
Jetzt bin ich voll beschäftigt mit der Wäsche (von drei Wochen). Und
morgen werde ich Anna samt ihren vielen Blumentöpfen nach Linköping
hinunter bringen. Sie hat unser Haus in der letzten Woche betreut und
das von den Nachbarn, die eine Woche irgendwo unterwegs waren.
Und du bist fleissig und bereitest dich schon auf dein Leben als
Pensionist vor. Finde ich etwas lustig. Ich habe sehr deine
Schilderung der alten Leute im Schwimmbad genossen. Du bist
ein hervorragender Beobachter. Das mag ich so sehr an dir.
Auch ich freue mich schon auf ein paar neue Zeilen.
Bis dahin, sei lieb gegrüsst,
deine "alte Mausfreundin"
Marlena
Donnerstag, 16. Juni 2016
Chaotismo
Liebe Malou
Ja, der italienische Chaotismo. Die Person, die diese Theorie entwickelt
hat, ist ein lustiger Kerl. Er war lange Jahre Auslandkorrespondent für das
Schweizer Radio in Rom. Ich meine, es war in jenen Jahren, als Rom noch
richtiges Ausland und weit weg war. Und ich erinnere mich an seine Stimme.
Als ich hier in meinem Club für das Programm verantwortlich war, hat dieser
Victor Willi plötzlich angerufen. Er hat mir - ziemlich eloquent - erklärt,
dass er gerade in der Schweiz weile und dass er, weil er seine Pension
aufbessern müsse - weil das Schweizer Fernsehen eben leider etwas mickerig
zahle - dass er also in Rotary und Kiwanis Clubs Vorträge mache. Ich sagte
ihm, dass wir für die Vorträge nichts bezahlen. Normalerweise sind
Referenten stolz, bei uns vortragen zu müssen. Wir offerieren das essen. Er
wiederholte seine Argumente und so war ich schliesslich einverstanden. Ich
glaube, ich habe ihm 100.- oder 150.- SFR versprochen.
Und dann kam dieser Victor Willi und hat einen erstklassigen Vortrag über
Italien gemacht. Nebenbei hat er auch noch Reklame gemacht für sein Buch,
das er verkaufte, und für Rhetorikkurse, die er gab. Ich glaube, einige
meiner Kollegen haben bei ihm schliesslich einen Rhetorikkurs gemacht.
Kurz und gut: er entpuppte sich als eine Perle in meinem Programm, und ein
Kiwanis Freund, dessen Frau Norditalienerin ist, kam geradezu in Tränen
aufgelöst und hat mir dafür gedankt.
Und in diesem Vortrag hat er eben seine Theorie des Chaotismo erklärt. Sein
Ausgangspunkt war eine Autopanne, die er mal irgendwo hatte. Und dann hat er
mit viel Worten und viel Emotion geschildert, wie er jemanden kennen lernte,
der ihn eingeladen hat, bei sich zu übernachten. Wie er trotz der Panne mit
Ach und Krach seine Ziele noch erreicht hat. Und wie daraus eine grosse
Freundschaft entstanden sei. Ich glaube, der Kerl hat auch noch dafür
gesorgt, dass sein Auto wieder in Funktion komme.
Na ja, ich glaube, in Persien ist das ähnlich. Es gibt so viele Dinge, die
nicht funktionieren, die anders laufen, als du erwartet hast, die durch
Pannen darnieder liegen, dass immer wieder Improvisation und Kreativität
gefragt ist. Und man kann sich gegenseitig helfen, und man kann sogar
bisweilen Heldentum entwickeln, ohne Zweifel!
Aber bei uns in der Schweiz, wo alles funktioniert, wo jeder mit
Versicherungen abgedeckt ist, wo die Autos ohne Panne fahren und fahren, da
tritt der Mensch kaum mehr in Erscheinung.
(---)
Weißt Du, was ich aus meinen Büro-Fotos festgestellt habe? Mein Chaos ist
gar nicht so schlimm. Ich meine, mein Pult sieht doch gar nicht eigentlich
unordentlich aus. Vielleicht viel beschäftigt. Vielleicht viel interessiert.
Vielleicht vielseitig. Aber doch nicht echt chaotisch. Mindestens liegen
die Papiere doch alle in Reih und Glied, so wie man sich die preussische
Armee vorstellt. Ich kann das so leichthin sagen, weil gestern Abend
offenbar unser Putzengelchen hier war. Sie hat aufgeräumt und nimmt sich in
der Regel viel Zeit, meine Papiere schön ordentlich auf eine Linie zu
bringen. Sie darf ja nichts wegnehmen oder verschieben. Also bleibt bloss,
alles ein wenig zu begradigen. Und siehe: wenn ich am Morgen komme, sieht es
aus als ob es hier wirklich gemütlich wäre. Es sieht irgendwie 'ordentlich'
aus, gepflegt und mit Sorgfalt umspielt. Es ist erstaunlich, wie viel man
erreichen kann bloss durch 'begradigen', d.h. die Beigen von Papier einfach
gerade rücken.
---
Mittwoch, 15. Juni 2016
Dienstag, 7. Juni 2016
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