Samstag, 21. November 2015
Freitag, 20. November 2015
Seneca
Córdoba - Senecas Geburtsort
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Ich habe in den letzten Tagen ein bisschen Seneca gelesen. Du kennst den Kerl, nicht wahr? Er war Lehrer Neros und hat darin, wie man zugeben muss, tüchtig versagt. Aber er war zu seiner Zeit ein trendy Philosoph und Schriftsteller, auch Politiker. Er hat doch so bekannte Aufsätze geschrieben wie die 'Ueber den Zorn', 'Über das glückliche Leben', Über die Kürze des Lebens' und so fort. Und es gibt darin gute Gedanken. Allerdings ist er nicht sonderlich systematisch. Die Abfolge seiner Gedanken sind für mich ziemlich ungeordnet. Doch vielleicht verstehe ich bloss seinen roten Faden nicht. Im Wesentlichen ist Seneca Stoiker. Sie alle nehmen sich Sokrates zu Vorbild und die Art, wie dieser ihr Meister gestorben ist. Von Seneca erzählt man sich einen ganz ähnlichen Tod wie derjenige Sokrates'. Aber vielleicht ist die Begebenheit bloss erzählerisch ein bisschen stilisiert worden. Jedenfalls soll sich Seneca, auf Geheiss Neros, selbst umgebracht haben. Jammerschade, wo er doch noch ein paar Jährchen gemütlich auf seinem Landgut ausserhalb Roms seinen Lebensabend hätte verbringen können.
Donnerstag, 19. November 2015
Elchstamm ausgestorben - aber heute ...
(den 24 maj 2000)
Lieber Mausfreund,
Zum Elch. Am Wochenende ist, wie du schon weisst, der dänische Elchstamm ausgestorben.;-) D.h. die Dänen haben gar keinen gehabt, aber dann ist eben ein schwedischer Elch rübergeschwommen und nun ist dieser arme Elch von einem Zug überfahren worden.
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aber heute:
Dienstag, 17. November 2015
Ronda - ein Sehnsuchtsort
Ronda 12 nov. 2015
Aber es stand auf meiner Liste.
Marlena
Liebe Marlena
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Es gibt Sehnsuchtsorte. Elias Canetti betrieb einen Kult mit den Städten, die er aufsuchen wollte. Je heiliger ihm eine Stadt war, desto länger schob er den Besuch hinaus.
Da kommt mir eine kleine Sache in den Sinn. Ich habe dir erzählt, dass wir vor ein paar Jahren in Andalusien waren. Es waren sehr schöne Ferien in diesem schon ziemlich afrikanischen Klima. Und eines Tages sind wir mit unseren spanischen Freunden nach Ronda gefahren. Nun ist Ronda ein ganz speziell romantischer Ort. Rilke war dort und hat im Hotel Reina Victoria logiert und ein bisschen über seinen Duineser Elegien geschwitzt. Und vor allem Hemingway war da, der grand old man, über den die Spanier reden als wie über den eigenen Grosspapa. Hemingway war ja bekanntlich ein begeisterter Stierkampfbesucher, ein afficionado oder so ähnlich, dh. ein Fan. Und er hat ein interessantes Buch über den spanischen Stierkampf geschrieben, das ich damals in den Ferien nochmals gelesen habe. Nun bin ich sicher, dass du Marlena, als Nordländerin und als sensible Frau, den Stierkampf ganz und gar nicht bejahen kannst. Schliesslich bringt es dich schon in Aufregung, ein paar Ameisen im Hause zu Leibe zu rücken. Doch es geht mir nicht um den Kampf. Nein, Hemingway hat Ronda, diese alte und malerische Stadt in den Bergen, an einer tiefen Schlucht gelegen, ebenso lebendig und poetisch beschrieben wie Rilke. Nein, eigentlich nicht ebenso, sondern eben a la Hemingway. Die zwei sind ja nicht gerade Brüder im Geiste. Der eine war ein Spring-ins-Feld, der andere ein hochsensibler Schöngeist. Nun denn, Hemingway sagte über Ronda, er empfehle es jenem Mann, der gedenke, mit einer Geliebten auszureissen und durchzubrennen. Das fand ich schön gesagt, echt Hemingway, der Macho, wie er ja wohl im Privatleben nicht nur war mit seinen Depressionen.
By the way: Ronda habe ich nicht in unsere Liste aufgenommen, vorsichtshalber. Aber in meinen Gedanken war schon Hamburg drin. Ich lass DICH mutmassen, weshalb!
Ich habe nun - weiss Gott - noch ein paar weitere Gedanken und Fantasien gehabt. Und ich kann dir sagen, sie waren nicht schlecht, wir müssten uns ihrer nicht schämen. Allein, sie lassen sich nicht alle mit unserem §5 vereinbaren.
Gottseidank also haben wir zusammen bloss eine feine Mausfreundschaft mit Fachgesprächen über Rilke, über die Spurbreite der Champs Elysées und über das gegenwärtige Potential an valablen Schwiegersöhnen. Was ist denn schon dabei! Zumindest werden wir dir deine Trauer vom Gesicht wegretouchieren. Ich helfe dir dabei, soweit ich kann. Keiner soll mir vorwerfen, ich könne nicht retouchieren!
Gibt es irgendwelche Worte, die man jetzt sagen könnte?? Ich glaube nicht.
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A propos Reisen: "Ich bin ein Seemann im Verkennen meiner selbst" schreibt Fernando Pessoa, "ich habe überall gesiegt, wo ich nie gewesen bin. Reisen? Existieren ist Reisen genug".
Freitag, 6. November 2015
Re: Novembergeist
Ämne : Novembersonne..
Lieber ...,
Wenn ein Mann in deinem ehrwürdigen Alter einen Sprung über die Schwelle macht dann ist das wie wenn ein jüngerer Mann sich in den nächsten Baum werfen und wie ein Tarzan sich durch die Luft schwingen würde. Ich kann durchaus zufrieden sein mit meiner Wirkung. ;-)
Ja, chéri, ich habe mich wirklich sehr gefreut dass ich dir eine kleine Freude machen konnte mit meinem Strauss. Und scheinbar steht mir das Glück bei nicht nur in beruflichen Dingen, denn ich wusste gar nicht an welchem Tag dein Geburtstag ist, nur dass es irgendwann in der ersten Hälfte von November sein müsste. Und du weißt vielleicht schon dass wir an deinem Geburtstag in ganz Schweden geflaggt haben. Es ist nämlich der Gustav Adolftag, den man zur Erinnerung an Gustav II. Adolf (Vater von Kristina) feiert. Nun ja, es sind die patriotischen Leute die es tun, indem sie ein Gustav Adolfgebäck essen. So werde ich mich in Zukunft leicht an den Tag erinnern können.
Wie lustig du über die Beobachtungen der älteren Herren erzählst. Auch ich sehe fast immer wenn ich einkaufen gehe Leute, die vor zehn Jahren noch jung und rüstig aussahen und die nun alt und grau dahintappen. Und das macht mich immer ein wenig melancholisch denn ich kann es nicht lassen zu denken dass ich wohl auch bald so aussehen werde. Aber eigentlich ist es ja nur wenn man ihr Äusseres sieht, dass man so reagiert. Denn wenn man mit ihnen spricht verschwindet meistens dieser Eindruck von Verfall. So z.B. gestern standen ein paar wirklich alte Frauen am Gemüsestand und betrachteten sehnsüchtig die schönen Paprikas die dort in vielen Farben prunkten. Ich machte die Bemerkung dass ich über den Preis überrascht sei da sie meistens um diese Jahreszeit mindestens das doppelte kosten würden. Und eine der Frauen fragte mich ob man sie auch eingefrieren könnte. Und ich habe gesagt ich bin nicht sicher, ich hätte es zwar mal getan aber leider nie aufgetaut und so haben wir herzlich gelacht denn die Situation war auch ihr vertraut. Dabei kam sie mir vor wie ein junges fröhliches Mädchen. So ist es. Wir tragen einen Körper herum, der immer etwas älter wird aber er birgt eine Seele die alle Alter zugleich trägt. Wenn wir glücklich sind, sind wir jung, wenn wir müde sind fühlen wir uns alt.. Und wenn man eine rassige langhaarige südliche Geliebte hat, ist man sicher immer jung. Auch wenn man einen Mausfreund hat dessen Worte einen berühren wie die heissen Küsse eines innig Geliebten vergisst man sein Alter.. So sollte ich dir wohl auch danken.
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Heute scheint wieder einmal die Sonne von einem klarblauen Himmel und immer noch trägt die Hängbirke vor dem Fenster hier ihr Laub das nun wie Gold leuchtet. Es sieht etwas lustig aus gegen den weissen mit Schnee bedecktem Rasen.
Ich habe nur noch eine Unterrichtsstunde dann werde ich mich ausruhen und kurieren denn auch ich huste wie ein Dobermann.. sehr guter Vergleich! :-)
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Habe gerade erfahren dass eine Direktorin an unserer Schule gekündigt hat. So werde ich Anfang nächsten Jahres zwei neue Chefs bekommen denn meine Schüler gehören alle zu ihren Revieren.
Das schöne Hotel wo wir neulich waren und das mir so flott vorkam war das alte Stadthotel bis vor kurzem wo es von Scandic aufgekauft wurde. Die Stadthotels sind die flottesten jeder Stadt.
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Ja, die Wienerschnitzel!! Ich kann sie leider kaum mehr geniessen seit ich in Estland war. (Ich war mit Kollegen dort auf einer Studienreise) Denn wo immer wir hinkamen gab es eigentlich nur Schnitzel in den Restaurants. Dabei musste ich ihre Kunst bewundern wie sie dieses Gericht variieren konnten mit verschiedenen Garnierungen.. aber darunter fand man eben immer wieder ein Schnitzel auch wenn die Vorspeise russischer Kaviar und Champagner sein konnte. Ich werde übrigens bald mal die Leute zu einem "Estlandabend" einladen, an dem wir alle unsere Fotos mitbringen werden und was glaubst du, was ich ihnen anbieten werde? Natürlich ein "herrliches Wienerschnitzel" damit sie sich richtig zurückversetzt fühlen.
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Nein, bei uns ist es nicht üblich Kastanien zu essen. Anna hat es neulich in ihrer Italienischsstunde gegessen. Sie haben einen Grill mitgebracht und geröstet und es hat spannend geschmeckt..
Ich muss nun noch etwas vorbereiten für meine letzte Stunde heute. Du hast sicher auch bald Feierabend und ich wünsche dir ein richtig schönes Wochenende mit vielen Schwellensprüngen.. ich sehe dich wirklich vor mir und bin riesig stolz dabei.. fast als wäre es mein Verdienst. :-)
Mit lieben sonnigen Novembergrüssen
Marlena
Mittwoch, 4. November 2015
Novembergeist
Ämne : Novembergeist
Liebe Marlena
Ich habe ihn überlebt!!! Meinen Geburtstag, meine ich. Ich bin froh, dass die Leute nicht allzu viel Aufhebens gemacht haben. Das mag ich nämlich gar nicht besonders. Nun ja, ich habe einige nette Telefonate gehabt. Und abends sind wir - dh unsere Familie - zusammen in der Nähe essen gegangen. Es war klein und bescheiden, wie es sich in meiner Altersklasse gehört.
Deine Glückwünsche haben mich sehr gefreut. Und - um es klar und deutlich zu sagen - sie waren die ersten, die ich am Morgen empfangen hatte. Alle anderen Küsse und Wünsche und Glücksbeteuerungen kamen viel später an. Die roten schwedischen Rosen waren wirklich knallrot, und haben etwas lasziv hin- und hergewackelt. Ich danke Dir, Marlena, und ich bewundere, wie Du daran denken konntest. Ich vergesse leider solche Geburtstage allzu gerne.
Als S mir vor einer Woche sagte, ich solle den Dienstag abend reservieren, wir hätten da etwas vor, da habe ich bei weitem nicht an meinen Geburtstag gedacht.
Und schliesslich habe ich am späteren Morgen im Städtchen noch einen ehemaligen Mitarbeiter angetroffen. Er ist schon über 60 und arbeitet zu 80% oder vielleicht 60%. Auf jeden Fall hat er Zeit, mitten an einem Werktag mit einer grossen Tasche durch die Strassen zu schlendern und seine Kommissionen zu tätigen. Auf seine Einladung sind wir in einem kleinen Café verschwunden (etwas, was ich sonst hier absolut nie tue, weil ich vermeiden muss, dass die Leute reden und behaupten, die Beamten arbeiteten nichts und sässen bloss tageweise in den Restaurants herum), und er hat mir geklagt, wie sehr er unglücklich sei mit seiner heutigen Arbeit und wie gerne er zu uns zurückkommen würde. Nun ja, was soll man dazu sagen? Doch man hat in seinem Gesicht schon von weitem gesehen, dass er nicht glücklich ist. Er schien leidend. Mein erster Gedanke galt seinem Rücken. Ich glaube, bei physischen Schmerzen altert man schnell. Und er hat mir um die 10 Kameraden und Altersgenossen aufgezählt, die an Parkinson, an Prostatakrebs, an schweren Depressionen und leichter Impotenz oder an anderen fürchterlichen Krankheiten leiden. Kurz und gut, ich verliess das Café mit einem übermütigen kleinen Sprung über die Schwelle im himmlischen Gefühl, absolut jung und frisch, spritzig und gesund zu sein. Man fühlt sich selten so gut wie im Altersheim. Und das ist die Moral der trüben Geschichte.
Na ja, nebenbei habe ich einen alten weisshaarigen Kameraden gleich aus diesem Café treten sehen, der vor einem oder zwei Monaten pensioniert worden ist. Und ich hatte den penetranten Eindruck, dass er gelangweilt schon zeitig an trüben Novembermorgen in den Restaurants herumhänge, vielleicht gar zum Alkoholismus neige. Er schien mir sehr gelangweilt und mit leerem Blick, als ob er der Arbeit wie einer rassigen und langhaarigen südlichen Geliebten nachweine.
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Und draussen vor dem Fenster hat der November Einzug gehalten. Die Stühle und Tische unten im Cafè sind zusammengestellt. Die Blätter der Bäume bedecken den Boden. Es nieselt und ist kühl. Nicht kalt, aber kühl. Und der Wind bringt eine gewisse Unruhe in die ganze Szenierie. Die Leute eilen vorbei und schauen kaum um. Die schönen, warmen, und wie man sie genannt hat "goldenen" Oktobertage sind endgültig vorbei. Man kann im Städtchen wieder heisse Marroni kaufen. Kennt ihr sowas in Schweden? Es sind diese, auf offener Kohle gegrillten Edelkastanien, die bei diesem Wetter heiss so gut schmecken. Sie sind in den letzten Jahren wieder in Mode gekommen, während es in meiner Jugend ein Arme-Leute-Geschäft war, sowas zu verkaufen.
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Ich habe etwas zuviel gegessen gestern. Auf der Karte fand ich viele Dinge,
die S zuhause auch kocht. Lammgigot, Lammfilets, Fische in allen
Formen. Und so bin ich auf ein absolutes Proletariermenue ausgewichen:
Schnipo, sagt man hier. Das meint Wienerschnitzel mit Pommes. Es war
kalorienreich, üppig und etwas fettig. Darüber konnte auch der kleine
Zitronenschnitz nicht hinwegtäuschen. Aber ich habe es genossen. Und
dazu ein Bier getrunken.
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Ich danke Dir für Deine Wünsche. Sie wackeln immer noch knallrot vor meinen Augen. Und ich bin sicher, sie werden mich im kommenden Winter wie ein Antidepressivum begleiten und zu grossen Taten wie die oben erwähnten Schwellensprünge antreiben.
Mit einem Novembergruss
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Montag, 2. November 2015
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