Mittwoch, 26. März 2014

Schöne Schweiz



Foto: Chris



Warum?


Lieber ...,
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Ach, ..., eigentlich weiss ich nicht richtig von was ich dir zuerst schreiben soll. Dieser lange Artikel über die katholische Kirche, durch den ich mich mühsam hindurchgearbeitet habe. Ich meine der Inhalt war nicht sehr neu aber die Sprache war nicht die leichteste. Warum hast du ihn geschickt? Wolltest du, dass ich mich am Ende des Mails nicht mehr an den Anfang erinnern sollte?

Ich hatte gerade einen Artikel über die Religion der Schweden gelesen.
Der typische Schwede ist privatgläubig. Er glaubt ohne sich an ein bindendes System von Dogmen zu bekennen. Die Weltreligionen sind Unterlieferanten von Komponenten für sein Credo. Populäre Elemente zum einmontieren in den privatisierten Glauben sind Reinkarnation, Pantheismus und Gnosticismus - ein Funken von dem göttlichen ist in jedem Menschen zu finden. Und dann wird berichtet davon wie leicht es ist erbauliche Literatur an diese pravatgläubigen zu verkaufen. Weiter wird von EQ kontra IQ geschrieben. Wirkliche Einsicht ist nur die Einsicht der Gefühle. EQ steht für das Gute, IQ für das Böse. Unser kaputtes Weltbild wird der wissenschaftlichen Revolution zugeschrieben.
Ach, es ist ein langer Artikel. Ich werde dich nicht weiter damit belästigen. Aber das Thema ist interessant.

Dienstag, 25. März 2014

Schon wieder ...



Liebe Malou

Gestern war ich schon wieder in einen Film über das schwedische Königshaus hineingeraten. Was ist bloss los? Stell Dir vor, Du kommst abends heim und bist nicht sicher, ob das schwedische Königspaar auf deinem Sofa sitzt! Man möchte sich vor der eigenen Haustüre noch rasch einen Schlips umbinden und den Atem anhalten, wenn man die Türe aufschliesst!

Aber im Übrigen bin ich momentan sehr beschäftigt mit der Lektüre über die Dynastie der Achaimeniden. Man hat Probleme, die Kerle auseinander zu halten. Sie heissen alle so ähnlich: Kyros, Xerxes und Artaxerxes. Abgesehen von Kambyses und ein paar anderen. Durch die griechischen Geschichtsschreiber sind sie oft in ein übles Licht geraten. Auch Platon spricht nicht besonders gut von ihnen und meint, nach dem ersten, dem grossen Kyros, wären sie alle verkommen und hätten ihren Despotismus überzogen. Es sind dieselben und ähnliche Überlegungen, wie sie noch heute kursieren über die Differenz zwischen westlicher Demokratie und orientalischem Despotismus. Und wenn man sich das von weitem ansieht, scheint einiges dran zu sein. Doch Wiesenhöfer, den ich hier lese, meint, es handle sich dabei eher um Vorurteile als um Tatsachen.

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Nur Könige


bekommen Elefanten geschenkt


Lieber ...,
Wie lustig du über deine Sehnsucht nach einem Tier schreibst. Eigentlich danach von einem Tier geliebt zu werden. Soll ich dir verraten, was mal mein höchster Traum war? Ich war wohl so 10 Jahre alt und hatte ein ganz wunderbares Buch über Ceylon, wie es damals hiess, gelesen. Und dann wünschte ich mir sehnlich einen Elephanten. Das grosse Tier sollte mich über alles lieben und gegen alle Gefahren beschützen. Ich glaube es war meine Sehnsucht nach Geborgenheit die hinter diesem Wunsch lag.

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Montag, 24. März 2014

Romantik



Liebe Marlena
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Gerade habe ich einen Artikel über Novalis gelesen. Ich würde wetten, dass Du ihn kennst. Der Exponent der Romantik und der Taufpate Deines eigenen Denkens. Es gibt ja auch dieses berühmte Abbild, wo er aussieht wie ein Mädchen, mit einem feinen Gesicht und süssen Lippen. Novalis, der in seinen "Hymnen an die Nacht" und dem unvollendeten Roman "Heinrich von Ofterdingen" die Romantik inkarniert hat. Romantik, das ist die erste Avantgardebewegung. Novalis ist der Dichter der Romantik schlechthin.

In seinen "Blüthenstaub"-Fragmenten schreibt er, und da spricht er Marlena aus dem Herzen:

"Wir träumen von Reisen durch das Weltall: ist denn das Weltall nicht in uns? Die Tiefen unseres Geistes kennen wir nicht. Nach innen geht der geheimnisvolle Weg. In uns, oder nirgends ist die Ewigkeit mit ihren Welten, die Vergangenheit und Zukunft".

Ja ich finde in diesem ausgezeichneten Artikel von Borer sogar ein romantisches Programm, was ich in den letzten paar Jahren immer gesucht habe.

"Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Anschein gebe so romantisiere ich es".

Das ist, kurz gesagt, Werbung. In den letzten Jahren hatte ich immer stärker den Eindruck, die Romantik sei eine besonders starke Bewegung der Moderne. Vor allem auch in der Psychologie spielt sie eine wichtige Rolle. Aber ich hatte darüber nur ein diffuses Gefühl, keine wirklichen Informationen. Nur da und dort, da ich etwas gelesen habe, hat sich mir die These erhärtet.
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So, meine liebe Marlena, ich hoffe, dass Du meine Mails doch noch erhalten hast, und dass damit Dein Hilferuf verstummt.
Mit einem lieben Gruss
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Samstag, 22. März 2014

Wien?


Liebe Marlena
...

Hast Du Deine Wien-Reise schon näher geplant. Ich wette, Du hast es nicht getan. Aber vielleicht hast Du schon mal Deine Bekannten dort drüben vorgewarnt, dass Du mal anreisen könntest. Du musst mich früh genug informieren, damit ich Dich einhole. Dann werden wir im Prater auf dem Riesenrad in den Himmel steigen (und natürlich auf der anderen Seite wieder runter), und wir werden uns 'fesch' finden und Kaffee mit Schlagobers geniessen über der Kronenzeitung. Und im Sacher würden wir Torte schlecken. Ach ja, ich glaube, die Wiener wären schon in Ordnung. Sie haben von allen Europäern am meisten orientalischen Einschlag. Vielleicht ein bisschen ähnlich wie die Ungarn. Und sie haben - nicht zu vergessen - ein solides jahrhundertealtes Unbewusstes, mit dem man ausgesuchte Sprachspiele spielen kann. Am Institut in Zürich, wo ich Familien- und Ehetherapie Ausbildung gemacht hatte, gab es einen Arzt aus Wien. Er war sehr gemütlich. Und er hiess Hofmann, wenn ich mich nicht täusche. Ich kann mich noch an die Situation erinnern, als er erzählt hatte, weshalb und wie er Therapeut geworden sei. Er sei mal an einem Sonntag im Prater gewesen. Dort hätte es aus dem Krieg viele Bombentrichter gehabt, die mit Regenwasser gefüllt waren. Plötzlich sei jemand in ein solches Loch gefallen. Und er sei am Rand gestanden und habe hilflos zugeschaut, Mut zugerufen und gute Ratschläge gegeben. Auf jeden Fall habe sich die Person retten können. Und er hätte da ja wohl eine therapeutische Rolle gespielt: am Rand hilflos fuchtelnd und selbst nicht wissend, was eigentlich das Richtige zu tun sei.
Das hat mir einigermassen eingeleuchtet.
*
Ich wünsche Dir einen schönen Abend.
Mit lieben Grüssen

wunderbare Anekdote

(R)

 Liebe Marlena
...
Kennst du diese wunderbare Anekdote über Nils Bohr, den
berühmten dänischen (so glaube ich) Atomphysiker?

Er hat Leute in sein Landhaus eingeladen. Und die Gäste haben
sich gewundert, warum er über dem Eingang ins Haus das
Hufeisen eines Pferdes angebracht hat. Solche Hufe gelten
bekanntlich als Glücksbringer. Und sie haben Bohr gefragt,
ob es denn wirklich so sei, dass er als Naturwissenschafter
an solche Dinge wie ein Hufeisen glaube??
Und Nils Bohr, weise wie er war, hat gesagt: „Nein, ich selbst
glaube natürlich nicht daran. Aber es gibt Leute, die sagen, es
helfe auch bei jenen, die nicht daran glauben!".

Intelligent gesehen, nicht wahr? Ist eine meiner
Lieblingsanekdoten, ganz einfach, weil sie mehrdimensional
und vielstöckig ist. Sie ist wirklich sehr weise und köstlich
zugleich!