Freitag, 13. September 2013
Re:
Ämne: Re:
Datum: den 26 augusti 00:34
Liebe marlena
Kruessen, na ja, wenn Du nicht weisst, was das ist, wie soll ich das sagen? Es ist sozusagen eine Sorte Konfituere. Eingemachtes Gemischtes. Darunter kann man sich doch was vorstellen, oder etwa nicht? Klebrig ist es auf jeden Fall. Und suess dazu. Ich meine, das sollte als Erklaerung genuegen. Sonst musst Du im Lexikon nachschauen.
Ja, Deiner war ein merkwueriger Tag. Und die Bottero Leute! Ich weiss erst seit der kolumbianischen Aertztin, dass Bottero ein Kolumbianer ist. Das wusste ich nicht. Hier in Amerika gibt es schon einige dicke Leute, aber doch nicht soviele, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und kuerzlich sah ich einen Film aus England ueber dicke Menschen. Ich haette mir nie vorstellen koennen, dass Englaender so dick werden koennen. Die sind doch von Natur duenn!
Ich bin nicht so streng mit den Leuten, wie du denkst. Meine Aeusserungen sind nur solange moeglich, als ich nicht mit ihnen in Kontakt bin. Sobald ich sie kenne, werde ich sehr tolerant. Du wuerdest bei mir sehr gut abschneiden, kann ich Dir versichern. Ich glaube, Du waerest ein "impressionistisches Bild". Es ist wahr, die erste impressionistische Ausstellung, die ich gesehen hatte, war auch die im Jeu de Paume. Und das war eine solch gute Astmosphaere da drin. Man hatte das Gefuehl, die Bilder wuerden nur fuer dich dort hangen. Als ich sie dann wieder im Gare de xxx gesehen habe, kam mir alles so anonym und gross vor. Ich hatte den Eindruck, es sei ein Verlust. Aber natuerlich war die Situation dort, angesichts der vielen Besucher, unhaltbar geworden.
---
Heute haben wir Uebungen gemacht im Kurs. Es kommt darauf an, die Logik der Technik durchzuhalten. Es ist wie ein Spiel, aber die Spielzeuge sollte man einigermassen ueberblicken. Das zu lernen, dazu sind wir da. Ich habe mich vor dem ganzen Kurs als Patient zur Verfuegung gestellt und bin mit hellem Applaus fuer meinen "Mut" belohnt worden. Na ja, es macht schon ein bisschen gespannt, vor so vielen Leuten sich auf sich selbst zu konzentrieren. Aber es hat nicht schlecht gewirkt. Es ist natuerlich immer sehr viel Suggestion mit dabei. Die ganze Uebung soll der Staerkung der Identitaet dienen. Du wirst sehen, wie ich nur noch davon spritze.
Ich muss leider zum Ende kommen. Meine Gastgeber sind heimgekommen. Und Du weisst schon.
Ich wuensche Dir eine gute Zeit.
Liebe Kruesse
...
Donnerstag, 12. September 2013
1. Kurstag
Ämne: 1. Kurstag
Datum: den 25 augusti 01:10
Liebe Marlena
Ja, die Carolina von Klueft, ich kenne sie zwar nicht, aber ich glaube, ich habe schon von ihr gehoert. Schoen, wie Du fuer sie Wind machst. Das finde ich echt patriotisch. Wenn ich den Namen hoere, dann stelle ich mir unter einer schwedischen Carolina ein engelhaftes, engelblondes beinahe fliegendes Wesen vor, fuer das es natuerlich keine Sache ist, im Weitsprung noch im letzten Versuch die Hoffnungen der Franzosen zunichte zu machen. Ich finde es immer schoen, wenn Leute von kleinen Nationen gewinnen. Small ist einfach beautiful, nicht wahr.
Ja, heute hat er Kurs angefangen. Wir sind ein internationales Gemisch. Da gibt es eine Tuerkin aus Istambul, sehr gut gekleidet und chique, ein Franzose, der aber in den Staaten lebt, ein Brite, der in London bei einer schweizerischen Bank arbeitet, eine Mexikanerin, die Taenzerin ist und voller Energie dasitzt, eine Venezuelanerin und daneben noch einige Amerikanerinnen und Amerikaner. Einer hat mir schon vorgerechnet, wie seine Vorfahren vor 400 Jahren aus der Schweiz ausgewandert sind. Er heisst Rosenthal. Und die andere Seite seien Russen. Nun habe ich in der Schweiz noch nie einen Rosenthal getroffen. Na ja, vielleicht eben, weil sie ausgewandert sind. Aber vielleicht denkt er auch, die Schweiy sei das suedlichste Bundesland hinter Bayern. Er lebt in Florida. Ich glaube, ich muss ihn naeher kennenlernen, ich wuerde gerne mal nach Florida. Dort haben sie keine Jahreszeiten, die Armen, und wissen nicht, was Schnee ist, die Alleraermsten. Der Brite spricht neben seinem feinen Akzent auch Deutsch und Franzoesisch. Das habe ich bisher nirgendwo gesehen bei einem Briten. Er ist ein bisschen scheu, auch das echt britisch. Die Amerikanerinnen scheinen mir die komischsten Wesen im Kurs. Die eine ist etwas unfoermig, dick aufgepudert. Die zweite wirkt asketisch tantenhaft. Und die dritte ist auch ziemlich rund und schaut grimmig in die Welt. Ich weiss nicht, was die Amis mit ihren Frauen machen. All die anderen, die ich aufgezaehlt habe, sind gut doppelt so sympathisch, wenn man sowas ueberhaupt quantitativ fassen kann. Unter den Maennern sind mindestens drei, vielleicht vier Juden. Einer traegt diese kleine Kappe und sieht ziemlich unappetitlich aus. Die anderen sind passabel, einer ein bisschen vorlaut, aber nicht ohne Witz. Kurz und gut, ich bin hier in eine echt internationale Sauce geraten. Und ich werde versuchen, das Beste draus zu machen, und natuerlich das Ansehen der Schweiz zu mehren, wie Du das ja mit Deiner Carolina auch tust. Ein bisschen Chauvinismus ist doch ganz gut, nicht wahr?
Heute habe ich nach dem Kurs noch rasch eingekauft. Ich habe meinen Gastgebern alle Knaeckebrote und den Kaffe e aufgebraucht. So dachte ich, ich muesste Nachschub holen. Das ging ueberraschend gut. Ich habe sogar dieselben Wasa Brote gefunden. Und den Kaffee fuellt man in einen Sack und malt ihn dann an der Maschine. Ich glaube, das gibt es in der Schweiz nicht mehr. Bei uns kauft man bloss noch vakuumverpakten Kaffee. Nur an der Kasse hatte ich ein Foul begangen. Es gab zwei Kassen, und davor eine Schwarze, die wartete. Ich dachte, sie stehe vor der linken Kasse, und sobald die rechte frei war, ging ich hin. Aber Olala. Sie meinte, da gaebe es eine Queu (wie schreibt man das wieder?). Das hat mich doch sehr an England erinnert. Und dann habe ich gewartet, und ein Maedchen hat mir ueberholt, weil ich das System immer noch nicht begriff. Dann hat sie ihr Vater zurueckgepfiffen und mich vorgelassen. Das erinnert mich wirklich an England. Das hatte man uns vor unserem Ferienkurs in Bournemouth sehr eingeschaerft, wie man Schlage stehen soll. Sogar wenn man einziger ist, der wartet, soll man eine Schlange machen. Ich finde das ja auch eine sehr gute und faire Sache. In der Schweiz hat sich diese Gewohnheit etwas abgeschwaecht. Man wartet in Traubenform, also das Darwin-Prinzip. Und das gibt immer ein bisschen ein Gerangel. Und dabei sind die huebschen Frauen schwer im Vorteil. Das ist unfair, wo sie doch schon sonst ueberall Vorteile haben.
Und jetzt sitzte ich vor meinem Columbianischen Kaffee, nachdem jene Aerztin mir versichert hatte, Kolumbien exportiere erstklassigen Kaffee und erstklassige Drogen. Die Drogen versuche ich spaeter mal.
Gerade sind meine Gastgeber heimgekehrt. Wir hatten uns in Flushing Meadows verpasst. Aber das macht nichts. Es gab dort fuer meinen Geschmack zuviele Leute und Kinder. Und es war sehr heiss. Als ich wieder im eiskalten Kuehlschrank der Untergrund sass, war ich ganz erschoepft. Aber auf dem Rueckweg musste ich nicht mehr auf die Stationen achten, um nicht die meine zu verpassen, so konnte ich ein bisschen doesen. Neben mir sass eine suedamerikanische Familie mit einem suessen Maedchen. Die Mutter und ihre Schwester waren sehr breit. Es ist erstaunlich, zu was sich eine solch suesse Kreatur spaeter entwickeln kann. Na ja, die Suedamerikaner neigen etwas zur Korpulenz, zumal sie alle etwas klein sind.
Und jetzt wuensche ich Dir eine schoene Woche. Bei uns ist jetzt erst Sonntag Abend. Ich weiss noch nicht, was ich heute abend tun soll. Vielleicht gehe ich hier nach St. Marks, da ist viel los. Aber es ist eher fuer junge Leute, die sich kennen und treffen, nicht fuer alte Intellektuelle, die bloss zuschauen.
Ich wuensche dir eine gute Zeit
Miet lieben Kruessen
Mittwoch, 11. September 2013
5. Avenue
Ämne: 5. Avenue
Datum: den 24 augusti 03:39
Liebe Marlena
Heute habe ich mir die 5. Avenue drangenommen und von der 42. Strasse bis hinauf zum Central Park mit eigener Zunge gewischt. Es war warm. Aber es herrschte auch irgendwie Wochenendstimmung. Die Leute waren besser gekleidet als an Wochentagen. Und die Laeden voll. Ich habe mir ein kleines Kitsch-Souvenir gekauft. Aber ich bin nicht soweit gegangen, jenes zu waehlen in der Glaskugel, das, wenn du schuettelst, Schnee aufwirbelt. Die 5. Avenue ist eine der schickeren Strassen. Es gibt viele Kleiderlaeden, und ich bin sogar - was ich sonst kaum in meinem Leben tue - hineingegangen und habe geschaut, was es so gibt. Es gibt jede Menge Jeans. Und jene, die schon 5 Jahre alt und verbraucht aussehen, die sind die teuersten. Frueher, zu unserer Jugendzeit, hatte man gesagt, man soll die neuen Jeans anziehen und damit in die Badewanne mit Kaltwasser steigen, um sie schliesslich am Koerper wieder trocknen zu lassen. So wuerden sie am besten sitzen, behaupteten Kenner der Materie. Aber was damals "sitzen" hiess, ist wohl heute ziemlich locker.
In einem italienischen Lokal habe ich eine Pizza gegessen, die echt gut war. Na ja, vielleicht hat mein Hunger noch einiges dazu getan. Aber ich hatte wirklich den Eindruck, sie sei ausgezeichnet. Und fuer diese Gegend auch nicht teuer. Wenn ich nochmals in diese Gegend komme, werde ich noch eine versuchen. Sie haben verschiedene Sorten, mit Spinat, Broccoli, Tomate, Pilzen. Und irgendwie schaffen sie es, dass diese Zutaten obendrauf ganz frisch wirken, nicht wirklich ausgebacken und trocken. Das macht es saftig und locker. Also, einfach exzellent. Man koennte dazu "Santa Lucia ... " singen.
Als ich dann um 6 p.m. ungefaehr wieder bei der Central Station war, war ich totmuede. So bin ich in die Empfangshalle des grossen Hyatt Hotells und habe mich in einen dieser weichen Plueschsessel fallen lassen. Man muss einfach etwas cool und gelangweilt in die Welt schauen, dann kann man sowas tun. Ich habe sogar die Fuesse auf das kleine Tischchen gelegt, um echt amerikanisch und etwas ungehalten auszuschauen, eben wie jemand, den man viel zu lange warten laesst. Ich glaube, ich habe ein kleines Nickerchen gemacht in allerbester Atmosphaere. Und dann habe ich eine Ecke der Halle gezeichnet und mein Tagebuch etwas nachgefuehrt. Unterdessen hatte sich rund um mich eine Runde von Schwarzen niedergelassen, die sich fuer den Ausgang verabredet hatten. Sie waren alle nett angezogen und in bester und irgendwie hungriger Stimmung. Ich glaube, man sollte sich diese Hotel-Lobbies einfach im Hinterkopf merken. Man kann dort sehr gut Treffpunkte abmachen, denn sie sind 1. eindeutig, 2. vor allfaelligem Regen geschuetzt, 3. ohne Konsumzwang, 4. gute Adressen, 5. huebsch zurecht gemacht und gepflegt sowie 6. eben fuer solche Dinge wie Treffen und Verabredungen gemacht. Wenn wir uns mal irgendwie und irgendwo im Leben treffen sollten, dann - meine liebe Marlena - wird es in einer Hotel-Lobbz sein, darauf kannst Du Gift nehmen. Es ist einfach kein Vergleich zu einer windigen Strassenecke. Und ich bin ueberzeugt, die Hotels haben absolut nichts dagegen. Sie wuerden sich eher Sorgen machen, wenn ihre Lobbies leer blieben.
Als ich dann wieder etwas Kraft in den Beinen hatte, bin ich noch nach Osten zur UNO gepilgert. Das war ich S. schuldig. Schliesslich hatte sie mal bei dieser Bude gearbeitet, und ebenso ihr Vater. Ich glaube, es war damals im Iran ein erstklassiger Arbeitgeber. S. hatte fuer ihr Alter einen riesigen Lohn. Und eine Rente in Dollars, wie das mein Schwiegervater hatte, und die Schwiegermutter heute noch geniest, das ist bei den Inflationsraten des Rials ein Geschenk des Himmels. Doch das UNO Gebaeude lag im Wochenend-Schlaf. Keine Fahnen, ausser die blaue Unoflagge. Vielleicht haben sie die Fahnen auch zur Trauer zurueckgenommen. Das weiss ich nicht. Das lustigste war, dass ein Bettler, ein Penner, ein homeless - wie sie hier sagen - mit einem Waegelchen und einem riesigen schwarzen Plastiksack ueber die Strasse kam. Du lachst, aber er sah wirklich aus wie Kofi Annan, wenn er morgens noch ungewaschen und ungekaemmt aus dem Bett steigt. Ich musste lachen, als ich den Kerl sah.
Und so habe ich auch meinen 5. Tag hinter mir. Die Zeit fliegt . Aber ich merke auch, dass ich etwas schneller muede werde als am Anfang. Deshalb ist es gut, wenn der Kurs beginnt. So kann ich mich richtig ausruhen. Das hoert sich vielleicht komisch an. Aber Trance-Kurse sind die einzigen, die ich kenne, die so entspannend und beruhigend sind. Deshalb bin ich ja schliesslich - unter anderem - nach N.Y. gejetet. Ich bin gespannt, welche Art von Leuten sich im Kurs zeigen werden. ich weiss nur von der Kollegin aus Genf, die kommen wird. Wir haben uns geschworen, wir wuerden Europa bis auf den letzten Tropfen Blut verteidigen. Und das tun wir fur Euch dort drueben, hinter dem Ozean.
Ich wuensche Dir ein gutes Wochenende. Es freut mich zu hoeren, dass Du wieder im Element bist und das Du es geniesst. So soll Arbeit sein: Spass machen. Na ja, zumindest mehrheitlich.
Mit lieben Gruessen und so
...
Montag, 9. September 2013
Re: Jalouse ..
Ämne: Re: Jalouse..
Datum: den 23 augusti 14:39
Ma chère jalouse
ja, es ist schoen zu reisen und neue Dinge zu sehen. Aber ich merke schon, dass ich gleichzeitig anfange zu schaetzen, was ich zuhause habe: die Familie, eine gute Frau, meine Zeitungen, einen vernuenftigen Kaffee, die Buecher, die Stadt Basel, der Club ... na ja, alles so, was zum normalen Alltag gehoert.
Man macht auch irgendwie viel leichter Kontakt in der Fremde. Einfach zwei ein bisschen ratlose Touristen in einer Millionenstadt von Einheimischen, das verbindet. Es ist dann ganz einfach, ein Gespraech zu beginnen und man gelangt sehr schnell bis zur persoenlichen und familiaeren Situation. Es ist noch fast so, wie es war, als wir 20 waren. Man ist irgendwie befluegelt von all den Eindruecken und neuen Situationen, dass man "ueber den eigenen Schatten springt" (eigentlich eine sehr schoene, deutsche Redeweise!). Siehst Du, ich fange sogar an das Deutsch zu geniessen. Ich kann mich erinnern an jene Zeit, als ich als Gymnasiast in England war. Ich glaube, das waren 2 oder 3 Monate. Ich hatte mir dort meine erste Pfeife gekauft, habe mich auf Tennisplaetzen herumgetrieben, einfach, weil ich diese spezielle Atmosphaere mochte und habe mir die Weltwoche gekauft (eine Wochenzeitung aus der Schweiz; A. hat jetzt angefangen, sie zu lesen, wie ich kuerzlich feststellte). Nie in meinem Leben habe ich mit soviel Interesse und mit Genuss Zeitung gelesen.
Im Moment ist kurz nach 7 Uhr samstag Morgen. Ich glaube nicht, dass die New Yorker schon auf sind. Es ist hier alles noch still. Die Nachbarin hat noch kein Licht in der Kueche. Und hier, wo ich zum naechsten Haus hinueber sehe, ist auch keine Seele auszumachen. Ich habe mir, wie jeden Morgen, zwei Eier gekocht. Etwa 4 Minuten plus/minus 5. Darauf streiche ich mir dann etwas Butter und streue Salz. Das schmeckt perfekt und ist leicht zu machen. Und nachher braue ich mir einen Kaffee. B. hat diesen Kaffeekocher aus Metall, wo man unten Wasser und oben, ueber dem Filter, den Kaffee hineinschuettet und dann verschraubt. Das ist immer noch eines der besten Systeme, wenn man nicht zuhause an die eigene Maschine herankommt. Das ist mein daily breakfast und es gibt einen guten Boden im Magen. Damit kann ich dann aushalten bis 3 p.m., wenn es sein muss.
Times Square ist wirklich wie ein elektrisierter Ort. Diese Lichtreklamen, die ich sonst nirgendwo in solch grosser Konzentration gesehen habe, machen, dass sich diese Kulisse rundum in Bewegung haelt. Und weil die Strassenkreuzung in X-Form verlaeuft, ist gleichzeitig viel Verkehr auf dem Platz. Besonders abends mit den Schlusslichtern der Fahrzeuge wird das deutlich. Es gibt dort ein Hotel Marriot oder aehnlich genannt. Die haben im 48. Stock ein Restaurant. Ich bin mit dem Expresslift hochgeduest und habe mir die Aussicht auf Manhattan kurz angeschaut. Aber die Sonne war schon vorbei. So wirkte alles etwas blass und dunstig. Man sollte bei klarem Sonnenschein dort oben einen dry Martini trinken. Aber das Liftszstem des Hochhauses ist phaenomenal. Du kannst Dir das Haus vorstellen wie eine hohe Kartonschachtel. Mitten drin steht ein Rohr. Dieses traegt die Lifts. Aber sie sind wie ein Kranz ausserhalb des Rohrs, gut sichtbar, angebracht. Sie sind wie kleine Kaeseglocken, die im Eiltempo hoch- und herunterfahren. Und wenn man im Lift steht, faehrt man an den Stockwerken vorbei, die wie Galerien nach innen offen oder verglast sind. Da gab es etwa im 12. Stock ein Fitnesscenter. Irgendwo ein Restaurant und so weiter. Und du faehrst wie in einer Rakete daran vorbei in die Hoehe und kannst alles sehen. Das Konzept ist wirklich gut ausgedacht.
Wo ich hier wohne, ist ein spezielles Quartier. Es wirkt geradezu doerflich, und heisst ja auch East Village. Frueher muessen hier Deutsche und Hollaender gesiedelt haben, wenn man die Haeuser beurteilt. Die Strasse ist gesaeumt mit Baeumen. Und es gibt viele kleine Laeden und Restaurants. Abends ist hier ein Ameisenhaufen, vielleicht eine Strasse weiter noch mehr als hier. Meine Gastgeber gehen jeden Abend in die Bar. Es gibt offenbar um 5p.m. eine sogenannte happy hour. Dann sind die Preise auf 50% reduziert. Das ist natuerlich raffinierte Geschaeftspolitik. Viele werden haengen bleiben bis morgens um 3. Aber meine Leute gehen um 10 p.m. und kommen dann erst nach Mitternacht wieder heim. Sowas kann ich mir natuerlich nicht erlauben. Aber es ist fuer mich auch nicht so attraktiv. Die Bar ist wirklich kuehl, sogar windig wuerde man sagen. Und die Musik ist laut. Es ist lustig, wenn man Leute kennt und diskutieren kann. Aber man muss dabei natuerlich ziemlich schreien.
Habe ich Dir erzaehlt, dass die Amis hier ein merkwuerdiges System haben. Man darf beispielsweise nicht Alkohol trinken auf der Strasse. Und man darf nicht rauchen in einer Bar. Wenn Du also europaeisch deinen Suenden nachkommen willst, dann musst du staendig pendeln zwischen Rauchen und Trinken. Das macht Dich atemlos. Noch schlimmer, wenn Du draussen auf dem Gehsteig an einem Tisch des Restaurants sitzt. Was tust du jetzt? Rauchen oder trinken oder beides, oder vielleicht keines? Die Behoerden haben in ihrer unerforschlichen Weisheit beschlossen, dass man in einem solchen Fall wohl trinken (obwohl draussen), aber nicht rauchen (obwohl nicht drinnen) darf. Man kann echt in Not kommen in diesem Land der unbegrenzten Moeglichkeiten!
Der Amerikaner, den ich gestern mit Frau und Tochter im Metropolitan Museum getroffen hatte, klang sehr patriotisch. Er hatte eine Idee von Amerika als einer Art Weltdoktor, der unseren Planeten von allen Geschwueren und Krankheiten zu heilen hat. Zu hohen Kosten, notabene. Es klang irgendwie alles mit karitativem Unterton. Es ist vielleicht so, wie die Katholiken frueher die Welt missioniert haben, um das Seelenheil der Menschen zu retten. Die Amis denken, sie bringen uns wirklich nur Gutes. In einem einzigen Punkt waren wir uns sehr einig. In der Tatsache naemlich, dass ein guter Staat einen grossen Mittelstand braucht. Wenn es nur Arme und nur Reiche gibt, laeuft es auf einen Krieg zwischen den beiden Klassen hinaus. Aber der Mittelstand ist das tragende Element des buergerlichen Staates. Damit hat er mich mit einer sehr schweizerischen Idee getroffen.
Er hat mir auch einiges von Frank Loyid Wright erzaehlt. Offenbar ist in der Naehe seines Wohnortes (ich erinnere mich nicht mehr, woher er kam) dieses beruehmte Haus on the waterfall von Wright. Er war ein bisschen irritiert, dass ich das Haus schon kannte. In meinen Architekturjahren hatte ich natuerlich einige Bilder davon gesehen. Und im Metropolitan Museum gab es einen Raum, der von Wright eingerichtet worden war. Deshalb sage ich, dass dieses Museum fuer uns Europaer etwas unordentlich wirkt: es gibt neben Rubens-Bilder einen Wohnraum eines beinahe zeitgenoessischen Architekten. Es gab auch viele Moebel und Dinge, die wir eher in einem Voelkerkundemuseum unterbringen wuerden. Es gab zahlreiche alte Ruestungen aus dem Mittelalter, Objekte fuer Rituale in fremden Kulturen.,und daneben Statuen von Rodin. Die beruehmten "Buerger von Calais", die auch in Basel im Hof des Kunstmuseums stehen, standen auch hier mit ihren tragischen Gesten. Wer hat da wohl von wem geklaut :--)? Ich habe keine Ahnung, wieviele Kopien es davon gibt. Wahrscheinlich schon einige. Es gab einige schoene Bilder von Pisarro. Dabei habe ich an Dich gedacht. Es gibt nicht viele Personen, die ich kenne, und die gleichzeitig Pisarro kennen. Wir sind sozusagen seine gemeinsamen Bekannten. Weisst Du, was an Pisarro besonders ist? Seine Palette ist so unaggressiv, so milde und ein klein bisschen mystisch. Er wirkt durch seine Bilder wie ein aelterer, abgeklaerter Herr., der der Welt Frieden und Ruhe bringen moechte. Und das war er auch unter den Impressionisten. Er hatte in seiner Diskretheit einen grossen Einfluss auf viele seiner Malerkollegen. Ich glaube, er hat Monet zum Impressionismus bewegt. Und das ist doch eine kunsthistorische Tat, die man nicht unterschaetzen darf. Ich fuele mich ihm ein bisschen verwandt. Und dann gab es noch zwei oder drei Sisleys. Sie sind immer schoen und harmonisch. Er steht Pisarro sehr nahe. Seine Palette ist ein bisschen heller und unbeschwerter. Wir haben gelacht bei einer kleinen Skulptur von Degas. Sie stellte eine Frau dar, die sich einen Fuss waescht. Na ja, irgendwie hat es gewirkt, als ob sie sich an der Fusssohle kratzen muss. Dabei ist sie auf einem Bein frei gestanden, hat mit dem anderen Arm ausbalanciert. Es war eine lustige Pose, aber sehr gut erfasst. Der nach innen gewoelbte Ruecken mit den hervorstehenden Schulterblaettern, das Rueckgrat, das in einem leichten Bogen zum Po fuehrte, dort aber eine eine verstaerkte Kruemmung die eine Anstrengung signalisierte, weil die Figur ja mit dem Arm ihren Fuss zu erreichen hatte, so dass das Becken rechts etwas hervorstand, und dann die Gewichtsverteilung auf bloss einem Bein, das war alles meisterhaft. Es sah so leicht und ein bisschen komisch aus, aber es war genial, denn die Pose war ungeheuer schwierig zu modellieren. Degas war ein Meister der Damentoilette. Man koennte denken, er waere als Kind der Chefin eines Beauty-Salons aufgewachsen. Aber man sieht auch, dass die Frauen, die er sich vornimmt, nicht von hoher sozialer Klasse sind, manchmal eher einfache und etwas einfaeltige Geschoepfe.
Soweit meine Impressionen. Nebenbei: ich hatte versucht, meiner Begleiterin die Begriffe Impressionismus und Expressionismus zu erklaeren. Soll ich Dir sagen, wie ich es versucht habe? Na ja, ich kann das nur, soweit ich es selbst begreife. Dem Impressionismus liegt ein sinnliches Konyept der Wahrnehmung zugrunde. Ich habe kuerzlich einen Artikel (NZZ) gelesen ueber die physioligische Forschung von Helmholtz in Deutschland und das Wahrnehmungsverstaendnis der Impressionisten. Also: Impressionismus ist sinnlich, Expressionismus ist gedanklich. Oder wenn man vor dem Bild steht: ein impressionistisches Bild zieht dich als Betrachter in sich hinein, ein expressionistisches Bild springt dich an.
Soweit meine meine Impressionen.
Ich gehe jetzt duschen und dann nichts wie los.
Und wuensche Dir ein schoenes Wochenende.
Mit Gs und Ks a la carte
...
Jalouse ...
Ämne: Jalouse..
Datum: den 23 augusti 11:38
Lieber ...,
Endlich Wochenende. Die Sonne scheint und ich bin mit dem Leben ganz zufrieden. Vielleicht abgesehen davon, dass mein geliebter Mausfreund mir von seinen Flirts erzählt..
Es ist schön wieder in Gang zu sein. Ich glaube du hast ganz Recht in deiner Schilderung des "nach dem Berufsleben". Aber ich denke, vielleicht werde ich mich dann retten indem ich anfange zu reisen. Spiele mit dem Gedanken mich für einige Zeit (ein paar Wochen) hier und da einzukvartieren. Wien, Paris.. und zuguterletzt natürlich Rom, die Stadt in die ich mich mein Leben lang gesehnt habe.
*
Du hast es schön und interessant dort drüben. Das freut mich sehr. Und ich lese mit grossem Interesse deine Erlebnisse.
Muss mich leider etwas kurz fassen. Vielleicht komme ich später heute nochmals an den PC.
Mit einem "à la carte". Wie? Nun ja, das gibt sich ganz von selbst. Es ist nicht begrenzt.
Ach, mein lieber Mausfreund, was tun wir da wieder gegen unsere §§§.
Aber zum Teufel damit..
G+K
Marlena
im Metropolitan
Ämne: im Metropolitan
Datum: den 23 augusti 02:12
Liebe Marlena
Also ich bitte Dich! Du offerierst mir einen Kuss mit Sortenwahl. Aber ich weiss nicht, welche Sorten Deine Firma fuehrt. Du musst so etwas wie ein Menue zusammenstellen, damit ich a la carte vorgehen kann. Du weisst schon, wie ich meine!
Heute war ich also im Metropolitan Museum. Dazu habe ich sogar mein Jacket mitgenommen. Ich dachte, es wuerde heute regnen und die AC sei bestimmt ziemlich kalt. Zuerst bin ich noch rasch beim NLP Institut vorbeigegangen, damit ich dann am Sonntag, dem ersten Kurstag, morgens nicht lange suchen muss. Doch die Arbeit beginnt jeweils erst um 10 a.m. In der Untergrund habe ich dann eine Kolubanerin getroffen, die auch sehr eifrig in den Plaenen und Reisefuehrer geblaettert hat. So haben wir ein Team/Work gemacht. Sie wollte eigentlich nur in den Central Park. Ich habe sie dann zur Met ueberredet. So haben wir die amerikanischen Impressionisten angeschaut. Aber ich war ein bisschen enttaeuscht: es gab nicht so viele. Ich hatte mal in einer Ausstellung in Lugano mehr davon gesehen. Aber es war ganz passabel. Und sie hatten viele und ausgezeichnete Stuecke von Courbet. Und von Degas gab es jede Menge Skulpturen mit Frauen, die sich waschen, kaemmen, buersten und schaben. Man koennte damit ein halbe Badeanstalt fuellen. Meine Begleiterin liebte van Gogh. So sind wir auch ein bisschen dem armen Vincent. Es gibt dieses Bild einer aelteren Dame aus Arles. Na ja, ich glaube, es gibt mehrere Versionen. Aber eins war da. Kuerzlich hatte ich in Basel bei Beyeler ein anderes davon gesehen. Es ist ein schoenes und eindrueckliches Bild. Aber an der Vorliebe fuer van Gogh konnte ich sehen, dass sie nicht soviel von Bildern weiss und kennt. Aber sonst war es sehr unterhaltsam, wieder mal mit jemandem zu plaudern und zu scherzen. Die letzten zwei Tage war ich mehr oder weniger allein unterwegs. Sie ist Aerztin und gerade daran, ihre Spezialisierung zu machen. Sie will sich fuer Augenaerztin entscheiden, wie schon ihr Vater und ihr Bruder es sind. Und so hat sie natuerlich auf meinen Wunsch gleich eine Nachkontrolle an meinen Augen gemacht. Ich glaube, sie war zufrieden mit der Heilung meiner Wunden. Es ist lustig: sie ist 30, sieht aber aus wie 20. Anfangs hatte ich ein bisschen Bedenken, weil ich dachte, ich koenne doch nicht mit einem solch jungen Ding herumziehen. Wir haben festgestellt, dass ich so alt bin wie ihr Vater, und haben uns sozusagen fuer ein Vater-Tochter-Verhaeltnis entschieden. Ich habe einiges erzaehlt von den vielen Dingen, die ich in den letzten 20 Jahren ueber Malerei und Maler gelesen und gelernt hatte. Und sogar mein Jacket konnten wir gebrauchen, weil sie in dem sibirischen Klima mit der Zeit etwas froestelte. Ich habe, wie es sich gehoert, in diesen nordischen Winden tapfer ausgehalten. Sie musste dann gehen, weil ihre Freundin - bei der sie wohnt - anrief und schon von der Arbeit heimgekehrt war.
Ich hatte noch ein laengeres Gespraech mit einem Amerikaner, einem pensionierten Lehrer der High School (Erdkunde) Er wusste, wo die Schweiz liegt und konstatierte mit Bewunderung, dass wir ueberall Seen haetten. Na ja, ich habe ihm nicht widersprochen. Er empfahl mir, auf das Dach des Museums zu gehen, um den Blick ueber den Central Park und die Skzline zu geniessen. Das habe ich dann auch noch getan. Wir haben uns sogar ein bisschen in die Politik vorgewagt. Ich sprach von einem gewissen Misstrauen der Europaer gegen[ber der amerikansichen Politik. Aber er begriff nicht, was ich meinte. Er stellte fest, dass die Europaer endlich ihre Hausaufgaben machen sollten. Die Amerikaner schickten soviel Geld in die Turkei, nach Israel. Also sollten wir doch dort endlich fuer Frieden sorgen! Gut, dass bald danach seine Tochter und seine Frau aufgestanden sind, um ihm zu bedeuten, dass sie sich nun genuegend ausgeruht hatten.
Das war mein Programm. Jetzt gehe ich bald ins Bett. Meine Gastgeber sind fuers Wochenende weg. Ich huete sozusagen. Ich koennte mit der alten Dame aus Puerto Rico nebenan eine wilde Party machen!
Ich wuensche Dir ein feines Wochenende.
Mit lieben Gruessen und ... Du weisst schon, a la carte
...
Heute bin ich etwas frueher nach Hause gekehrt, denn gestern war es spaet geworden, und meine Knie waren etwas weich. Ich habe am Union Square eine Serie Fruehstueckseier gekauft, nachdem ich hier meinen Gastgebern alle weggegessen hatte. Und jetzt bin ich, nach einer erfrischenden Dusche, hier am PC.
New York - 3. Tag
Ämne: 3. Tag
Datum: den 22 augusti
Liebe Marlena
Heute hatte ich mir Midtown vorgenommen. Ich bin zu Fuss bis hinauf zur Grand General Station gepilgert. Auf dem Weg gab es einige Kleinigkeiten wie das Flatironhaus, das man immer wieder abgebildet sieht, den Washington Square Park, wo der alte George auf einem Gaul sitzt und locker-laessig die rechte Hand ausstreckt, um den nachkommenden Generationen den Weg zu weisen. Er macht es - das wollen wir nicht unterschlagen - ein wenig Marc Aurel auf dem Kapitol in Rom nach. Der Union Square scheint das Billighotel der Stadt. Es gibt auf den langen Bankreihen jede Menge Penner, die noch nicht alle so frue Tagwache haben. Oft haben sie ihre ganze Habe in Plastiksaecken rund um die Beine stationiert, was wahrscheinlich auch hilft, das Terrain abzustecken. Aber Penner, die wirklich was auf sich geben, schlafen nicht hier, sondern in der Park Avenue. Die hat ein anderes Niveau. Der kleine Gramercz Park war mit einem eisernen Gelaender umgeben und noch geschlossen. Offenbar koennen die Anlieger mit einem Schluessel eintreten. Zwei Damen haben dort ihren Morgenkaffee getrunken. Und rundum haben die Hoernchen gespielt und sind uebermuetig herumgetollt. Es ist lustig, sie ziehen den Schwanz steif hinter sich her wie eine Schleppe, die sie knapp ueber den ungeschnittenen Rasen schweben lassen. Sie sehen eigentlich aus wie unsere Eichhoernchen. Nur die Schwaenze sind ein bisschen schlanker und ihre Farbe geht ins Grau. Am Rande des Madison Square Garden haben zwei Fensterputzer die hohen Scheiben im ersten Stock gereinigt. Das sah aus wie eine zirkusnummer. Die Stangen aus Aluminium haben sich gebogen, und immer mussten sie diese ueberlangen Dinger herunterkippen, um sie im Wasser zu spuelen. Die Grand Central Station habe ich mir ausgiebig angeschaut. Dort kommen die Vorortszuege zusammen und auch die Busse von Newark kommen hier an. Es gibt Laeden mit allen Koestlichkeiten, Kioske, Restaurants, Bars, Schuputzer und Refreshment Rooms. Auch die Polizei ist praesent, immer mindestens zu zweit, eine Patrouille mit Hund. Ich habe mir verkniffen, hier eine NY Times zu kaufen. Ich wollte mich nicht fuer Stunden beschaeftigen und damit ablenken. Dann bin ich nochmals in die Public Library, die ganz in der Naehe ist, und habe mich im Lesesaal fuer eine halbe Stunde abgekuehlt. Sie sind grosszuegig hier, machen nur eine Eingangskontrolle. Aber dann lassen sie dich gehen, wohin du willst. Nur, wenn du den Lesesaal verlaesst, schaut einer in die Tasche, ob Du den Schwarten Krieg und Frieden nicht doch mit eingepackt hast. Hinter der Bibliothek, die ueberigens gleich neben dem Eingang eine Statue von Sokrates zeigt, wie er im Nacken einer Sphynx sitzt und etwas ratlos ins Wasser des kleinen Brunnens vor sich stiert. BUT ABOVE ALL TRUTH BEARETH AWAY THE VICTORY. Der schoene Spruch stammt natuerlich noch aus der Gutenberg/Galaxy, aus jenen alten Zeiten, als Schriftliches sich noch als Wahrheitsquelle herausgestellt hatte. Das ist heute vorbei. Aber der etwas pathetische Spruch ist ganz schoen. Die Astors werden irgendwo in der Bibliothek verdankt. Offenbar haben sie viel Geld gestiftet. Der erste Astor ist aus Deutschland eingewandert, hatte zwar nicht als Tellerwaescher, sondern als Verkaeufer in einem Pelzgeschaeft gearbeitet und nach wenigen Jahren selbst ein Geschaeft gefuehrt, mit dem er dann zu seinen Millionen gekommen sein soll.
Auf dem Platz hinter der Bibliothek ist ein Konqert im Gange. Das gilt den vielen Bueroangestellten, die hier ihren Picknik nehmen und sich die blassen Wangen sonnen. Ich setze mich in den Schatten und zeichne ein bisschen, bis mich die Lust auf einen Kaffee zum Buchhaendler gegenueber lockt. Meist haben sie in einer Ecke des Ladens ein kleines Kaffee, wie das ja auch der Jaggy in Basel gemacht hat. Ich lese das Gratisblatt, das dort aufliegt, und schnuppere in einer Biografie ueber Susan Sontag. Sie habe an der Sorbonne Vorlesungen bei Simone de Beauvoir besucht. Spaeter wurde sie von einem Professor eingeladen, eine Vorlesung ueber Fotographie mitzuverfolgen. Doch das war wieder in Amerika. Sie ist ja wirklich ihr ganzes langes Leben von Europa beeinflusst geblieben und ihm treu geblieben. Ich erinnere mich, wie heftig sie sich gegen den Irak Krieg gewehrt hatte.
Im Trump Tower bin ich dann spaeter wieder in einen tiefen Sessel gesunken und habe mich eine gute halbe Stunde mit diversen Kleinigkeiten beschaeftigt. Das Trump Gebaeude ist luxurioes, mit goldenen Einfassungen ueberall und mit rotem Marmor. Eine Wand herunter rinnt ueber 3 Stoecke eine Wasserflaeche, die, weil einige Steine etwas hervorgesetzt sind, unruhig spritzt und nicht aufhoert, zu rauschen. Auch hier habe ich eine kleine Zeichnung gemacht. Das ist die einfachste Art, sich umzuschauen.
Kurz und gut, es war ein harter Tag und NY ist - unter uns gesagt - ein hartes Pflaster. Ich habe bestimmt 20 bis 30 km gemacht. Manchmal vergesse ich beinahe, dass es noch eine Subway gibt.
Morgen wird es regnen, wurde mir gesagt, und deshalb gehe ich in die Met. Sie liegt am Rande des Central Parks. Der wirkt ueberigens so lebendig und natuerlich, weil er rundum von den riesigen Haeusern so bedraengt ist. Die Luftaufnahmen zeigen das noch markanter.
Abends dann ein koreanisches Essen hier bei meinen Landlords. Hat gut geschmeckt. Eine nette Japanerin war dazu geladen, mit der ich mich sehr gut unterhalten habe. Sie hatte ein gutes Verstaendnis und hat jeweils blitzschnell verstanden. Das mag ich sehr. Sie ist Kunstschmiedin von Beruf und entwirft selbst Schmuck. Der hat mir nicht so sehr zugesagt, aber Schmuck ist ohnehin nicht meine Sache.
Ich wuensche Dir noch einen guten Abschluss der ersten Woche
und kuesse Dich aus den Fernen Landen.
Mit lieben Gruessen
...
Abonnieren
Posts (Atom)