Montag, 9. September 2013
Jalouse ...
Ämne: Jalouse..
Datum: den 23 augusti 11:38
Lieber ...,
Endlich Wochenende. Die Sonne scheint und ich bin mit dem Leben ganz zufrieden. Vielleicht abgesehen davon, dass mein geliebter Mausfreund mir von seinen Flirts erzählt..
Es ist schön wieder in Gang zu sein. Ich glaube du hast ganz Recht in deiner Schilderung des "nach dem Berufsleben". Aber ich denke, vielleicht werde ich mich dann retten indem ich anfange zu reisen. Spiele mit dem Gedanken mich für einige Zeit (ein paar Wochen) hier und da einzukvartieren. Wien, Paris.. und zuguterletzt natürlich Rom, die Stadt in die ich mich mein Leben lang gesehnt habe.
*
Du hast es schön und interessant dort drüben. Das freut mich sehr. Und ich lese mit grossem Interesse deine Erlebnisse.
Muss mich leider etwas kurz fassen. Vielleicht komme ich später heute nochmals an den PC.
Mit einem "à la carte". Wie? Nun ja, das gibt sich ganz von selbst. Es ist nicht begrenzt.
Ach, mein lieber Mausfreund, was tun wir da wieder gegen unsere §§§.
Aber zum Teufel damit..
G+K
Marlena
im Metropolitan
Ämne: im Metropolitan
Datum: den 23 augusti 02:12
Liebe Marlena
Also ich bitte Dich! Du offerierst mir einen Kuss mit Sortenwahl. Aber ich weiss nicht, welche Sorten Deine Firma fuehrt. Du musst so etwas wie ein Menue zusammenstellen, damit ich a la carte vorgehen kann. Du weisst schon, wie ich meine!
Heute war ich also im Metropolitan Museum. Dazu habe ich sogar mein Jacket mitgenommen. Ich dachte, es wuerde heute regnen und die AC sei bestimmt ziemlich kalt. Zuerst bin ich noch rasch beim NLP Institut vorbeigegangen, damit ich dann am Sonntag, dem ersten Kurstag, morgens nicht lange suchen muss. Doch die Arbeit beginnt jeweils erst um 10 a.m. In der Untergrund habe ich dann eine Kolubanerin getroffen, die auch sehr eifrig in den Plaenen und Reisefuehrer geblaettert hat. So haben wir ein Team/Work gemacht. Sie wollte eigentlich nur in den Central Park. Ich habe sie dann zur Met ueberredet. So haben wir die amerikanischen Impressionisten angeschaut. Aber ich war ein bisschen enttaeuscht: es gab nicht so viele. Ich hatte mal in einer Ausstellung in Lugano mehr davon gesehen. Aber es war ganz passabel. Und sie hatten viele und ausgezeichnete Stuecke von Courbet. Und von Degas gab es jede Menge Skulpturen mit Frauen, die sich waschen, kaemmen, buersten und schaben. Man koennte damit ein halbe Badeanstalt fuellen. Meine Begleiterin liebte van Gogh. So sind wir auch ein bisschen dem armen Vincent. Es gibt dieses Bild einer aelteren Dame aus Arles. Na ja, ich glaube, es gibt mehrere Versionen. Aber eins war da. Kuerzlich hatte ich in Basel bei Beyeler ein anderes davon gesehen. Es ist ein schoenes und eindrueckliches Bild. Aber an der Vorliebe fuer van Gogh konnte ich sehen, dass sie nicht soviel von Bildern weiss und kennt. Aber sonst war es sehr unterhaltsam, wieder mal mit jemandem zu plaudern und zu scherzen. Die letzten zwei Tage war ich mehr oder weniger allein unterwegs. Sie ist Aerztin und gerade daran, ihre Spezialisierung zu machen. Sie will sich fuer Augenaerztin entscheiden, wie schon ihr Vater und ihr Bruder es sind. Und so hat sie natuerlich auf meinen Wunsch gleich eine Nachkontrolle an meinen Augen gemacht. Ich glaube, sie war zufrieden mit der Heilung meiner Wunden. Es ist lustig: sie ist 30, sieht aber aus wie 20. Anfangs hatte ich ein bisschen Bedenken, weil ich dachte, ich koenne doch nicht mit einem solch jungen Ding herumziehen. Wir haben festgestellt, dass ich so alt bin wie ihr Vater, und haben uns sozusagen fuer ein Vater-Tochter-Verhaeltnis entschieden. Ich habe einiges erzaehlt von den vielen Dingen, die ich in den letzten 20 Jahren ueber Malerei und Maler gelesen und gelernt hatte. Und sogar mein Jacket konnten wir gebrauchen, weil sie in dem sibirischen Klima mit der Zeit etwas froestelte. Ich habe, wie es sich gehoert, in diesen nordischen Winden tapfer ausgehalten. Sie musste dann gehen, weil ihre Freundin - bei der sie wohnt - anrief und schon von der Arbeit heimgekehrt war.
Ich hatte noch ein laengeres Gespraech mit einem Amerikaner, einem pensionierten Lehrer der High School (Erdkunde) Er wusste, wo die Schweiz liegt und konstatierte mit Bewunderung, dass wir ueberall Seen haetten. Na ja, ich habe ihm nicht widersprochen. Er empfahl mir, auf das Dach des Museums zu gehen, um den Blick ueber den Central Park und die Skzline zu geniessen. Das habe ich dann auch noch getan. Wir haben uns sogar ein bisschen in die Politik vorgewagt. Ich sprach von einem gewissen Misstrauen der Europaer gegen[ber der amerikansichen Politik. Aber er begriff nicht, was ich meinte. Er stellte fest, dass die Europaer endlich ihre Hausaufgaben machen sollten. Die Amerikaner schickten soviel Geld in die Turkei, nach Israel. Also sollten wir doch dort endlich fuer Frieden sorgen! Gut, dass bald danach seine Tochter und seine Frau aufgestanden sind, um ihm zu bedeuten, dass sie sich nun genuegend ausgeruht hatten.
Das war mein Programm. Jetzt gehe ich bald ins Bett. Meine Gastgeber sind fuers Wochenende weg. Ich huete sozusagen. Ich koennte mit der alten Dame aus Puerto Rico nebenan eine wilde Party machen!
Ich wuensche Dir ein feines Wochenende.
Mit lieben Gruessen und ... Du weisst schon, a la carte
...
Heute bin ich etwas frueher nach Hause gekehrt, denn gestern war es spaet geworden, und meine Knie waren etwas weich. Ich habe am Union Square eine Serie Fruehstueckseier gekauft, nachdem ich hier meinen Gastgebern alle weggegessen hatte. Und jetzt bin ich, nach einer erfrischenden Dusche, hier am PC.
New York - 3. Tag
Ämne: 3. Tag
Datum: den 22 augusti
Liebe Marlena
Heute hatte ich mir Midtown vorgenommen. Ich bin zu Fuss bis hinauf zur Grand General Station gepilgert. Auf dem Weg gab es einige Kleinigkeiten wie das Flatironhaus, das man immer wieder abgebildet sieht, den Washington Square Park, wo der alte George auf einem Gaul sitzt und locker-laessig die rechte Hand ausstreckt, um den nachkommenden Generationen den Weg zu weisen. Er macht es - das wollen wir nicht unterschlagen - ein wenig Marc Aurel auf dem Kapitol in Rom nach. Der Union Square scheint das Billighotel der Stadt. Es gibt auf den langen Bankreihen jede Menge Penner, die noch nicht alle so frue Tagwache haben. Oft haben sie ihre ganze Habe in Plastiksaecken rund um die Beine stationiert, was wahrscheinlich auch hilft, das Terrain abzustecken. Aber Penner, die wirklich was auf sich geben, schlafen nicht hier, sondern in der Park Avenue. Die hat ein anderes Niveau. Der kleine Gramercz Park war mit einem eisernen Gelaender umgeben und noch geschlossen. Offenbar koennen die Anlieger mit einem Schluessel eintreten. Zwei Damen haben dort ihren Morgenkaffee getrunken. Und rundum haben die Hoernchen gespielt und sind uebermuetig herumgetollt. Es ist lustig, sie ziehen den Schwanz steif hinter sich her wie eine Schleppe, die sie knapp ueber den ungeschnittenen Rasen schweben lassen. Sie sehen eigentlich aus wie unsere Eichhoernchen. Nur die Schwaenze sind ein bisschen schlanker und ihre Farbe geht ins Grau. Am Rande des Madison Square Garden haben zwei Fensterputzer die hohen Scheiben im ersten Stock gereinigt. Das sah aus wie eine zirkusnummer. Die Stangen aus Aluminium haben sich gebogen, und immer mussten sie diese ueberlangen Dinger herunterkippen, um sie im Wasser zu spuelen. Die Grand Central Station habe ich mir ausgiebig angeschaut. Dort kommen die Vorortszuege zusammen und auch die Busse von Newark kommen hier an. Es gibt Laeden mit allen Koestlichkeiten, Kioske, Restaurants, Bars, Schuputzer und Refreshment Rooms. Auch die Polizei ist praesent, immer mindestens zu zweit, eine Patrouille mit Hund. Ich habe mir verkniffen, hier eine NY Times zu kaufen. Ich wollte mich nicht fuer Stunden beschaeftigen und damit ablenken. Dann bin ich nochmals in die Public Library, die ganz in der Naehe ist, und habe mich im Lesesaal fuer eine halbe Stunde abgekuehlt. Sie sind grosszuegig hier, machen nur eine Eingangskontrolle. Aber dann lassen sie dich gehen, wohin du willst. Nur, wenn du den Lesesaal verlaesst, schaut einer in die Tasche, ob Du den Schwarten Krieg und Frieden nicht doch mit eingepackt hast. Hinter der Bibliothek, die ueberigens gleich neben dem Eingang eine Statue von Sokrates zeigt, wie er im Nacken einer Sphynx sitzt und etwas ratlos ins Wasser des kleinen Brunnens vor sich stiert. BUT ABOVE ALL TRUTH BEARETH AWAY THE VICTORY. Der schoene Spruch stammt natuerlich noch aus der Gutenberg/Galaxy, aus jenen alten Zeiten, als Schriftliches sich noch als Wahrheitsquelle herausgestellt hatte. Das ist heute vorbei. Aber der etwas pathetische Spruch ist ganz schoen. Die Astors werden irgendwo in der Bibliothek verdankt. Offenbar haben sie viel Geld gestiftet. Der erste Astor ist aus Deutschland eingewandert, hatte zwar nicht als Tellerwaescher, sondern als Verkaeufer in einem Pelzgeschaeft gearbeitet und nach wenigen Jahren selbst ein Geschaeft gefuehrt, mit dem er dann zu seinen Millionen gekommen sein soll.
Auf dem Platz hinter der Bibliothek ist ein Konqert im Gange. Das gilt den vielen Bueroangestellten, die hier ihren Picknik nehmen und sich die blassen Wangen sonnen. Ich setze mich in den Schatten und zeichne ein bisschen, bis mich die Lust auf einen Kaffee zum Buchhaendler gegenueber lockt. Meist haben sie in einer Ecke des Ladens ein kleines Kaffee, wie das ja auch der Jaggy in Basel gemacht hat. Ich lese das Gratisblatt, das dort aufliegt, und schnuppere in einer Biografie ueber Susan Sontag. Sie habe an der Sorbonne Vorlesungen bei Simone de Beauvoir besucht. Spaeter wurde sie von einem Professor eingeladen, eine Vorlesung ueber Fotographie mitzuverfolgen. Doch das war wieder in Amerika. Sie ist ja wirklich ihr ganzes langes Leben von Europa beeinflusst geblieben und ihm treu geblieben. Ich erinnere mich, wie heftig sie sich gegen den Irak Krieg gewehrt hatte.
Im Trump Tower bin ich dann spaeter wieder in einen tiefen Sessel gesunken und habe mich eine gute halbe Stunde mit diversen Kleinigkeiten beschaeftigt. Das Trump Gebaeude ist luxurioes, mit goldenen Einfassungen ueberall und mit rotem Marmor. Eine Wand herunter rinnt ueber 3 Stoecke eine Wasserflaeche, die, weil einige Steine etwas hervorgesetzt sind, unruhig spritzt und nicht aufhoert, zu rauschen. Auch hier habe ich eine kleine Zeichnung gemacht. Das ist die einfachste Art, sich umzuschauen.
Kurz und gut, es war ein harter Tag und NY ist - unter uns gesagt - ein hartes Pflaster. Ich habe bestimmt 20 bis 30 km gemacht. Manchmal vergesse ich beinahe, dass es noch eine Subway gibt.
Morgen wird es regnen, wurde mir gesagt, und deshalb gehe ich in die Met. Sie liegt am Rande des Central Parks. Der wirkt ueberigens so lebendig und natuerlich, weil er rundum von den riesigen Haeusern so bedraengt ist. Die Luftaufnahmen zeigen das noch markanter.
Abends dann ein koreanisches Essen hier bei meinen Landlords. Hat gut geschmeckt. Eine nette Japanerin war dazu geladen, mit der ich mich sehr gut unterhalten habe. Sie hatte ein gutes Verstaendnis und hat jeweils blitzschnell verstanden. Das mag ich sehr. Sie ist Kunstschmiedin von Beruf und entwirft selbst Schmuck. Der hat mir nicht so sehr zugesagt, aber Schmuck ist ohnehin nicht meine Sache.
Ich wuensche Dir noch einen guten Abschluss der ersten Woche
und kuesse Dich aus den Fernen Landen.
Mit lieben Gruessen
...
Sonntag, 8. September 2013
New York - 2. Tag
Datum: den 21 augusti
Liebe Marlena
Doch, heute war ich in China Town, und auch in Little Italy und im Greenwich Village. Das sind die alten Quartiere, die manchmal fast deutsch oder hollaendisch wirken. Es sind diese grossen Backsteingebaeude mit den Metallleitern zur Seite. Daraus lassen sich natuerlich im Greenwich Village schoene Gallerien machen.
Ich war auch in einem Kaufhaus und habe das Angebot studiert. Sie arrangieren die Fruechte schoen, so dass einem das Wasser im Mund zusammenlaeuft. Bestimmt polieren sie jeden Apfel einzeln. Und die Tomaten tuermen sie neben den Orangeen, so dass man meint, es waeren Kaki. Bei den Gebaecken haben sie viel Undefinierbares. Und die Zuckerbeeren sind gleich neben den gedoerrten Fruechten, als ob das beides Fruechte waeren. Die Torten sind zum Weinen kitschig mit der gruenen oder blauen Dekoration. Am besten haben mir zwei Kuechengeraete gefallen: das eine ein Alleskoenner (Zapfenzieher, Zange fuer Drehverschluss und Zapfen) in exotischen Farben. Daneben eine Klemme fuer die Zahnpastatube, damit alles nach Vorne an die Front gedrueckt wird.
In eine Privatbibliothek haben sie mich nicht eingelassen. Darum bin ich dann nachmittags in die New York Public Library. Sie ist natuerlich riesig und hat viele kleine Unterbibliotheken, sog. Collections. Sie sind schon aufgemacht und mit noblen Moebeln umgeben. Und der Lesesaal ist gross, mit hohen Fenstern und Tischlampen mit goldenen Messingschirmen. Viele Arbeitsplaetze sind mit PC eingerichtet. Und natuerlich kontrollieren sie beim Eingang, ob du irgendwelche Bombem mitbringst. Doch die Schwarze hat nur halbherzig in meine Tasche geleuchtet.
Nachmittags bin ich ins Guggenheim und in den Central Parc gegangen. Und anschliessend bin ich beim Metropolitan Museum vorbeigegangen. Aber ich hatte zuwenig Geld im Sack und zuwenig Zeit im Nachmittag, um dort hineinzugehen. Vielleicht gehe ich spaeter mal.
Heute abend gehen wir also Fisch essen. Ich hoffe, es schmeckt. Ich habe mich deswegen fast den ganzen Tag zurueckgehalten.
Und Du bist bei der Arbeit. Das Feld hinter Eurem Haus sieht doch gar nicht so schlecht aus. Ich finde, es wirkt ziemlich malerisch. Das darf man doch den beiden Bruedern zugutehalten.
Ich schreibe Dir morgen mehr. Heute warten sie auf mich.
Liebe Gruesse und Kuesse
...
Freitag, 6. September 2013
Down Town heute
(ungekürzt)
Ämne: Down Town heute
Datum: den 20 augusti
Liebe Marlena
Na ja, wenn Odysseus einen Labtop gehabt haette, waere die Geschichte nicht halb so melodramatisch herausgekommen. Stelle Dir vor, wie die arme Penelope ihre Freier hingehalten hat, und das, obwohl sie nicht wusste, ob und wann er kommt. Es ist die ewige Geschichte der Hausfrau, die mit dem Nachtessen auf den Mann wartet, der einfach nicht von der Arbeit loskommt. Mit Labtop wuerde sie vielleicht doch herausbekommen, dass er drueben mit Circe in der Bar sitzt.
Ja, wir haben hier 6 Stunden Differenz. Aber mein Jetlag war eigentlich kaum spuerbar. Man hatte mir gesagt, ich solle viel trinken. Und das tue ich unablaessig, wenn ich hier bei meinen Bekannten bin. Und man soll am ersten Tag erst um Mitternacht ins Bett. Auch das habe ich getan. Wir haben gestern noch einen Spaziergang hier im East Village gemacht und die Bar besucht, die sie jeden Abend besuchen. Sie kennen dort viele Leute und bekommen die meisten Drinks gratis serviert, so dass sie bloss noch ein Trinkgeld bezahlen. Ich habe bis 24h durchgestanden, obwohl von der Air Condition her eine herbe Brise wehte. Und nachher hatte ich dann davon auch etwas Kopfweh. Aber die Muedigkeit war staerker.
Heute habe ich Down Town besucht. Das ist das Geldzentrum mit der Wallstreet, dem Ground Zero, dem Finance Center, also eigentlich der unterste Zipfel der Insel. Man sieht von dort schoen auf die Freiheitsstatue, die nicht muede wird, ihr Corne mit Softice hoch zu halten. Ich bin mit der Ferry nach Staten Island hinueber gefahren, um von dort eine schoene Sicht auf Manhattan zu haben. Es war so, wie man es auf den Fotos sieht. Sie brauchen kaum zu retouchieren - es sieht bei Sonnenuntergang einfach grandios aus. Und als guter Katholik habe ich auch die Trinity Church besucht, die gleich neben Ground Zero liegt. Sie ist ein neugotisches Kirchlein, wo wir Europaer sofort uns zuhause fuehlen. Und auch das Kirchlein ist wunderbar airconditioned. Und hinten, neben der Sakristei, gibt es auch Erfrischungsraeume fuer uns Glaeubige. Ich habe mich ins Gaestebuch eingeschrieben. Hinten, in der letzten Rubrik, wo man eine Mitteilung eintragen konnte, kam ich ein bisschen in Verlegenheit. Und so dachte ich, es wuerde einen sehr guten Eindruck machen, wenn ein Schweizer aus der Schweiz "God save America" hinschreibt. Ich hoffe, die Amis werden mir das nicht vergessen!
Es ist ziemlich warm in der Stadt, weil auch die Luft feucht ist. Wenn ich Schweiss im Ruecken spuere, dann suche ich eine von diesen riesigen Buchhandlungen. Sie sind nicht so kalt conditioned wie andere Raeumlichkeiten, wahrscheinlich, weil sonst die Buecher schimmeln wuerden. Bei angenehmer Fruelingstemperatur lese ich dann ein oder zwei Kapitel aus Tolstois Krieg und Frieden. Dann bin ich wieder auf Normaltemperatur. Es ist wirklich sehr angenehm. Und sie haben riesige Ledersessel, dass man sich wie zuhause fuehlt.
Im Finance Center habe ich einen Kaffee getrunken. Es gibt dort einen schoenen Wintergarten mit 16 Palmen. Der Starbucks Kaffe wurde mir in einem XL/Becher gereicht, gut ein Viertel Liter. Und dann stuelpen sie ueber den Becher so einen Deckel, damit man wie ein Baby daran saugen kann. In der Schweiz nennen wir sowas Schoppen. Ich musste das Gebraeu allerdings in einem kleinen Laboratorium gleich neben der Theke noch nachkorrigieren. Dazu habe ich reichlich Zucker und Milch beigegeben.
Es gibt viele schoene Frauen in NY. Der Grossteil sind Latinas, also wohl von Mittel/ und Suedamerika. Die Amerikanerinnen selbst sind nicht so besonders, meist unelegant und etwas massig. Aber ein paar sind dann, um den Duchschnitt zu heben, wirklich Klasse. Ich war abends noch rasch in den Central Park gefahren. Dort hat ein Zeichner mit Kohle eine junge Frau portraetiert. Und natuerlich hat sich hinter seinem Ruecken eine Traube gebildet. Ich glaube, es waren zwei Schwedinnen, die neben mir standen. Sie waren jung, huebsch und und unschuldig, also suess. Der Zeichner hat ueberigens seine Kohle mit dem Pinsel aufgetragen. Ich glaube, er mischt Kohlestaub mit einer Fluessigkeit, vielleicht Terpentin. Und dann kann er damit arbeiten wie mit Schuhwichse. Er hat das Gesicht gut getroffen, nach meinem Geschmack einfach zu sehr sich mit kleinen Nuancen und Details beschaeftigt. Aber die Leute moegen es ja, wenn das Bild fotoaehnlich rauskommt.
Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, heute auch ab und zu ein bisschen zu zeichnen, oder skizzieren. Aber es gab soviel zu sehen, ich habe das schlicht vergessen. Und beim Sitzen war ich - wie gesagt - mit der Ueberdosis Kaffee beschaeftigt.
Morgen will ich die Villages besuchen: Greenwich Village, Eastern Village, SoHo. Das ist alles hier in der Naehe und bildet den mittleren Teil Manhattans. Hier gibt es keine hohen Gebaeude, sondern oft noch die alte Grundstruktur, also Backsteingebaeude mit diesen Eisentreppen und Feuerleitern, wie man sie in den Filmen sieht. Ueberigens erinnert mich die Strasse, in der ich wohne, an jene, die man gleich anfangs im Film Mrs Dalloway sieht. Und mein Gastgeber hat mir erzaehlt, dass diese 9th Street oft gesperrt bleibt, weil man Filme dreht. Die Polizei habe eine eigene Abteilung, die damit beschaeftigt ist.
*
Und Du bist buehnenhungrig, "schulgeil" wuerden wir hier - etwas grob - vielleicht sagen. Das zu hoeren hat mir gefallen. Das zeigt Deine Energie. Das ist "die Angst des Torwarts vor dem Elfmeter", wuerde Handke es formulieren. Aber es ist doch gut, dass Du etwas zu tun hast, was Dich in Schuss haelt, nicht wahr? Du bist ja doch eine Vollblutlehrerin. Ich glaube, Du gehst in Deinem Beruf sehr gut auf. Und das weisst Du auch, obwohl es - wie in jedem Job - einiges zu beklagen und zu bemaengeln gibt.
*
So ist das doch ein ziemlich ausfuehrliches Mail geworden. Das hatte ich eigentlich nicht geplant. Aber meine Gastgeber sind auf Tour. Sie treffen sich mit ihren Freunden in den Bars. Und so sitze ich hier allein in Bs. Arbeitszimmer und trinke das Reservoir an Wasser im Kuehlschrank leer.
*
Ich wuensche Dir einen allerbesten Arbeitsanfang und eine gute Zeit.
Mit allerliebsten Gruessen aus der Ferne
...
Datum: den 20 augusti
Liebe Marlena
Na ja, wenn Odysseus einen Labtop gehabt haette, waere die Geschichte nicht halb so melodramatisch herausgekommen. Stelle Dir vor, wie die arme Penelope ihre Freier hingehalten hat, und das, obwohl sie nicht wusste, ob und wann er kommt. Es ist die ewige Geschichte der Hausfrau, die mit dem Nachtessen auf den Mann wartet, der einfach nicht von der Arbeit loskommt. Mit Labtop wuerde sie vielleicht doch herausbekommen, dass er drueben mit Circe in der Bar sitzt.
Ja, wir haben hier 6 Stunden Differenz. Aber mein Jetlag war eigentlich kaum spuerbar. Man hatte mir gesagt, ich solle viel trinken. Und das tue ich unablaessig, wenn ich hier bei meinen Bekannten bin. Und man soll am ersten Tag erst um Mitternacht ins Bett. Auch das habe ich getan. Wir haben gestern noch einen Spaziergang hier im East Village gemacht und die Bar besucht, die sie jeden Abend besuchen. Sie kennen dort viele Leute und bekommen die meisten Drinks gratis serviert, so dass sie bloss noch ein Trinkgeld bezahlen. Ich habe bis 24h durchgestanden, obwohl von der Air Condition her eine herbe Brise wehte. Und nachher hatte ich dann davon auch etwas Kopfweh. Aber die Muedigkeit war staerker.
Heute habe ich Down Town besucht. Das ist das Geldzentrum mit der Wallstreet, dem Ground Zero, dem Finance Center, also eigentlich der unterste Zipfel der Insel. Man sieht von dort schoen auf die Freiheitsstatue, die nicht muede wird, ihr Corne mit Softice hoch zu halten. Ich bin mit der Ferry nach Staten Island hinueber gefahren, um von dort eine schoene Sicht auf Manhattan zu haben. Es war so, wie man es auf den Fotos sieht. Sie brauchen kaum zu retouchieren - es sieht bei Sonnenuntergang einfach grandios aus. Und als guter Katholik habe ich auch die Trinity Church besucht, die gleich neben Ground Zero liegt. Sie ist ein neugotisches Kirchlein, wo wir Europaer sofort uns zuhause fuehlen. Und auch das Kirchlein ist wunderbar airconditioned. Und hinten, neben der Sakristei, gibt es auch Erfrischungsraeume fuer uns Glaeubige. Ich habe mich ins Gaestebuch eingeschrieben. Hinten, in der letzten Rubrik, wo man eine Mitteilung eintragen konnte, kam ich ein bisschen in Verlegenheit. Und so dachte ich, es wuerde einen sehr guten Eindruck machen, wenn ein Schweizer aus der Schweiz "God save America" hinschreibt. Ich hoffe, die Amis werden mir das nicht vergessen!
Es ist ziemlich warm in der Stadt, weil auch die Luft feucht ist. Wenn ich Schweiss im Ruecken spuere, dann suche ich eine von diesen riesigen Buchhandlungen. Sie sind nicht so kalt conditioned wie andere Raeumlichkeiten, wahrscheinlich, weil sonst die Buecher schimmeln wuerden. Bei angenehmer Fruelingstemperatur lese ich dann ein oder zwei Kapitel aus Tolstois Krieg und Frieden. Dann bin ich wieder auf Normaltemperatur. Es ist wirklich sehr angenehm. Und sie haben riesige Ledersessel, dass man sich wie zuhause fuehlt.
Im Finance Center habe ich einen Kaffee getrunken. Es gibt dort einen schoenen Wintergarten mit 16 Palmen. Der Starbucks Kaffe wurde mir in einem XL/Becher gereicht, gut ein Viertel Liter. Und dann stuelpen sie ueber den Becher so einen Deckel, damit man wie ein Baby daran saugen kann. In der Schweiz nennen wir sowas Schoppen. Ich musste das Gebraeu allerdings in einem kleinen Laboratorium gleich neben der Theke noch nachkorrigieren. Dazu habe ich reichlich Zucker und Milch beigegeben.
Es gibt viele schoene Frauen in NY. Der Grossteil sind Latinas, also wohl von Mittel/ und Suedamerika. Die Amerikanerinnen selbst sind nicht so besonders, meist unelegant und etwas massig. Aber ein paar sind dann, um den Duchschnitt zu heben, wirklich Klasse. Ich war abends noch rasch in den Central Park gefahren. Dort hat ein Zeichner mit Kohle eine junge Frau portraetiert. Und natuerlich hat sich hinter seinem Ruecken eine Traube gebildet. Ich glaube, es waren zwei Schwedinnen, die neben mir standen. Sie waren jung, huebsch und und unschuldig, also suess. Der Zeichner hat ueberigens seine Kohle mit dem Pinsel aufgetragen. Ich glaube, er mischt Kohlestaub mit einer Fluessigkeit, vielleicht Terpentin. Und dann kann er damit arbeiten wie mit Schuhwichse. Er hat das Gesicht gut getroffen, nach meinem Geschmack einfach zu sehr sich mit kleinen Nuancen und Details beschaeftigt. Aber die Leute moegen es ja, wenn das Bild fotoaehnlich rauskommt.
Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, heute auch ab und zu ein bisschen zu zeichnen, oder skizzieren. Aber es gab soviel zu sehen, ich habe das schlicht vergessen. Und beim Sitzen war ich - wie gesagt - mit der Ueberdosis Kaffee beschaeftigt.
Morgen will ich die Villages besuchen: Greenwich Village, Eastern Village, SoHo. Das ist alles hier in der Naehe und bildet den mittleren Teil Manhattans. Hier gibt es keine hohen Gebaeude, sondern oft noch die alte Grundstruktur, also Backsteingebaeude mit diesen Eisentreppen und Feuerleitern, wie man sie in den Filmen sieht. Ueberigens erinnert mich die Strasse, in der ich wohne, an jene, die man gleich anfangs im Film Mrs Dalloway sieht. Und mein Gastgeber hat mir erzaehlt, dass diese 9th Street oft gesperrt bleibt, weil man Filme dreht. Die Polizei habe eine eigene Abteilung, die damit beschaeftigt ist.
*
Und Du bist buehnenhungrig, "schulgeil" wuerden wir hier - etwas grob - vielleicht sagen. Das zu hoeren hat mir gefallen. Das zeigt Deine Energie. Das ist "die Angst des Torwarts vor dem Elfmeter", wuerde Handke es formulieren. Aber es ist doch gut, dass Du etwas zu tun hast, was Dich in Schuss haelt, nicht wahr? Du bist ja doch eine Vollblutlehrerin. Ich glaube, Du gehst in Deinem Beruf sehr gut auf. Und das weisst Du auch, obwohl es - wie in jedem Job - einiges zu beklagen und zu bemaengeln gibt.
*
So ist das doch ein ziemlich ausfuehrliches Mail geworden. Das hatte ich eigentlich nicht geplant. Aber meine Gastgeber sind auf Tour. Sie treffen sich mit ihren Freunden in den Bars. Und so sitze ich hier allein in Bs. Arbeitszimmer und trinke das Reservoir an Wasser im Kuehlschrank leer.
*
Ich wuensche Dir einen allerbesten Arbeitsanfang und eine gute Zeit.
Mit allerliebsten Gruessen aus der Ferne
...
Donnerstag, 5. September 2013
New York
Liebster Mausfreund,
Hier sitze ich und fühle mich irgendwie ganz verlassen und du
scheinst mir so undendlich weit weg. Eigentlich ist das komisch,
denn wenn du in der Schweiz bist, bist du doch genau so unnahbar.
Wenn du dieses Mail kriegst, bist du schon am anderen Ende der
Welt und beginnst deine Verwandlung (Mutation, wie du sie nennst).
Ach, du bist lustig. Aber ich glaube wirklich, dass diese Reise dich
verändern wird. Du hast so viele Auffassungen (ich wollte fast sagen
Vorurteile) über Amerika und nun kannst du sie mit der Realität
konfrontieren.
...
Sag, wie ist es von dort drüben auf Europa zurückzublicken? Siehst
du es leuchten wie ein kleines Juwel am anderen Ende des Ozeans?
...
Ach, wie bin ich neugierig auf deine Erlebnisse "over there".
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From far away..
Meine liebe Penelope
Ich bin gut angekommen nach einem endlos langen Flug.
Ich sass neben einem Schweiyer Studenten aus Berkely.
Es war gany interessant, mit ihm yu diskutieren. (wo du
ein y liest, sollte ein z sein und umgekehrt ).
Jetzt bin ich schon bei meinen Bekannten yuhause und wir
lernen uns kennen. Er gleicht seiner Mutter sehr.
Es scheint mir, dass es eine lustige Woche geben wird.
Dein Mail konnte ich noch nicht wirklich lesen. Aber ich
werde es demnaechst nachholen.
Mit einem lieben Gruss aus der neuen Welt\
...
Telegram
Telegram
den 17 augusti 2003 18:17
Lieber ...,
Wenn du dich nun auf deine Odyssee begibst,
bitte nimm dich in acht vor den Sirenen.
Deine Penelope
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