Mittwoch, 4. September 2013

Herbst


heute im nahen Wald

Lieber ...

...

Sonst passiert hier nichts Besonderes. Die Tage werden immer kürzer
und die Abende dunkler. Jetzt haben wir wieder sehr angenehme
Temperaturen. Es ist ein schöner Herbst.

"Wer jetzt kein Haus hat baut sich keines mehr.. "    Diese Worte
kommen mir in den Sinn, denn auch ich werde lange Briefe schreiben. Es
ist nichts Trauriges daran. Im Gegenteil, ich geniesse es. Ach, ich
liebe diesen Rilke. Besonders im Herbst "wenn die Blätter treiben"
kommen mir immer wieder seine schönen Strophen ins Gedächtnis.

Ich weiss nicht, ob man bei euch davon gehört hat, aber neulich wurden
ein Mann und sein Hund auf grausame Weise vor seinem Haus von einem
Bären getötet. Und diese Woche wurden zwei Jäger ebenfalls von einem
Bären angegriffen und verletzt. Man sagt die Bären sind dieses Jahr
sehr hungrig weil sie nicht genügend Beeren finden. Persönlich finde
ich, dass man schon zu viele Bären und Wölfe hat in unserem Land.
Bären gibt es auch in der Gegend wo wir unser Sommerhaus haben.



(15 October 2007)

Dienstag, 3. September 2013

Büro-Tag in Basel


Ämne: Mina
Datum: den 4 september 17:00


Liebe Marlena
Heute haben wir unseren Büro-Tag. Zwei Mitarbeiterinnen haben ein sattes Programm organisiert, so dass wir keine Minute ohne irgend eine Aktivität oder gar Essen in der Landschaft herumstehen. Wir werden am Morgen in den zoologischen Garten Basels gehen, und uns durch den Affenspezialisten informieren lassen. Ich habe diesen Spezialisten schon einmal in einem Clubanlass gehört. Er weiss aus vielen Jahren Arbeit mit den Primaten viel über die Menschenaffen und erzählt Dinge, die uns oft an den Menschen erinnern. Ich erinnere mich noch, wie er erklärte, dass das genetische Material des Gorillas und des Menschen sich nur in 2% unterscheiden. 98%
Verwandtschaft ist doch eine herbe Kritik an uns Gotteskindern, Krone der Schöpfung. Wenn das Wetter hinhält, folgt nach dem Affenhaus die Rheinfahrt mit Apéro. Man sieht dann die Stadt einmal von einer anderen Seite und kann dazu plaudern und Sprüche machen. Das Mittagessen schliesslich ist im Parterre Restaurant im Kasernenareal (1. Stock) vorgesehen. Das Kasernenareal ist, wie der Name sagt, eine alte Kaserne mit einen riesigen Hof. Dort sind heute diverse kulturelle Institutionen, Gallerien etc. untergebracht. Das ganze befindet sich in Kleinbasel, also in jenem Teil Basels, der früher als der ärmere und für die Arbeiter gedacht war. Aber heute ist es sogar schick, auf der Kleinbasler Seite am Rhein zu wohnen.
Der Nachmittag ist, gemäss Organisation unserer Kolleginnen, einem Spaziergang dem Rhein entlang bis hinauf zum Tingeuely-Museum vorgesehen. Bei Regenwetter soll er etwas kürzer ausfallen, und mit einem Besuch des Karikatur-Museums unterbrochen werden. Und schliesslich wollen sie um ca. 16h noch im Goldenen Sternen bei Tee, Kaffee und Kuchen diesen Tag enden lassen. Respektive die Kalorien aufbuttern.

Und wenn ich heute morgen um 6.00h in den Himmel schaue, muss ich fürchten, dass das Schlechtwetterprogramm zum Rollen kommen wird. Ich glaube, es wird sicherlich etwas regnen heute, und ich überlege mir schon, welchen Schirm ich mir unter den Arm klemmen soll.

*

(R)

Montag, 2. September 2013

ärgerliche Sportrezension


Lieber Mausfreund
...
Was soll ich dir noch erzählen? Ach ja, der arme D. hat einen wahren Sturm im Lande entfacht mit einer Sportrezension. Er war in jungen Jahren einer der besten Fussballspieler und auch Eishockeyspieler und schreibt obwohl er nun Kulturchef ist ab und zu auch Sportartikel. Und jetzt hat er eine Mannschaft aus dem Süden Schwedens "Skånejävlar" genannt. (Skåneteufel). Man muss dabei wissen dass djävul ein sehr hartes Schimpfwort ist im schwedischen aber natürlich kommt es auch immer drauf an in welchem Zusammenhang man ein Wort verwendet. Jedenfalls hätte er es nicht tun sollen, denn er wurde von überall her angegriffen und sogar angemeldet wegen "hets mot folkgrupp" (klingt ja fast deutsch, oder?) Und der arme Kerl musste sich öffentlich verteidigen und was ich dir eben sagen wollte, am Ende seines Artikels zitierte er Updike und nennt Journalisten "ein träg- (oder zäh-?)bewegliches Reptilgeschlecht".
Er ist wahrhaftig ein grosser Fan von diesem Updike.




Samstag, 31. August 2013

Freitag, 30. August 2013

Mittwoch, 28. August 2013

Illusionen auf dem Kartoffelkarren



Liebe Marlena
Wo ich meine Illusionen verloren habe? Illusionen über die Menschen? Na ja, das ist wie wenn Du mit einem Karren voller Kartoffeln über einen holperigen Weg rollst. Sie fallen ja nicht gleich alle zusammen vom Karren, sondern springen einzeln da und dort herunter.
Aber ich habe nicht ein schlechtes Bild von den Menschen. Das bestimmt nicht. Und ich habe im Leben wirklich eine Menge Menschen kennengelernt.
Weißt Du Marlena, ich habe den Eindruck, dass es sehr von der Distanz abhängt, wie man Menschen wahrnimmt. Kennt man sie nur aus Entfernung, oder kennt man sie in einem sehr persönlichen Rahmen. Das ist die Frage. Es gibt doch auch diesen merkürdigen Riss durch die Welt, den jeder von uns selbst erleben kann, diese unüberbrückbare Diskontinuität zwischen meiner Innenwelt und der Aussenwelt. Man könnte grob sagen, das eine sei die private, das andere die öffentliche Welt. Aber es stimmt hier auch nicht ganz. Die Sprache, nota bene, wie Wittgenstein nachweist, ist eine durch und durch öffentliche Angelegenheit. Es gibt nicht die Privatsprache, nur für mich selbst, so, wie...
*
Kurz und gut, meine Illusionen liegen an den Rändern meines Lebensweges wie Kartoffeln, die vom Karren heruntergekollert sind. Aber ein paar sind wohl immer noch oben geblieben. Und das spricht doch auch für den Karren, oder nicht?
...

Dienstag, 27. August 2013