Mittwoch, 27. Februar 2013

"Granit des grauen Alltags"


Subject: l'essentiel est invisible

Liebe Marlena

Weißt du, wie es läuft? Ich komme am Morgen ins Büro und stelle
als erstes meinen Laptop an, um nachzuschauen, ob ich was von dir
finde. Und dann hole ich mir einen Kaffee und geniesse deinen Brief.
Und dann fängt mein Kopf an zu arbeiten, dass ich noch gar nicht an
die Arbeit gehen kann. Dieses und jenes muss ich schon hinschreiben.
Und so kann es, im schlimmsten Fall, 830h werden, bis ich mit
meiner Arbeit anfange. Manchmal habe ich den Eindruck, ich komme
von weit her in dieses Büro zurück und muss mich besinnen, wo ich
die Dinge finde und was ich nun als erstes zu tun hätte. Ich stehe hier
wie ein ET und muss mich zuerst mal in diesen fremden Verhältnissen zurechtfinden. Wo ist denn schon wieder die Agenda? Wann haben
wir die Sitzung mit dem Chef? War da nicht noch was mit dem
Inspektorat für nächste Woche? Ich muss mich richtig hinein-
schaufeln in diesen Wust von Papier und Konzepten und Terminen.
Das nenne ich den "Granit des grauen Alltags". Ja nun also, sie
bezahlen mir ja gutes Geld für meine Arbeit. Und manchmal ist es
auch echt interessant.
...





Dienstag, 26. Februar 2013

RE: Kleiner Bürogruss


Subject: RE: Kleiner Bürogruss

Ach, mein armer Mausfreund,

Hat dich das Grau schliesslich auch erwischt? Es ist wirklich bedrückend. Komm, lass uns die Müdigkeit vertreiben. Ich mach dir einen guten Tee und dann erzählen wir uns lustige Dinge und lachen. Lachen macht wieder munter.

Ich habe natürlich nach deinem vorigen mail meine weiblichen Genen hervorgeholt und heute zur Freude meiner männlichen Kollegen den Tisch schön hergerichtet. Ein hübscher leuchter mit Kerzen (nicht elektrisch), eine Vase mit roten Tulpen, ein paar schöne Servietten und eine Dose mit Pfefferkuchen. Ihre Augen haben geleuchtet wie bei kleinen Kindern. :-)

Ich schreib dir später noch mehr. Bis dahin einen kleinen Dornröschenkuss.. (warum darf Dornröschen nicht den Prinz wachküssen?)

Wir sehen uns,
Malou

Kleiner Bürogruss


Kleiner Bürogruss

Hallo Malou

Ach ich bin so faul und müde, lass mich ein bisschen träumen und in einem Mail herumturnen.
Das Wetter hat aufgehellt. Es ist jetzt auf eine milde Art sonnig, so ungefähr könnte man das fahle Licht nennen. Gegenüber, im grossen Haus, wo unten die Drogerie und die Parfumierie zum Wasserturm untergebracht ist, dort raucht ein Kamin leicht vor sich hin. Ich glaube, die Wohnungen oder Zimmer gegenüber wechseln ihre Mieterinnen und Mieter ziemlich häufig. Anfangs, das war in den Sommermonaten, hatte ich noch rassige junge Frauen gesehen. Doch jetzt sind es nur noch absolut junge Dinger. Das Haus hat zwei grosse Stockwerke und während all der Jahre hatte ich oft gedacht, was wohl die Gründe wären, dass dort niemand wohnt. Nun, ich dachte, vielleicht seien die Wohnung als Lager für den Laden benutzt. Jetzt gibt es bestimmt Bewohner, aber es ist ein bisschen unklar, wie viele es sind. Ich kann auf jeden Fall nicht unterscheiden, wer wer ist. Und das ist auch richtig so, ist nicht so wichtig.

Ach, ich bin wirklich zu müde. Hoffentlich geht es Dir besser.
Ich lass Dich.
Mit allerbesten GundK
...

Montag, 25. Februar 2013

Blick durchs Fenster



mildes Licht


und kurz danach - Nebel



Herrlich!



Heute ist es endlich hier, das erwünschte Wetter. Strahlende Sonne auf
leuchtend weissem Schnee. Wie viele Farben von Weiss es gibt! Ich
werde versuchen ein Bild für dich zu machen.



 Jetzt lege ich mich eine Weile, gut eingehüllt in einen Stuhl auf der Terrasse.


Ungerer


Subject: Letzter freier Abend..
Date: Thu, 19 Feb 19:43:43 +0100

Lieber ...,

Irgendwo habe ich gelesen, dass Ungerer, wenn er allein in ein Restaurant geht und ein Platz neben ihm frei ist, ganz einfach einen schon verstorbenen Freund einlädt dort mit ihm zu sitzen. Und er fühlt, dass dieser dann wirklich da ist. Machst du es auch so? Oder holst du dir Leute aus Fleisch und Blut an den Tisch? Vielleicht bist du auch gern mit deinen Gedanken allein.
Hast du auch gesehen, was Ungerer über NY schreibt? Scheinbar war er ebenso verliebt in die Stadt wie du. Die Stadt muss etwas besonderes an sich haben.
...

Samstag, 23. Februar 2013