Mittwoch, 3. Oktober 2012

Saturday night stories ...


Ämne: Saturday night stories.....
Datum: den 31 augusti 2003 04:05

Liebe Marlena
Du profitierst davon, dass ich mich ein bisschen ausruhen muss. Ich bin jetzt nur ein paar Schritte die Strasse hinauf und hinunter gegangen. Es sind hier vor allem junge Leute, die abends herumschwirren. Viele Asiaten. Ich wuerde sagen 70% sind Asiaten, viele Maedchen. Sie sind qar duenn und klein, aber sie scheinen eine starke Rasse. Es gibt hier viele Boutiquen, kleine Laeden mit allerlei Ramsch, auch Handwerksachen wie Geschirr, und dazwischen kleine Restaurants, oftmals auch asiatische. Manchmal gibt es nur vier oder 5 Tischchen.
Es sind die neuen 68er, die hier ihre alternativen Ideen leben wollen. Und das mitten in einer Weltstadt.
Ich habe fuer B. irgend eine Hautcreme gesucht und am Broadway sogar gefunden. Das war beinahe 9pm und immer noch offen. Sowas waere in der Schweiz ein Verbrechen mittleren Grades. Und dann auf dem Rueckweg bin ich nochmals in einem Buchladen gelandet. Beim Eingang steht meist ein Waechter. Dort muss man Taschen ablegen. Und dann kann man erst rein. Allerdings hatte ich erst drinnen bemerkt, dass ich meine Brille gar nicht mit hatte. Es gab interessante Buecher, aber angesichts fehlender Brille, wollte ich mich nicht auf ein Pokerspiel hinauswagen. Eines von einem Irlaender haette mich interessiert. Hat einen guten Titel: Shakespeare may be difficult ... but life is difficult!, Es ist offenbar eine Einfuehrung in die Dramen Shakespeares.
Es gibt hier soviele Buecher aus dem Taschenverlag, wie man sie auch in Zuerich findet. Genau dieselben Buecher, nur in Englisch. Oft sind es Bildbaende, mit eher weniger Texten. Ich habe schon etliche zuhause. Es ist eine ausgezeichnete Reihe. Kennt ihr sie auch in Schweden? Er nennt sich Verlag Taschen.

Im Village habe ich 2 Papayas gekauft. Sie sind schon ein bisschen weich. Letzthin hatte ich eine harte erwischt. Die schmecken nicht halb so gut. Diese hier sind wirklich weich wie Butter. Sie kommen aus Mexiko. Und ich hoffe, sie seien vollgepumpt mit Vitaminen. Und wenn man sie gegessen hat, und noch den Stein abnagt, dann bleiben einem die Fasern zwischen den Zaehnen stecken. Das ist etwas unangenehm.
Aber es geht mir jetzt schon bedeutend besser. Und mit der amerikanischen Tastatur komme ich immer leichter zurecht. Den z druecke ich mit dem kleinen Finger links unten, dort wo sonst das y ist.

Eigentlich wollte ich irgendwo noch einen Kaffee trinken. Aber die Starbucks in der Naehe sind ein bisschen ungemuetlich. Man hat den Eindruck, dort sitzen im Moment - das heisst am Samstag Abend um 9pm - nur die Langweiler herum. Am Kiosk in der Nehe haben sie die Frankfurter Allgemeine und die NZZ. Aber sie waren beide vom Freitag. Nichts ist aelter als eine Zeitung von gestern. Und im Internet habe ich die NZZ vom Wochenende schon ein bisschen beschnuppert. Habe aber nichts besonders Interessantes gefunden. Das waere auch schwierig. Hier auf dem Bildschirm ist die Schrift so klein, dass ich Muehe habe bei laengeren Texten.

Ich glaube, ich ziehe mich ins Bett zuerueck. Dann bin ich vielleicht morgen noch fuer etwas zu gebrauchen.
Ich wuensche Dier Marlena einen schoenen Sonntag. Der beginnt bei Euch ja gleich.
Mit lieben Grussen
...

Still Saturday


 Ämne: Still sadurday
Datum: den 31 augusti 2003 00:49


Liebe Marlena
Ach, so ein langer Witz! Er ist gut. Ich habe ihn auch verstanden, was nicht immer selbstverstaendlich ist. ;--))
Heute war ich nochmals an der 5. Avenue. Samstagsstimmung wie vor einer Woche. Aber diesmal war etwas bewoelkt. Bei Tiffany bin ich nicht mehr hineingegangen, sonst waere ich herausgekommen wie der hired farmer. Oben beim Central Parc ist die 5. sehr elegant. Je weiter man runter kommt, desto gewoenlicher wird sie. Ich bin von oben bis unten, bis ins East Village heimgewandert. Wahrscienlich hatte ich zuwenig Energie, eine U-Bahnstation zu suchen.

Meine Erkaeltung ist ein bisschen besser, aber noch nicht 100%. Aber es wird schon gehen. Ich habe soeben eine knappe Stunde geschlafen. Im Union Square gab es einen Markt, aehnlich wie auf dem grossen Platz in Basel. Sie verkaufen Gemuese und Fruechte, Blumen, auch selbstgemachtes Brot und Kuchen. Auch Kaese gab es, huebsche kleine Kaeslein. Ich habe mir ein paar Zwetschgen gekauft. Sie sehen wirklich robust und gross aus, dunkelblau, mit diesem hellen Schimmer oben drauf, den man abreibt, bevor man hineinbeisst. Fruechte sind ziemlich teuer hier. Wenigstens jene, die hier in der Naehe angebaut werden. Und die amerikanischen Masse, das waere ein eigenes Kapitel. Ein lb ist ein Pfund, und ein Pfund ist etwas mehr als 400 Gramm. Das ist wirklich noch altertuemlich, was die Amis hier aufbewahrt haben. Heute morgen habe ich mir schon hier im Village zwei Orangen gekauft, um zu etwas Vitamin C zu kommen. Man kauft sie als Einzelstuecke, so teuer sind sie. Na ja, es ist eigentlich jetzt nicht gerade Orangenzeit.

Am Morgen kam ich bei St. Marks vorbei. Da waren einige Schwarze vor der Kirche, alle in bester Kleidung. Ich setzte mich auf die Bank, einerseits, weil ich ein bisschen schwach war, andererseits wollte ich die Gelegenheit wahrnehmen, die Situation zu boebachten. Die Gesellschaft war quetschvergnuegt. Sie hatten auf der Strasse einen riesenlangen Wagen stehen, so eine Prominentenkutsche, ganz in weiss. Neben mir sass ein alter Ami, etwas aermlich gekleidet, mit seiner Frau - so nehme ich an - die im Rollstuhl eher vor sich hindaemmerte. Er sagte zu ihr, die wirklich nicht mehr ganz wach schien :"I thought it's a wedding .. but there is no groom .. so can't be a wedding". Und dann ist er mit seinem Rollstuhl abgezockelt.
Die schwarzen Frauen trugen die knalligsten Farben und die originellsten Schnitte. Ich glaube, sie naehen das selbst. Man sieht das an den Saeumen, wie Du sicherlich weisst. Und die Kleider passen ihnen nur ungefaehr. Aber die Knallfarben passen gut zu ihren austrucksstarken Gesichtern. Die Maenner waren dagegen eher ausdruckslos in schwarz. Einer hatte ein seidenes Revers und Hosen mit einem Seidenband an der Seite. Und einen aufgestellten weissen Kragen. Er hat sich wirklich in die Schale gestuerzt, sah aus wie ein alter Jazz Musiker. Dazu trug er einen schwarzen Schrim, obwohl die Sonne schien, mit dem er sich in Pose werfen konnte. Er sah gut aus, auch wenn die Hose etwas zu lang war. So standen sie eine Weile herum, liessen sich von Passanten begaffen, plauderten hier und dort und verzogen sich dann allmaehlich. Ich habe auch keine Braut und keinen Braeutigam gesehen. Vielleicht gibt es hier in Amerika Hochzeiten ohne Hochzeitspaar??

An der 5. Avenue gibt es auch ein Kirchlein. Es ist gebaut wie eine gotische Kapelle. Auch in der Naehe des Institutes gab es eine und unten in der Stadt ist nochmal eine, ich weiss nicht mehr, wie sie heisst. Diese gotischen Schmuckkaestlein wirken so zierlich und sakral zwischen den riesigen Gebaeuden, dass man sie irgendwie ins Herz schliesst. Vielleicht sind sie ja auch ein bisschen groesser, als sie scheinen, und wirken nur so neben ihren riesigen Nachbarn. Letzten Samstag, so erinnere ich mich, begannen abends die Kirchenglocken zu laeuten. Ich hatte zwar den Verdacht, das ganze sei ein Tonband. Es war so laut und deutlich zwischen den Wolkenkratzern. Aber es schuf eine heimatliche und irgendwie feierliche Stimmung.
Also, bei der Kirche an der 5. Avenue war auch eine Gesellschaft. Ich glaube, das waren Philippinen. Sie waren ziemlich gut angezogen und wirkten recht smart. Sie verschwanden dann in der Kirche. Bei einigen Frauen quoll das Fleisch unter den Armen aus den Kleidern. Sie waren alle wohl nur um 160 gross.
Und als ich dann auf diesem Markt in Union Square herumging und Vitamine suchte, da fing es an zu regnen. Das ist neu fuer mein NY. Die meisten schienen das nicht erwartet zu haben, und die Menge lichtete sich merkbar. Es war ein warmer Regen, und seine Naesse war schwer zu unterscheiden vom Schweiss auf dem Ruecken. Ich hatte sogar einen Schirm dabei, von der Schweiz heruebergebracht, und war froh darum.

Und dann bin ich die letzten Meter auch noch zu Fuss heim. Ich glaube, so habe ich den ganzen unteren Teil der 5. Avenue gemacht. Ach nein, der letzte Teil war Broadway. Die 5. Endet beim Washington Square Park, also bei der Universitaet NY. Aber ich bin doch ein gutes Stueck zu Fuss gegangen. Ich wollte S. ein kleines Geschenk kaufen von der mondaenen 5. Avenue und bin in verschiedene Geschaefte gegangen, wo ich mir natuerlich eher etwas verloren vorgekommen bin. Irgendwo hat mich eine Verkaeuferin angesprochen, eine Mulattin. Sie warf mir ein froehliches und gedehntes "hey' zu, als ob sie einen Flirt im Sinn haette. Dann fragte sie mich, wie es mir gehe, aber sie hielt sich irgendwie entfernt, so dass alles ziemlich spielerisch wirkte. Und spaeter fragte sie, ob sie mir helfen koenne. Sie schien sehr vergnuegt, so vergnuegt, dass sich bei einem Schweizer schon fast ein bisschen Misstrauen regt. Ich erklaerte, ich wolle nur so herumschauen. Ob ich etwas Spezielles suche. Ich sagte, nein, ich wisse nicht genau, was. Sie lachte wie ein Kind, welches das Osterei gefunden hat, uns meinte laut heraus "a present, right?" War eine suesse Situation, und alles spielte sich so zwischen Tablaren und Gestellen mit Blusen und Roecken und Struempfen ab, also eigentlich in einem Territorium, wo man sich als Mann eher in einem Auswaertsspiel empfindet.
Ich habe dann in einem anderen Geschaeft einen Hut fuer S. gefunden. Es ist war ein italienisches Modell, ganz einfach, ein Sommerhut aus Leinen in einem schoenen Rot. Na ja, das beste dran ist, dass er von der 5. Avenue stammt. Ich glaube, sowas gefaellt S. Eigentlich alle Dinge, die ich naeher anschaute, kamen aus Italien. Das ist mir aufgefallen. Das ist wohl am Geschaeft gelegen. Ich habe mir speziell noch eine Business/Card geben lassen, um S. zu zeigen, woher er stammt. Unter uns gesagt, Marlena, er war nicht so teuer. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, es war ein Ausverkauf. Aber das erzaehle ich S. nicht. S. hat ein bisschen die Einstellung, dass alles Gute auch teuer sei. Nach ja, nicht immer, aber im Zweifelsfall schon. Also bitte nicht weitererzaehlen!

Und jetzt sitze ich hier zuhause. Ich wollte nicht mit zur Party. Es ist noch etwas zu frueh, und ich bin sicher, sie kommen nicht vor 3 am heim. Das kann ein alter Mann wie ich nicht mehr durchstehen.
Ich schicke das, bevor es alles abstuerzt.
Mit lieben Gruessen
...

Dienstag, 2. Oktober 2012

um dich aufzumuntern :-)


Ämne: Hier ein kleiner Witz
Datum: den 30 augusti 2003 22:22


um dich etwas aufzumuntern. :-)

A successful rancher died and left everything to his devoted wife. She was a very good looking woman, and determined to keep the ranch, but knew very little about ranching, so she decided to place an ad in the newspaper for a ranch hand.

Two men applied for the job. One was gay and the other a drunk.

She thought long and hard about it, and when no one else applied, she decided to hire the gay guy, figuring it would be safer to have him around the house than the drunk.

He proved to be a hard worker who put in long hours every day and knew a lot about ranching.

For weeks, the two of them worked, and the ranch was doing very well.
Then one day, the rancher's widow said to the hired hand, "You have done a really good job and the ranch looks great. You should go into town and kick up your heels." The hired hand readily agreed and went into town one Saturday night.

However one o'clock came and he didn't return. Two o'clock and no hired hand. He returned around two-thirty and upon entering the room, he found the rancher's widow sitting by the fireplace with a glass of wine waiting for him.

She quietly called him over to her. "Unbutton my blouse and take it off," she said.

Trembling, he did as she directed.

"Now take off my boots." He did as she asked, ever so slowly. "Now take off my socks." He removed each gently and placed them neatly by her boots.
"Now take off my skirt." He slowly unbuttoned it, constantly watching her eyes in the fire light.

"Now take off my bra." Again with trembling hands he did as he was told and dropped it to the floor.
"Now," she said, "take off my panties." By the light of the fire, he slowly
pulled them down and off.

Then she looked at him and said,

"If you ever wear my clothes into town again, I'll fire you on the spot."

Re: samstags


Ämne: Re: samstags
Datum: den 30 augusti 2003 17:03

Liebe Marlena
Im Moment kaempfe ich immer noch mit meiner Erkaeltung. Ich habe gestern 4 Tabletten Alka Seltzer plus Cold mit Wasser hinuntergespielt. Und immerhin 12 Stunden geschlafen. Im Moment schwitze ich wie ein Pferd. Aber es ist ein bisschen besser. Ich war am Abend zuhause geblieben, waehrend meine Freunde an den Brooklyn Carneval gegangen sind. Es scheint, dass dies ein Ereignis ist, auf das sie ein ganzes Jahr warten. Sie waren ganz elektrisiert. Und offenbar gibt es Millionen anderer Menschen, die odrthin gehen, um die karibische Musik zu hoeren und den Umzug zu sehen.

Am Abend konnte ich der Flurnachbarin im Fenster zuschauen, wie sie am Kuechenlavabo ihre Haare waescht. Sie lebt dort wirklich in einfachen Verhaeltnissen. Aber offenbar pflegt sie sich ein bisschen auf das Wochenende hin. Das ist doch ein gutes Zeichen. Ich glaube nicht, dass sie oft ihre Raeume verlaesst. Gestern, als ich heimkam, habe ich durch die offene Tuere gesehen, wie sie am Tisch sass, das Telefon zwischen Ohr und Schulter eingeeklemmt. Sie hat irgendwas genestelt und gleichzeitig telefoniert. Die Amis sind ueberhaupt Weltmeister darin, Dinge gleichzeitig zu tun. Multiasking wuerde das in der Computersprache heissen. Im Kurs ist mit immer wieder aufgefallen, wie die Leute gleichzeitig essen und zuhoeren, trinken mitten im Kurs. Auf der Strasse haben sie ihre Kartonbecher in der Hand und trinken ihren Kaffee, waehrend sie gehen. Ich weiss nicht, ich mag das nicht so besonders. Es wirkt so kindlich. Und morgens sieht man jede Menge Frauen, die ins Buero gehen - so nehme ich an - und schon einen Becher und irgendwas eingewickelt mit sich tragen. Offensichtlich nehmen sie das Fruehstueck mit ins Buero. Aber sie rennen nicht so wie wir Schweizer. Sie haben einen gemaechlich speditiven Gang. Auch der Verkehr ist ruhig und korrekt, und niemand scheint gereizt zu sein. Das wirkt ein bisschen englisch auf mich, so aehnlich wie das korrekte Schlangestehen im Lebensmittelladen.

C, die Aerztin, hat mir erzaehlt, dass sie auf dem Empire State Building gewesen sei. Man muesste offenbar ungefaehr eine Stunde dafuer reservieren. Sie war auch in der Freiheitsstatue. Sie war wirklich voll auf Trab, wie wir sagen, und abends ging sie in Musicals und Cabarets. Am lustigsten fand ich, dass sie die Inlineskates mitgenommen hatte und damit den Central Park auf Raedern angeschaut hat. Auch sie hat bestatetigt, dass ihr alle Leute davon abgeraten hatten, sie mitzunehmen. So war es ja auch bei mir gewesen. Na ja, sie ist auch ein paar Jaehrchen juenger als ich. Aber ich muss sagen, man koennte wirklich den ganzen Broadway herunterfahren auf diesen Rollschuhen. Es waere moeglich. Nur Times Square waere etwas umstaendlich, weil dort viel Verkehr zusammenkommt. Aber man sollte kein blutiger Anfaenger sein, fuer ein solch gewachtes Unternehmen. Und wenn man einen Unfall verursachte, ist man in Amerika bestimmt ein armer Mann. Sie gehen hier ja konsequent und hart nach dem Verursacherprinzip. Ich habe in der U-Bahnstation Union Square eine kleine Szene gesehen. Eine junge Frau war in Eile und rannte irgendwo in Richtung eines Gehsteiges. Und so trat sie in ihrem Tempo einer anderen, auch juengeren Frau hinten auf eine Sandale. Viele tragen hier diese Plastiksandalen, die wir bloss an die Beach mitnehmen, die einzig zwischen grosser und zweiter Zehe fixiert sind. Und so war offenbar diese Fixierung gerissen. Die Verursacherin, eine huebsche junge Frau, schaute ganz schuldbewusst in die Welt und nahm, nach einer kurzen Diskussion, ihren Geldbeutel hervor und hat der anderen offenbar fuer den Schaden bezahlt. Das fand ich doch bemerkenswert. In der Schweiz wuerde man mit einem solchen Schaden allein gelassen. Na ja, die Leute wuerden denken, dass du bessere Schuhe tragen solltest. Oder sie wuerden sagen, das sei eben Pech gewesen. Das ist doch eine bemerkenswerte Szene und ein Zeichen, dass die Leute ihre Verantwortung uebernehmen.
Und jetzt muss ich doch aufhoeren. Ich muss zusehen, ob ich irgendwie meinen Flug bestaetigen kann. Und dann werde ich - Erkaeltung hin oder her - mich noch ein bisschen auf die Socken machen.
Ich wuensche Dir ein schoenes Fest heute und ein gutes Wochenende
Mit lieben Gruessen
...

Samstag zu früher Morgenstund..




Ämne: Samstag zu früher Morgenstund..
Datum: den 30 augusti 2003 06:46

Lieber ...,
Schau dir das mal an. Die Uhrzeit meine ich. Schon um 6 Uhr früh bin ich aufgestanden um nach einem Mail von dir zu schauen.
Ach, wie schade, dass du eine Erkältung hast. In Gedanken eile ich zu deinem Bett mit einem warmen Tee mit Honig und auch etwas Cognac drin. Hoffentlich hast du auch selbst etwas vorbeugen können. Ist ja doch gut, dass es nicht am Anfang deiner NY-Zeit passiert ist. Du hast die Tage wirklich gut ausgenützt und mit viel Erlebnissen gefüllt. Ich glaube sogar, du hattest dir das ganze vorher nicht so fantastisch vorgestellt, wie es war. Und ich geniesse wieder in vollen Züge deine Schilderungen. Ein Fremdenführer, voll mit kleinen persönlichen Betrachtungen, die das ganze so lebendig machen, dass ich ganz dabei sein kann. Es ist ganz einfach herrlich!
*
Ja doch, unser kleiner "nimmt sich" wie wir hier sagen würden.
-1.7 47.8 47.9 ABB Ltd 47.8 Er ist tüchtig gewachsen seit ich für 39 gekauft habe. Mehr als 20 %. Und ich habe sie nur wegen dir gekauft. Sende dir einen dankbaren Gedanken.
*
Heute um 11.00 Uhr hole ich Anna vom Bahnhof ab. Es ist das erste mal seit mehreren Wochen, dass ich sie habe nach Hause locken können. Sie ist froh, denn sie hat die Prüfungen neulich gut bestanden. Mit so viel Willen und Energie schafft man auch das Unmögliche, scheint es mir.

Heute abend werden wir ein kleines Krebsfest hier machen. Und K hat sich schon eine Menge gute Speisen ausgedacht mit denen er sie verwöhnen und mästen wird. Ich habe einige eingefroren, die sie dann mitnehmen kann.

Es ist bewölkt.. Hoffentlich regnet es nicht heute. Wir wollten auch eine kleine Tour in den Wald machen um noch ein wenig lingon (Preiselbeeren) zu pflücken. Du weisst schon, diese wertvollen Beeren, die dich von innen konservieren und jung halten. *s* Wird bald notwendig..

Ich schicke dies nun ab, denn man hört sicher dass ich hier schreibe.

Ich umarme dich und küsse dich, mein geliebter Mausfreund.
Werd bald wieder ganz gesund.
Marlena

2. Service


Ämne:  2. Service
Datum: den 30 augusti 2003 03:55

Liebe Marlena
hast Du bemerkt, wie unser ABBaby in diesen 14 Tagen gewachsen ist. Ist ja irre. Ich habe jetzt lange nicht mehr in die Kursliste geschaut. Normalerweise schaue ich morgens rasch via NZZ. Ich hoffe, der kleine wird nicht adipoes, ich meine auf Deutsch "zu dick". Das mag ich nicht. Aber normalerweise schnellen die Kurse hinauf und sinken dann wieder. Das geschieht, soviel ich verstehe, durch die groessen Haendler, die nicht an der Aktie, sondern nur am Gewinn interessiert sind. Sie kaufen viel aufs Mal, lassen die Aktie steigen, und springen dann nach ein paar Prozent wieder ab. Du siehst, es ist gefaehrlich, die Aktien sosehr als Baby zu personalisieren. Vielleicht bringst Du es dann nicht im rechten Moment uebers Herz, sie wieder abzustossen. Waere ja purer Kindsmord.
Aber Du must zugeben, sie sind tuechtig gesprungen in den letzten Tagen. Und auch die anderen laufen nicht so schlecht.
Morgen werde ich wieder mal in die Zeitung hineinschauen. Ich habe nur heute rasch bon einem grossen Bombenanschlag in Nadjaf gehoert. Das ist vielleicht der irakische Widerstand, der die Leute gegen die Amerikaner aufhetzen will? Diese Brutalitaet waere ihm zuzutrauen. In diesem Durcheinander versteht keiner mehr, was los ist.
Jetzt gehe ich ins Bett. Ich muss meine beginnende Erkaeltung kurieren. Sonst bin ich bis Sonntag Abend hier zuhause. Das waere schade.
Ich wuensche Dir einen schoenen Samstag.
Mit lieben gruessen und Kuessen
...

Montag, 1. Oktober 2012

Kurs vorueber..


Ämne:  guten Morgen
Datum: den 30 augusti 2003 01:38

Liebe Marlena
Jetzt ist der Kurs vorueber und - Du wirst staunen - ich habe ihn bestanden. Es gibt ein schoenes Zertifikat des Institutes hier in New York. Allein das ist eine Reise wert. Und wie es nach einem Kurs so ist, alle sind ein bisschen aufgeweicht und versprechen sich ewige Liebe und Freundschaft. Na ja, es hatte ein paar nette Leute, und frueher oder spaeter werde ich mit einigen per Mail Kontakt aufnehmen. Aber ich kann meinen Adressenkreis nicht beliebig erweitern. Meine Kapazitaeten kommen langsam an ihre Grenzen.
Der letzte Tag war gefuellt mit Uebungen. Und es ist interessant, wie man in diese Art von Sprache hineingeraet, die automatisch in die Trance fuehrt. Natuerlich kann man bei diesen Leuten, die hier waren, im Moment mit den Fingern schnalzen, und alle sind weg. Na ja, sie sind nicht weg, sie sind in Trance. Sie sind es so gewohnt. Aber das aendert sich in den naechsten zwei oder drei Wochen.

Heute habe ich irgendwie eine kleine Erkaeltung. Ich weiss nicht, woher sie stammt. Gestern war es keineswegs kalt. Es gab ein MTW Konzert in Rockefeller Center. Und wir haben gesehen, wie die Saenger eingefahren ist. Du weisst sicherlich, wie das ist. Ich kann mich erinnern, dass ich sowas erstmals im den 70er Jahren in England am Fernsehen gesehen habe. Die Stars waren die Beatles und die Rolling Stones. Soviele junge Leute hatte man vorher in der Geschichte wohl niemals gesehen Und das Fernsehen zeigte sie in den Hauptnachrichten, die vielen jungen Maedchen, die kreischten, ausser sich waren, die Fassung verloren und manchmal ohnmaechtig hinsanken. Ich erinnere mich, wie sehr ich sprachlos war, und wie sehr ich auch das Gefuehl hatte, ich gehoere zu dieser Jugend. Es war schoen damals, jung zu sein. Und es gab eine Aufbruchstimmung ueber die Musik, die die alten ueberhaupt nicht verstanden. Es war sozusagen ein Angriff der Jugend von hinten. Aber weil es soviele Leute gab, konnte man nichts sehen. Auch die einzelnen, die ihre Digitalkamera in die Hoehe hielten, um im Display etwas zu sehen, auch das half nichts. So sind wir im Kaufhaus in den 4.Stock gefahren und haben heruntergeschaut. Da konnte man - von weitem - ein bisschen was sehen. Dann sind wir ueber Times Square zurueckgekehrt. Dort sind die Theater, wo die vielen Musicals laufen. Aber ich habe mich nicht entschliessen koennen, in ein Musical zu sitzten. Mit der W bin ich dann zurueckgekehrt und habe mein Pensum geschrieben.
Ich habe gestern auch erstmals ein Sandwich gegessen, Corned Beef Sandwich, wenn ich mich nicht irre. Das war eine ganze Platte mit viel Fleisch, oben und unten eine scheue, weisse Brotscheibe, und dazu French Potatoes. Hatten die Amis nicht beschlossen, die French Potatoes umzubenennen? Also wenn sie die Dinger umbenennen, schadet das absolut nichts. Das waren keine Frites, sondern Kartoffelstreifen von der Konsistenz verkochter Pasti. Weich und lahm waren sie. Man haette genauso Pellkartoffeln beigeben koennen, das waere besser gewesen. Aber ich habe mir gesagt, man muss alles probieren, und so habe ich fast den ganzen Teller gegessen. Eine lange Tranche saure Gurke war auch noch drauf. Sie war aber nicht sauer, sondern vor allem salzig. Na ja, es war alles gut gemeint, und ich bin sicher, jeder normale Theaterbesucher haette diesen Teller in hoechstem Masse genossen. Ich habe dem Barmann ein gutes Trinkgeld gegeben, so wie man ueberall in den Touristenfuehrern angewiesen wird. Und er hatte mich angeschaut, als waere er Europaer. Vielleicht Tscheche oder sowas? Es ist schoen, bei diesem milden Klima abends, wenn es dunkel ist, zu Fuss heimzuschlendern. Im Village ist ohnehin noch viel los. Und man sieht soviele Dinge. Aber wiederum habe ich meine Tuere verpasst und bis bis zur 1. Avenue gegangen.

Und heute morgen bin ich via Washington Square zum Kurs gegangen. Auch dort haben sie ein Gaertchen, fuer die Hunde. Und scho morgens frueh - natuerlich vor der Arbeit - sitzen sie dort mit ihren Vierbeinern und lassen sie austoben. Und weiter unten hatte es Tische mit einem eingearbeiteten Schachbrettmuster. Bereits drei Tyzpen sassen da, als ob sie dort uebernachtet hatten, hatten schon die Steine aufgestellt und einer forderte mich in morgenlichem Uebermut auf, mit ihm eine Partie zu machen. Ich glaube, sie machen das gegen Bezahlung. Auch vor der Public Library gab es solche Spieler. Idealerweise melden sich zwei, die spielen wollen. Wenn nur einer kommt, muessen sie den Sparringpartner abgeben. Dort oben hatten sie auch Backgammon gespielt. Hier aber war kurz nach 8h, und kein vernuenftiger Mensch spielt morgens um 8 im Washington Square auf einem kalten und eher etwas schmutzigen Steintisch eine Partie Schach. Ausser vielleicht eines dieser Hoernchen. Die waren schon auf und hatten ihre grosse Zeit. Sie pfluegen sich wirklich zu Dutzenden durch das Gras. Und auf einer anderen Grasflaeche hatte ein Schwarm Tauben ihre Fruehmesse. Sie hatten sich getrennt voneinander, die Tiere, denn sie lieben die Ordnung. Und dann kam ich wieder zu einem hohen Gitter, dreimal so hoch wie jenes, worin die Hunde spielen. Das ist fuer die kleinen Kinder. Dort drin wie in einem Raubtierkaefig stehen die Muetter und sehen zu, wie lange es dauert, bis die kleine Sally genug geschaukelt hat. Der Boden ist geteert, aber dort, wo die Kinder meist herumtollen, ist der Teer mit einer Gummimatte bedeckt. Es sieht einfach komisch aus, die kleinen Kinder hinter diesen grossen Gittern. Man denkt natuerlich - oder vielleicht denken wir Europaer so - das Gitter soll uns vor den Kindern schuetzen. In Wirklichkeit denken die Amerikaner wohl, das Gitter soll die Kinder vor den Homophilen schuetzen. Ich kann mir keinen anderen Grund vorstellen. Hier die kleinen Kinder, dort drueben die Hunde. Einziger Unterschied: beim Hundezwinger gibt es noch eine Schleuse, dh einen kleinen Vorraum, wohl um dem Tier die Leine umzuhaengen oder zu loesen. Das ist aufwendig, aber praktisch gedacht. Wenn du also einen Wunsch hast, in NY, dann waehle Hund und besser nicht Kind zu sein.
Ich ueberquere jeden Tag den Broadway, um zum University Place zu kommen. Allein das ist ein gutes Gefuehl, obwohl der Broadway eigentlich hier eine ganz gewoehnliche Strasse ist. Sie ist sogar ein bisschen enger, hat aber einen gepflegteren Gehsteig.
*
Ich bin gerade unterbrochen worden. Ch. ist mit ihrer japanischen Freundin gekommen. Japaner, so habe ich festgestellt, sind sehr nett. Sie machen eine nette Konversation. Das einzige Problem liegt darin, dass man sie schlecht versteht. Sie haben eine Aussprache, die vom Englischen wirklich weit entfernt scheint. So muss ich meist vieles erraten. Aber so genau muss man die Dinge meist auch gar nicht verstehen. In einem small talk genueben ein paar Stichworte. Darin aehnelt der Small Talk der Trance.
*
Jetzt muss ich mir rasch ein Alkaseltzer + Cold holen. Ich fuehle, dass etwas im Anzug ist. Und vielleicht ist es besser vorzubeugen, bevor es richtig einschlaegt und ich im Flugzeug von einer Stewardess individuell gepflegt werden muss.

Ich geh mal schnell zum Deli, um ein Alkasetzer zu holen.
Bis spaeter
Gruss
...