.
Ämne: Oster.. MON.. tag
Datum: den 12 april 2004 16:29
Liebe Malou
Ja, Deine Anna zeichnet gut. Hinter einem solchen Comic ist viel Vorstellung und Überlegung. Das Mädchen scheint mir etwas mehr entwickelt als der Boy. Diese Verschränkung der Bilder ineinander kann nur von jemandem kommen, der mit Comics aufgewachsen ist. Wir in unserem Altern haben bloss die einfachen, wohlgeordneten Schritt für Schritt Bildgeschichten kennen gelernt, nicht wahr. Die heutigen Zeichner spielen virtuos mit den Bildübergängen und kombinieren auch Bilder verschiedener Formate.
Wir hatten eher stille Ostern. Ich habe viel geschlafen und meine Ohrenschmerzen gepflegt. Am frühen Abend hatten wir ein gemeinsames Essen mit einem grossen Tisch, den S bereitet hat. Am Vorabend hatte ich ein bisschen mitgeholfen bei den Eiern. Na ja, ich habe sie schliesslich bloss aus dem kochendheissen Zwiebelschalensud gefischt, sie unter kaltem Wasser abgeschreckt, um sie zuletzt mit Fett etwas einzureiben. Und dazu habe ich den Herd geputzt. Ehrenwort! Dieser rote Sud war ziemlich penetrant. Neben Zwiebelschalen waren offenbar Schalen der roten Bete drin. Und dazu Salz. Die Eier sind den auch sehr schön geworden. S hat frische Pflanzenblätter mit alten Nylonstrümpfen auf der Schale fixiert und die Eier so in den Sud gelegt. Jetzt gibt es auf den rotbraunen Einer gelbe Pflanzenmuster, die ganz natürlich und hübsch organisch aussehen. Macht ihr das auch so?
An Ostern hatte uns Onkelchen ins Restaurant eingeladen. Wir wollten eigentlich hinaus ins Land fahren, in ein Restaurant in der Höhe über dem Hallwilersee, wo er oft mit Tantchen gewesen war. Aber das Wetter war so triste, und offenbar das Restaurant ausgebucht, so dass er in der guten alten Krone reserviert hatte. Es war ganz angenehm, hatte eigentlich nicht zu viele Leute, aber jede Menge junger Mädchen im Service. Ich habe mir natürlich mein Osterlamm bestellt, auf einem Bärlauchrisotto mit Spargel. War in Ordnung und mit dem Feldsalat mit Ei und Brotgeröste mehr als genug. Als ich dann noch mit Amaretticrème und Eierliköreis abschloss, kam ich schon ziemlich an meine Grenze. Der Dessert war nicht erstklassig, muss ich sagen. Es schmeckte ein wenig diffus. Aber alles in allem war es gut. Onkelchen hat tapfer beide Tranchen seiner Seezunge gegessen und mit einem Zwinkern gemeint, sie schmecke schon anders als im Altersheim. Und dazu liess er mich 2dl Yvorne bestellen, so dass S. schon etwas bange war, ob er dann wieder auf eigenen Beinen zurück in sein Zimmer gehen könne. Aber es verlief alles perfekt. Er hatte sogar seine kleine Kette mit Klammern mitgenommen, damit er sich die Serviette vor die Brust heften konnte, um sich vor Spritzern zu schützen. Kurz und gut: alles war von langer Hand vorbereitet, wie wir im Deutschen sagen.
Und heute habe ich wiederum endlos lange geschlafen. Ich wollte eigentlich ein bisschen arbeiten. Aber bis jetzt habe ich erst etwa eine gute Stunde erreicht. Ich hatte einfach keine Lust. Ich bin wiederum im Bett herumgelegen, habe mein Ohr mit Infrarotlicht bestrahlt und bin so natürlich immer wieder eingeschlummert. Nun, ich hoffe doch sehr, dass die Kräfte wieder einmal kommen. Sonst wird die Zeit bis zu den Sommerferien zu mühsam.
Übrigens habe ich in einem Zeitungsartikel gelesen, dass die Sache mit dem Osterhasen eine protestantische Erfindung sei. Und die Eier sind nicht in erster Linie Fruchtbarkeitssymbol, wie man es immer behauptet hatte. Die Eier gab es um Ostern bloss deswegen, weil nach der Fastenzeit so viele Eier zur Verfügung standen. Und weil um Ostern ein Zinstag war wie jener an Martini im Herbst, und oft mit Materialien bezahlt wurde, kam es, dass man oft Eier dazu benutzte. Früher wurden nur die gesegneten Eier gefärbt. Die rote Färbung diente eben gerade dazu, sie von den übrigen Eiern zu unterscheiden. Gesegnete Eier galten als Glücksbringer. Sie wurden verschenkt oder irgendwo auch auf dem Dachboden aufgestellt zum Schutze des Hauses. Wie es zum Osterhasen kam, ist nicht ganz klar. Es gibt Vermutungen, dass es ein Brauch war, ein Osterbrot in Form eines Lammes zu backen. Und weil offenbar die Ohren zu lange und die Beine zu kurz schienen, sei man mit der Zeit auf den Hasen gekommen. Klingt ein bisschen fade, nicht wahr? Bestimmt gab es im Frühjahr auch viele junge Hasen. Und so sei es gekommen, dass man die farbigen Eier vor allem in protestantischen Gebieten dem Hasen zugeschrieben hat. Dabei ist aber jetzt doch merkwürdige, dass der protestantische Norden, Skandinavien eben, den Hasen nicht kennt. Vielleicht habt ihr auch nicht zu viele wild lebende Hasen? Oder doch?
Macht ihr auch das Spiel, indem ihr mit den Eiern gegeneinander schlagt. Ich glaube, das gibt es überall. Letzthin habe ich eine griechische Familie im Fernsehen gesehen, die das ebenso gemacht hat. Sie hatten auch nur rote Eier.
Morgen beginnt die Arbeit wieder. Ich könnte mir noch ein paar Tage frei nehmen. Aber es macht keinen Sinn, zuhause herumzusitzen und zu lesen. Ich habe einige Arbeiten, die ich bis Ende Monat gemacht haben muss. Und so will ich lieber zeitig dran gehen. Ich mag es nicht, zum Schluss unter Zeitdruck zu sein, wenn es an allen Ecken brennt. Dafür ist A Spezialistin. B und ich fangen früher an, mindestens bei den wichtigen Dingen. Das Gefühl, der Konkurrenz voraus zu sein, stimuliert mich mehr als die Sorge, vielleicht im Hintertreffen zu sein.
Wenn ich heute zum Fenster hinaus auf den Platz hinunter schaue, so finde ich ihn mehr oder weniger menschenleer. Die Tische und Stühle des Cafès stehen zwar draussen unter dem Schirm. Aber der Betrieb ist an Ostermontag geschlossen. Und gegenüber in der Drogerie haben sie die Sonnenstoren (die Markisen, wie das so schön heisst) heruntergelassen, als ob es schon Sommer wäre. Davor treiben die drei Bäume in einem zarten Grün. In ein oder zwei Wochen werde ich nicht mehr hindurch auf das Strassencafé sehen können. Dann wird es hinter dem Blättervorhang verschwinden, mindestens zum grossen Teil. Ich glaube, wenn ich mal in Pension sein werde, dann werde ich mich nach diesem Blick zurücksehnen. Ich habe mal eine Zeichnung davon gemacht. Aber ich weiss nicht, ob ich sie auch wirklich aufbewahrt habe.
Und jetzt muss ich noch ein bisschen hinter meine Dinge. Und abends will ich noch rasch bei meinen Eltern vorbei. Du hast bestimmt noch ein paar Tage Ferien, nicht wahr?
Ich wünsche Dir eine gute Zeit.
MalGuhsK
...