Subject: My one and only ...
(R)
Nein, mein Liebling! So ist es wirklich nicht. Ich könnte hier sitzen, tage und nächtelang und dir ununterbrochen schreiben ohne dich vor mir zu haben. Es ist nur dass ich dauern im Beruf kreativ sein muss. Immer neue Möglichkeiten ausdenken wie ich den "unmöglichen" Schülern was beibringen könnte. Und dann muss ich ...
Wenn du wüsstest wie gern ich dir lieber schreiben würde.. du würdest dich wundern.
Ach, wäre ich doch Pippi. Sie ist ein frischer Wind.. und ganz von Maladi befreit ;-)))
Ich liebe dich, .. Auch ich sollte es mehr für mich behalten. Aber wenn ich es nicht sagen darf dann wird es zuviel in mir.. dann maladiere ich noch mehr.. (unser lustiges Wort das so gut zu meinen Gefühlen passt, d.h. ich denke in Liebe an dich sodass es fast schmerzt wie eine Maladie).
Wenn ich dir so schreibe dann bist du ganz nahe.. als wärest du vor mir und doch kann ich dich nicht umarmen.. nur in Gedanken.. was ich auch nun tue.
...
K+S+M
Marlena
Montag, 10. Oktober 2011
Samstag, 8. Oktober 2011
Reich-Ranicki
Liebe Marlena
...
So lass mich über Reich-Ranicki schreiben. Er hat seine Biographie geschrieben, vor nicht allzu langer Zeit. Und sie ist sehr gut verkauft worden. Ich bin sicherlich schon 5 oder 6 mal daran vorbeigegangen in meinem Buchladen. Aber ich habe es mir immer verkniffen, sie zu kaufen. Walter hat sie zuhause und hat sie mir auch zu lesen angeboten. Und es gibt Leute, die sie gut finden. Vielleicht ist sie auch gut, aber möglicherweise ist sie vor allem gut, weil sie gut verkauft worden ist. Die Biographie Reichs wird in Deutschland sicherlich auch so sehr gelobt, weil er ein Jude ist und offenbar Schweres durchgemacht hat im Warschauer Ghetto. Die Deutschen leiden immer noch an ihren Schuldgefühlen. Man merkt es in den TV-Sendungen. Das Thema des Judentums ist viel zu häufig angesprochen im Fernsehen, und zumeist wird es mit übertriebener Rücksicht behandelt. Doch ich habe – offen gesagt – nicht allzuviel Mitleid mit Reich-Ranicki. Er ist ein harter Brocken. Und ich bin sicher, auch er hat gute Gründe, Schuldgefühle zu haben in seinem Leben.
*
Es gibt nun also dieses "literarische Quartett" im deutschen Fernsehen. Monatlich diskutiert eine Gruppe von vier Personen – Literaturkritiker eigentlich - unter der insgeheimen Führung von Reich. Das Schweizer Fernsehen hat eine ähnliche Sendung unter der Leitung von Cohn-Bendit, wie ich Dir schon erzählt hatte. Sie ist feiner und differenzierter. Cohn-Bendit (auch ein Jude überigens) ist der ehemalige "rote Dani" der Pariser Studentenunruhen von 1968. Er hat viel Witz und ist politisch aufgeklärt und menschlich. Aber bleiben wir bei Reich.
*
Marcel Reich-Ranicki leitet seine Sendung wie ein Gericht. Er fühlt sich als Oberrichter. Selbstherrlich und manchmal recht kraftmeierisch fällt er sein Urteil. Und das kann man am nächsten Tag im Buchladen beobachten!! Er suggeriert eine Einheit des literarischen Publikums, welches hier vermeintlich als Zeuge zu Gericht sitzt. Man hat Reich oft den Literaturpapst genannt, wie einstmals Breitinger und Bodmer in Zürich, später Staiger. Und das stimmt besonders bezüglich zweier seiner Grundhaltungen. Er ist überaus päpstlich insofern, als er sich dezidiert theoriefeindlich einerseits, antimodernistisch andererseits gibt.
*
Reichs Verständnis der Literaturkritik liegt in Nachbarschaft der Idee der Aufklärung. Sein ideologisches Fundament ist der Common sense, das meint ein ziemlich unreflektiertes, urwüchsiges (würde Marx sagen) Verständnis der Welt; sein Feld ist die natürliche und damit scheinbar selbstverständliche Sprache, wie sie alle zu sprechen und zu verstehen scheinen; und seine höchste, quasi göttliche Instanz ist die Vernunft, die zusammengeht mit der einen und einzigen Moral. Das ist eine strenge Führungsmannschaft, nicht wahr? Das ist im Grunde "monarchistisch" gedacht, findest Du nicht Marlena? Also nicht sehr modern! Altmodisch! Konservativ! Es ist nicht auf der Höhe der Zeit, da bin ich mir ziemlich sicher. Es ist eben für den durchschnittlichen Fernsehzuschauer.
*
Reich vertritt, wenn man hinter seine Kulissen schaut, einen metaphysischen Realismus. Er mag Romane. Er behandelt eigentlich nur Romane. Er behandelt keine Lyrik. Er mag nicht die Betonung des Sprachlichen, die formalen Experimente. Sprache ist für ihn Werkzeug, um die Welt, das meint die Realität wiederzugeben. Sie ist ihm der handwerkliche Aspekt der Literatur. So wie der Hammer nicht den Nagel oder das Einschlagen von Nägeln darstellt, so ist für Reich die Sprache unabhängig von der Welt, die sie beschreibt. In vielen seiner Formulierungen zeigt er, dass er den Autor wie einen Handwerker betrachtet, der seine Kunstgriffe quasi als Werkzeuge aus der Schublade zieht. Das ist eine überalterte Theorie der Unterscheidung von Form und Inhalt. Sie ist klassisch, nicht wahr? Diese antike Theorie impliziert eine Reihe von Unterscheidungen, die basal und für den Sinn der Wirklichkeit konstitutiv sind. Sie unterscheidet Sprache und Inhalt, sie unterscheidet Denken und Wirklichkeit, konstruiert die absolute Grenze zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit. Letzteres ist ein Abgrun, der – wie mir scheint – Junge von Alten heute überdeutlich unterscheidet. Wir älteren Semester haben ein grosse Neigung, der Wirklichkeit neben den blossen Möglichkeiten den absoluten Vorzug zu geben. Ich glaube, in unserer Erziehung war diese Unterscheidung ein zentrales Postulat. Doch das ist bei jungen Leuten heute sehr viel seltener der Fall. Die Jungen kümmern sich wenig um diese Grenze. Für sie ist die Grenze fliessend und damit unerheblich. Das Mögliche ist ihnen fast so wirklich, wie das Wirklich bloss möglich ist. Es gibt neben dem Wirklichen viele andere Möglichkeiten von Wirklichkeiten. Ich glaube, das ist revolutionär neu in unserer heutigen Welt!
*
Reich also mag Romane, die ordentlich, das heisst chronologisch erzählt sind, deren Texte ohne Aufwand verständlich erscheinen. Er meint, hinter der Erzählung liege eine Wirklichkeit, die abgebildet wird. Das meint er noch, wenn sie auch bloss erfunden ist. Es gibt für ihn das "Ding an sich", wie Kant sagen würde. Reich ist hier monoman. Er liest immer in der "realistischen Lesart". Er will unterhalten werden und er will einen Autor lesen, der ihm die Wirklichkeit erzählt. Was nach dem Masstab der Wirklichkeit sich nicht plausibel anhört, das verwirft Reich Ranicki gerne. Und so liegen seine Gedanken eigentlich auf eher einfachem Niveau. Er ist blind für die eigene Theorie. Bei einem Psychoanalytiker würde man von den "blinden Flecken" sprechen. Kurz und gut, er weiss nur sehr begrenzt, was er tut.
*
Mit anderen Worten, liebe Marlena, wenn Du Diskussionen über Reich-Ranicki hörst, lass Dich nicht zu sehr beeindrucken. Es ist eine kleine, konservative Show, die er am Fernsehen macht. Man kann sie anschauen. Ich schaue sie an. Und oft schaue ich mit einigem Vergnügen zu. Aber man darf nicht denken, dass hier wirklich der Literatur ein Dienst erwiesen würde. Hier kommt bloss eine Abteilung der Literatur zum Zuge. Und das ist eine eher einfache Abteilung, eher mittelständisch, eher unterhaltsam. Es ist die Literatur, die wir mit einer unterhaltsamen Fernsehsendung vergleichen können. Aber man darf nicht denken, dass Reich neue Erkenntnisse über die Welt oder vielleicht die Kunst vermitteln würde. Er ist zeitlich schwer im Rückstand. Und er versteht nicht allzuviel von Kunst, so glaube ich. Ich bin überzeugt, dass Cohn-Bendit moderner agiert, obwohl er bestimmt nicht soviel Leseerfahrung hat wie der alte Reich.
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So lass mich über Reich-Ranicki schreiben. Er hat seine Biographie geschrieben, vor nicht allzu langer Zeit. Und sie ist sehr gut verkauft worden. Ich bin sicherlich schon 5 oder 6 mal daran vorbeigegangen in meinem Buchladen. Aber ich habe es mir immer verkniffen, sie zu kaufen. Walter hat sie zuhause und hat sie mir auch zu lesen angeboten. Und es gibt Leute, die sie gut finden. Vielleicht ist sie auch gut, aber möglicherweise ist sie vor allem gut, weil sie gut verkauft worden ist. Die Biographie Reichs wird in Deutschland sicherlich auch so sehr gelobt, weil er ein Jude ist und offenbar Schweres durchgemacht hat im Warschauer Ghetto. Die Deutschen leiden immer noch an ihren Schuldgefühlen. Man merkt es in den TV-Sendungen. Das Thema des Judentums ist viel zu häufig angesprochen im Fernsehen, und zumeist wird es mit übertriebener Rücksicht behandelt. Doch ich habe – offen gesagt – nicht allzuviel Mitleid mit Reich-Ranicki. Er ist ein harter Brocken. Und ich bin sicher, auch er hat gute Gründe, Schuldgefühle zu haben in seinem Leben.
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Es gibt nun also dieses "literarische Quartett" im deutschen Fernsehen. Monatlich diskutiert eine Gruppe von vier Personen – Literaturkritiker eigentlich - unter der insgeheimen Führung von Reich. Das Schweizer Fernsehen hat eine ähnliche Sendung unter der Leitung von Cohn-Bendit, wie ich Dir schon erzählt hatte. Sie ist feiner und differenzierter. Cohn-Bendit (auch ein Jude überigens) ist der ehemalige "rote Dani" der Pariser Studentenunruhen von 1968. Er hat viel Witz und ist politisch aufgeklärt und menschlich. Aber bleiben wir bei Reich.
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Marcel Reich-Ranicki leitet seine Sendung wie ein Gericht. Er fühlt sich als Oberrichter. Selbstherrlich und manchmal recht kraftmeierisch fällt er sein Urteil. Und das kann man am nächsten Tag im Buchladen beobachten!! Er suggeriert eine Einheit des literarischen Publikums, welches hier vermeintlich als Zeuge zu Gericht sitzt. Man hat Reich oft den Literaturpapst genannt, wie einstmals Breitinger und Bodmer in Zürich, später Staiger. Und das stimmt besonders bezüglich zweier seiner Grundhaltungen. Er ist überaus päpstlich insofern, als er sich dezidiert theoriefeindlich einerseits, antimodernistisch andererseits gibt.
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Reichs Verständnis der Literaturkritik liegt in Nachbarschaft der Idee der Aufklärung. Sein ideologisches Fundament ist der Common sense, das meint ein ziemlich unreflektiertes, urwüchsiges (würde Marx sagen) Verständnis der Welt; sein Feld ist die natürliche und damit scheinbar selbstverständliche Sprache, wie sie alle zu sprechen und zu verstehen scheinen; und seine höchste, quasi göttliche Instanz ist die Vernunft, die zusammengeht mit der einen und einzigen Moral. Das ist eine strenge Führungsmannschaft, nicht wahr? Das ist im Grunde "monarchistisch" gedacht, findest Du nicht Marlena? Also nicht sehr modern! Altmodisch! Konservativ! Es ist nicht auf der Höhe der Zeit, da bin ich mir ziemlich sicher. Es ist eben für den durchschnittlichen Fernsehzuschauer.
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Reich vertritt, wenn man hinter seine Kulissen schaut, einen metaphysischen Realismus. Er mag Romane. Er behandelt eigentlich nur Romane. Er behandelt keine Lyrik. Er mag nicht die Betonung des Sprachlichen, die formalen Experimente. Sprache ist für ihn Werkzeug, um die Welt, das meint die Realität wiederzugeben. Sie ist ihm der handwerkliche Aspekt der Literatur. So wie der Hammer nicht den Nagel oder das Einschlagen von Nägeln darstellt, so ist für Reich die Sprache unabhängig von der Welt, die sie beschreibt. In vielen seiner Formulierungen zeigt er, dass er den Autor wie einen Handwerker betrachtet, der seine Kunstgriffe quasi als Werkzeuge aus der Schublade zieht. Das ist eine überalterte Theorie der Unterscheidung von Form und Inhalt. Sie ist klassisch, nicht wahr? Diese antike Theorie impliziert eine Reihe von Unterscheidungen, die basal und für den Sinn der Wirklichkeit konstitutiv sind. Sie unterscheidet Sprache und Inhalt, sie unterscheidet Denken und Wirklichkeit, konstruiert die absolute Grenze zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit. Letzteres ist ein Abgrun, der – wie mir scheint – Junge von Alten heute überdeutlich unterscheidet. Wir älteren Semester haben ein grosse Neigung, der Wirklichkeit neben den blossen Möglichkeiten den absoluten Vorzug zu geben. Ich glaube, in unserer Erziehung war diese Unterscheidung ein zentrales Postulat. Doch das ist bei jungen Leuten heute sehr viel seltener der Fall. Die Jungen kümmern sich wenig um diese Grenze. Für sie ist die Grenze fliessend und damit unerheblich. Das Mögliche ist ihnen fast so wirklich, wie das Wirklich bloss möglich ist. Es gibt neben dem Wirklichen viele andere Möglichkeiten von Wirklichkeiten. Ich glaube, das ist revolutionär neu in unserer heutigen Welt!
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Reich also mag Romane, die ordentlich, das heisst chronologisch erzählt sind, deren Texte ohne Aufwand verständlich erscheinen. Er meint, hinter der Erzählung liege eine Wirklichkeit, die abgebildet wird. Das meint er noch, wenn sie auch bloss erfunden ist. Es gibt für ihn das "Ding an sich", wie Kant sagen würde. Reich ist hier monoman. Er liest immer in der "realistischen Lesart". Er will unterhalten werden und er will einen Autor lesen, der ihm die Wirklichkeit erzählt. Was nach dem Masstab der Wirklichkeit sich nicht plausibel anhört, das verwirft Reich Ranicki gerne. Und so liegen seine Gedanken eigentlich auf eher einfachem Niveau. Er ist blind für die eigene Theorie. Bei einem Psychoanalytiker würde man von den "blinden Flecken" sprechen. Kurz und gut, er weiss nur sehr begrenzt, was er tut.
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Mit anderen Worten, liebe Marlena, wenn Du Diskussionen über Reich-Ranicki hörst, lass Dich nicht zu sehr beeindrucken. Es ist eine kleine, konservative Show, die er am Fernsehen macht. Man kann sie anschauen. Ich schaue sie an. Und oft schaue ich mit einigem Vergnügen zu. Aber man darf nicht denken, dass hier wirklich der Literatur ein Dienst erwiesen würde. Hier kommt bloss eine Abteilung der Literatur zum Zuge. Und das ist eine eher einfache Abteilung, eher mittelständisch, eher unterhaltsam. Es ist die Literatur, die wir mit einer unterhaltsamen Fernsehsendung vergleichen können. Aber man darf nicht denken, dass Reich neue Erkenntnisse über die Welt oder vielleicht die Kunst vermitteln würde. Er ist zeitlich schwer im Rückstand. Und er versteht nicht allzuviel von Kunst, so glaube ich. Ich bin überzeugt, dass Cohn-Bendit moderner agiert, obwohl er bestimmt nicht soviel Leseerfahrung hat wie der alte Reich.
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Freitag, 7. Oktober 2011
über die Liebe
Subject: Re: Nur drei Worte... (shorthand ?)
(2)
...
Ja, zurück in den Turm. Es war ein unschuldiges und ein schönes Bild, mit der knarrenden Pritsche. Aber wo sind wir denn damals ausgebrochen? Wir haben unsere §§§ gehabt. Und wir haben sie immer noch. Wir können jederzeit zu ihnen zurückkehren, wenn wir das wünschen. Wenn es damit leichter würde. Ich glaube, die Erotik und der Sex ist genau das subersive Element, welches die Turmmauern sprengt. Zusammen auf der Pritsche zu liegen und sie heftig knarren zu lassen, das ist schon der erste Schritt aus der Turmzelle heraus, mein liebes Turmfräulein. Erinnerst du dich, als du noch mein unschuldiges Fyrklöver gewesen bist, unschuldig wie ein junges Mädchen mit einem frischen und offenen Gesicht, mit einem grossen Kaugummi im Mund. Und heute bist du die Geliebte, manchmal etwas müde von den Anstrengungen der Liebe, vielleicht leichte Ringe unter den Augen nach einer Liebesnacht, mit vielen Rücksichten im Kopf, weil du dieses und jenes weißt, weil du Wünsche kennst und Sensibilitäten respektierst. Ach, die Liebe ist wie eine Leinwand. Am Anfang ist man frei und kann jeden Strich machen, wie man es wünscht. Es ist die Freiheit an sich. Aber je länger man daran arbeitet, desto mehr wird man selbst Teil dieser Liebe, man wird in sie verstrickt, man wird sozusagen von ihr gefangen genommen, man kann nicht mehr machen, was man will, die Wahfreiheit wird immer enger, mit jedem Zug wird sie begrenzter, und zum Schluss diktiert die Liebe die letzten Pinselstriche ganz autoritär und ohne Rücksicht auf Verluste. Pygmalion wird sich wundern, wie die Sache enden wird! Adonis ist nur ein kleines Seitenprodukt! (es ist wunderschön, in Andeutungen sprechen zu können und du weißt, was ich meine, mindestens meine ich zu wissen, dass du es weißt, aber schon das ist schön, zu meinen, der andere wisse, was man weiss; hier hört man die Verstrickung sprachlich heraus, nicht wahr Liebste? Die Liebe ist wie ein goldener Strick oder ein Netz, man umwickelt sich immer mehr, bis man zum Schluss ganz gefangen ist. Du hast das auch schon angedeutet, wenn du von deinen Gefühlen gesprochen hast. Die Kunst ist also, eine Liebe zu gestalten, wo man immer wieder frei wird, wo man freier und freier wird. Das wäre echt schön. Und das, so glaube ich, geht nur ohne Besitzansprüche.) Aber wie kann man lieben, ohne den anderen ganz zu wollen, ganz und auf ewig. Das kann man vielleicht nur platonisch, ganz und auf ewig. Das sind Begriffe, die im Platonischen zuhause sind. Es ist ein grosses Paradox in der Liebe. Es ist ein ähnliches, wie es Camus von der Existenz sagt. Wir wünschen die Ewigkeit und die absolute Wahrheit. Und was haben wir? Nichts als endliche Kompromisse und Halbwahrheiten. Weshalb denn lässt uns der liebe Gott soviel wünschen und sowenig erreichen? Haben wir das so verdient? Ist das nicht alles eine Fehlkonstruktion, ein Missverständnis der Schöpfung? Das ist das Tragische! "Es gibt eine metaphysische Ehre, die Absurdität dieser Welt zu ertragen". Diesen Satz habe ich von Camus seit meiner Gymnasialzeit behalten. Wörtlich, oder zumindest fast ganz wörtlich, jedenfalls in meinem Gedächtnis. Es gibt mehr Fragen als Antworten.
Und doch gibt es nichts Schöneres als eine Liebe mit einer Person wie Marlena. Sie macht uns zu Lieblingen der Götter, würde Hölderlin sagen, ein früher Vorgänger Rilkes, ein geheimnisvoller Lyriker, und ein Lieblingspoet Heideggers.
*
Gleich beginnt meine Sitzung. Ich schick dir einen grossen Kuss, an dem du den ganzen Tag zu beissen haben wirst. Echt gross und mit viel dran!
Mit Liebe
...
(2)
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Ja, zurück in den Turm. Es war ein unschuldiges und ein schönes Bild, mit der knarrenden Pritsche. Aber wo sind wir denn damals ausgebrochen? Wir haben unsere §§§ gehabt. Und wir haben sie immer noch. Wir können jederzeit zu ihnen zurückkehren, wenn wir das wünschen. Wenn es damit leichter würde. Ich glaube, die Erotik und der Sex ist genau das subersive Element, welches die Turmmauern sprengt. Zusammen auf der Pritsche zu liegen und sie heftig knarren zu lassen, das ist schon der erste Schritt aus der Turmzelle heraus, mein liebes Turmfräulein. Erinnerst du dich, als du noch mein unschuldiges Fyrklöver gewesen bist, unschuldig wie ein junges Mädchen mit einem frischen und offenen Gesicht, mit einem grossen Kaugummi im Mund. Und heute bist du die Geliebte, manchmal etwas müde von den Anstrengungen der Liebe, vielleicht leichte Ringe unter den Augen nach einer Liebesnacht, mit vielen Rücksichten im Kopf, weil du dieses und jenes weißt, weil du Wünsche kennst und Sensibilitäten respektierst. Ach, die Liebe ist wie eine Leinwand. Am Anfang ist man frei und kann jeden Strich machen, wie man es wünscht. Es ist die Freiheit an sich. Aber je länger man daran arbeitet, desto mehr wird man selbst Teil dieser Liebe, man wird in sie verstrickt, man wird sozusagen von ihr gefangen genommen, man kann nicht mehr machen, was man will, die Wahfreiheit wird immer enger, mit jedem Zug wird sie begrenzter, und zum Schluss diktiert die Liebe die letzten Pinselstriche ganz autoritär und ohne Rücksicht auf Verluste. Pygmalion wird sich wundern, wie die Sache enden wird! Adonis ist nur ein kleines Seitenprodukt! (es ist wunderschön, in Andeutungen sprechen zu können und du weißt, was ich meine, mindestens meine ich zu wissen, dass du es weißt, aber schon das ist schön, zu meinen, der andere wisse, was man weiss; hier hört man die Verstrickung sprachlich heraus, nicht wahr Liebste? Die Liebe ist wie ein goldener Strick oder ein Netz, man umwickelt sich immer mehr, bis man zum Schluss ganz gefangen ist. Du hast das auch schon angedeutet, wenn du von deinen Gefühlen gesprochen hast. Die Kunst ist also, eine Liebe zu gestalten, wo man immer wieder frei wird, wo man freier und freier wird. Das wäre echt schön. Und das, so glaube ich, geht nur ohne Besitzansprüche.) Aber wie kann man lieben, ohne den anderen ganz zu wollen, ganz und auf ewig. Das kann man vielleicht nur platonisch, ganz und auf ewig. Das sind Begriffe, die im Platonischen zuhause sind. Es ist ein grosses Paradox in der Liebe. Es ist ein ähnliches, wie es Camus von der Existenz sagt. Wir wünschen die Ewigkeit und die absolute Wahrheit. Und was haben wir? Nichts als endliche Kompromisse und Halbwahrheiten. Weshalb denn lässt uns der liebe Gott soviel wünschen und sowenig erreichen? Haben wir das so verdient? Ist das nicht alles eine Fehlkonstruktion, ein Missverständnis der Schöpfung? Das ist das Tragische! "Es gibt eine metaphysische Ehre, die Absurdität dieser Welt zu ertragen". Diesen Satz habe ich von Camus seit meiner Gymnasialzeit behalten. Wörtlich, oder zumindest fast ganz wörtlich, jedenfalls in meinem Gedächtnis. Es gibt mehr Fragen als Antworten.
Und doch gibt es nichts Schöneres als eine Liebe mit einer Person wie Marlena. Sie macht uns zu Lieblingen der Götter, würde Hölderlin sagen, ein früher Vorgänger Rilkes, ein geheimnisvoller Lyriker, und ein Lieblingspoet Heideggers.
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Gleich beginnt meine Sitzung. Ich schick dir einen grossen Kuss, an dem du den ganzen Tag zu beissen haben wirst. Echt gross und mit viel dran!
Mit Liebe
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Nur drei Worte...
Subject: Re: Nur drei Worte... (shorthand ?)
Liebste
Ein schönes Gute-Nacht-Mail hast du mir geschickt. Ich habe es jetzt gerade, zu meinem Morgenkaffee gelesen. Und es ist sehr lieb und schön, und ich hätte auf einem so süssen Kissen wunderbar geschlafen. In Wirklichkeit konnte ich nicht sonderlich gut einschlafen, bin nochmals aufgestanden und habe in einem Buch herumgeblättert: romantische Malerei in Deutschland, Dresdener Schule, Caspar Friedrich. Die phänomenale und einmanlige, fast einzelgängerische Malerei von Turner, der bekanntlich auch in den Schweizer Alpen schöne Sachen gemalt hat. Damals, anfang des 19. Jahrunderts haben die Engländer die Alpen entdeckt und haben angefangen, zu uns in die Ferien zu fahren und Bob Rennen zu veranstalten und Skifahren und so fort. Es waren die Engländer, die die Schweiz als Touristenland entdeckt haben. Vorher waren wir wohl mausarm und abgelegenste Provinz. Mit der Naturschönheit und der Erhabenheit sind neue Dimensionen in die Ästhetik gelangt. Das Schöne und das Erhabene, das einen kleinen ästhetischen Schauder erzeugt, sind die beiden Dimensionen. Wir haben auch einen schönen Schweizer Bergmaler der Romantik, das ist Wolf. Er malt die Berge mit soviel schöner Haltung und mit einer Leichtigkeit, dass man immer wieder erstaunt ist. So wie er möchte ich gerne malen könnte, obwohl das heute ja wohl nicht mehr ganz modern wäre.
*
jeder vernünftige Mann
Ämne: Wirklich und total
Datum: den 3 juni 2004 07:35
Liebe Malou
"Ich hatte doch schon in allen Ecken nach dir gesucht und dachte dabei: " He's done it again"! Es ist mir dabei wie einer Frau, deren Gatte plötzlich nach der Arbeit nicht nach Hause kommt. Man wundert sich wo er bleibt, ob was passiert ist oder ob er abgehauen ist. Aber nun bist du wieder "zu Hause" und alles ist comme il faut.. :-)"
Was meinst Du mit He’s done it again?
Klar, jeder vernünftige Mann tritt auf dem Heimweg abends über jene „Kreuzung-der-Versuchung“, wo er sich entscheiden muss, ob er „Heim-zu-Muttern“ oder hinüber in die „Lolita-Bar“ gehen will. (Lolita ist gut, nicht wahr, vielleicht etwas pädophil ??). Es gibt natürlich viele männliche Exemplare, die das teuflische Problem mit einem geradezu genialen Kompromiss lösen. Sie kommen dann einfach ein paar Stunden später heim. Und es gibt jene wilden Jäger, die zwar rasch auf ein bürgerliches Abendessen heimkehren, dann aber gleich wieder losrasen zur Versammlung des Fussballclubs, des Schiessvereins oder auch bloss zum Fitness-Training. Aber heute gibt es ebenso viele Frauen, die jede freie Minute ins Fitness footen. Da lobe ich mir jene abgeklärten Leute wie mich, die sich am mittleren Nachmittag bereits ziemlich erschöpft nach Hause schleppen, die dann noch eine zeitlang bei einer Tasse Kaffee herumhängen, um nach dem letzten Schluck gleich abzutauchen in ein Schläfchen, das gut und gerne zu einem stattlichen Schlaf werden kann. Das ist die Variante Morpheus.
Hier regnet es Fäden. Schon die ganze Nacht wollte es nicht aufhören. Vielleicht war vorher die Erde etwas trocken? Doch jetzt müsste es doch genug sein! Es ist kühl und unfreundlich, niemals so, wie man sich einen anständigen Juni nach Pfingsten erhofft hatte. Nächstes Wochenende kommt der Papa in die Schweiz. Hast Du das gewusst? Ich glaube, er kommt nach Bern. Und es ist eine einigermassen hitzige Diskussion entbrannt, ob der arme alte Mann nicht doch besser in Pension gehen sollte. Einige gutkatholischen Kreise haben das vorgeschlagen. Sie werden jetzt aber von der offiziellen Kirche geprügelt und geschlagen. Der Bischof von Basel hat sich beim Papst persönlich für diese Ideen, die in seinem Sprengel aufgekommen sind, entschuldigt. Und auch die Jugend findet es gut, wenn Papa bleibt. Er will uns zeigen, dass man auch im Alter dabei ist, dass man durchhalten muss bei Blut, Schweiss und Tränen.
Ich glaube, ich muss Dich lassen, Du hast wirklich viel zu tun.
Mlgukundso
Datum: den 3 juni 2004 07:35
Liebe Malou
"Ich hatte doch schon in allen Ecken nach dir gesucht und dachte dabei: " He's done it again"! Es ist mir dabei wie einer Frau, deren Gatte plötzlich nach der Arbeit nicht nach Hause kommt. Man wundert sich wo er bleibt, ob was passiert ist oder ob er abgehauen ist. Aber nun bist du wieder "zu Hause" und alles ist comme il faut.. :-)"
Was meinst Du mit He’s done it again?
Klar, jeder vernünftige Mann tritt auf dem Heimweg abends über jene „Kreuzung-der-Versuchung“, wo er sich entscheiden muss, ob er „Heim-zu-Muttern“ oder hinüber in die „Lolita-Bar“ gehen will. (Lolita ist gut, nicht wahr, vielleicht etwas pädophil ??). Es gibt natürlich viele männliche Exemplare, die das teuflische Problem mit einem geradezu genialen Kompromiss lösen. Sie kommen dann einfach ein paar Stunden später heim. Und es gibt jene wilden Jäger, die zwar rasch auf ein bürgerliches Abendessen heimkehren, dann aber gleich wieder losrasen zur Versammlung des Fussballclubs, des Schiessvereins oder auch bloss zum Fitness-Training. Aber heute gibt es ebenso viele Frauen, die jede freie Minute ins Fitness footen. Da lobe ich mir jene abgeklärten Leute wie mich, die sich am mittleren Nachmittag bereits ziemlich erschöpft nach Hause schleppen, die dann noch eine zeitlang bei einer Tasse Kaffee herumhängen, um nach dem letzten Schluck gleich abzutauchen in ein Schläfchen, das gut und gerne zu einem stattlichen Schlaf werden kann. Das ist die Variante Morpheus.
Hier regnet es Fäden. Schon die ganze Nacht wollte es nicht aufhören. Vielleicht war vorher die Erde etwas trocken? Doch jetzt müsste es doch genug sein! Es ist kühl und unfreundlich, niemals so, wie man sich einen anständigen Juni nach Pfingsten erhofft hatte. Nächstes Wochenende kommt der Papa in die Schweiz. Hast Du das gewusst? Ich glaube, er kommt nach Bern. Und es ist eine einigermassen hitzige Diskussion entbrannt, ob der arme alte Mann nicht doch besser in Pension gehen sollte. Einige gutkatholischen Kreise haben das vorgeschlagen. Sie werden jetzt aber von der offiziellen Kirche geprügelt und geschlagen. Der Bischof von Basel hat sich beim Papst persönlich für diese Ideen, die in seinem Sprengel aufgekommen sind, entschuldigt. Und auch die Jugend findet es gut, wenn Papa bleibt. Er will uns zeigen, dass man auch im Alter dabei ist, dass man durchhalten muss bei Blut, Schweiss und Tränen.
Ich glaube, ich muss Dich lassen, Du hast wirklich viel zu tun.
Mlgukundso
Donnerstag, 6. Oktober 2011
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