Donnerstag, 23. Dezember 2010

Dienstag, 21. Dezember 2010

22. Dezember

Danföredanföredopparedan


Ja, so heisst er dieser Tag.:          
Der-Tag-vor-dem-Tag-vor-dem- Eintunktag...   

Es hat mit dem Weihnachtsschinken und der
Brühe zu tun, in die man Fladenbrot (?) eintunkt.
Ich bin froh, dass ich alles, oder fast alles, was mich aus dem
Haus treibt, hinter mir habe. So spät wie gestern Abend haben
Anna und ich noch an mehreren Tankstellen in der Region
nach einem Baum gesucht. Und schliesslich haben wir zum
Glück einen akzeptablen gefunden. Es gab sonst nur noch
schreckliche Monster.
Heute werden wir Weihnachtsgebäck machen. Ein Stollen,
ein Rosinenpfefferkuchen und Vanillekipferl (altes
österreichisches Rezept) gehören dazu. Das Saffronsgebäck
habe ich ja schon zu Lucia gebacken. Und morgen wird dann
der Baum geschmückt. Wir setzen immer eine Ehre darin
den "Allerschönsten" zu haben.. *s*
Ich schicke dir ein paar Bilder mit von aktuellen Dingen.
Der Baum (von vorigem Jahr), das Schneebild, weil es
wahrscheinlich am "julafton" (Weihnachtsabend) so hier
aussehen wird.. *hoffentlich* und dann der Schinken, ein
absolutes "muss" auf jedem schwedischen "julbord".
....
(R) Dezember 2004

Vorweihnachtszeit

subject Re: Ja, ich fühle es..

Liebe Malou
Ich höre nichts von Dir. Bist Du wirklich krank geworden. Aber dann
wärest Du ja dauernd zuhause und könntest jede Menge mailen?
Ich habe hier nochmals Arbeit gefasst und werde die nächsten Tage noch
sehr beschäftigt sein. Es kommt immer anders, als man denkt.

Gestern hatten wir das Essen mit der Redaktionskommission. Es war sehr
durchschnittlich mit durchschnittlicher Unterhaltung in einem
durchschnittlichen Restaurant mit überdurchschnittlich viel Durchzug
und Lärm. Also, da gibt es nicht viel zu erzählen.

Und heute haben wir hier kalt wie anton. Ich habe gehört, es wäre -10°
gewesen heute morgen. Das ist steifes Winterwetter, nicht wahr? Und da
sitzt man gerne hinter dem Ofen, knabbert an den Nüssen, trinkt warmen
Tee und erzählt sich Gespenstergeschichten.

Ich habe noch einige Bücher, die ich rezensieren sollte. Ich bin in
der letzten Zeit ein wenig in Rückstand gekommen. Es gab auch einige
aufwendige Bücher: eine Biographie von Goethe, eine Biographie von
Olympia Morata, 3 Biographien über weibliche Astrologinnen etc. Und
dabei hatte ich gedacht, dass ich in dieser Vorweihnachtszeit etwas
Zeit hätte.

Ss Hexen-Party war ein Erfolg. Sie waren alle begeistert. Sie lieben
es offenbar, einmal ohne Männer unter sich zusammen zu sitzen und
sogar zu tanzen. Sie fühlen sich leicht ohne das schwere männliche
Anhängsel. Und viele tanzen, was sie in Anwesenheit ihres Kerls nicht
tun würden. Es waren viele Südamerikanerinnen dabei, aber auch
Schweizerinnen. Es ist eigentlich richtige Integrationsarbeit. Und ich
bin froh, dass es in der Schweiz soviele Mischehen gibt. Wir brauchen
etwas Blutauffrischung.  ...

Jetzt muss ich mich beeilen. Ich will heute früher heim, etwas essen,
etwas schlafen und dann noch ein wenig am Tisch in der Stube arbeiten.
Ich wünsche Dir gute Besserung.
Mit lieben Grüssen
...

Blick durchs Fenster 21/12

Heute morgen -22°


Sonntag, 19. Dezember 2010

Pensionisten

 Liebe Malou
...
Gestern, als ich um vier auf dem Bahnhof stand, gab es wieder einmal
viele Pensionisten. Ich schaue ihnen mit einiger Verwunderung und auch
mit einer gewissen Befremdung zu. Und zugleich stelle ich mir vor,
dass ich in 4 oder 5 Jahren auch dazu gehören werde. Sie stehen
vergnügt in grossen Gruppen herum, reden laut und betont fröhlich -
wahrscheinlich weil viele von ihnen ein bisschen schwerhörig sind -
und zeigen in Kleidung und Haltung, dass sie längere Märsche hinter
sich haben. Sie sind braungebrannt, und sie flirten gerne. Ja, es
scheint, dass unsere Landschaften von riesigen Schwärmen von
Pensionisten bewandert werden. Sie sind natürlich einigermassen
disziplinierte Leute, geben acht auf seltene Blumen und ungemähte
Wiesen. Und sie sind voller Liebe für unser Vaterland, denn sie haben
noch den zweiten Weltkrieg erlebt. Eigentlich sollte man vorschlagen,
dass man die Schweizerische Armee abschafft, und dagegen den
Pensionisten eine kleine Uniform und ein solides Sackmesser abgibt,
damit sie unser Land verteidigen können. Sie müssten nicht viel
anderes tun als was sie bisher getan haben. Sie müssten einfach durch
unsere Landschaften wandern. Und so besetzen sie ja praktisch jeden
Quadratmeter in unserem Land. Und kein wirklicher Feind würde es
wagen, sie aus dieser friedlichen Ruhe zu vertreiben, in der sie sich
befinden. Ach, das wäre eine geniale Lösung. Und wir könnten die hohen
Budgetposten, die wir für die Landesverteidigung in Bern haben, wir
könnten sie alle streichen. Man müsste den Pensionisten nicht mal
einen speziellen Sold bezahlen, denn sie haben ja alle eine gute
Pension. Und sie sind ja ohnehin schon draussen in der Natur.

Samstag, 18. Dezember 2010

Eishockey war das A und O in Visp


subject Re: Schnee..


Liebe Malou
...
Nein, wir haben noch keine Ferien. Zumindest nicht offiziell oder Schulferien. Ich glaube, die fangen erst im Laufe dieser Woche an. Du weisst ja, wir sind ein ziemlich fleissiges Volk. Damit machen wir unsere fehlenden Bodenschätze und die mangelnden intellektuellen Fähigkeiten wett. Die simplen armen Leute müssen einfach ackern, etwas anderes bleibt ihnen nicht übrig. Vor allem nicht in diesem kalten Wind des globalisierten Wettbewerbs.
Und schnee hat es hier nur minimal. In den Bergen soll es letztes Wochenende viel geschneit haben. Bestimmt haben all die Kurdirektoren und Hotelliers in den Winterstationen Gott gedankt für dieses kleine Geschenk vor Weihnachten. Es ist für sie immer eine Zitterpartie, ob der Schnee vor Weihnachten kommt oder ob er nicht kommt. Mit den Schneekanonen können sie nicht alles wettmachen, die belegen ihnen bloss die Pisten mit Schnee. Aber der Landschaft fehlt dann doch die schöne dicke Decke.
Ich habe viele Erinnerungen mit üppig bedeckten Landschaften. In meiner Jugendzeit gab es im Wallis jeweils viel Schnee. Jedenfalls viel mehr, als wir vorher in L erlebt hatten. Und ich erinnere mich gut an das erste Mal, als ich in Visp mit meinen Eltern der Kantonsstrasse entlang zum Dorfzentrum hinging. Auf dem Gehsteig lagen hohe Berge von Schnee, den man von der Strasse weggepflügt hatte, während der Gehsteig daneben schon beinahe aper war. Ich hatte das Gefühl, es hätte mich in meinem Leben in die hinterste und entfernteste Ecke der Alpen - was heisst der Alpen, der Welt hatte ich den Eindruck - verschlagen. Aber einige Jahre später haben wir mit den Nachbarsbuben auf eben dieser Strasse mit ihrem festgefahrenen Schnee Eishockey gespielt. Zwar auf der Strasse nicht mit Schlittschuhen , aber doch mit Stock und Puck, wie es sich gehört. Eishockey war das A und O in Visp, noch viel wichtiger als Skifahren. Der Vater dieser Nachbarsbuben hatte selbst in der Mannschaft Visps Eishockey gespielt. Und natürlich waren seine Söhne die guten Nachwshoffnungen. Als sie ins Juniorenteam eingetreten waren, wollte ich das unbedingt auch. Aber meine Eltern waren dagegen. Sie befürchteten wohl, ich hätte dann keine Zeit mehr für die Schule. Und ausserdem gab es bisweilen blutige Unfälle beim Eishockey. Sie hielten mich nicht für einen Typen, der sowas durchstehen könnte. So bin ich dann eben leider kein internationaler Eishockeyspieler geworden !!! ;--)

In den Schweizerischen Eishockeyteams hatte man damals jeweils einen Kanadier. Er war Trainer, durfte aber auch mitspielen. Und ich habe diese breitspurigen Typen mit ihren grellen Jackets - meist hatten sie ebenso grelle, riesige Zahlen oder Buchstaben aufgenäht - immer noch in bester Erinnerung, wie sie sich in unserem kleinen Dorf bewegten und wie sie beim Training in ihrem Englisch herumschrieen. Ich wusste, sie kommen aus der grossen weiten Welt und zeigen uns, wie es in der grossen weiten Welt zu und hergeht. Ach ja, die Kanadier! Sie waren im Grunde moderne Söldner, die in diesen langweiligen Schweizer Orten ein langweiliges Leben führten, um zu etwas Geld zu kommen. Bestimmt litten sie enorm unter ihrem Heimweh. Ich glaube, sie kamen meist nicht mal mit ihrer Familie, wenn sie denn eine hatten. Und nach einer oder zwei Saisons fuhren sie wieder zurück. War bestimmt keine Schleckerei.

...

Mittwoch, 15. Dezember 2010

„Einführung in die Welt"

Subject: Wednesday probably (3)
...
Damit bin ich ziemlich nahtlos und organisch bei Faust und meiner katholischen Schule gelandet. Es ist in der Tat möglich, dass die katholische Mentalität der Grund war, weshalb wir uns nie an die Lektüre des Faust vorgewagt hatten. Ich kann mich noch schwach erinnern, wie uns der Professor (an dieser Schule nannte man damals die Lehrkräfte noch Professor, heute – so glaube ich – nicht mehr) damals mitgeteilt hatte, er würde uns den Faust erlassen. Wir waren alle erleichtert und wir hatten den Eindruck, es sei die reine Barmherzigkeit des Lehrers, und nicht der profane und laszive Inhalt des Faust. Na ja, „lasziv" ist ein bisschen dick aufgetragen!

Es ist wunderschön, Marlena, wie du von deinen Jugenderinnerungen sprichst und von den Personen, die dich damals beeindruckt und geprägt haben. Es ist eine richtige Ahnengalerie, die du mir vorführen kannst. Und im Zentrum thront dein Grossvater mit seinen eindrucksvollen violetten Augen. Oder der Wiener Arzt, den du schon früher erwähnt hattest. Die Episode aus dem Zirkus hat mir besonders gut gefallen. Sie zeigt, wie schön es ist, wenn Erwachsene ihren Kindern die Welt zeigen und sie in die vielen schönen, geheimnisvollen und interessanten Bereiche des Lebens einführen können. Dein Onkel muss ein sehr jovialer Mensch gewesen sein mit einem guten Auge für alles Interessante und Aussergewöhnliche. Ich habe diese „Einführung in die Welt" auch immer genossen, als meine Töchter noch kleiner waren. Wir sind einmal in aller Eile und Hals über Kopf einem Heissluftballon nachgefahren, weil ich ihnen ein solches Ungetüm aus der Nähe zeigen wollte. Er landete schliesslich etliche Kilometer entfernt, aber wir konnten diese Landung aus nächster Nähe beobachten. Allerdings kann ich mich auch erinnern, wie ich mich für die Menschen geschämt habe, wenn meine Töchter etwa zufälligerweise in den Fernseh-Nachrichten irgend etwas Schlimmes gesehen hatten und dann wissen wollten, wie es sich damit verhalte. Ich habe mich wirklich geschämt für Kriegsszenen oder Verbrechen oder andere schlimme Sachen. Und es ist wohl genau diese Schamgrenze, die das Fernsehen aufbricht, von der der Mediensoziologe Postman mit seiner These vom „Ende der Kindheit" spricht. Kennst du seine Theorie? Sie ist ein bisschen amerikanisch, das heisst effekthascherisch und simpel. Postman meint: seit der Renaissance gibt es eine Grenze zwischen Kindheit und Erwachsenen, besonders in der Zeit des Bürgertums seit der französischen Revolution. Die Grenze ist entstanden durch die „Gutenberg Galaxy" (wie Mac Luhan sagt), die Verbreitung der Literalität auf grosse Teile der Menschen in den modernen Gesellschaften. Kinder, solange und soweit sie nicht Lesen konnten, waren in diesen Zeiten geschützt vor den überwältigenden Informationen von Sex and Crime. Die Lesefähigkeit bildete sozusagen erst den Zugang zur Welt der Erwachsenen, war eine Art Zensurgrenze. Heute aber, durch das Bild und durch das Fernsehen vor allem, ist dieser Schutz für die Kindheit nicht mehr aufrecht zu erhalten. Kinder werden heute mit denselben Informationen überschüttet wie die Erwachsenen. Es wird ihnen alles zugemutet. Und in diesem Sinne spricht er, in Anlehnung an Ariès, vom „Ende der Kindheit". Die These Postmans hat schon etwas für sich, auch wenn er eine etwas allzu vereinfachte, eben amerikanische Variante darlegt. Man hat beispielsweise in Krankheitsstatistiken festgestellt, dass heutige Kinder nicht mehr so sehr an den alten, typischen Kinderkrankheiten erkranken, sondern an denselben Leiden, wie die Erwachsenen. Das sind vor allem psychoorganische Leiden und Allergien, im Zusammenhang mit nervöser Belastung. Man kann auch in Kriminalitätsstatistiken sehen, wie die Grenze zwischen Kindern und Erwachsenen langsam verblasst. Die Vergehen von Kindern und Jugendlichen mit Schusswaffen der letzten Jahre in Amerika, aber auch in Europa, weisen in diese Richtung. Das Alter des Drogenkonsums sinkt. Und wenn man früher sagen konnte, die Kinder seien wie kleine Erwachsene gewesen, so muss man heute sagen, die Erwachsenen sind oft ziemlich wie kleine Kinder (Kleidung, Verhalten etc.) geworden. Die Generationen haben sich irgendwie angeglichen. Du hast es auch erwähnt bei den Jugendlichen, die à la americaine schon wie Ehepaare zusammenleben.

*
Doch wir haben von deinen schönen Erinnerungen gesprochen. Es macht dich wirklich schön, Marlena, wenn du von diesen Bildern sprichst! Es gibt dir eine Ausstrahlung wie jene von Chagalls Geiger, wie eine Sonnenblume van Goghs, und ich bin sicher, man wird es dir auch physisch ansehen, was ich nun ja aus diesen 1500 km nicht feststellen kann (bin leider zu kurzsichtig!!), aber doch schwer vermute.

Ich finde es – nebenbei gesagt – auch eine Pflicht, unseren Kindern von diesen alten Zeiten und ihren Personen zu erzählen. Man soll es zwar nicht übertreiben, denn die Kids haben schnell genug. Aber ein bisschen hören sie doch hin, und wenn sie älter werden, werden sie sich wieder daran erinnern. Das ist auch der Grund, weshalb ich jedes Jahr unseren Familienbrief für alle unsere Bekannten und Verwandten in aller Welt schreibe. Ich erzähle, oder besser, wir erzählen, was in unserem Familienkreis im vergangenen Jahr passiert ist. Das gibt 5 – 10 Seiten jedes Jahr. Und das tun wir jetzt schon seit 10 Jahren. Eigentlich ist es schade, dass wir nicht schon bei Geburt der Kinder angefangen haben, denn es gibt bei kleinen Kindern soviele drollige Vorkomnisse und auch Gespräche, die man leider später wieder vergisst. Insgesamt sind es etliche Papierseiten, die zusammengekommen sind. Und wenn unsere Töchter einmal ausziehen werden, oder heiraten oder was weiss ich, dann werden wir ihnen diese Art Familienchronik mitgeben. Sie sollen sich erinnern! Man soll sich seiner Familie erinnern, das ist eine Wurzel des Selbstbewusstseins. Vielleicht sind es ja nicht ihre wirklichen Erinnerungen, aber es sind Erinnerungsstützen und aides mémoire. Doch im Moment ist der jährliche Brief einfach ein Kontakt mit unseren vielen Bekannten. Vor allem ältere Tanten und Onkel schätzen die Informationen und meine Zeichnungen dazu sehr. Die jüngeren Freunde melden sich gelegentlich oder schreiben eine Karte. Insbesondere wenn man sich nach langer Zeit wieder trifft, hat man das Gefühl, man sei immer irgendwie in Kontakt gestanden und man hat so auch Gesprächsthemen zur Verfügung. Das ist sehr gut, obwohl es jedes Jahr eine Anstrengung ist, diesen Brief zu schreiben und sich auf die Themen (manchmal sogar auf Formulierungen) zu einigen.

Ich muss an meine Arbeit, meine Liebe. Sonst bin ich es, der bloss 80% erreicht. Du erstaunst mich überigens. Ich habe nie und nimmer gedacht, dass Lehrkräfte auf der Gymnasialstufe soviel für ihre Lektionen vorbereiten. Vor allem natürlich in den mathematischen Fächern glaube ich nicht, dass sie das tun. Aber du scheinst ja mit deinen vielen Arbeiten und Preparationen wirklich eine ausergewöhnliche Ausnahme zu sein. Unter all diesen Studienrätinnen und Studienräten, den schwedischen ebenso wie den schweizerischen, scheinst du doch eine echte Musterschülerin zu sein. Ich hoffe, deine Schüler wissen das zu schätzen! Mindestens sie, denn ich tue es nicht sonderlich, angesichts der knappen Zeit, die dir übrig bleibt.

Ich mag dich trotzdem sehr
...