Dienstag, 9. Juni 2026

Pensionisten

 Liebe Malou

Gestern, als ich um vier auf dem Bahnhof stand, gab es wieder einmal viele Pensionisten. Ich schaue ihnen mit einiger Verwunderung und auch mit einer gewissen Befremdung zu. Und zugleich stelle ich mir vor, dass ich in 4 oder 5 Jahren auch dazu gehören werde. Sie stehen vergnügt in grossen Gruppen herum, reden laut und betont fröhlich wahrscheinlich weil viele von ihnen ein bisschen schwerhörig sind und zeigen in Kleidung und Haltung, dass sie längere Märsche hinter sich haben. Sie sind braungebrannt, und sie flirten gerne. Ja, es scheint, dass unsere Landschaften von riesigen Schwärmen von Pensionisten bewandert werden. Sie sind natürlich einigermassen disziplinierte Leute, geben acht auf seltene Blumen und ungemähte Wiesen. Und sie sind voller Liebe für unser Vaterland, denn sie haben noch den zweiten Weltkrieg erlebt. Eigentlich sollte man vorschlagen, dass man die Schweizerische Armee abschafft, und dagegen den Pensionisten eine kleine Uniform und ein solides Sackmesser abgibt, damit sie unser Land verteidigen können. Sie müssten nicht viel anderes tun als was sie bisher getan haben. Sie müssten einfach durch unsere Landschaften wandern. Und so besetzen sie ja praktisch jeden Quadratmeter in unserem Land. Und kein wirklicher Feind würde es wagen, sie aus dieser friedlichen Ruhe zu vertreiben, in der sie sich befinden. Ach, das wäre eine geniale Lösung. Und wir könnten die hohen Budgetposten, die wir für die Landesverteidigung in Bern haben, wir könnten sie alle streichen. Man müsste den Pensionisten nicht mal einen speziellen Sold bezahlen, denn sie haben ja alle eine gute Pension. Und sie sind ja ohnehin schon draussen in der Natur.

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