Liebe Malou
Ist schon ein bisschen merkwürdig, dass du gerade jene Mails deiner
kleinen Tochter zu lesen gibst, die absolut nicht jugendfrei sind. Pass
auf, dass du sie nicht verdirbst.Und ich rate dir auch ab, dieses Mail
herumzureichen. Das kommt nicht gut heraus, und die Leute würden denken,
du korrespondierst vielleicht mit einem südeuropäischen
Pornospezialisten.
Ich habe mir nämlich die Idee mit den Sexboxes noch weiter
ausgemalt. Ich meine schon der Begriff Sex-Box klingt genial, nicht war.
Schon beim Wort steigt der Adrenalinspiegel ein bisschen. Aber ich habe
mir auch vorgestellt, dass man in einer solch engen Box - sie ist ja
nicht viel grösser als ein Sarg - dass man sich darin auch verkeilen
kann. Für solche Situationen sollte ein Alarmknopf angebracht sein, den
man vielleicht mit der grossen Zehe irgendwie erreichen kann, damit der
Boxenmanager die Feuerwehr alarmiert und die beiden verkeilten und
verklemmten Menschlein heraus schweisst. Der Aktionsradius ist einfach
begrenzt. Man müsste vielleicht an der Aussenwand eine Anweisung
anbringen, die zeigt, dass gewisse Stellungen darin sehr riskant und
damit mehr oder weniger verboten sind. Man sollte sich in einer Sexbox
wirklich nicht auf Sex-Extravaganzen hinauswagen.
Vielleicht ist es das schöne Wetter, das meine Fantasie hochtreibt.
Es war eine recht ruhige Nacht. Na ja, ich muss sagen, ab 2.00 war es
ungefähr ruhig. Vorher war im Nebenzimmer die Hölle los. Ein Mann hat
herumgealbert, geschrieen und getan. Ich dachte, es wäre ein Volksfest
mit einer Menge von Personen. Und als ich ungefähr um halb zwei mal
hinausging, weil der Lärm wirklich ungeheuerlich war, lag da bloss ein
Männlein auf dem Bett und die Schwester war irgendwie damit beschäftigt,
ihn zu betten. Ich sah nicht mal das Männlein, sondern bloss zwei dünne
Beine. Na, ich durfte mir ja doch nicht erlauben, einfach einzutreten.
Aber die Schwester hat mein Problem begriffen. Und ich habe die
Zimmertür geschlossen. Und dann bin ich wohl bald mal eingeschlafen. Mit
der Morgenschwester hatte ich ein längeres Gespräch. Sie ist ein
philosophischer Typ und plaudert gerne, hatte ich den Eindruck. Und ein
bisschen hatte ich bei ihr herausgehört, welchen Eindruck wir hier als
Familie beim Spitalpersonal machen.
Und jetzt bin ich auf dem Heimweg. Zwischenhalt im Büro. Ich hätte
jetzt Lust auf einen kleinen, kühlen Apero. Aber das spare ich mir für
später mal auf.
Bei uns sind die Rosen in vollem Gange, sozusagen. Nein, so kann
man es natürlich nicht sagen. Sie sind in Blüte. Sie sind in voller
Pracht. Oder so. Ich habe kürzlich einen Film gesehen über englische
Rosenzüchter. Das hat mich fasziniert, und irgendwie spiele ich mit dem
Gedanken, in der Pension einen hübschen Rosengarten anzulegen. Einen
schönen englischen Garten, mit diesem feinen Rasen und dem üppigen Grün
rundum, das schaffe ich vielleicht nicht. Wir haben weniger Regen und
etwas wilderes Klima als die Engländer. Aber annähernd wäre das schon
möglich. Sie machen dort drüben jede Menge Wettbewerbe und
Gartenausstellungen und Fotobände usw. Und das Schöne dabei ist, dass
die Rosen in einer natürlichen Umgebung blühen. Es sind nicht diese
steifen, hoch designten Blüten, die man hier kaufen kann, Baccara-Rosen
oder wie sie heissen. Nein, sie wachsen in Gruppen wie Schafe und leben
mitten im Grün des Gartens. Wirklich sehr schön. Da war eine Frau. Sie
hat ihr gesamtes Vermögen in diesen Garten gesteckt. Ihr Mann schneidet
täglich den Rasen und arbeitet nachts als Taxichauffeur, um das
Vergnügen zu finanzieren. Ist das nicht faszinierend? Faszinierend nicht
solche Rosen, aber einen solchen Mann ???
MLG
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