Sonntag, 21. Juli 2024

Re: Zzzzz ...

 

 Liebe Malou

Ist schon ein bisschen merkwürdig, dass du gerade jene Mails deiner kleinen Tochter zu lesen gibst, die absolut nicht jugendfrei sind. Pass auf, dass du sie nicht verdirbst.Und ich rate dir auch ab, dieses Mail herumzureichen. Das kommt nicht gut heraus, und die Leute würden denken, du korrespondierst vielleicht mit einem südeuropäischen Pornospezialisten.
Ich habe mir nämlich die Idee mit den Sexboxes noch weiter ausgemalt. Ich meine schon der Begriff Sex-Box klingt genial, nicht war. Schon beim Wort steigt der Adrenalinspiegel ein bisschen. Aber ich habe mir auch vorgestellt, dass man in einer solch engen Box - sie ist ja nicht viel grösser als ein Sarg - dass man sich darin auch verkeilen kann. Für solche Situationen sollte ein Alarmknopf angebracht sein, den man vielleicht mit der grossen Zehe irgendwie erreichen kann, damit der Boxenmanager die Feuerwehr alarmiert und die beiden verkeilten und verklemmten Menschlein heraus schweisst. Der Aktionsradius ist einfach begrenzt. Man müsste vielleicht an der Aussenwand eine Anweisung anbringen, die zeigt, dass gewisse Stellungen darin sehr riskant und damit mehr oder weniger verboten sind.  Man sollte sich in einer Sexbox wirklich nicht auf Sex-Extravaganzen hinauswagen.
 
Vielleicht ist es das schöne Wetter, das meine Fantasie hochtreibt. Es war eine recht ruhige Nacht. Na ja, ich muss sagen, ab 2.00 war es ungefähr ruhig. Vorher war im Nebenzimmer die Hölle los. Ein Mann hat herumgealbert, geschrieen und getan. Ich dachte, es wäre ein Volksfest mit einer Menge von Personen. Und als ich ungefähr um halb zwei mal hinausging, weil der Lärm wirklich ungeheuerlich war, lag da bloss ein Männlein auf dem Bett und die Schwester war irgendwie damit beschäftigt, ihn zu betten. Ich sah nicht mal das Männlein, sondern bloss zwei dünne Beine. Na, ich durfte mir ja doch nicht erlauben, einfach einzutreten. Aber die Schwester hat mein Problem begriffen. Und ich habe die Zimmertür geschlossen. Und dann bin ich wohl bald mal eingeschlafen. Mit der Morgenschwester hatte ich ein längeres Gespräch. Sie ist ein philosophischer Typ und plaudert gerne, hatte ich den Eindruck. Und ein bisschen hatte ich bei ihr herausgehört, welchen Eindruck wir hier als Familie beim Spitalpersonal machen.
 
Und jetzt bin ich auf dem Heimweg. Zwischenhalt im Büro. Ich hätte jetzt Lust auf einen kleinen, kühlen Apero. Aber das spare ich mir für später mal auf. 
 
 

 
 Bei uns sind die Rosen in vollem Gange, sozusagen. Nein, so kann man es natürlich nicht sagen. Sie sind in Blüte. Sie sind in voller Pracht. Oder so. Ich habe kürzlich einen Film gesehen über englische Rosenzüchter. Das hat mich fasziniert, und irgendwie spiele ich mit dem Gedanken, in der Pension einen hübschen Rosengarten anzulegen. Einen schönen englischen Garten, mit diesem feinen Rasen und dem üppigen Grün rundum, das schaffe ich vielleicht nicht. Wir haben weniger Regen und etwas wilderes Klima als die Engländer. Aber annähernd wäre das schon möglich. Sie machen dort drüben jede Menge Wettbewerbe und Gartenausstellungen und Fotobände usw. Und das Schöne dabei ist, dass die Rosen in einer natürlichen Umgebung blühen. Es sind nicht diese steifen, hoch designten Blüten, die man hier kaufen kann, Baccara-Rosen oder wie sie heissen. Nein, sie wachsen in Gruppen wie Schafe und leben mitten im Grün des Gartens. Wirklich sehr schön. Da war eine Frau. Sie hat ihr gesamtes Vermögen in diesen Garten gesteckt. Ihr Mann schneidet täglich den Rasen und arbeitet nachts als Taxichauffeur, um das Vergnügen zu finanzieren. Ist das nicht faszinierend? Faszinierend nicht solche Rosen, aber einen solchen Mann ???
 
MLG

 

 

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