Samstag, 3. November 2018

Allerheiligen


Cimetière du Père Lachaise

Lieber ...,
Gestern haben wir Allerheiligen gefeiert. Schweden ist kein
sehr religiöses Land und die meisten, wenn sie überhaupt
etwas sind, sind Protestanten. Aber es ist komisch wie sehr
sie auch die Gebräuche der katholischen Kirche feiern.
An diesem Tag besuchen die Leute die Gräber ihrer
Verstorbenen und zünden dort Lichter an. Es ist eine
schöne Sitte und feierlich, wenn überall im Dunkeln diese
Kerzen brennen.
Ich habe meine Verwandten weit weg von hier, sowohl
Lebende wie Tote, aber manchmal gehe ich auch hier auf
den Friedhof. Drei meiner nächsten Kollegen, mit denen
ich auch gut befreundet war, liegen dort neben einander
begraben.

Was ich dir eigentlich erzählen wollte ist, dass man an
diesem Tag einen ganz wunderbaren Dokumentarfilm über
den Père-Lachaise Friedhof in Paris gezeigt hat.. Man zeigte
die schönen Grabsteine und machte kleine Interviews mit
Leuten, die die Gräber besuchten. Sie erzählten welches
Verhältnis sie zu dem Toten hatten. Eine junge Japanerin
und Pianistin erzählte wie viel Chopin in ihrem Leben
bedeutete und sie stand eine gute Weile an seinem Grab
in Gebet versunken.




Ein Südkoreaner war nach Paris gekommen, um das Grab
von Marcel Proust zu besuchen. Er meinte Proust hätte
ihn 10 Jahre lang seelisch ernährt und nun wollte er sich
bedanken indem er ihm ein Stück Kuchen auf den
Grabstein legte. :-) Er schien ein ganz normaler
freundlicher junger Mann zu sein
(falls du dich wunderst) :-)
Bei den Leuten aus unserer Zeit, wie z.B. Yves Montand
und Simone Signoret, zeigte man eine kleine Filmsequenz.
Bei einer jung verstorbenen heute unbekannten Sängerin,
liess man ihre Stimme hören. Sie war einmalig. Ich habe
dabei an Barbara gedacht, die du mir mal empfohlen hast.
Ihre Stimme klang wie hauchdünnes Glas, das jeden
Moment zerspringen könnte.
Ich hätte gern diesen Friedhof besucht, als ich dort war.
Aber leider, die Zeit war zu kurz.
...

(R)

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