Dienstag, 2. Juni 2015

Perserkriege - Reise in den Iran


Ämne: Perserkriege
Datum: den 7 maj 2002 07:54

Liebe Marlena

...

Ja, ich habe mich schlussendlich entschlossen, diese zwei Wochen auch in den
Iran zu reisen. S meint, es wäre für sie zu anstrengend, alles allein
in die Hand zu nehmen. Und wenn man sich vorstellt, dass sie mitten in
Teheran irgend etwas organisieren muss, was im Iran jederzeit vorkommen
kann, dann würde die ganze Reisegruppe bloss herumstehen und würde sich
langweilen. Meine Aufgabe wird also sein, die Leute ein wenig zu unterhalten
und ihnen Dinge zu zeigen, wenn kein Reiseführer zur Verfügung steht. Ich
weiss natürlich einigermassen, woran Schweizer interessiert sind und was sie
freut. Wir werden quer durch das ganze Land reisen, von Teheran in den Norden
ans Kaspische Meer, dann hinunter nach Schiras und nach Isfahan. Das sind
repräsentative Orte. Und ich habe darauf bestanden, dass wir in Isfahan
insgesamt vier oder fünf Tage bleiben. Denn ich glaube, für einen Europäer
ist Isfahan die Stadt, die den europäischen Fantasien des märchenhaften
Orientes am meisten entgegenkommt. Und zugleich ist Isfahan klein,
übersichtlich, sauber, also darauf, was wir bei uns Tourismus nennen, am
besten vorbereitet. Es gibt dort auch viele Reisende, aber die meisten von
ihnen sind Perser selbst. Und dann werden wir auch nach Schiras fliegen. Ich
war damals, auf meiner ersten Reise, man könnte sagen im Honey Moon,
erstmals in Schiras. Aber damals war ich ziemlich übermüdet und heute habe
wenig Erinnerungen übrig. Man nennt Schiras die Stadt der Rosen und des
Weins, wie sie Hafez besungen hat. Ich bin gespannt, wie es heute dort ist.
Im Reiseführer, den ich studiert habe, klingt es ganz attraktiv. Aber darauf
kann man sich nicht immer verlassen. Und Wein gibt es sicherlich keinen mehr
dort heute. Den haben die Revolutionsführer den Schirasi gründlich
ausgetrieben. Damals, vor 30 Jahren, war Schiras der Ort für
Hochzeitsreisende. Die jungen Paare haben sich am Grabmal des grossen Hafez
fotographieren lassen und sich dabei die ewige Liebe versprochen.
Und natürlich ist nicht weit von Schiras Persepolis, das alle Touristen
gerne sehen. Meine Erinnerungen daran sind aber sehr rudimentär. Wir hatten
damals ein Taxi genommen, um hinaus zu den Ruinen zu fahren. Allein schon
die Tatsache, für einen Tag einfach ein Taxi zu mieten, fand ich damals
ausserordentlich. Und es war heiss wie Anton. Ich hatte einen riesigen Durst
und litt unter der Vorstellung, dass man in diesem heissen Land nicht
einfach Wasser trinken durfte. Das war beinahe unterträglich für einen
Walliser, der normalerweise mitten unter besten und trinkbaren Quellen lebt.
Persepolis war vor 30 Jahren noch kaum für die Touristen arrangiert und
vorbereitet. Es lagen Steine und Architekturreste wild herum. Es gab keine
Informationen, kein Restaurant, gar nichts. Nur alte Steine mitten in der
Wüste. Ich war also nicht sonderlich beeindruckt, obwohl die Anlage sehr
gross ist.
Du siehst, es gibt viele gute Gründe, endlich wieder einmal in den Iran zu
reisen und diese Dinge anzuschauen. Ich habe mich kürzlich mit dem Bild
Alexanderschlacht von Altdorfer beschäftigt, ein riesiges Gemälde, das heute
in der Alten Pinakothek in München hängt. Es wurde nach 1400 gemalt und
zeigt vor der Insel Zypern und dem 7-armigen Nil im Hintergrund die beiden
Heere Alexanders und Darius'. Auf einer Art Tafel, die vom Himmel hängt, ist
das Bild beschrieben und erklärt, wie gross die beiden Heere waren, um zu
unterstreichen, dass Alexander im Grunde einer riesigen Übermacht gegenüber
gestanden hatte. Die Perserkriege sind europäische Urgeschichte. Durch den
erfolgreichen Abwehrkampf der Griechen gegen die Perser sind erstere gross
geworden, ähnlich wie später die Römer durch die Punischen Kriege. Und die
grossen Griechen muss man ja wohl als Urzelle Europas betrachten, die mit
ihrer einzigartigen Kultur Europa bis ins Innerste geprägt haben.
Spasseshalber erzähle ich gelegentlich, dass bei uns heute der Bosporus
mitten über den Tisch und durchs Bett geht, und dass wir abends zum Spass
Perserkriege spielen. Vielleicht weißt Du das nicht, aber ich bin immer noch
dabei, Europa gegen diese absolutistischen Mächte aus dem Orient zu
verteidigen ;--))

Mit einem lieben Gruss

Kleine Pause



                                              Foto: Anna                                              

Sonntag, 31. Mai 2015

eine Geliebte?


Pygmalion und andere Metamorphosen

Liebste blutrote Marlena
Die Farbe gefällt mir sehr. Da ist was dran, das glüht von innen. Da ist Substanz, auch Kraft und Wärme. Ich finde es ist wunderschön, blutrot, und wenn man dich als blonde Schwedin so anschaut, würde man es vielleicht nicht ahnen. Aber ein bisschen sieht man es schon. ...
*
Deine Frage, ob ich eine Geliebte hätte, hat mich noch den ganzen Tag begleitet. Die Frage hat mich gerührt, weil sie mir zeigt, dass du viele Gefühle für mich hast. Nur dann wird eine solche Frage fällig. Und ein bisschen musstest du dich auch überwinden, es zu fragen. Verstehe ich. Vielleicht auch aus Angst vor der Antwort? Und die Frage hat mich ganz nah zu dir gerückt. So etwas fragt mich nur meine Geliebte oder meine Frau. Was würde ich wohl sagen, wenn S. mich fragen würde. Sie merkt schon was, wenn ich auch in letzter Zeit etwas fröhlicher und aufgeräumter geworden bin zu Hause.
Aber die Frage hat mich noch in einem anderen Sinn beschäftigt. Und zwar so: ich selbst hätte dir niemals im Leben eine solche Frage gestellt. Wenn ich all die schönen Worte und die Liebesgedichte und deine gefühlvollen Sätze mir durch den Kopf gehen lasse, so denke ich, es ist einfach unmöglich, dass du einen Geliebten daneben hast. Und wenn du ihn hättest, so würdest du mir nicht auf diese Art schreiben.
Und so habe ich mir gedacht, wie kannst du denn an mir zweifeln? Meinst du denn, meine Worte sind nur gespielt? Denkst du, ich könne am nächsten Tag dieselben Wort zu einer anderen Frau sagen? Wirken denn meine Worte nicht echt, dass du daran zweifelst. Denkst du denn, ich würde so lange Mails schreiben einfach so dahin, vielleicht daneben noch für andere (ach, ich könnte sie ja kopieren und nur den Namen wechseln!). Ich verwende wirklich sehr viel Zeit, noch mehr als am Anfang, mit dir, meine Liebe. Und daneben habe ich einen Chefjob, wo man etwas mehr als bloss 8,5 Stunden arbeiten sollte. Und dann ist da noch eine Familie. Und ich habe knappe 24 Stunden pro Tag zur Verfügung. Wie stellst du dir vor, eine Geliebte daneben. Ich bin doch kein professionelller Dandy. Vielleicht ein Casanova, der sich nie satt bekommt. Ach, wie du unsicher sein kannst, ist so rührend und so erstaunlich in einem. Das hat mich echt ein bisschen erschüttert. Und ich habe es ins Kapitel Geschlechterrollen gelegt. Ich meine damit, bei den Männern hält man es für möglich, dass sie mehrere Geliebte haben können, bei den Frauen glaubt man das weniger. Und deshalb wolltest du vielleicht sicher gehen und einfach fragen. Oder vielleicht war deine Frage nur ein Zeichen unserer Intimität. Und wenn es eine solche Frage war, dann umarme ich dich, dass dir die Frage nie mehr aufkommen wird. Ich würde sogar weiter gehen, als bloss umarmen, meine Liebe. Ich würde dann wirklich untreu werden. Und ich stelle mir jetzt das blutrote Feuer dabei vor. Weißt du, meine Liebe, manchmal, wenn ich deine Mails lese, ...

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*
So weißt du nun, dass du meine einzige und grosse Geliebte bist. Und damit du sicher bleibst, schreib es irgendwo auf, vielleicht an die Decke? Oder auf die Hinterseite des Pragerbildes? Oder ganz einfach in dein Herz! Weshalb denkst du denn, wollte ich dich unbedingt sehen? Ich wollte bloss wissen, ob ich hier meine Gefühle nicht auf was Falsches verwende.
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Ich wünsche meiner blutroten Geliebten einen wunderfollen Muttertag, das wünsche ich ihr von Herzen
K
U
S
S

Freitag, 29. Mai 2015

Nietzsche ... und Freud



Ämne:  Late night show

Liebe Marlena
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Zur Zeit lese ich Nietzsche. In meiner katholischen Mittelschule war er natürlich ein absoluter Teufel und eine persona non grata. Was immer ich über ihn gehört hatte, ich musste zum Schluss kommen, dass er nicht ganz richtig im Kopf sei. Und jetzt, wenn ich ihn lese, muss ich feststellen, dass er doch sehr intelligent und auch ein guter Psychologe war. Ich weiss, dass Freud ihn bewundert hat. Und er war Professer der Altphilologie in Basel. Und er soll ein sehr scheuer Mensch gewesen sein. Er hatte auch Stunden im Mädchengymnasium in Basel. Und als die Mädchen ihm in einer Stunde einen Blumenstrauss auf das Katheder gestellt hatten zu seinem Geburtstag, da soll er sein Pult während der ganzen Stunde gemieden haben, als ob er alles nicht gesehen hätte. Er war ein wunderlicher Kerl. Und später, in Turin, soll er weinend ein Pferd umarmt haben, weil es vom Kutscher geschlagen worden war. Aber zu jener Zeit war er schon hinüber.
Nein, er ist wirklich sehr intelligent, unser Herr Nietzsche. Und er ist ein echter Philologe. Die Art, wie er argumentiert, ist wirklich so sehr am Text haftend, wie man es heute selten mehr sieht. Diese gewisse Flüchtigkeit und Verbalität der Argumentation, das liest man nicht mehr heutzutage. So wenigstens habe ich das Gefühl. Und ich glaube, ich habe ein ziemlich gutes Gefühl für Sprache.
Wie könnte man seine Erkenntnisse zusammenfassen? Ich würde im Moment sagen, dass sein Hauptsatz heisst: unsere Welt ist ein Kunstwerk. Wir machen die Welt selbst. Es ist nicht so, dass sie da wäre, und dass wir sie uns anschauen oder zu Gemüte führen müssten. Nein, unsere Welt ist soviel wie ein Traumgebilde. Und wir sind die Träumer, das heisst, wir sind Künstler. Wir hängen viel zu sehr an der Realität, denn eigentlich hängt ja die Realität von uns ab. Das waren schon ziemlich revolutionäre Gedanken am Ende des letzten Jahrhunderts. Wir sind der Grund der Realität. Und nicht die Welt.
Das heisst doch wohl, wenn wir an der Welt verzweifeln, dann verzweifeln wir an uns selbst. Und das, meine liebe Marlena, ist nicht neu.
Er war wirklich genial, Nietsche. Ich muss noch etwas mehr lesen von ihm.

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Ja, unsere Vorstellungen von Glauben sind vom modernen Wissen geprägt. Und wenn Du sagst, Du beneidest Menschen, die einen starken Glauben haben, so meine ich dasselbe. Aber ich meine darüber hinaus, dass man einen solchen Glauben haben kann, ohne religiös im kirchlichen Sinne zu sein. Es gibt vielleicht junge Menschen, die ein bestimmtes Lebensziel haben. Und sie glauben daran und erreichen es damit auch. Ich meine diesen starken Glauben, dass man Wünsche hat, dass man glaubt, die Wünsche werden wahr, und dass sie schliesslich auch wahr werden. Man sagt dann, diese Menschen seien "willensstark", sie "wissen, was sie wollen" und so weiter. Aber eigentlich haben sie doch bloss in sich einen starken Glauben an das, was sie sich wünschen, und dass sie es schaffen werden. Wahrscheinlich fühlen sie diese gewünschte Zukunft als Teil von sich, und nicht äusserlich wie jene Menschen, deren Wünsche dann nicht erfüllt werden. Sie wünschen sich also beispielsweise nicht, dass sie einen Lottogewinn machen werden. Denn so was liegt nicht in der Möglichkeit ihrer Selbstwirksamkeit. So was hängt allein vom Zufall ab. Aber gesund zu sein, ein berufliches Ziel zu erreichen, einegute Ehe zu führen, Rom zu besuchen (um dann zu sterben, wie die Redensweise sagt), all dies sind solche Dinge, an die man glauben kann. Die Psychologen haben einen Begriff, der diese menschliche Kapazität auch einigermassen meint. Es ist die "Selbstwirksamkeit". Menschen sind überzeugt, dass das, was im Leben geschieht, letztlich auf sie selbst und ihre eigenen Bemühungen zurückgeht. Und das erlaubt letztlich, ihnen "mein" Leben zu sagen. Ach, ich glaube, das ist schon wieder ein wenig existenzialistisch gedacht. Aber natürlich ist es trotzdem richtig. Der Existenzialismus hatte ja doch Einsichten, die immer noch richtig sind. Und wenn ich Nietzsche lese, merke ich, dass er sie vorher schon gehabt hat. Es gibt doch diese merkwürdige Bemerkung Freuds, der gesagt, und vielleicht sogar irgendwo geschrieben haben soll, dass er nicht mehr Nietzsche lesen könne, weil der Philosoph viele der Einsichten schon gemacht hatte, die Freud mit seinen langsamen undgründlichen Überlegungen in seinen Schriften dann schliesslich auch mache.Ich bin überzeugt, dass das auch wirklich so war. Ich glaube, dass die Psychoanalyse damals "in der Luft" gelegen hat. Die Leistung Freuds liegt vielleicht weniger in der Erfindung der Psychoanalyse als in der fleissigen Sammel- und Schreibarbeit. Es gibt jene hübsche Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens, die mir sehr psychoanalytisch vorkommt. Sie glaubt an dieselben Mechanismen, an die auch die PA glaubt.

Sigmund Freud muss sehr ehrgeizig gewesen sein. Das sieht man an jener Denkfigur über die dreifache Kränkung der Menschheit. Die Figur ist gut, aber sie zeigt auch seine Ambitionen. Freud meint, der erste Kränkung, welche die Menschheit zu verkraften hatte, sei die Erkenntnis Kopernikus' gewesen. Er habe damals - mit dürftigen Mitteln übrigens - bewiesen, dass sich nicht etwa die Sonne um die Erde, sondern die Erde um die Sonne drehe.Das hatte man zwar schon in der Antike gewusst, aber wieder "vergessen". Die Beleidigung des menschlichen Selbstbewusstseins lag ja wohl darin, dass wir einsehen mussten, dass wir und unsere Welt nicht das Zentrum des Alls sind. Wir hausen auf irgend einem "Nebenstern". Und die zweite Beleidigung dann kam von Darwin und seiner These der Evolution, --  Darwin hat übrigens nicht behauptet, wir stammten vom Affen ab. Und er konnte seine Theorie auch nicht so genau beweisen, weil da noch das sog. "missing link" fehlte. Es war ein reiner Indizienprozess. Aber die Beleidigung bestand darin, dass wir Menschen eben auch bloss gut entwickelte Tiere seien. Und auch mit dieser Aussage hatte der Vatikan seine grosse Mühe. Und schliesslich kam noch Freud und behauptete, dass der Mensch nicht Herr im eigenen Haus sei. Viele seiner Gedanken, Wünsche und Taten sind nicht besonders rational, wie es scheint,sondern sie sind beeinflusst vom Unbewussten, welches sozusagen ein eigenes trübes Regime führt. Aus der dunkeln Suppe des Unbewussten also handelt derMensch, und er ist nicht (vielleicht nicht nur?) dieses animal rationale, das man immer behauptet hatte.

Ist deutlich, dass das eine hübsche Denkfigur darstellt. Man könnte sich natürlich fragen, wer denn sei "die Menschheit"? Gibt es da eine Kollektivseele, die sich beleidigen lässt? Lassen sich gut entwickelte Affen auf dem Nebenstern, die aus biologischen Urgründen handeln und denken, lassen sie sich wirklich beleidigen? Und wenn ja, welches wäre die nächste, die vierte Beleidigung? Vielleicht jene von Präsident Bush, der immer wieder in die Welt schreit, dass es neben den Menschen auf unserer Welt noch wilde Tiere gebe, die sich darauf spezialisierten, Terror zu treiben? Ich meine, das allein bestätigt schon Darwin, dass wir hier mehr oder weniger in einem Affenhaus leben.

---Mlgukua

Donnerstag, 28. Mai 2015

"eine heilige Pflicht"



Liebe Malou
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Vor 1 - 2 Jahren hatte ich ein Büchlein gelesen mit dem Titel 'Die Sieger'. Es ist eine Sammlung von Kurzbiographien über die bekanntesten und tüchtigsten Leute in Europa, natürlich vor allem jene der Vergangenheit: Dichter, Musiker, Wissenschaftler, Politiker, Erfinder etc. Ich habe die Aussagen nicht mehr genau im Kopf, doch als Quintessenz konnte man festhalten: je berühmter und je tüchtiger desto unglücklicher. Viele haben sehr gelitten unter Depressionen, unter Krankheiten, unter körperlichen Missbildungen. Irgendwie kommt nur noch Goethe als Ausnahme in den Sinn. Goethe war sozusagen unser Sunyboy, ein von den Göttern verwöhnter. Goethe hat seine Möglichkeiten gut ausgeschöpft, und hat sich auch in der Frauenwelt mit viel Leidenschaft ausgetobt. Aber all die anderen! Ich glaube, wenn man die Biographie von eurem Herr Nobel studiert, kann man zu ähnlichen Erkenntnissen kommen. Er war wohl auch nicht ein sehr glücklicher Mensch.
 
Darum haben wir als Mittelmässige die heilige Pflicht, glücklich zu sein. Es ist eine Aufgabe, nicht ein Geschenk. Ich weiss, dass es Spezialisten gibt, die eine Technik empfehlen. Ich glaube, das kommt aus dem NLP. Der Rat lautet: Durchsuche dein Leben. Finde die besten Momente heraus. Vergegenwärtige sie dir ausführlich, dh. träume von ihnen, schau sie dir an, fühle sie, höre sie, wie auch immer. Gib jeder Situation einen Namen. So kommst du zu einer Liste von persönlichen Highlights. Nimm diese als die Perlen und die Merkpunkte deines Lebens. Ruf sie dir immer wieder in Erinnerung. Je öfter du das tust, desto stärker werden die Glücksgefühle, die mit jenen Situationen zusammengehen. Und desto stärker werden die Glücksgefühle das allgemein Lebensgefühl überfluten.
Klingt doch leicht und einfach. Und funktioniert mit oder ohne Börse.
 
MLG

Mittwoch, 27. Mai 2015

Jeder vernünftige Mann


Ämne:  Wirklich und total
Datum: den 3 juni 2004 07:35

 
Liebe Malou

"Ich hatte doch schon in allen Ecken nach dir gesucht und dachte dabei: "He's done it again"! Es ist mir dabei wie einer Frau, deren Gatte plötzlich nach der Arbeit nicht nach Hause kommt. Man wundert sich wo er bleibt, ob was passiert ist oder ob er abgehauen ist. Aber nun bist du wieder "zu Hause" und alles ist comme il faut.. :-)"

Was meinst Du mit He’s done it again?
Klar, jeder vernünftige Mann tritt auf dem Heimweg abends über jene „Kreuzung-der-Versuchung“, wo er sich entscheiden muss, ob er „Heim-zu-Muttern“ oder hinüber in die „Lolita-Bar“ gehen will. (Lolita ist gut, nicht wahr, vielleicht etwas pädophil ??). Es gibt natürlich viele männliche Exemplare, die das teuflische Problem mit einem geradezu genialen Kompromiss lösen. Sie kommen dann einfach ein paar Stunden später heim. Und es gibt jene wilden Jäger, die zwar rasch auf ein bürgerliches Abendessen heimkehren, dann aber gleich wieder losrasen zur Versammlung des Fussballclubs, des Schiessvereins oder auch bloss zum Fitness-Training. Aber heute gibt es ebenso viele Frauen, die jede freie Minute ins Fitness footen. Da lobe ich mir jene abgeklärten Leute wie mich, die sich am mittleren Nachmittag bereits ziemlich erschöpft nach Hause schleppen, die dann noch eine zeitlang bei einer Tasse Kaffee herumhängen, um nach dem letzten Schluck gleich abzutauchen in ein Schläfchen, das gut und gerne zu einem stattlichen Schlaf werden kann. Das ist die Variante Morpheus.

Hier regnet es Fäden. Schon die ganze Nacht wollte es nicht aufhören. Vielleicht war vorher die Erde etwas trocken? Doch jetzt müsste es doch genug sein! Es ist kühl und unfreundlich, niemals so, wie man sich einen anständigen Juni nach Pfingsten erhofft hatte. Nächstes Wochenende kommt der Papa in die Schweiz. Hast Du das gewusst? Ich glaube, er kommt nach Bern. Und es ist eine einigermassen hitzige Diskussion entbrannt, ob der arme alte Mann nicht doch besser in Pension gehen sollte. Einige gutkatholischen Kreise haben das vorgeschlagen. Sie werden jetzt aber von der offiziellen Kirche geprügelt und geschlagen. Der Bischof von Basel hat sich beim Papst persönlich für diese Ideen, die in seinem Sprengel aufgekommen sind, entschuldigt. Und auch die Jugend findet es gut, wenn Papa bleibt. Er will uns zeigen, dass man auch im Alter dabei ist, dass man durchhalten muss bei Blut, Schweiss und Tränen.

Ich glaube, ich muss Dich lassen, Du hast wirklich viel zu tun.
Mlgukundso

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Sonntag, 24. Mai 2015

"till death do us part".


Ämne: RE: tour de suisse..

Lieber ...,
Deine Mails sind ein richtiges Aufputschmittel. Sie steigern meine Lebensgeister bis in den Himmel hinein. Deine lustige Beschreibung über den Tour de Suisse im Wallis ist so, dass ich sie an die ganze Welt versenden möchte. So was Perfektes kann man doch nicht als sein Eigentum verstecken. Aber ich weiss, wenn ich es nach Brasilien schicken würde, dann würde der alte Walliser verrückt werden, denn sicher hat auch er dort gestanden und dasselbe erlebt wie du.
Ja, wir haben noch Kontakt miteinander. Aber nicht täglich und auch nicht Wöchentlich. Er hat sich nun auch eine Digitalkamera gekauft und schickt wunderschöne Bilder von seiner Umgebung. Ich glaube wirklich, dass F..  das Paradis von Brasilien ist. Weil die Kriminalität dort im Verhältnis zum übrigen Land sehr gering ist möchten Leute, die Geld haben, gern dort wohnen. Und das Wetter soll auch idealisch sein. Vielleicht kommst du mal dorthin mit deiner www-gruppe. Klingt schön ein solches Projekt.
*
Ja, offen gesagt bin ich auch etwas ängstlich, was unsere Zukunft betrifft. Nicht vielleicht für das kommende Jahr, wenn ich noch allein hier wohne in den Wochen. Aber dann später wenn ich immerzu jemanden um mich herum habe. Aber wir werden es überleben. Was mich besonders freut in deinem Mail ist deine Aussage:
"Ich war oft erstaunt, wie knapp Deine Mails ausgefallen waren immer dann, wenn ich mir ein besonders ausführliches gewünscht und ausgerechnet hatte, weil ich dachte, Du hättest viel Zeit."

Ich meine die Tatsache, dass du dir lange mails gewünscht hast. Ich glaube es ist auch so bei mir. Manchmal, wenn ich ganz sicher war, dass du mir sofort mit einem langen Mail antworten würdest, hast du ganz geschwiegen und meine Mailbox konnte sogar mehrere Tage leer sein.
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Ja, du hast recht. Ich verlasse diese Stelle nun ganz. Denn wenn ich noch halbzeit weiterarbeiten würde, bekäme ich, wie ich dir sagte, "halben Lohn" und würde mich doch voll beschäftigen. Als ich den Beschluss fasste, wusste ich noch nicht, wie richtig es war dies zu tun. Ich dachte ich würde mit einem neuen Angestellten, von dem wir wissen, dass er für Qualität und Ordnung sorgt, zusammenarbeiten. Aber ich glaube unser Direktor hat diesen Mann als eine Gefahr gesehen und hat stattdessen einen "nicht-Sprachlehrer", für den es nicht genug Stunden gab in seinen eigenen Fächern, als Deutschlehrer eingestellt.
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So werde ich in Zukunft das Gras wachsen sehen und Kartoffeln ernten, wie du so lustig sagst. Und ich werde vor allem aufräumen. Stell dir vor, hier liegen Dinge in den Schränken und Schubladen, die bis zu 30 Jahre alt sind. Ich muss Platz schaffen für Ks Sachen, wenn er nächstes Jahr hier einzieht. Ach, das wird eine grosse Umstellung werden. Aber ich hoffe dass wir eine "friedliche Koexistens" haben können.
Eigentlich beginne ich mich erst jetzt richtig zu freuen auf mein neues Dasein. Ich kann es noch nicht richtig fassen... aber langsam gewöhne ich mich an den Gedanken. Und irgendeine Beschäftigung werde ich schon finden, die mich auf Trab hält.. wie du es ausdrückst.

Ich muss bald zur Schule. Ich habe schon eine grosse grüne Mülltonne dort stehen, die ich füllen werde. Ich muss meinen Platz räumen, weil ihn vielleicht jemand schon im August braucht. Sonst arbeite ich ja noch bis zum 1. September. Auch meine beiden nächsten Kollegen werden das tun.
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Weisst du eigentlich wie sehr ich an dir hänge??? Du brauchst dich nicht zu ängstigen wegen der zukünftigen Mailerei. Ich bin ein treues Geschöpf, "till death do us part". :-) Und wenn die Gegenwart zu öde ist, so werde ich aus meinen Erinnerungen schöpfen und über meine alternative Leben erzählen, so wie du es letzthin getan hast. Reden mit dir werde ich immer wieder, die Frage ist nur ob du mir aufmerksam zuhören wirst. Männer werden mit dem Alter etwas taub. ;-)

Ich muss jetzt los. Sende dir liebe grüsse und wünsche dir einen schönen angenehmen Tag,
Mit S und K,
Malou