Dienstag, 14. Januar 2014

"Römisches Tagebuch" - ein Lebensprojekt

...

Und ich will dir erzählen, was ich in dieser Nacht gedacht habe. In meinem bittersüssen auf und ab Gehen. ......
Und was ich gedacht habe? Es tut mir leid, vielleicht magst du es nicht. Vielleicht hast du das Gefühl, ich will dich zu irgendwas drängen, wozu du eigentlich noch nicht bereit bist. Vielleicht denkst du sogar, ich will dich erpressen dazu. Doch das will ich nicht. Das nun wirklich nicht.

Aber für mich ist definitiv geworden. Ich werde nächstes Jahr nach Rom gehen. Zuerst hatte ich mal an 2 Wochen gedacht. Jetzt bin ich schon bei drei Wochen. Ich will nicht sagen, ich möchte mit dir nach Rom gehen. Ich möchte, dass wir uns in Rom treffen, für drei Wochen. Das kann im Sommer sein oder im Herbst, oder auch im Frühling. Aber im Frühling für mich am wenigsten. Ich möchte, dass wir zusammen Rom von unten bis oben, von links bis rechts, von hinten bis vorne erleben. Es sollen 3 intensive Wochen sein. Wir werden alles sehen, vom Vatikan und der Peterskirche bis zum Forum Romanum. Alles. Ich werde mich ein bisschen vorbereiten, lesen, Stadtpläne studieren. Und wir werden beide ein leeres Tagebuch mitnehmen. Und nach dem Mittagessen, in der Siesta, werden wir jeweils unsere Erlebnisse aufschreiben, du die deinen und ich die meinen. Du machst das ja vielleicht in Schwedisch, und es wird ganz deine eigene Welt sein. Die Erlebnisse sind alles, Rom, die Stadt, der römische Katholizismus, unsere Liebe, vielleicht auch mal kleine Aerger und Müdigkeiten und was auch immer. Du schreibst alles aus deiner Sicht als Frau von Schweden. Ich schreibe alles aus meiner Sicht als Mann aus der Schweiz. Ich werde auch Zeichnungen machen, das mache ich gerne, wenn ich Zeit und Geduld habe. Und wir werden viele Fotos machen.

Und nach drei Wochen gehen wir wieder heim, du zu den Deinen und ich zu den Meinen. Und dann werden wir unsere Erlebnisse in Mails bearbeiten und daraus ein Büchlein machen. Es könnte heissen "Das römische Tagebuch" und es wäre gestaltet wie ein Duett, mit einer Frauenstimme und einer Männerstimme. Sehr romantisch, aber wichtig, diese zwei Stimmen, das ist modern, finde ich, denn die Frauen sehen die Welt anders als die Männer, das sollte zum Ausdruck kommen. Und dann veröffentlichen wir das Büchlein. Wir können das unter einem Pseudonym veröffentlichen. Ich glaube, wir können das gemeinsam schaffen. Und es wäre für mich fast ein Lebenshöhepunkt, wenn wir das schaffen. Und ich würde für den Rest meiner Jahre davon zehren und es würde mir bleiben wie eine Insel mitten im Meer.

Verstehst du mich? Ich möchte nicht nur in meiner Verliebtheit mit dir nach Rom. Ich möchte dir natürlich gerne Rom zeigen, das du noch nie gesehen hast. Ich möchte aber auch, dass du mich in eine Messe mitnimmst, dass du mir dein Rom zeigst. Aber ich möchte nicht nur verliebt sein, ich möchte daraus ein Lebensprojekt machen, ein kleines Kunstwerk machen. Und das "Römische Tagebuch" wird das Produkt dieses Projektes sein.
Wir werden immer darauf stolz sein. Vielleicht wird es kein Bestseller. Aber ich glaube, wir können uns gegenseitig sosehr inspirieren, dass es schon ziemlich gut herauskommen wird.
So, wie du mir Prag beschrieben hast, kann ich sehen, dass du dazu fähig bist, das zu beschreiben.

Das einzige Problem ist, dass dein Teil eigentlich in Schwedisch, mein Teil in Deutsch wäre. Und dafür gibt es nun ja kein eigenes Publikum. So müssten wir vielleicht deinen Teil ins Deutsche übersetzen und den meinen ins Schwedische. Und dann hätten wir zwei Varianten.


Ich will jetzt nicht schon deine Bedenken vorausdenken. Ich für meinen Teil werde ohnehin allein in die Ferien gehen. S hat das schon 2 oder 3 mal gemacht. Und ich habe es immer angekündigt. Du musst dir keine Gedanken machen um meine Familie. Das ist meine Angelegenheit. Du musst dich nur um deine Familie kümmern. Ich werde ohnehin gehen, ob du kommen kannst oder nicht. Du musst mir vielleicht nicht jetzt schon sagen, ob du das einrichten kannst. Aber wenn es dir möglich ist, wäre es gut, wenn wir bis zum Sommer die Termine absprechen könnten. Und wenn du es nicht tun kannst, sag es mir. Ich nehme es dir nicht übel. Ich weiss dann, dass es in deiner Situation einfach nicht möglich ist. Ich spüre deine Liebe deutlich, und ich weiss, wenn du kannst, wirst du es tun. Und wenn du nein sagst, dann sind es Gründe, die nicht in dir selbst liegen. Vielleicht kannst du mir nicht alles erklären. Aber ich werde es akzeptieren, ohne es dir übel zu nehmen. Es soll an unserer maladi nichts ändern. Ich will dich also nicht erpressen.

Das wäre wirklich ein Höhepunkt in meinem Leben, das Römische Tagebuch. Ich bin schon ganz vernarrt in den Gedanken und ich sehe die Orte in Rom, die wir anschauen werden. Wir können nicht den ganzen Tag im Hotelzimmer sitzen und flirten, meine Liebe, es wird harte Arbeit werden. Mach dich also auf einiges gefasst. Nimm deine Vitamintabletten mit. Aber wir werden mit vollen Taschen zurückkommen. Und wir werden daraus etwas Schönes machen. Es wäre wirklich die Geschichte einer amour fou.

Das also habe ich gestern Nacht überlegt. Und ich bin 100% sicher, dass es etwas Gutes werden wird. Ich weiss auch, wo der schwache Punkt liegt. Es ist der letzte Tag dieser 3 Wochen, wenn wir Abschied nehmen müssen. Das ist richtig, das wird ein heikler Tag werden. Aber genau darum dürfen wir nicht nur wegen unserer Liebe nach Rom, wir müssen wegen Rom nach Rom.
Das ist unser Hauptprojekt. Und die maladi ist bloss die Brille, die wir tragen, wenn wir zusammen Rom erkunden. Und das Tagebuch ist sehr wichtig. Nimm ein dickes mit, Marlena, und einen Reservestift. Und wir werden römisch essen und römisch lachen und römisch weinen und römisch lieben. Vielleicht wird es dir einen kleinen Teil davon geben, was du in all den Jahren gesucht hast. Aber die Stadt Rom wird uns helfen, dass wir nicht in der maladi versinken.
Ich weiss nicht, ob wir auch eine Privataudienz beim Papst kriegen, das weiss ich nicht. Aber sonst werden wir fast alles kriegen, was wir wollen, da bin ich sicher.

Und dann gehen wir heim und bearbeiten unser Projekt weiter, bis man ein Büchlein herausgeben kann. Es war schon immer eines meiner Lebensziele, ein Buch zu machen. Diesen Wunsch habe ich schon lange in mir. Ich habe schon eine Ausstellung meiner Öl-Bilder gemacht, das war vor knapp 20 Jahren.
Und ich habe auch einige Bilder verkauft damals. Aber dann hatte ich neben der Arbeit immer weniger Zeit zum Malen. Malen braucht viel Zeit, braucht noch mehr Zeit als Schreiben.
Und die Ölfarben trocknen ein, wenn du nicht täglich dran gehst, und das ist ärgerlich. Schreiben ist geradezu leicht dagegen.

Sag mir Bescheid, wenn du weißt, ob du beim Projekt "Römisches Tagebuch" mitmachen kannst. Wenn du nicht kannst, dann sag nicht zu schnell Bescheid. Dann warte noch bis zu den Sommerferien. Und ich bitte dich, denke dabei nur an dich und deine Situation, nicht an meine. Ich werde hier damit schon fertig.

Vielleicht werden die drei Wochen auch unser ganzes Leben verändern. Wer weiss? Vielleicht werde ich dann meinen guten Job hier hinschmeissen und meine alten Tage in Stockholm unter einer Brücke leben. Wenn ich allerdings an dieses schöne Winterbild denke, das du mir geschickt hast, wo die Nebel aus dem Wasser steigen, dann fröstelt mich schon ein bisschen, ehrlich gesagt. Aber vielleicht gehen wir auch als Schriftsteller Duett nach Rom.

Ich finde, ein Buch im Duett zu schreiben, ist absolut neu. Ich kenne keines bisher. Und es entspricht der modernen Welt, wo man den Blickpunkt der Frau und jenen des Mannes nicht mehr zusammenbringen kann. Es sind zwei unterschiedliche Arten, in der Welt zu sein. Und das muss herauskommen. Wir können also nicht nur miteinander verschmelzen, wir müssen auch Gegenpositionen suchen, wir müssen uns kritisieren, inspirieren, befragen, weiterhelfen, korrigieren. Ach, wie stelle ich mir das alles schön vor. Und bei all dem bist du für mich so lebendig, wie ich dich nie lebendiger erlebt habe. Man könnte das Buch auch Amour fou nennen, aber soweit wollte ich jetzt noch nicht gehen. Als Arbeitstitel ist Römisches Tagebuch besser. Und mit der Zeit fällt uns vielleicht noch ein besserer Titel ein. Es wird der Höhepunkt meines Lebens. Und wir werden beide eine neue Vitalität daraus gewinnen. Ich bin ganz betrunken von der Idee.


Ich hoffe bloss, dass es mit Anna und K für dich möglich ist, so etwas Grosses zu machen. Verdient hättest du es ja längst, eine Pilgerreise nach Rom. Wir würden auch regelmässig Postkarten unseren Lieben heim schicken, damit sie nicht annehmen, wir wären in Rom vertrocknet oder gar versauert.

Ach, am liebsten wäre mir, du würdest heute abend ja sagen und wir könnten gleich anfangen mit der Organisation.
Nicht gleich Lire wechseln, aber immerhin Termine, Hotel, Reiseführer, ich wäre wirklich sehr eifrig.
Sag mir Bescheid, liebste, aber den negativen, sag ihn nicht zu früh. Schlaf ein paarmal drüber. Wenn du denn überhaupt noch schlafen kannst bei diesem aufregenden Leben.

...



Montag, 13. Januar 2014

Tagebuch-Schreiben


Du siehst, meine liebe Marlena, ich schreibe einfach so vor mich hin. Es ist wie ein Tagebuch, der „freie Bewusstseinsstrom" wie in einem modernen Roman. Alles mögliche geht mir durch den Kopf und ich kann ziemlich schnell schreiben. Allerdings passieren mir auch etliche Fehler, die Du mir hoffentlich entschuldigst. Die meisten kommen aus reiner Unachtsamkeit und infolge des Tempos zusammen.

Du weißt, dass Tagebuch-Schreiben eine gute Therapie ist? Man hat festgestellt, dass Leute, die regelmässig Tagebuch schreiben, seelisch gesünder sind. Und so was kann ich mir gut vorstellen. Es ist wie für die Katholiken eine gute Beichte. Man schreibt sich frei von Sorgen, man überlegt sich diese oder jene Absicht, man versucht, etwas für eine andere Person darzustellen und gewinnt Klarheit und Distanz. Das ist es doch, was man braucht im Leben. Manchmal ist es fast einfacher zu schreiben als
zu reden.

Montag, 6. Januar 2014

Vorsätze für das neue Jahr



Ämne : 2002 zum ersten!
Datum : Wed, 2 Jan  09:37:08 +0100

Liebe Marlena
Lass mich diesen Tag mit einem kleinen Mail an Dich anfangen. Es ist nach so
vielen freien Tagen nicht einfach, ins Büro zurückzukehren. Man hat einen
kleinen Geschmack gekriegt, was man mit dem Leben alles Schöne anfangen
könnte, wenn man zuhause in der warmen Stube den eigenen Launen nur zu
folgen braucht. Und jetzt kommt man hier in diese Papierwüste und alles
liegt und steht und lümmelt herum wie noch in den letzten Dezembertagen.
Man weiss gar nicht, wo beginnen. Und irgendwie scheint das gute Jahr
2002, dieses Badewannenjahr, schon a priori zu kurz und zu knapp
bemessen. Was wird es uns alles bringen, dieses Jahr. Heute ist es noch
jungfräulich und optimistisch. Aber das ist vielleicht blosse Naivität! Was
wird daraus? Und wie schaffen wir die vielen Anforderungen, die da
kommen? Man könnte sich beruhigen, sich gut zureden und sagen, dass
wir eines nach dem anderen nehmen sollten, wie es kommt. Sicherlich ist
das eine gute Strategie. Aber wo bleibt dann die Übersicht? Wer, wie der
Beamte am Schalter, sich nur mit dem vordersten Kunden beschäftigt, der
Übersieht die langen Schlangen und der Ärger, der sich hinten aufstaut. Also
sollte man sich auch mit dem Gesamten beschäftigen. Und wenn man das
Ganze sieht, dann kriegt man leicht den Bergkoller.
*
Hast Du Dir irgendwelche Ziele vorgenommen für das Badewannenjahr,
Marlena? Ich meine, hast Du gute Vorsätze, wie sie die meisten Menschen
am Silvester formulieren, um sie an Neujahr mehr oder weniger wieder
vergessen zu haben?
Von den "niederen" Sünden hast Du keine, soweit ich in diesen Dingen
informiert bin. Du rauchst nicht, du trinkst nicht, du brauchst nicht
Gewicht zu verlieren, Du bist nicht unordentlich, Du verzettelst Dich nicht
in irgendwelchen zweitklassigen Dingen. Hast Du denn wenigstens eine
interessante Todsünde, die es wert wäre, mit einem guten Vorsatz bekämpft
zu werden? Vielleicht fluchst Du gelegentlich, was ich mir zwar kaum
vorstellen kann. Ach, ich kann mir bei Dir keine respektable Sünde wirklich
vorstellen. Die katholische Weltanschauung hat sich bei Dir wirklich gut
eingenistet und Dir einen geradezu tadellosen Lebenswandel aufgegeben.
Was mich betrifft, so bin ich voller Sünden, der hohen wie der niederen.
Allerdings kenne ich mich im Sündenregister schlecht aus. Ich kann die
hohen schlecht von den niederen unterscheiden. Ich meine, sie sind mir
alle so ähnlich und oft auch so wenig distanzierungswürdig. Und doch
versuche ich, altmodisch wie ich bin, mir ein paar gute Vorsätze aufzugeben.
Schau mal, Marlena, ich versuche sogar, sie zu nummerieren, um das
spezifische Gewicht etwas zu erhöhen. Sie sollen doch sinken, und nicht
gleich mit dem Wasser davonschwimmen. Sie sollen sinken und fast wie
ein Anker einen gewissen Halt geben, mindestens wie eine Koje einen Ort
markieren.

1. Ich will in diesem Badewannenjahr meine spirituelle Haltung wachsen
lassen. Das hört sich geheimnisvoll, wenn nicht gar pathetisch an, nicht
wahr? Damit meine ich vielleicht etwa folgendes: ich möchte mich in diesem
merkwürdigen Jahr 2002 nicht von all diesen kleinen alltäglichen Dingen
treiben lassen. Ich will unterscheiden, was wichtig und was nebensächlich
ist. Ich möchte mich auf die grossen Spielzüge konzentrieren, auf die
Strategien eigentlich, und auch meinen Mitmenschen diese Haltung
mitteilen. Nicht gleich auf jede Kleinigkeit stürzen. Nicht zu sehr in Eile.
Überlegt und heiter an die grösseren Dinge herangehen. Wissen, dass es -
neben dem kurzfristigen Misslingen - längerfristig immer auch noch
durchaus Gewinn und Erfolg gibt. Wissen, dass den Dingen Zeit zusteht,
dass sie Zeit brauchen. Wissen, dass sich vieles selbst in Wohlgefallen auflöst.
Nichts ist mir so zuwider wie eine sture, unflexible und engstirnige
Haltung. Ich glaube nicht, dass ich viel davon an mir hätte. Und dennoch
möchte ich noch weiter davon weg kommen. Ich möchte grosszügig denken
und fühlen. Ich möchte gerade auch gegenüber jüngeren Menschen und
Mitarbeitern ein grosszügiges Wohlwollen in sie und ihre Geschäfte investieren.

Eigentlich möchte ich philosophisch leben. Ich möchte wie die alten
Milesier und Pythagoreer das Denken auf mein alltägliches Leben wenden
und mit meinem Stil zeigen, dass es einen umfassenderen Horizont gibt als
den bloss alltäglichen. Ich will zeigen, dass ich meine Absichten mit Macht
in mir selbst unterstützen kann, wie es die Sophisten vorgelebt haben. Ich
will wie Sokrates erfahren lassen, dass Kontakt und Dialog mit anderen
Menschen viele Dinge in ein Licht der Selbstverständlichkeit und der
Lösbarkeit taucht.
Natürlich will ich mit Aristoteles auch meine Klugheit ausbilden und in
freundschaftlichem Verhältnis zu den Dingen entscheiden. So irgendwie hat
sich doch auch Rilke geäussert? Ich will bessere Freundschaften entwickeln.
Das ist wohl eines der wichtigsten Elemente des schönen Lebens, wie Du es
immer wieder andeutest. Ich will, wie die Kyniker, an mir arbeiten, mich
in den Äusserlichkeiten des Lebens beschränken und damit eine
Selbstmächtigkeit erreichen, die mich von Abhängigkeiten löst. Aber ich
will bestimmt nicht ohne Lust leben. Nein, ich will mit Epikur meine Lüste
klug und gut wählen und mit einer gewissen Sparsamkeit geniessen. Die
Dosierung macht den Gewinn, vor allem der Verzicht, der Aufschub, die
Mässigung. Auch sogar Unlust kann spätere Lust erhöhen, deshalb darf
man sie nicht bloss anklagen. Ich will wie die Stoiker meine Seele nicht zu
sehr von jenen Gedanken und Ereignissen befallen lassen, die ich nicht in
eigener Hand habe. Die Wahl meiner Vorstellungen macht frei gegenüber
den widerlichen Stürmen des Lebens.
Ich will - vielleicht wie Michel de Montaigne - das Leben als
experimentellen Weg sehen, und mich von eigenen Erfahrungen und
Überlegungen führen lassen. Ich will mich diesem Experimentum in vivo
bewusst und immer wieder aussetzen, um mich selbst voll zu machen von
Leben. Aber ich will, bei alledem, auch skeptisch bleiben gegenüber dem
Wissen, gegenüber Begriffen und gegenüber der Gegenwart, wie es mir ja
Marlena immer wieder signalisiert. Es gibt keine Regeln, es gibt keine
Rezepte. Es gibt letztlich nur so etwas wie die Plausibilität. Das ist ein
lustiges Wort, kommt vom Lateinischen PLAUDO, PLAUSI, PLAUSUM
was "klatschend schlagen, stampfen", dann soviel wie "Beifall klatschen,
Beifall spenden" meint. Plausibilität ist - nach meinem Verständnis - eine
generelle Zustimmung, das Gute und das Schöne in einem. Plausiblität heisst
dann so viel wie Zustimmungswürdigkeit. Wir sagen auch Bejahung, also
eine allgemeine affirmative Haltung. Erst diese Affirmation macht ja doch
aus dem Leben das Leben.
*
Ach, Du siehst, meine guten Vorsätze sind etwas schwerfällig und kommen
daher wie eine lange Kolonne vor dem Schalter des Beamten. Aber sie sind
ja doch nur Aspekte des einen und alles. Vielleicht ist das erste und
grundsätzliche wirklich das Allgemeine. Das Grosse. Im Allgemeinen gehen
all die kleinen Dinge auf und finden sich wieder. Rilke ist immer so schön
und allgemein, dass er uns, wie mit einer grossen transparenten Schleppe,
mit sich und seiner Plausiblitität nimmt.
*
Mittlerweile ist es schon bald 0900h. Der Tea Room gegenüber ist
geschlossen. An der Kurve, der zweite Tea Room, ist auch ohne Licht.
Vielleicht habe ich mich im Datum vertan? Vielleicht ist heute noch ein
Feiertag, und niemand geht zur Arbeit? Es gibt auch wenig Menschen auf der
Strasse. Wahrscheinlich liegen die meisten noch im Bett und strecken sich in
der wohligen Wärme aus. Doch gegenüber, auf zwei Stöcken, brennen in den
Büros die Lichter. Und den Pfarrer Christ habe ich auch vorbei gehen sehen.
Er geht bestimmt nicht einen Schoppen trinken zu dieser Stunde, sondern in
sein Büro hier in der Nähe. Ich werde mir rasch ein kleines Frühstück holen
und schauen, ob die übrigen Geschäfte offen sind. Gegenüber am
Wasserturmplatz ist die grosse Drogerie durchaus offen und bietet wie eh
und je Alka Seltzer an für alle, die vom Silvester her noch etwas Kopfsausen
haben.
*
In der Tat, nicht alle Läden sind heute offen. Und viele Büros geschlossen.
Ich denke, auch die Verwaltung hat eigentlich noch einen freien Tag.
Kein Mensch geht an diesen Tagen irgendwelche Formulare holen oder
Beschwerden anbringen. Nein, ich glaube, ich kann mir hier einen wirklich
gemütlichen Vormittag machen. Und das schöne, kalte Wetter unterstützt
mich in meinem Vorhaben.

Ich wünsche Dir einen ebenso gemütlichen und lockeren Vormittag, um die
guten Vorsätze wirklich mittels Nägeln mit Köpfen im Alltag zu installieren.

Mit einem lieben und schönen ersten Gruss aus der Doppelwanne
...

Donnerstag, 2. Januar 2014

Nostalgie





Liebe Marlena

Ich weiss gar nicht, ob ich so alte und so lange Mails von mir nochmals lesen sollte. Ich habe es noch nicht getan, und vielleicht brauche ich vorher wirklich einen starken Schluck Whisky. So genau möchte ich ja doch meine seelische Vergangenheit nicht erforschen. Oder sollte ich?

*

Ja, ich habe diese CD von Helene Hanff schon mehrmals gehört. Es ist so romantisch und so hübsch. Es handelt sich um einen Briefwechsel zwischen einer amerikanischen Schriftstellerin, die in N.Y. wohnt, und einem englischen Buch Antiquar an der Charing Cross Road in London. So ungefähr. Und die Amerikanerin ist ein bisschen jugendlich und manchmal ungeduldig und naughty, und der Engländer sehr formal und höflich. Allerdings ist es in diesem kleinen Buchladen nicht immer dieselbe Person, die schreibt. Die Hanff bestellt diese oder jene Bücher, gibt diesen oder jenen Kommentar. Und die Engländer berichten, wie sehr sie sich Mühe gegeben haben, dieses oder jenes Buch zu finden, wie sie vielleicht an ihren Besuchen in englischen Landhäusern nicht erfolgreich gewesen sind, diese oder jene Erstausgabe zu finden. Es ist die Zeit nach dem Krieg, und die Amerikanerin schickt ihnen Esswaren, während die Leute der Buchhandlung ihr dann eine spezielle Ausgabe eines speziellen Buches als Dank zuschicken. Na ja, es ist ganz hübsch, und offenbar ist kürzlich ein Büchlein herausgekommen, da die Hanff erzählt, wie es war, als sie erstmals nach London gereist war. Und einmal schickt sie sogar einen Schinken, und macht sich dann als Jüdin Gedanken, ob sie nicht doch besser eine Zunge geschickt hätte.

Ach es wirkt alles so romantisch und alt. Die Leute wählen noch nette Formen, wenn sie einander schreiben und tauschen Höflichkeiten aus. Man hat dieses Bild vor sich, wie ältere Leute in aufgeräumter Kleidung abends unter dem warmen Licht irgendeiner hübschen Tischlampe sitzen und mit ihrer Feder und mit echter Tinte einen Brief hinkritzeln. Ach, was waren das schöne Zeiten: das warme Licht, das echt raschelnde Papier, die pechschwarze, nass schimmernde Tinte, das krakelige Kratzen der Feder, der ruhige Fluss der Zeit vielleicht sichtbar am Mond zwischen den Vorhängen, in der das alles vor sich ging in einem mit dunkeln Holz möblierten Zimmer.

Es muss die Zeit gewesen sein, als Menschen noch persönliche Gesichter hatten. Ich meine, sie waren noch Persönlichkeiten mit einer ihnen gemässen Aura, auf die man gehen konnte. Ihr Verhalten war mehr oder weniger vorhersehbar. Ihre Kleider waren zerknittert und grau vielleicht, aber umso mehr haben ihre Gesichter sich zu erkennen gegeben. Ach, das waren noch Zeiten.

Wenn ich mir eine solch antike Buchhandlung vorstelle, dann kommen mir jene in N.Y. in den Sinn. Sie waren zwar nicht alle alt, einige aber altmodisch eingerichtet mit einer schönen Atmosphäre. Eine, The Strand glaube ich, hiess sie, war sehr ungeordnet und übervoll mit Büchern. Die meisten davon waren wohl, was wir ‚modernes Antiquariat’ nennen. Es sind nicht alte, sondern mittelalterliche Bücher, die verbilligt verkauft werden, weil man im Lager Platz braucht. Dort ist die Atmosphäre nicht sonderlich gemütlich, denn es gibt zu viele Leute und zu viele Bücher. Die Kombination von beidem macht eine Enge, die ein bisschen nervös macht.

*

Jetzt bin ich von der Sitzung zurück. Sie war nicht sonderlich ergiebig. Aber ich glaube, der Chef braucht einen Kreis, in dem er gewisse Fragen diskutieren und testen kann. Er sucht noch seinen Weg und er ist abhängig von seinem Team. Ich bin ja nun nicht einer, der sich dort in den Vordergrund drängt. Dazu ist meine Dienststelle zu klein und hat nicht eigentlich staatstragende Bedeutung. Beim alten Chef war ich respektiert, weil er meine Texte schätzte, glaube ich. Der Neue kennt mich noch nicht. Und ich glaube nicht, dass er mit Texten sosehr ansprechbar ist. Er kommt aus den Gewerkschaften. Das sind praktische Menschen, denen es nicht um Schöngeisterei geht, sondern um ungeschminkte, nackte Tatsachen und nicht zuletzt um das Materielle. Na ja, wir werden sehen, jeder hat seine schwache Stelle, seinen Knopf, worauf man drücken muss, damit man zu seiner Sache kommt.

*

Na ja, wenn ich diesen Briefwechsel zwischen Hanff und der Buchhandlung 84 Charing Cross Road höre, so kommt mir auch der unsere in Gedanken auf. Sie dort hatten den Vorteil, dass sie ein vorgegebenes Thema hatten. Die Hanff wollte alte günstige Bücher und der zuständige Mitarbeiter bei Marks & Co gab sich Mühe, sie zu finden. Das ist doch schon eine materielle Basis, die was hergibt. Aber zwischendurch spielt die Hanff mit dem Gedanken, nach London zu fahren und sich alles persönlich anzuschauen. Und offensichtlich hat sie das ja nach dem Krieg auch gemacht.

*

Vielleicht haben wir uns ein bisschen anstecken lassen. Auf jeden Fall stand unser Weekly gestern auch unter dem Thema von ‚merry old England’. Na ja, nicht England, aber jener Zeit. Mit anderen Worten, wir wärmten romantische Erlebnisse unserer Jugend auf. Ich erinnerte mich, dass meine Mutter mich jeweils mitnahm, wenn sie einen Laden aufsuchte, in welchem es vornehmlich Dinge gab, die man zum Nähen brauchte. Vielleicht gab es auch Unterwäsche. Ich weiss es nicht mehr so genau. Aber es war alles ziemlich ordentlich und geregelt. Und genau das war schlimm. Es gab keinen kleinen Stein des Anstosses, wo man hätte zugreifen können. Es gab keine Unregelmässikeit, die doch an sich interessant sind. Auf jeden Fall fand ich diese endlosen Stunden, während der meine Mutter unbekümmert mit der Besitzerin des Ladens plauderte, endlos lang. Es war eine Qual. Eine endlose Qual, um genau zu sein. Es war im Grunde Kindsquälerei. Ich hing meist vor der Ladentüre auf der steinernen Treppe herum und es war dort absolut nichts los. Höchstenfalls hätte ich mir, durch irgend eine gewagte Übung, das Knie aufschlagen können. Und auch im weiteren Umkreis war nichts, was sich hätte für einen kleinen Zeitvertreib anbieten können. Absolut nichts! Es war die veritable Hölle. Und ich habe nie begriffen, wie sich die Frauenwelt in einer solchen Umgebung unterhalten und gar noch gut unterhalten kann. Niemals war das zu begreifen. Ich dachte mir, diese Wesen müssten von einer anderen Welt sein, irgendwie mit anderen Gesetzmässig­keiten und anderen Programmen, die Zeit zu geniessen.

Umso mehr schätzte ich damals meine kleine Freundin, bei der ich bemerkte, dass sie genau dieselben Dinge mochte, die auch ich mag. Wir hingen nach der Schule hinter dem Schulhaus herum, hängten uns an die Turnstangen, plauderten hin und her. Einmal hatte sie mich eingeladen, in einem Motorlastwagen mitzufahren. Ihr Vater führte ein grosses Baugeschäft in Lenzburg. Und ich hatte die Ehre, zwischen Chauffeur und meiner kleinen Freundin auf diesem holperigen und ausgesessenen Sitz zu hocken und über das Armaturenbrett hinunter auf die Welt zu schielen. Es war einfach grossartig. Ich glaube, ich habe eine zeitlang sogar meine Freundin neben mir vergessen. Aber irgendwie genoss auch sie es. So habe ich es in Erinnerung. Entweder war sie stolz, dass ich ihre Welt so sehr bewunderte. Oder sie war erfreut, dass sie mir eine Freude machen konnte. Aber irgendwie war sie hell und fröhlich neben mir. Und natürlich hatte ich die Vorstellung, dass sie jeden Tag mit diesen riesigen Lastwagen in der Welt herum fahren würde. So ein kleines Ding von einem Mädchen mit einem kecken Rossschwanz hatte solch gigantische Maschinen unter Kontrolle!! Ich sag Dir, Marlena, ich war schon schwer beeindruckt.

Ich glaube, das ist es für heute

Ich wünsche Dir einen feinen Tag

Kuss
...

Dienstag, 31. Dezember 2013

Gott Nytt År!







Ich wünsche Dir von Herzen
ein schönes, glückliches,
neues Jahr 2014.


Samstag, 28. Dezember 2013

26. Dezember


Ämne: RE: Annandag jul immer noch
Datum: den 26 december 2003 20:09


Liebe Malou
Den 26. Dezember nennt man hier Stephanstag, so glaube ich wenigstens. Und alle Menschen sitzen zuhause in ihren warmen Stuben herum, lesen am neuen Roman, naschen an den vielen Süssigkeiten, tragen den neuen Pullover und - in heutiger Zeit - testen die allerneuste Elektronik, die nicht funktionieren will.

Ich tue beinahe dasselbe. Wir haben im Büro neue, drahtlose Telefons erhalten. Sie sind wie kleine Computer. Und ich bin froh, etwas Zeit zu haben, damit ich lernen kann, damit umzugehen. Im Moment kann ich bloss Anrufe senden und empfangen, sowie - hurrah - Telefonnummern speichern. Aber das sind bei diesem modernen Ding natürlich nur einige wenige Funktionen. Man kann offenbar auch Telefonate umleiten, Gruppengespräche führen, Schnellwahl. Gespräch beenden (sehr wichtig), Wahl als Wahlwiederholung, weitere Wahlmöglichkeiten, Eintrag im Telefonbuch speichern, Optionen festlegen oder ändern, Wahl aus dem Telefonbuch, Telefonbucheintrag ändern, Telefonbucheintrag löschen, Telefonbucheintrag in Wahlvorbereitung übernehmen, Anklopfen, Rückfragen, Gesprächswechsel, 3er Konferenz, Zurück zum Makeln, Gespräch übergeben usw. usw. Ich glaube, das sind noch nicht mal alle. Ich werde die Telefongesellschaft anrufen und höflich anfragen, welchen Knopf ich zu drücken habe, damit der Kaffee herauskommt. Schliesslich kann ich nicht warten, bis ich das gesamte Büchlein durchgelesen habe. Das geht mir einfach z-u-u-u lange.

Wir haben ganz hübsches Wetter. Es ist schade, dass es in den letzten Tagen vor Weihnachten nicht mehr geschneit, sondern bloss geregnet hat. Heute ist es kalt, und der Schnee würde gut liegen bleiben. Aber ich glaube, wir müssen uns auf Zeiten bereit machen, in denen Kinder nicht mehr wissen, was Schnee ist und wie er aussieht. Das hat übrigens die schwedische Königin Silvia im Interview erzählt. In Südamerika war sie niemals mit dem weissen Material konfrontiert, und ihr Vater habe ihr erzählt, Schnee fühle sich ungefähr an wie der weisse Sand am Meer. Na ja, das ist eine sehr ungenaue Übersetzung. Schnee fühlt sich natürlich nochmals ganz anders an.
***
Jetzt habe ich gerade Dein Mail gelesen. Natürlich habe ich auf alle Rentiere gedrückt, zuerst auf jenen mit der roten Nase. Die ganze Bande hat zum Schluss auf dem Dach Allotria getrieben und vor allem viel Radau gemacht. Zuerst hatte ich gedacht, man sollte ein Tier auswählen, um dann - von der Fortuna unterstützt - irgend einen Wunsch zu hören. Aber sie sind eine tüchtige Band, die vor allem gemeinsam stark sind.

Ich habe auch den Weihnachtsbesuch bei meinen Eltern gemacht. A und B waren gerade dort, und als ich kam, sind sie dann schon langsam wieder weiter gezogen. Ich glaube, sie waren zufrieden, dass ich sie ‚abgelöst habe. Stundenlang bei den Grosseltern herumzusitzen und Tee zu trinken, finden sie nicht zu cool. Es war für sie eher eine Pflichtübung.

Ist das wirklich eine Kohlmeise. Sie scheint wirklich zu allem bereit. Niemand sollte es wagen, ihr diesen Apfel zu klauen. Und daneben sieht man, dass Ihr schönen Schnee hattet. Das macht doch Weihnachten gemütlich. Ich erinnere mich, dass wir früher häufiger Schnee hatten. Na ja, so ist es eben geworden.

Und Du wolltest damals einen Elefanten? Da war ich mit meinem Zugpferd doch wirklich noch ziemlich bescheiden. Aber die Idee ist mir nicht völlig fremd. Ich hatte vor Jahren einen Cartoon gezeichnet: Zwei Nachbarn sind mittags auf der Quartierstrasse gemeinsam auf dem Heimweg. Der eine sagt zu anderen in einer Sprechblase - versteht sich - : ach, ich denke, es wäre alles anders gekommen, wenn wir Kinder gehabt hätten. Und im Garten seines hübschen kleinbürgerlichen Einfamilienhäuschen siehst du eine Herde Elefanten, wie sie sich die Zeit vertreibt: in den Rosenbeeten herumtrampeln, Äste von den Bäumen herunterzerrt, mit dem Rüssel im Fenster des ersten Stockes herumwühlt usw. Ein Elefant in der Nähe wäre wirklich wundervoll. Und man weiss ja, wie anhänglich die Tiere sein können. Allerdings benötigt das eine harte Konditionierung, die man den armen Tieren in Indien beibringt. Ich befürchte, die Elefanten sprechen über uns Menschen nicht so vorteilhaft, wie wir das über sie tun. Wir haben bei ihnen wohl ein Image-Problem, nicht wahr. Aber Deiner hätte es bei Dir bestimmt gut gehabt. Hättest Du ihm ein Halsband angezogen? Und vielleicht im Sack ein paar Nüsschen bereit gehabt. Ach, ich erinnere mich an einen zweiten Cartoon, den ich hier in L lokalisiert habe. Ein orientalisch gekleideter Herr drückt seinem Elefanten, den er an eine Parkuhr fest gekettet hat, ein paar Münzen in den Rüssel mit der Bitte, nachzuwerfen, wenn die Zeit abgelaufen sei. Im Hintergrund sieht man das alte Gebäude der Bank, die gleich hier neben dem Bahnhof steht. Und neben dem Elefanten steht ein kleiner Fiat, der neben dem riesigen Tier umso mikriger ausschaut. Du siehst, auch in meiner Fantasie spielen Elefanten eine gute Rolle. Aber ich glaube, das hängt auch damit zusammen, dass sie nicht allzu schwer zu zeichnen sind. Sie sind Tiere mit einer eindeutigen, körperlichen Erscheinung. Ich meine, man kann sie nicht allzu leicht mit Kamelen, Flusspferden oder Giraffen verwechseln. Es sind in der Tat dankbare Tiere. Ich sollte wirklich auch ein paar Nüsschen in meiner Tasche für sie bereit halten.

Ich wünsche Dir einen schönen Abend
G&K
...

Dienstag, 24. Dezember 2013

...





God Jul


Frohe Weihnachten


Merry Christmas


Joyeux Nöel