fredagen den 17:e augusti 2012

Feste und Festkomitees


Lieber ...!
...

Je mehr du mir schreibst um so mehr wundere ich mich dass es überhaupt Menschen wie du auf der Welt gibt. ....

Leider gehöre ich nicht mehr zu der Generation die viel klassische Bildung besitzt. Meine älteren Kollegen (die jetzt schon in Rente sind) besassen sie noch und wir erfreuten uns immer sehr an ihren Reden bei den grossen Festen die wir öfters zusammen arrangierten.

Noch länger zurück sass ich in einer Festkomitee (so 10 Personen)
die die Aufgabe hatte grössere Feste (für bis zu 100 Personen) zu
arrangieren. Wir trafen uns ab und zu um das nächste Fest zu
besprechen. Erst assen wir gut zusammen (und tranken ;-) und
vergassen dabei schnell warum wir uns eigentlich versammelt hatten.
Erst spät in der Nacht (kurz vor dem Nachhausegehen) erinnerten
wir uns an unsere Aufgabe und so "ajournierten" wir uns bis zum
nächsten "Festkomitee-fest". .


Weder früher noch später haben wir uns so oft und gründlich
amüsiert wie in den Jahren. Und ein richtiges Fest fragst du
vielleicht? Ja, ich glaube mit der Zeit hat auch ein solches
stattgefunden ;-)

Verstehlicherweise sind diese Feste bei der erhöhten Arbeitsbelastung ins Grab gegangen und heutzutage feiern wir eigentlich nur noch grosse Geburtstage. Es hat natürlich auch mit dem Alter zu tun. Damals gab es noch viele Junggesellen unter uns und da ist es ja leichter etwas rauszukommen.
....

Liebe Marlena
Ich kann mir Dein Festkomitee, von dem du sprichst, sehr gut
vorstellen. Es ist wie eine Karikatur. Ein Festkomitee, das nur für
sich selbst Feste organisiert, wie ein Arzt, der sich selber pflegt,
ein Opernsänger, der für sich selber singt, ein Hochspringer, der
über den eigenen Schatten springt. Das ist eigentlich eine geniale
Erfindung. Ich denke, das sollte man an schweizerischen Schulen
auch einführen. Das ist gut für Leib und Seele. Das hilft den Lehrern,
ihre alltäglichen Sorgen zu vergessen. Und dabei ohne Gewissensbisse,
denn diese Feste sind im Grunde harte und anstrengende Arbeit, sie
sind lange und intensive Vorbereitungen auf das eine grosse und
gloriose Fest, sie sind alle ernste Hauptproben für diesen einen
historischen Höhepunkt, der allerdings nie stattfinden wird. Das
ist geradezu kafkaesk. Oder ein Theatergedanke von Friedrich
Dürrenmatt! (Kennst Du diesen Schweizer Schriftsteller ?) Wenn
Ihr noch ein Mitglied für dieses Festkomitee sucht, falls noch ein
Sitz frei ist, ich melde mich sofort! Schicke mir das Anmeldeformular,
ich bitte Dich. Oder muss man dazu Lehrer sein. Das bin ich nun
leider nicht!

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