torsdagen den 20:e juni 2013

Für und gegen Ameisen

(R)



Ämne:  Für und gegen Ameisen
Datum: den 15 juni

Liebe Marlena
Ja, ich glaube, ich weiss doch einigermassen, was Du mit dieser Attacke der Ameisen meinst. Und ich glaube auch, dass Du recht hast. Ich merke das zwar meist nicht bei mir selbst, sondern bei meinen Mitarbeitern.Die Männer haben eine Tendenz, aus jeder kleinen Frage gleich ein Indizienprozess mit grossen Worten zu machen. Dazu kommt mir jenes Bild von Rubens in den Sinn, welches ich vor 20 Jahren einmal kopiert habe. Du hast mir davon mal ein Bild geschickt. Dort sind die Männer mit schimmernden Rüstungen und Helmen bekleidet, während die Frauen und Kinder mehr oder weniger nackt in der Natur herumstehen und agieren. Ich glaube, die Barockmalerei - und nicht nur sie - übt eine raffinierte Faszination durch diesen Kontrast zwischen kaltem Metall und warmem Fleisch. Und das ist es doch, was Du in der Diskussion beobachtest.
Nun ja, wenn ich das sehe, dann bin ich sozusagen in der neutralen und distanzierten Position des Zwitters. Als Mann unterliege ich diesen kulturellen Schemata natürlich jederzeit. Das weiss ich auch. Ich kenne die geheime Lust, eine solche Diskussion vom Zaune zu reissen. Und wenn immer es geschieht, dann erinnere ich mich im Stillen an die Zeit des Gymnasiums und der Universität, wo man diese Art des Kampfes gelernt und eingeübt und immer wieder durchgespielt hat.

Um das hübsche Bild mit den Ameisen aufzunehmen, liebe Marlena, so muss man sich die Sache doch so vorstellen: Die Ameisen, die daherkommen, und vor denen Du fliehen möchtest, um nicht gebissen zu werden, diese Ameisen kommen aus einem dunkeln Versteck. Und wenn Du genau beobachtest, siehst Du, dass sie aus der Rüstung des Mannes krabbeln. Aus allen Ritzen und Öffnungen klettern sie heraus und suchen sich ihren Weg. Und wenn Du Dich dann von Deinem Schock etwas erholt hast, dann wirst Du Dir vorstellen können, wie es sich innerhalb einer solchen Rüstung anfühlen muss. Das ist ein veritables Ameisennest dort drinnen. Das ist der Horror per se. Und trotzdem singt Prefessor Higgins in "My fair lady" "weshalb können Frauen nicht mehr sein wie Männer?".
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Interessant, welche Eigenschaften Anna für die Zukunft empfiehlt. Das eine kann man überigens ungefähr mit "Stresstauglichkeit" übersetzen. Finde ich in der Tat eine wichtige Eigenschaft. Am meisten hat mit "Quellenkritik" verblüfft. Ich halte das zwar eher für eine Fähigkeit denn eine menschliche Eigenschft. Aber es ist richtig und von einem jungen Menschen gedacht, der sich im Internet auskennt. Ich pflege statt dessen die Eigenschaft der Entscheidungsfähigkeit in den Vordergrund. Ich glaube in unserer Welt der zahllosen Möglichkeiten ist es eine wichtige Überlebensstrategie, rasch und instinktsicher zwischen Ja und Nein entscheiden zu können. Und ich würde jetzt - zu meiner Ehrenrettung - die Quellenkritik unter die Entscheidungsfähigkeit nehmen.
(Da siehst Du Marlena, ich brauche das Wort "Ehrenrettung". Ich habe das Wort an sich zwar spielerisch gemeint, so als eine Art zu reden, aber genau genommen kommt es aus jenem gesellschaftlichen Spiel der gerüsteten Männer und der nackten Frauen. Doch jetzt genug der Selbstbezichtigung!!!)
Im Übrigen möchte ich Anna 100% zustimmen. Und gerade die Eigenschaften und Kompetenzen, der Kreativität, der Offenheit, der sozialen Fähigkeiten und der Flexibilität verlangen ein Selbst, das kohärent, aber doch nicht statuesk mit sich selbst identisch ist. Das moderne Subjekt braucht eine lockere Oberflächenstruktur, um sich in dieser verrückten Welt leicht ein- und ausklinken zu können. Die Rüstung ist dafür absolut ungeeignet. Mit einer Rüstung steht man ziemlich steiff und den unüberblickbaren Kräften hilflos ausgeliefert in der lebendigen Landschaft.
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Ach, und was Du über die Jesuiten sagst, und über die Frage des glücklichen Lebens, womit wir wieder bei Epikur wären, das kann ich im Moment einfach nicht beantworten.
Ich wünsche Dir ein gutes Wochenende. Du bist glücklich und geniesst die schöne Zeit, das merkt man durch Deine Zeilen.
Mit G+K...

söndagen den 16:e juni 2013

Re:



Subject:  Du gör mig hel
Date: Wed, 14 Jun  22:00:04 GMT



Liebe Marlena
Herzlichen Dank für das schöne Gedicht. Ihr Schweden seid wirklich leidenschaftlich und gewiss auch temperamentvoll. Man würde das gar nicht glauben. Aber die Vergleiche, die die Autorin braucht, sind sehr kraftvoll. Am besten gefällt mir die letzte Strophe. Sie ist sehr schön und ein bisschen terminal, oder wie könnte ich anders sagen. Sie deutet eine schöne Erfüllung an, eine Perfektionierung, die alles rund und komplett macht. Das finde ich sehr erlösend und harmonisch. Und irgendwie passt es auch zu uns zwei, meinst du nicht auch, Marlena?
Ich habe mir vorgestellt, wie das Gedicht klingen könnte. Ich denke nicht, dass ich irgend etwas verstehen würde, aber ich habe mir vorgestellt, Marlena stehe ganz nahe bei mir und würde mir all die Übersetzungen zärtlich ins Ohr flüstern. Dann wäre es wirklich wunderschön.
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Meine Adresse ist wie immer
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Wenn du etwas Schockierendes draufschreibst, dann schreib es bitte auch gross, damit es alle sehen können. Wenn es so halb versteckt erscheint, dann würden sie es bloss noch fotokopieren und herumreichen. Und das wollen wir doch nicht. Also bitte, richtig umwerfend schockierend, ein Wort wie "ich werde dich totlieben" oder "ich werde dich lebendigbügeln", irgend was, das uns hier alle umwirft. Ich bitte dich ;---))

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lördagen den 15:e juni 2013

Zeit vorbei..



Subject: Zeit vorbei..
Date: Wed, 14 Jun  14:17:46



Lieber Mausgeliebter!

In einer Stunde kommt K aus Moskau zurück. Er hat gerade angerufen. Sie haben einen fantastischen Aufenthalt hinter sich und das Wetter war auch exemplarisch. Ich kann gut verstehen dass ihnen diese Reise viel gegeben hat da sie ja fast alle Geschichte, Staatsbürgerkunde und auch Religion studiert haben. So kann jeder mit seinem Wissen dazu beitragen.

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Ich werde dir doch mailen wie vorher und am Montag Vormittag fahren Anna und ich mit dem Zug nach Göteborg um von dort nach Italien zu fliegen. Die Plätze von Arlanda (Stockholm) waren schon ausverkauft als wir die Reise bestellt haben.
Schreib mit bitte noch einmal deine Adresse in dem nächsten Mail damit ich wieder deine Sekretärin neugierig machen kann. Vielleicht schreibe ich dir was richtig schockierendes auf die Karte. ;-)))

Ich denke an dich, ... wie könnte ich auch anders.
Wünsche dir noch alles Gute und bleib mir treu ;-)
Deine Marlena
in SSS + MMMM

måndagen den 10:e juni 2013

Sommer im Norden





Lieber ...,

Ich habe ein paar Minuten für mich und will sie dir schenken. Wie du siehst habe ich dir noch ein paar Bilder geschickt. Sie sind direkt unter unserem Sommerhaus aufgenommen und genau dort wirst du mich fast jeden Tag sehen können. Auf den Bildern kannst du sehen wie man "sik" fischen kann. Es ist ein ziemlich grosser, etwas trockener Fisch, der aber sehr gut schmeckt und von dem die "Norrlänningar" grosse Mengen essen. (Vielleicht sind sie deshalb so intelligent ;-)


fischen mit dem Kescher
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 Hier noch ein wenig Information  über die Gegend wo ich den Sommer verbringen werde

Der Kalixälv beginnt seinen Stromverlauf westlich von Schwedens höchstem Berg, dem Kebnekaise, der im inneren Teil von Lappland, in der Kiruna Gemeinde, liegt. Hier beginnt die 430 Kilometer lange Reise nach Kalix im nördlichen Archipel des bottnischen Meeres. Der ungezügelte Strom fliesst durch die ganze Provinz Norrbotten. Bis der Fluss so lanngsam aber sicher ins Meer mündet, hat das Wasser an die siebzig Stromschnellen und Wasserfälle passiert. Entlang des Flusstales wird zu einem breiten Aktivitätsangebot für jedes Alter eingeladen, wobei die Sportfischerei sich am häufigsten wiederholt. Der Fluss besitzt einen guten Fischbestand mit Äschen, aber auch Lachsforellen, Maränen (Weissfisch) und Lachs.


 Stromschnelle bei uns



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fredagen den 7:e juni 2013

Sehnsucht..



... in den hohen Norden

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Und dann zuletzt, pflücke ich auf der Wiese den Blumenstrauss, der in einem kleinen Korb neben der Tür verkünden soll dass wir nun zu Hause sind und alle herzlich willkommen heissen. Und man kommt. Von nah und fern. Die meisten jungen Leute sind doch in den Süden ausgewandert. Aber im Sommer kommen sie ”nach Hause” und dann tauchen sie auf, Ks Freunde aus seiner Kindheit u.a. (einige haben auch in Uppsala studiert) und man erzählt sich bei einer Tasse Kaffee was man in dem vergangenen Jahr erlebt hat oder spricht von Erinnerungen aus der Kindheit.

torsdagen den 6:e juni 2013

Im Stadtteil Klara - Stockholm


Klara Friedhof

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Hier das Grab von Anna Maria Lenngren. Das Haus  links war die Grenze zu unserem Schulhof. Dort steht nun ein Hochhaus (links dahinter). Nur ein kleines Tor führte von dem hinteren Ausgang unserer Schule direkt auf den stillen alten Friedhof mit seinen Gräbern von prominenten Personen. Eine Oase..
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Wenn man in Stockholm angelangt den Zentralbahnhof durch den grossen Ausgang verlässt, sieht man sofort die schöne Klarakirche zwischen den neugebauten Hochhäusern. Diese Kirche und der Friedhof um sie herum sind die letzten Reste, die an damals erinnern als ich als neugewordener Teenager dort die Schule begann. Es war eigentlich eine Schule, die mit der Zeit zu Studien an der Handelshochschule führen sollte und in meiner Klasse gab es viele Kinder von prominenten Leuten, die wohl hofften, dass ihre Söhne und Töchter in ihren Fussspuren wandern würden und ihre Firmen und andere Geschäfte mit der Zeit übernehmen sollten. Ich habe später in den Medien gesehen dass es ihnen geglückt ist, die höchste Stufe von materiellem Glück zu erreichen..
Es war eine herrliche Zeit und ich erinnere mich sehr gut an das Leben in und um die Schule herum. Es gab wirklich viel zu tun und zu sehen, wenn man die lange Lunchpause hatte. Dann gingen wir ein Quartier hinauf auf die Drottninggatan und befanden uns mitten im Herz der Hauptstadt.




Das Abreissen des alten Klaraviertels, das um die Kirche herum lag, sieht man heute als einen der grössten Skandale in der Geschichte der Stadt. Da gab es alte malerische Häuser, gemütliche kleine Restaurants und auch das Zeitungsviertel lag neben unserer Schule. Oft gingen wir Sonntags, als ich noch Kind war, dort essen und ich erinnere mich noch an die rotkarierten Tischdecken und an die Originale von Menschen, die man dort sehen konnte.

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Etwas mehr über das "verschwundene Klara-Viertel" hier